Erben der Ewigkeit (eBook)
316 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7526-9514-4 (ISBN)
Derufin Denthor Heller ist ein Pseudonym. Er erblickte am 17. Januar 1978 in der schönen, altertümlichen Stadt Regensburg das Licht der Welt. Ein geschichtsträchtiger Ort, der seine Liebe für die Baukunst der Römer und das Mittelaltertum prägen sollte. Mit dem erfolgreichen Abschluss einer kfm. Ausbildung leitete er seinen späteren beruflichen Werdegang ein. Über den 2. Bildungsweg holte er sein Abitur nach und studierte Wirtschaftswissenschaften. Im Jahr 2005 schloss er das Studium der Betriebswirtschaftslehre mit dem Studienschwerpunkt "Personalwesen und Organisation" als einer der letzten Prüfungsjahrgänge mit dem Diplom ab. Seit Beendigung seines Studiums arbeitet er als Lehrkraft für Wirtschaftsfächer an verschiedenen Schulen im Freistaat Bayern. Seine Kreativität entdeckte er schon in sehr jungen Jahren, doch unter anderem waren es vor allem die Zeit seines Zivildienstes und die lehrende Tätigkeit, die ihn nachhaltig künstlerisch prägte und seinen Charakter formte. Die Idee zu seinem Erstlingswerk reifte über Jahre heran. Nach drei Jahren Bearbeitungszeit legt er nun sein Romandebüt, den Auftakt zum Fantasy-Zyklus "Erben der Ewigkeit" vor und arbeitet an weiteren Fortsetzungen und der Umsetzung zusätzlicher Projekte. Derufin Denthor Heller ist seiner Heimat immer treu geblieben. Er lebt und arbeitet in verschiedenen Regierungsbezirken von Bayern. In seiner Freizeit liest er gerne historische Romane, sammelt und hört diverse Tonträger und erholt sich von den aufregenden Strapazen des Alltags an seinem Schlagzeug.
1. Kapitel
Derufin kniff das linke Auge zu. Der einzelne Regentropfen hatte ihn voll erwischt. Der natürlichen Spannung beraubt, zerplatzte der Tropfen in kleine Rinnsale. Derufin spürte die feuchten Spuren, die sich kalt über seine Wangen zogen.
Der Kohlestift, mit dem er gezeichnet hatte, entglitt seiner Hand. Mit beschmutzten Fingern und schnellen Bewegungen wischte er sich die Nässe aus dem Gesicht, was das Augenlid noch zusätzlich reizte. Eine kleine Einblutung war die Folge, die unaufhörlich juckte und ihn zu unkontrolliertem Blinzeln zwang. Er brauchte eine ganze Weile, bis sich das Auge beruhigt hatte und er seine Umgebung wieder vollends wahrnahm.
Eben noch hatte er Beregrend vor sich behände den Baum hinaufklettern sehen, doch nun war der Elf im dichten Blattwerk des Wäldchens, das sie gemeinsam durchwanderten, verschwunden. Derufin vermutete ihn gut verborgen in einer der vielen Astgabeln. Von seiner erhöhten Position aus hatte er gewiss einen guten Überblick über das Lager, das sie aufgeschlagen hatten. Es war der perfekte Platz für die Nachtruhe eines Elfen.
Er selbst mochte Höhe nicht. Er bevorzugte die Sicherheit des Waldbodens und die Nähe zur Feuerstelle, auch wenn diese schon längst erkaltet war. Die Sonnenstrahlen des Tages hatten Erdboden und Steine so weit erwärmt, dass er auf eine Decke verzichtet hatte. Konzentriert auf die Natur, die er so liebte, spürte er das wärmende Brennen der Sonne auf seinem Gesicht und den freiliegenden, gebräunten Unterarmen. Das Fleckchen Erde, auf dem er saß, fühlte sich weich an. Er hatte den Rücken an die rissige Haut einer hohen Buche gelehnt und streichelte sanft mit den Fingerspitzen über Moosflechten und die grünen, im Licht der untergehenden Sonne schimmernden Spitzen feinster Gräser.
Seine Hand suchte nach dem verlorenen Kohlestift und dem Fetzen Pergament, das zwischen seine Beine gerutscht war.
»Wäh!« Derufin erschauderte. Ekel verzog seine Mundwinkel, als er sich des schleimigen Gefühls an der rechten Hand bewusst wurde. Er brauchte einen zu langen Augenblick, um die Nacktschnecke von seinen Fingern zu lösen. Endlich, nach einigen erfolglosen Fehlversuchen flog das Getier in weitem Bogen davon. »Verkriech dich bloß.« Er hatte nie verstanden, warum jemand auf den unverständlichen Gedanken gekommen war, diese mistigen Viecher als Kosenamen für hübsche Damen zu verwenden. Myraida, die kleine Schnecke, die mit ihnen durch die Lande zog, hatte nicht die entfernteste Ähnlichkeit mit diesen grässlich, unappetitlichen Viechern.
Das Tier war im hohen Gras verschwunden, doch Derufin erwischte sich dabei, wie er aufmerksam danach suchte. Obwohl die Hand von der Schnecke befreit war, spürte er noch immer ein merkwürdiges Kribbeln tiefster Abscheu.
»Ich hasse diesen Mist. Bleib mir bloß vom Hals, du abscheuliches Viech.« Wie so oft trug er solche Dinge mit sich selbst aus. Auch wenn es peinlich war, Selbstgespräche zu führen. Ein Zeichen hoher Intelligenz, wie er einst gehört hatte.
Gemeinsam mit seinen Gefährten reiste er seit Jahren durch die Lande und nahm die Strapazen elendig langer Fußmärsche auf sich. Immer auf der Suche nach einem geeigneten Aufenthaltsort, um die Kunst des Musizierens jedem darzubieten, der sie hören wollte. Die Einheimischen waren jedoch meist zu beschäftigt mit bäuerlicher Arbeit und ihren eigenen Problemen und so lauschten nur wenige Zuhörer den wohlklingenden Lauten von Gesangsstimmen und Instrumenten.
Erschöpft von der Anstrengung des Tages versank Derufin völlig in den Gerüchen und Geräuschen seiner Umgebung. Noch immer suchte er nach dem Kohlestift, denn für gewöhnlich entspannten ihn die ruhigen Bewegungen der Finger beim Zeichnen, doch heute erlöste ihn auch diese kreative Tätigkeit nicht von den pochenden Kopfschmerzen, die ihn, seit Stunden quälten.
Endlich fand er, wonach er suchte.
Er atmete tief ein und nahm den angenehmen Geruch des Waldes in sich auf. Er war warm und wohltuend zugleich. Es roch nach feuchter Erde, nach Blüten und Gräsern. Verschiedenste Baumarten, Ranken und Blumen verströmten das unverkennbare Duftgemisch aus abgefallenem Laub und ausgedörrtem Holz.
Er hörte das Murmeln des fernen Baches, dessen Verlauf sie eine Zeit lang gefolgt waren. Seine Gefährten hatten ein Bad im Wasserlauf genossen, während er sich um die Vorräte gekümmert hatte. Wer wusste schon zu sagen, wann die nächste Quelle ihren Weg kreuzte. Übermütig wie kleine Kinder waren Jeldarik und Myraida im Bach herumgetollt. Jeldarik, der Bettelritter, wie Derufin ihn manchmal spöttisch nannte. Sohn eines Adligen, doch seiner Ländereien beraubt, zählte der verarmte Ritter nur noch das Schwarze unter den Nägeln und die erbeuteten Wertgegenstände gefallener Gegner zu seinen Besitztümern. Schwert und Rüstungsteile hatte er sich als Kriegsknecht in zahllosen Schlachten hart erkämpft. Vermutlich eine der Begebenheiten ihrer ersten Begegnung. Nach einer gescheiterten Karriere als ehemaliger Großstadtdieb hatte er selbst als angeheuerter Söldner, seine Münzen mit Plünderungen und Fleddern der Leichname unzähliger Schlachtfelder verdient.
Derufin bewunderte die Schnelligkeit, mit der die Nacht hereinbrach und richtete den Blick nach oben. Was gab es Schöneres als die Demonstration unendlicher Weite, die der abendliche Himmel zeigte? Nur einzelne Wolkenfetzen waren zu erahnen. Kein Lüftchen regte sich. Es schien fast so, als würde sich der Frühling dieses Jahr einmal von seiner freundlicheren Seite zeigen.
Er dachte kurz an die gestrige Nacht zurück. Stundenlang hatte er sich schlaflos in seinen Decken gewälzt. Klamm hatte die vom leichten Regen feuchte Wollkleidung an seinem Körper geklebt und einen erholsamen Schlaf so gut wie unmöglich gemacht. Erst zur Mittagszeit waren Wams und Hosen soweit getrocknet, dass das Kältegefühl in seinen müden Gliedern verschwunden war.
Die Reise war im trockenen Zustand schon anstrengend genug. Vor allem, da Derufin und seine Gefährten öffentliche Straßen mieden und im Schutz der Wälder wanderten. Nicht nur in letzter Zeit erzählten die Besucher in den Tavernen und Herbergen des Reichs Geschichten von wegelagernden Dunkel-Elfen und anderem Gesindel. Überfälle von abgerissenen Räubern auf der Suche nach Essbarem und allem, was sie zu Geld machen konnten, waren an der Tagesordnung. Da war es besser, abseits bekannter und ausgetretener Pfade zu reisen, auch wenn es bedeutete, dadurch länger unterwegs zu sein, und jeder einzelne Reisetag beschwerlicher zu werden schien als der vorausgegangene.
Das kleine Wäldchen blieb von all dem unberührt. Dichte Vegetation bildete eine Bastion der Natur. Nur wenige Menschen hatten sich bislang hineingewagt, galt es doch als besonders dunkel und tückisch. Stickiges Dickicht und knarrende Bäume waren wie geschaffen für die verrückten Geschichten, die Derufin in den letzten Tagen zu Ohren gekommen waren. Der Landstrich war spärlich besiedelt. Nur an wenigen, kleinen Gehöften waren sie vorbeigekommen, doch bei den Einheimischen kursierten verrückte Legenden über verwunschene Lichtungen und so allerhand verhextes Getier.
Derufin blinzelte in die letzten verbliebenen Sonnenstrahlen der hereinbrechenden Nacht. Er beobachtete den herrlichen Sonnenuntergang und war erstaunt, dass der Mond sich bereits deutlich als helle Scheibe am klaren Himmel zeigte. Er brauchte einen Augenblick, um sich an die veränderten Lichtverhältnisse zu gewöhnen. Im Mondschein zeichneten sich die Konturen der umliegenden Bäume und Sträucher deutlich ab. Es war eine der hellsten Nächte der letzten Tage. Es würde Fremden nur schwer gelingen, sich ihm oder Beregrend, der genau wie er Wache hielt, unbemerkt zu nähern.
Es wurde Zeit, sich der Aufgabe zu widmen, die er sich selbst aufgebürdet hatte. Bei den Göttern, wie er Nachtwachen hasste. Fade und langweilig waren sie, oft nur dazu gut, um in Ruhe seinen eigenen Gedanken nachzuhängen, obwohl er zugeben musste, dass er genau das sehr liebte. Selten, äußerst selten, geschahen unliebsame Ereignisse, welche die Müdigkeit zwar schnell vertreiben und für Abwechslung sorgten, jedoch seine Gefährten und ihn selbst in immense Gefahr bringen konnten.
Wilde Tiere etwa, die angelockt vom Schweißgeruch der Reisenden, im Lager Verwüstung anrichteten. Er erinnerte sich noch genau an die grün gefleckte Natter, die ein heilloses Durcheinander ausgelöst hatte, als sie plötzlich mitten unter ihnen gezüngelt hatte, bereit dazu, ihr tödliches Gift in jedes Gliedmaß zu schlagen, das ihr zu nahe kam. Er selbst war nervös aufgesprungen und hatte, ungelenkig wie er war, die mit Seilen am Rücken ihres Lasttieres befestigte Kiste mit ihren Instrumenten aus ihrer Halterung gelöst, bevor ein gut gezielter Pfeil des Elfen den kurzen Auftritt der Giftschlange beendete. Die Kratzer an seiner Hand, als er versucht hatte, die Kiste vor dem Fall zu schützen, waren genau so in seiner Erinnerung geblieben wie das Jammern Myraidas, die Blut und...
| Erscheint lt. Verlag | 9.11.2020 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Erben der Ewigkeit | Erben der Ewigkeit |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Fantasy / Science Fiction ► Fantasy |
| Schlagworte | Dark Fantasy • Dark Fantasy Bücher Erwachsene • deutsche Fantasy • deutsche phantastik • dunkle Fantasy • Dunkle Fantasy Bücher Erwachsene • Düstere Fantasy Bücher Erwachsene • Fantasy Bücher Erwachsene • Fantasy-Thriller • Gothic novel • Grimdark Fantasy • Grimdark Fantasy Bücher Deutsch • Horror Romane Erwachsene • Rollenspiele • Schauerroman • Spannende Dark Fantasy Bücher Erwachsene |
| ISBN-10 | 3-7526-9514-5 / 3752695145 |
| ISBN-13 | 978-3-7526-9514-4 / 9783752695144 |
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