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Es war an einem halben Tag (eBook)

Biographie im Dialog erzählt

(Autor)

eBook Download: EPUB
2019 | 1. Auflage
704 Seiten
tredition (Verlag)
978-3-7497-4221-9 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Es war an einem halben Tag -  Lele Frank
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Die Lebensreise des kleinen, bessarabischen Bauernbuben Gottlieb R. führt ihn vom schwarzen Meer über Polen 'Heim ins Reich' und geradewegs ins Kittchen. Der größte Verlust seines Lebens, der Tod seiner jungen Frau, wird seine Lebensfreude beenden. Wären da nicht seine geliebten Kinder, wäre er schon lange nicht mehr da.

Die Autorin Lele Frank - sie selbst bezeichnet sich als Schreibwerkerin - wurde 1957 in Bad Kreuznach geboren, war Bauingenieurin und hat über 35 Jahre in dieser Ellbogen-Branche gearbeitet. 2013 gab sie Beruf und Firma aus persönlichen und gesundheitlichen (ausgebrannt) Gründen auf. Nach dem Ende einer dramatischen Beziehung, entdeckte sie die Liebe und Leidenschaft Bücher zu schreiben. Mit ihrem ersten Buch "Tanz der Optimisten" (Teilbiographie als Roman verfasst), welches eigentlich nur einen therapeutischen Zweck erfüllen sollte, hat sie sich ins Leben zurückgeschrieben. Nach 22 Jahren, in denen sie an der Ostsee lebte, zog sie einen Schlussstrich: zu viele Menschen. Im Dezember 2020 zog sie zur anderen Seite, an die raue, stürmische Nordsee. Lele Frank bezeichnet ihre jetzige Tätigkeit als: "Das Leben genießen."

Die Autorin Lele Frank - sie selbst bezeichnet sich als Schreibwerkerin - wurde 1957 in Bad Kreuznach geboren, war Bauingenieurin und hat über 35 Jahre in dieser Ellbogen-Branche gearbeitet. 2013 gab sie Beruf und Firma aus persönlichen und gesundheitlichen (ausgebrannt) Gründen auf. Nach dem Ende einer dramatischen Beziehung, entdeckte sie die Liebe und Leidenschaft Bücher zu schreiben. Mit ihrem ersten Buch "Tanz der Optimisten" (Teilbiographie als Roman verfasst), welches eigentlich nur einen therapeutischen Zweck erfüllen sollte, hat sie sich ins Leben zurückgeschrieben. Nach 22 Jahren, in denen sie an der Ostsee lebte, zog sie einen Schlussstrich: zu viele Menschen. Im Dezember 2020 zog sie zur anderen Seite, an die raue, stürmische Nordsee. Lele Frank bezeichnet ihre jetzige Tätigkeit als: "Das Leben genießen."

Die erste Begegnung

„Soweit hinauf reichen meine Augen nicht mehr“, sagte der alte Mann neben mir auf der Parkbank, die wir uns zum Plaudern ausgesucht hatten. Er blickte mit seinen hellgrauen Augen hinauf zu einem bunten Banner, welches ganz sachte in einer lauen Briese hin- und herschaukelte.

Es war alles so ganz anders gekommen, als vor ein paar Wochen am Telefon geplant. Vermutlich saß unser Schöpfer dort oben auf seinem himmlischen Designersessel und rieb sich seine manikürten Hände, weil er wieder einmal alles an - von Menschen geplanten – Unternehmungen, erfolgreich durcheinandergewirbelt hatte. Aus einem gemütlichen halben Tag, den ich für unsere Begegnung, nach so vielen Jahren Pause eingeplant hatte, war leider nichts geworden. Nur zwei Tage vorher, schickte seine hübsche Tochter mir eine SMS, der ich entnehmen konnte, dass der alte Schurke – so nenne ich ihn bis heute liebevoll – mit Herzproblemen in die Klinik gekommen sei. Es ginge ihm aber gut, schrieb sie, und besuchen könnte ich ihn selbstverständlich auch.

Und so saßen wir nun in dem kleinen Park der zur Klinik gehörte und blinzelten gemeinsam in die früh mittägliche, brüllend heiße Augustsonne.

Die Tränen des ersten Augenblicks waren getrocknet aber nicht gelöscht. Sie würden für immer unauslöschlich bleiben, wusste ich in diesem Moment. Zu viel war geschehen in der Zwischenzeit, zu viel.

Ginge es ihm, diesem alten Mann an meiner Seite, ähnlich wie mir, dann hätte er vermutlich auch ein leicht schmerzhaftes Drücken in der vorderen Halsgegend. So, wie vor einer gefürchteten Klausur auf die man sich schlecht vorbereitet hatte.

Als ich meine Augen schloss, und nur seiner, immer noch festen, Stimme lauschte, erschien es mir unvorstellbar, dass er schon zweiundachtzig Jahre auf dem Buckel haben sollte. Und als ich meine Augen weiterhin verschlossen hielt, musste ich mit den Tränen kämpfen, weil Erinnerungen an alte Zeiten mich zu necken begannen. Öffnete ich meine Augen wieder, blendete mich die Sonne und ich musste erneut gegen Tränen ankämpfen. Oder waren es doch die Erinnerungen die sich zwischen uns hinsetzten und uns, ihn und mich, ganz innen drin berührten? Alte, schöne und nicht sehr schöne Zeiten, die mich mit dem traurigen, alten Mann neben mir, in Eintracht wie Kinder auf der Parkbank sitzend, unausweichlich fest verbanden, blieben mit uns gemeinsam in der Sonne sitzen und genossen die Wärme des frühen Nachmittags dieses halben Tages.

Der alte Mann neben mir auf der Parkbank, dachte ich still, ist heute ein verurteilter Ex-Sträfling, weil er so dumm und leichtsinnig gewesen war nach den Sternen zu greifen. Ein Lohengrin wollte er sein, ein ritterlicher Held. Zugegeben: er ist ein ziemlich liebenswerter Sträfling, der allerdings seine besten Tage längst schon gesehen hatte, und an manchen Tagen, vermutlich sogar sterben will. Primär, ist er aber ein Mensch aus Fleisch und Blut und Herz und Seele. Ein Mensch mit ziemlich klaren Facetten, aus denen er selbst noch nie ein Hehl gemacht hatte. Bis heute nicht. Ein Mensch mit einem Herzen so groß wie ein Bahnhof. Singulär, und mit einer üppigen Portion viralem Charme ausgestattet, versteht er bis heute seine Mitmenschen sowohl zu faszinieren, oder aber in die Flucht zu schlagen. Wen er liebt, den will er für immer und ewig beschützen und behüten. Wen er liebt, für denjenigen würde er alles tun. Selbst dann wenn es ihm selbst schaden könnte, wie er wahrhaft oft genug nachhaltig bewiesen hatte. Hier und da gab es Momente, in denen hätte man ihm gesunden Menschenverstand und Logik absprechen mögen. Immer dann, wenn er die Kontrolle über seine leicht entzündbaren Emotionen verlor, wurde er ziemlich unsachlich und tötete alles und jeden der ihm in die Quere kam mit Worten, aber niemals mit Taten. War diese Aufregung wieder überwunden, schälte sich erneut ein ausgesprochen liebenswerter Kerl ans trübe oder strahlende Tageslicht. Seine laute und polterige Art, dieses aufbrausende krakelige Wesen seiner ungewöhnlichen- oft grell leuchtenden Charakterfarbe, begleitet von seiner schnörkellosen Syntax, war weiß Gott nicht jedermanns sensibler Geschmack. Gehörte man zu Familie der „Rührmichnichtan“, suchte man am besten schnell das Weite. Wer ihn nicht wirklich richtig gut kannte, hätte ihn vermutlich für einen hoffnungslosen und unverbesserlichen Schreihals und Kolleriger gehalten, der sein loses und lautes Mundwerk nicht im Griff hatte. Wer ihn kannte… wirklich kannte, wusste das dieser laute, polterig ruppige Mensch nur hilflos nach Gerechtigkeit und Anerkennung rief, wenn auch auf eine sehr subtile Art und Weise. Dass er in irgendeiner Form zimperlich gewesen wäre, würde man ihm jedenfalls eines Tages nicht auf seinen Grabstein schreiben können.

Wie hilflos musste er sich wohl gefühlt haben, als ihm das Schicksal diese Würde nahm und er versagen musste, weil seine Macht, einen geliebten Menschen vor dem Tod zu beschützen, genau an dieser Stelle zu Ende gewesen war. Tatenlos, musste er dabei zusehen, wie ihm jeglicher Sinn des Lebens durch die Finger geglitten war. Zu glauben, er könne übers Wasser gehen - vermutlich dachte er dabei eher an den Asphaltsee auf Trinidad – bescherte ihm am Ende einen Untergang auf ganzer Linie. Keine Höhen hatte Gottlieb R. je ausgelassen. Nicht eine. Und nun war er dabei die Tiefen des Lebens zu ergründen. Alles, hatte er im Leben gesehen, alles. Alles gewonnen und beinahe alles wieder verloren.

Ich las ihm das Banner vor, das sich erwartungsvoll und fröhlich tanzend über den schmalen Parkweg spannte. Eine einsame, kleine Böh schien offenbar durch den Klinikpark geeilt zu sein und versteckte sich nun wieder am strahlend blauen Augusthimmel. Auf dem kleinen Banner wurde ein Jubiläum angekündigt. Die Klinik feierte ihre Existenz und ihren Zweck, mit einem kleinen Park Fest, genau an dieser Stelle an der wir saßen und die Wärme genossen.

„Fünfzig Jahre sind auch nur ein Wimpernschlag“, sagte Gottlieb R. plötzlich in die laute Stille hinein. Weil ich diese Aussage nicht zu werten wusste, schwieg ich und wartete ab. Gleich, dachte ich, gleich würde er weiterreden und sich für seine Empfindungen oder Erinnerungen hoffentlich öffnen. Man sah ihm an wie er sinnierte und grübelte. Ich, sah es ihm an. Wir kannten uns zu lange, als dass mir irgendetwas entging. Er rieb sich seine adrigen Handrücken, als streichelte er einen, für andere unsichtbaren Schmerz. Er blickte mit seinen grauwässrigen Augen irgendwo ins Nirgendwo des Augenblicks. Ich ließ ihn in Ruhe zu sich kommen, weil Schmerz es verdiente gespürt zu werden.

„Damals“, sagte er von ganz weit her, „damals wusste ich noch nicht was Glück bedeutet. Damals stellte sich die Frage nach Glück nicht, weil es uns allen, trotz schwerer körperlicher Arbeit, gut ging. Es ging uns gut“, setze er nach, um seiner Aussage mehr Gewicht zu verschaffen. Noch wusste ich nicht wovon er sprach, aber das war auch nicht wichtig. Wichtig war nur, dass wir hier saßen und innerlich ein unverhofftes Widersehen feierten, wenngleich die Umstände nicht sehr erfreulich waren. Seine Worte schwebten waagrecht vor meinem Gesicht und ließen mich auf mehr davon hoffen. Die Neugierde hieß mich unbedingt weiter zu schweigen und geduldig abzuwarten was kommen würde. Seine plötzliche Abwesenheit war spürbar bis in letzte Ecke des kleinen Parks vor der Klinik, in der er morgenfrüh operiert werden sollte. Sein Herz brauchte ein dringendes Facelifting, um wieder mit ihm selbst schritthalten zu können, erklärte mir Gottlieb R. während der Begrüßung. „Einen Austauschmotor“, frotzelte er gespielt fröhlich während unserer tränenreichen, nicht enden wollenden Umarmung, in seinem typisch grauschwarz morbiden Humor, „einen Austauschmotor, wolle man ihm, aus knausrigen Kostengründen leider nicht spendieren.“ Als er das sagte, schoss es mir eiskalt durch die Glieder. Damit… mit diesen spaßig gemeinten Worten erinnerte er mich ungewollt daran, dass ich augenblicklich vor einem vermögenslosen- in finanzielle Abhängigkeit geratenen Sozialhilfeempfänger stand, den ich vor einigen Jahren erst, als halbwegs erfolgreichen Unternehmer zum letzten Mal gesehen hatte, bevor das Schicksal und die Launen des Lebens uns auseinanderspülte. Noch bevor er ins Gefängnis musste, liefen seine Geschäfte auskömmlich, wenn auch nicht üppig. Immerhin konnte er damit seine Familie ernähren und seiner geliebten Frau ein Hobby ermöglichen, glaubte ich. Und heute…? Hier in der Sonne, in diesem kleinen Park sitzend? Nicht nur in menschlicher Hinsicht stand er vor dem Nichts, mal abgesehen von seinen Kindern und Enkelkindern, die er über alles liebte. Kinder die, bis auf seine Tochter, selbst schon Familien hatten und Väter waren, gaben ihm jenen lebenswichtigen Halt den er brauchte, um nicht allem ein Ende zu setzen, weil der Sinn seines Lebens immer knapper wurde....

Erscheint lt. Verlag 6.9.2019
Verlagsort Ahrensburg
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Biografien / Erfahrungsberichte
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte Ablehnung • Angst • Ankunft • Demütigung • Flucht • Gefängnis • Hass • Hitler • Kinder • Kittchen • Knast • Krieg • Liebe • Mord • Partisanen • Reue • Tod • Treue • Umsiedlung
ISBN-10 3-7497-4221-9 / 3749742219
ISBN-13 978-3-7497-4221-9 / 9783749742219
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