Ein Husky auf Rhodos (eBook)
144 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7526-3235-4 (ISBN)
Gitta Glöckner hat im Laufe der Zeit vier Berufsausbildungen absolviert. Als kreativer Kopf liebt sie die Abwechslung und sucht ständig nach neuen Herausforderungen. Nach dem Studium der Kristallographie folgte ein Wechsel in das vielseitige Restaurantfach. Mit der Ausübung dieses Berufes finanzierte sie sich ihre Reisen nach England, der Schweiz, Italien und Griechenland. In diese Zeit fällt auch die Ausbildung zur Autorin. Gitta Glöckner probiert sich in unterschiedlichen Genres aus, wobei sich ihre Aufmerksamkeit immer mehr auf die Persönlichkeitsentwicklung des Schreibenden fokusiert.
Kasper schoss wie eine kleine Rakete um die Ecke. Mit seinen drei Beinen war er schneller als manch einer seiner Kollegen, der über alle vier Pfoten verfügte.
Er sprang auf das Deck und lief zum Bug. Hier fand er seine Chefin.
Die Ladyhündin löste ihre Augen von dem prachtvollen Sternenhimmel über sich. Sie atmete genussvoll die warme Nachtluft ein. Sie liebte diese lauen Sommernächte auf ihrer Sonneninsel und war dann für jedes Abenteuer zu haben.
„Was gibt es, Kleiner?“
„Hey, Chefin! Tricki meldet einen Halbtoten am Südhang der neuen Baustelle im alten Hafen.“
Halbtot war ihre Bezeichnung für alle Hunde, denen etwas zugestoßen war, die aber noch lebten und atmeten.
„Kennen wir ihn?“
Träge nur kam die Frage von der im Sternengefunkel schwelgenden Hündin.
„Nein. Er ist ein Fremder, ein Husky soll es sein.“
Schon das erweckte Lady`s Mitgefühl. Sie mochte die starken Vertreter dieser Rasse mit ihren glitzernden Augen. Und immer wieder empörte sie sich über den menschlichen Unverstand, Polarhunde in einem Tropenklima zu halten.
Die Mischlingshündin Tanita war zu den beiden gestoßen.
„Wir sollten uns den Armen wenigstens einmal anschauen. Vielleicht können wir etwas für ihn tun.“
Lady streckte sich, schüttelte die Sterne aus ihrem wundervollen weißen Fell mit kaffeebraunen und vollmilchfarbigen Flecken, stellte ihre caramelfarbigen Ohren auf und gab das Kommando.
„Na dann, los! Wo steckt eigentlich Flower?“
Flower war ein Kurzhaarpudel, schwarz von der Schnauze bis zum Schwanz.
„Die passt an der Fundstelle auf.“
Versteckt hinter den neuen großen Holzstapeln fanden sie die Pudeldame.
„Chefin, er war nicht zu übersehen. Du wirst gleich wissen, warum.“
Nach nur wenigen Pfotenlängen konnte Lady sich selbst davon überzeugen.
„Er ist weiß?“
„Komplett, ja, komplett weiß.“
„Wieso heiß? Hier brennt doch nichts.“
„Schon gut Kasper. Es ging um die Farbe vom Husky da.“
„Na der ist doch völlig weiß, der Arme.“
Die drei anderen grinsten sich an. Kasper hatte einen Hörschaden und so gab es manches Mal Missverständnisse oder lustige Kommentare von ihm.
„Ihr wartet hier.“
Vorsichtig schnüffelnd näherte sich Lady dem im Mondschein leuchtenden Fellberg. Da rührte sich gar nichts.
„Und ihr meint, er lebt noch?“
Tricki bejahte mit dem bestimmten Heben und Senken ihres Kopfes, „Er hat einige Male gestöhnt und wohl auch versucht, etwas zu sagen, aber das haben wir leider nicht verstanden.“
Aufmerksam umrundete Lady den Halbtoten ein weiteres Mal.
Dann schlich sie ganz dicht an ihn heran und stupste ihn in die Seite.
Nichts!
Sie stupste ein zweites Mal, diesmal etwas kräftiger. Ein leises Stöhnen war die Antwort.
„Hey, du! Lebst du noch? Sag was.“
Ein neuerliches Stöhnen erklang.
„Warum liegst du hier? Was ist passiert?“
Langsam, langsam nur versuchte der Husky den Kopf zu heben und da konnten sie alle die Leine sehen, die um seinen Hals geschlungen war.
„Ach, du Armer!“
Die kleine süße Pudeldame Flower weinte fast.
„Wozu brauchst du einen Hammer?“
Kasper zwinkerte aufgeregt und schaute Flower an.
„Ich meinte den Husky. Er ist angebunden.“
„Ach, der Arme!“
Auch Kasper war nun voller Mitgefühl.
„Flower, jetzt heul nicht schon wieder. Such lieber das andere Ende der Leine und mach unseren Freund hier los. Und Kasper, du hilfst ihr.“
Flower schluckte und tat, was die Chefin verlangte.
„Wie lange bist du schon hier?“
Die Antwort des Husky`s war mehr das Krächzen eines Raben als die Stimme eines kräftigen Hundes.
„Genau kann ich es nicht sagen, aber zwei Nächte sind bestimmt bereits vergangen.“
Müde legte der Husky seinen Kopf wieder auf die Vorderpfoten.
„Mädels, der Gute braucht Wasser und was zu futtern. Verteilt euch und sucht drüben bei den Restaurants. Kasper, du bringst unseren kleinen Eimer mit frischem Wasser! Und beeilt euch bitte!“
Es waren kaum zehn Minuten vergangen, da war ein wahres Festmahl für den Gefangenen hergerichtet – Kartoffeln, Reis und Gemüse, Lammknochen und Hühnerreste. Nach ein wenig Wasser und den ersten Bissen lebte der Husky sichtbar auf. Mit jedem Happen wurde er lebendiger und spürbar kräftiger. Das frische Wasser belebte ihn zusätzlich.
Schnell war alles verzehrt, der Wassereimer leer.
„Ich danke euch von ganzem Herzen. Ihr habt mir das Leben gerettet.!“
„Jetzt, wo du wieder bei Kräften bist, verrate uns, hast du vielleicht auch einen Namen?“
„Ich wurde Snowbird getauft.“
Flower kicherte leise.
„Was für ein Name für einen wie dich!“
„Und wer seid ihr?“
„Wir sind die Hafengang.“
„Die was?“
„Die Hafengang. Wir leben hier im Hafen oder auf den Booten im Trockendock.“
Kasper drängelte sich zwischen die miteinander Sprechenden.
„Entschuldigung. Aber ich hätte hier das Ende deines Lassos. Darf ich es dir abnehmen?“
Erfreut hob Snowbird den Kopf . Kasper fasste das Seil vorsichtig mit seinen kleinen spitzen Zähnen und zog an der Schlinge. Der Husky hielt dagegen. Bald war die Schlinge so groß, dass der Hundekopf durch passte. Snowbird schüttelte sich.
„Danke, mein kleiner Freund.“
Stolz richtete sich Kasper auf. Dann zog er das Seil, wie eine Siegestrophäe haltend, hinter sich her zur Wand der Lagerhalle und legte es dort ab.
„Was willst du jetzt tun?“
„Ich weiß es nicht.“
Snowbird senkte traurig den Kopf.
„Mein Besitzer hat mich hier ausgesetzt, weil ich so für ihn nicht für die Züchtung zu gebrauchen bin. Und für was anderes tauge ich auch nicht.“
„Na, du hast ja keine große Meinung von dir selbst.“
Die abfällige Bemerkung von Lady schmerzte den Husky sichtlich.
„Urteilst du immer so vorschnell, kleine Chefin? Schau mir in die Augen. Was siehst du?“
Snowbird drehte seinen Kopf so, dass das Mondlicht sein Gesicht voll anstrahlte. Lady suchte seine Augen... und erschrak. Da, wo die Huskies sonst glitzernde, die von ihr so geliebten und bewunderten grünen oder braunen Linsen hatten, konnte sie nur eine weiße, trübe Fläche entdecken.
Keine Pupillen. Keine Farbe. Keine Iris. Der Husky hörte, wie sie die Luft anhielt.
„Ja. Ich bin blind, von Geburt an.“
„Was hat der Wind mit deiner Geburt zu tun?“
Die Frage von Kasper zauberte allen ein klitzekleines Lächeln in die Augen.
„Er ist blind, du Spaßvogel. Seine Augen können dich nicht sehen.“
„So klein bin ich nun aber auch nicht.“
Tanita versetzte ihm einen leichten Schlag mit ihrer Pfote.
„Eh? Ich hab schon verstanden.“
Lady hatte sich wieder gefasst.
„Weißt du, es ist sicherlich Schade, dass du nicht sehen kannst. Aber es gibt durchaus auch andere Hunde mit einem Gebrechen oder Fehler. Wenn du lernst, damit umzugehen, kommst du schon klar.
Nimm zum Beispiel unseren Kasper hier. Der hat nur drei Beine, aber trotzdem ist er so flink und rennt so manchem vierbeinigen Konkurrenten davon. Und außerdem hört unser Kleiner schlecht.
Manchmal kann das auch sehr lustig sein. Einige Kostproben hat er hier ja schon abgegeben.“
„Hat er seinen Namen denn dann von euch?“
„Ja. Aber hauptsächlich, weil er nur Unsinn im Kopf hat. Wir haben ihn als Welpen hier im Hafen gefunden. Er ist sozusagen unser Ziehkind.
Aber nun denke ich, wird es Zeit, von hier zu verschwinden. Wir zeigen dir unser Zuhause und da kannst du bleiben, bis du weißt, was du mit deinem neuen Leben zu tun gedenkst.“
Tricki, Tanita und Flower und Kasper liefen vorweg. Lady hielt sich dicht neben dem Husky und führte ihn.
„Kleine Chefin, wie siehst du aus?“
Lady schielte vorsichtig zu dem um zwei Köpfe Größeren hinauf.
Niemand sonst durfte sie klein nennen, aber er sagte es irgendwie anders.
„Ich bin genauso weiß wie du. Ich habe nur ein paar braune Flecken und braune Ohren. Auch meine Augen sind braun. Ich bin ein Jack Russel.“
Ihre Pfoten berührten sich ab und zu beim Laufen. Lady spürte eine knisternde unbekannte Atmosphäre zwischen sich und diesem neuen Hund in ihrem Leben. Ihr Puls beschleunigte sich grundlos und ihr Herz klopfte etwas schneller als sonst.
Was sollte das? Verwirrt schüttelte sie sich.
„Was ist?“
„Oh, nichts. Nur eine Fliege wahrscheinlich. Übrigens sind wir gleich da. Nur noch hier die Rampe hinunter. Dann müssen wir jetzt auf dem Mauersims entlang laufen. Bleib einfach...
| Erscheint lt. Verlag | 9.9.2020 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur |
| ISBN-10 | 3-7526-3235-6 / 3752632356 |
| ISBN-13 | 978-3-7526-3235-4 / 9783752632354 |
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