Kriminaltango (eBook)
128 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7526-9335-5 (ISBN)
Der 1958 in Schöntal an der Jagst geborene Komponist, Gitarren-Virtuose, Musiker, Texter und Musikproduzent, zählt mit ca. 1.300 Kompositionen, über 500 Texten, 125 Tonträgerveröffentlichungen in einer Auflage von über 2,5 Millionen Exemplaren, Millionen von Radio-Airplays mit weltweiten Charts-Positionen und internationalen Musikpreisen zu den erfolgreichsten und außergewöhnlichsten Künstlern unserer Zeit.Außergewöhnlich auch deshalb, weil er diese Bilanz als Erster Kriminalhauptkommissar nach über vierzigjähriger Dienstzeit in 2018 mit in seinen, wie er sagt, Un-Ruhestand, nahm.
8.0 DAS BERUFSLEBEN
Während ich immer noch zähneknirschend nach einer „USA-Ausreise-Alternative“ schaute, aber leider keine in Sicht war, kam mein Papa 1978 auf die „geniale“ Idee, dass ich mich bei der Kriminalpolizei bewerben könnte.
Super, genau mein Humor, dachte ich mir. Der neue „Guitarking“ bei der Kripo? Was soll das denn?
Im Laufe des Jahres wurde mir dann doch zunehmend klar, dass sich mein Vater wirklich ernsthafte Gedanken über meine Zukunft machte. Dem schloss ich mich also auch an und ließ mir von ihm das Thema „Kripo“ etwas näher erklären. Man konnte sich das ja einmal unverbindlich anhören. Seine Ausführungen klangen gar nicht so uninteressant. Ich sollte eine Aufnahmeprüfung machen, die mich, wenn ich sie bestehe, sofort als sogenannten „Kriminalanwärter“ direkt zur Kriminalpolizei im gehobenen Dienst beim Landeskriminalamt Baden-Württemberg in Stuttgart, Bad Cannstatt, befördern sollte.
Das Land stellte damals erst- und einmalig nur 60 Kriminalanwärter im Rahmen der RAF-Bekämpfung ein, die den Standardweg über die Bereitschaftspolizei und den uniformierten Streifendienst quasi überspringen konnten.
Und - ein Einstiegsgehalt von über 1.000 D-Mark war für Papas mittellosen Liebling auch keine schlechte Option.
Seinen markigen Spruch von damals höre ich noch wie heute: „Jetzt machst du deine „Millionenhits“ einfach nebenher und kannst dann immer noch entscheiden, da wieder auszusteigen“.
Na ja, dachte ich so für mich, ich probiere es einfach mal. Manchmal musst du ins Wasser springen. Jede Entscheidung zu Tode abwägen war und ist nicht mein Ding. Also sprang ich - und gewann!
Ich konnte schwimmen, sprich, ich bestand die Aufnahmeprüfung, die zudem den Intelligenztest aus der Schulzeit mit einem IQ von 133 bestätigte.
Die Aufregung stieg ins Unermessliche, und am 17. Juli 1978 war es soweit: mein „Amtsantritt“ beim LKA. Im ganzen Haus superwichtig daher blickende Leute, und ich mit zwei „Leidensgenossen“, dem netten, lockenhaarigen Ulrich Witzlinger und dem superschlanken Alexander Pick, der sogar noch größer war als ich mit meinen 1,92 Metern. Hier waren wir also, wartend auf Stühlen sitzend, bis uns ein Ausbildungsleiter empfing.
Im Unterrichtsraum waren bereits 27 Neulinge, die schon 2 Wochen vorher anfingen. Im Herbst sollten dann nochmal 30 kommen.
Mit Uli und Alex freundete ich mich schnell an, und daraus wurden Freundschaften, die bis heute währen. Beide gaben mir Halt und ich ihnen Inputs für Sichtweisen über den Tellerrand hinaus, auch in dieser neuen ungewohnten Welt.
Wir drei waren und sind Quer-, Mit-, und Vorausdenker, jeder auf seine individuelle Art, und das macht für mich bis heute den Reiz dieser menschlichen Beziehungen aus.
Während Uli 1982 wieder aus der Polizei ausstieg, Jura studierte und Richter beim Amtsgericht Waiblingen wurde, machte sich Alex auf den Weg zum Professor und Leiter der Hochschule für Polizei in Villingen-Schwenningen und ging 2020 als Polizeipräsident in den Ruhestand.
Er brachte seine Einstellung zu mir ein paar Jahre vor meinem Pensionseintritt wie folgt auf den Punkt: „Für mich war es immer ein Rätsel, wie er zur Polizei gehen konnte und gar ein Wunder, dass er geblieben ist“.
Im September 1978 besuchten wir den von uns benannten „Baby-Lehrgang“, eine sechswöchige Schnellbleiche an der Polizeischule in Freiburg. In Staatsbürgerkunde hätte es mich fast gebeutelt. Da musste ich etwas über den Nahostkonflikt schreiben, obwohl ich als politisch vollkommen desinteressierter Träumer von anderen Planeten absolut keinen Schimmer hatte und somit gekonnt Nonsens schrieb. Der Lehrer war jedoch gnädig und gab mir, weil er sich so über meinen Schrott amüsierte, eine 4.
Zeitgleich wartete meine Freundin Gisela, die ich schon Jahre zuvor in Künzelsau kennengelernt hatte, und die mit mir nach Stuttgart zog, mehr oder weniger sehnsüchtig auf meine Rückkehr. Sechs Wochen waren in diesem Alter eine verdammt lange Zeit...
Bei den ersten Schießübungen schoss mir eine Anwärterkollegin knapp am Bein vorbei. Aber auch das überlebte ich, wie auch die Folgelehrgänge, ohne Schussverletzungen.
Die Jahre 1982 bis 1984 waren wieder ein wichtiger Wegweiser für mein folgendes „Doppelleben“. Zum einen gründete ich mit Andy Schupp aus unserer Schulband Black Lady die Stuttgarter Rockband „Rockingham Palace“, und zum anderen musste ich mich an der Fachhochschule für Polizei in Villingen-Schwenningen bewähren.
Das Studium wurde 1983 mit Praxiserfahrungen in Stuttgart abgerundet. So konnte ich vom Streifendienst über das Raubdezernat bis hin zur K-Wache wichtige Erfahrungen sammeln.
Fernsehreif war mein Einsatz bei der K-Wache. In der Nachtschicht wurde ein Mofa-Dieb im Wohngebiet Botnang gemeldet. Wir rückten also sofort aus und fanden ihn an einer abschüssigen Straße. Als er uns entdeckte, fuhr er sofort los. Übereifrig wie ich war, stieg ich aus und verfolgte ihn zu Fuß so schnell es ging.
Nun, es ging bergab und ich war dann doch zu schnell, denn als ich mit ihm fast auf Augenhöhe war, bin ich dermaßen heftig gestürzt, dass ich mich mehrfach überschlagen und von Kopf bis Fuß doch ordentlich verletzt hatte. Selbst meine Waffe bekam am Griff deutliche Abriebspuren.
Witzig: Als der Mofa-Dieb meinen Sturz sah, war er selbst so erschrocken, dass er ins Schleudern geriet und auch stürzte.
So konnten ihn die Kollegen entspannt in Empfang nehmen.
Na also, geht doch! Gewusst wie! Für unkonventionelle Maßnahmen war ich schon immer bekannt (grins).
Dies war wieder einmal ein gutes Beispiel für meine Lebenserfahrung, dass sich aus einem mutmaßlich negativen Ereignis sehr oft ein positives Ergebnis entwickeln kann.
1984 erlebte ich den letzten Teil des Studiums in Villingen-Schwenningen.
Wer hier den Hochschulabschluss bestand, der durfte sich fortan „Dipl. Verwaltungswirt Polizei (FH)“ nennen- ein cool klingender akademischer Grad, oder?
Einfach war das nicht, denn mit „Rockingham Palace“ ging es auch rasch voran. Mit Joachim Gückel am Schlagzeug und dem extrem guten Keyboarder Detlef Runkel hatten wir recht rasch erneut Profistudioaufnahmen im Tonstudio Zuckerfabrik, interessante Auftritte als Vorgruppe von „Anyone‘s Daughter“, in der Kultlocation „Altstadt“ in Heilbronn, den ersten BILD-Zeitungsartikel und das erste Radiointerview beim Süddeutschen Rundfunk (heute SWR), letzteres jedoch nicht wegen unserer tollen Musik sondern weil unser Proberaum unter Wasser stand. Wir durften da mit einem Versicherungsfuzzi über Musikanlagenversicherungen plaudern (gähn!), aber immerhin spielten sie unsere Songs!
Natürlich ließ ich es mir nicht nehmen, auch in der Polizeihochschule ein Konzert mit „Rockingham Palace“ zu geben.
Zudem gründete ich mit musikalisch entspannt begabten Studienkollegen die Band „Tannhäuser“.
Unsere Parties waren legendär! Titel wie „Verdammt lang her“, „Sternenhimmel“, „Black Night“ oder „Sweet Home Alabama“ machten uns auch außerhalb der Polizeihochschulmauern bekannt.
Nicht nur das, auch meine halbstündigen Gitarrensoli blieben beim nahegelegenen Schwesternwohnheim nicht unbemerkt.
So wartete Gisela nicht mehr wirklich auf mich. Sie verliebte sich in meinen Schlagzeuger Joe. Ich verliebte mich im Gegenzug in die Freundin von Andy, Tina.
Ach ja, wir waren jung, usw.
Zwei Bands, Mädchen und das Polizeistudium waren jedenfalls gute Übungen für meine Multitaskingfähigkeit.
Als Hochschulbester in Psychologie erhielt ich sogar ein Empfehlungsschreiben des unterrichtenden Professors, dass ein Psychologiestudium für mich ideal wäre.
Da hätte es aber monatlich keine Taler gegeben sondern ich hätte einen Studentenjob annehmen müssen.
Außerdem hatte ich 1984 das Polizeistudium gut bestanden und durfte mich fortan „Kriminalkommissar“ nennen.
Ende 1984 trug ich wieder endlos viele Gedanken in mir. Wie ging es nun weiter?
Ja, ich war superstolz, nun ein „echter“ Kommissar zu sein, und mein Vater erst! Mit geschwellter Brust lief ich durch die Gegend und freute mich auf die neue Aufgabe im Dezernat „Kunst und Antiquitäten“, das es nur im LKA gab.
Zum Dezernatsleiter Wolfgang Reichert (ein sehr sympathischer und hochkorrekter Mensch) entwickelte sich eine Freundschaft, die am ehesten mit einer harmonischen Vater-Sohn-Beziehung zu vergleichen war. Ihn faszinierte, dass ein junger Mensch wie ich trotz aller Dynamik in der Lage war, die Geduld für Auswertungen mit Karteikarten zu haben.
Extrem intensiv an einem Thema dranbleiben, das fiel mir schon immer leicht.
Einmal war ich abgeordnet im Rahmen eines Ermittlungsverfahrens, in dem endlos viele Polaroidfotos von entwendeten Teppichen in eine Fotomappe zu erfassen waren.
Da ich schon immer das Talent hatte, auch deutlich zu machen, was mir nicht passt oder sinnlos erscheint, kam ich auch hier mit der...
| Erscheint lt. Verlag | 8.9.2020 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Biografien / Erfahrungsberichte |
| ISBN-10 | 3-7526-9335-5 / 3752693355 |
| ISBN-13 | 978-3-7526-9335-5 / 9783752693355 |
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