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Organersatzteillager -  Martin Wandaller

Organersatzteillager (eBook)

eBook Download: EPUB
2020 | 1. Auflage
338 Seiten
TWENTYSIX (Verlag)
978-3-7407-7722-7 (ISBN)
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9,99 inkl. MwSt
(CHF 9,75)
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Obwohl er von Arthritis geplagt ist, macht sich Vincent Baumgartner mit seiner Tochter und einem Polizisten, mit dem sie sich befreunden, auf die Suche nach dem Mörder Matildas, der Ehefrau von Vincent. Noch wissen sie nicht, dass der Organräuber einen dunklen Plan verfolgt und der Raub des Herzens von Vincents geliebter Gattin nicht das letzte Organ sein wird, das er aus einem Menschen herausschneidet. Denn Babi wird kommen und es gilt, ihn zu befriedigen.

Der Autor Martin Wandaller wurde 1981 in Villach geboren, wo er nach wie vor lebt und schreibt. Eine Veröffentlichung weiterer Werke wird seinerseits angestrebt.

Kapitel 1


V incent Baumgartner war alt und von Arthritis geplagt und vor allem seine Hände erfüllten nicht mehr ihren eigentlichen Zweck. Einst war er ein berühmter Chirurg gewesen, der darauf spezialisiert gewesen war, Organe zu verpflanzen, und der auf diese Weise vielen Menschen einige zusätzliche Lebensjahre geschenkt hatte. Heute war er nicht mehr dazu in der Lage, was umso ärgerlicher war, denn nun hatte seine Frau Matilda eine Organtransplantation nötig gehabt.

Ihr Herz war krank gewesen, und sie hatte viele Jahre darauf gewartet, ein passendes Spenderorgan zu finden, was nicht leicht gewesen war, da sie eine seltene Blutgruppe ihr Eigen nannte. Noch vor zehn Jahren hätte Vincent sie operiert, aber nun hatte diesen Eingriff einer seiner jungen ehemaligen Kollegen durchgeführt. Ach, wie er es hasste, alt zu sein.

Er war 75, und Matilda war zehn Jahre jünger als er. Die beiden hatten auch noch eine Tochter, die Leni hieß und nun bereits 35 Jahre alt und ihrer beider Augenstern war. Sie hatten ein inniges Verhältnis zu ihr, und Vincent und Matilda waren froh, dass sie sie hatten.

Jeden Tag schaute sie bei ihnen vorbei und sah nach dem Rechten. Man konnte meinen, ihr Verhältnis war zu innig, und Leni sollte sich lieber darauf konzentrieren, einen Mann zu finden und eigene Kinder zu zeugen, aber das war nicht das, was sie wollte. Sie war eine starke Frau und konnte gut für sich selber sorgen, und Kinder wollte sie nicht, da diese sie viel zu sehr in ihrer Freiheit eingeschränkt hätten.

Auch Leni besaß dieselbe Blutgruppe wie ihre Mutter, und hätte diese eine defekte Niere besessen, wäre sie schon vor Jahren operiert worden, denn dann hätte ihr Leni, ohne zu zögern, eine ihrer Nieren abgegeben. Aber was nutzte es zu mutmaßen, was wäre, wenn der Sachverhalt nun mal ein anderer war.

Heute würde Vincent mit Leni ins Krankenhaus fahren und Matilda abholen. Sie hatte das Schlimmste überstanden und durfte nun in ihre gewohnte Umgebung zurück, auch wenn sie immer noch schwach war, was hieß, dass Leni eine Zeitlang den Haushalt schmeißen würde. Was war es doch für ein Zufall, dass Matilda genau an ihrem Geburtstag nach Hause zurückkehren würde, und es war ein noch größerer Zufall, dass auch Vincent heute um ein Jahr älter geworden war. Ja, die beiden hatten tatsächlich am gleichen Tag Geburtstag.

Vincent schaute auf seine Armbanduhr und wurde allmählich ungeduldig, da Leni noch immer nicht hier war. Sie arbeitete als Krankenschwester im selben Krankenhaus, in dem auch ihre Mutter lag, und es wäre ein Leichtes für sie gewesen, ihre Mutter nach ihrem Dienst mitzunehmen und in ihr Elternhaus zu bringen. Vincent hatte jedoch darauf bestanden, dabei zu sein, wenn Matilda aus dem Krankenhaus austrat, denn er war immer dabei gewesen, wenn seine Frau einen wichtigen Termin hatte, und dies war genau ein solcher. Ihr neues Leben mit dem neuen Herz begann an ihrem Geburtstag, und sie hatte hoffentlich noch viele gesunde Jahre vor sich.

Wieder schaute Vincent auf die Uhr. Seltsam, dass Leni genau am heutigen Tag derart lang brauchte, um ihn zu holen. Gelangweilt sah er sich um. Er saß im Wohnzimmer, einem großen sonnendurchfluteten Raum in einem noch größeren Haus, wie es nur Menschen besaßen, die gut verdienten oder verdient hatten, und genau das hatte Vincent getan, und auch seine Pension war nicht gerade schmal. Nun schaute er aus dem Fenster in den Garten, während er auf Leni wartete.

Der Garten war ebenfalls großzügig bemessen und wirkte, da es Winter war, tot und leblos. Normalerweise trugen die vielen Rosensträucher, die darin wuchsen, in den warmen Jahreszeiten prächtige Blumen, die liebevoll von Matilda gepflegt wurden, da Rosen ihre Lieblingspflanzen waren. Vor der Operation hatte sie zu Vincent in einem ruhigen Moment gesagt, dass er, sollte sie die Operation nicht überleben, wissen würde, wann immer die Rosen blühten, dass sie an einem besseren Ort war, von dem aus sie auf ihn herabblicken würde.

Davon hatte Vincent jedoch nichts hören wollen, denn er konnte sich ein Leben ohne seine geliebte Matilda nicht vorstellen, und er hoffte inständig, dass er vor ihr das Zeitliche segnen würde. Ein Welt ohne sie würde nicht dieselbe sein und für ihn alles andere als lebenswert. Endlich hörte er, wie ein Auto in die Einfahrt des Hauses bog. Aufgeregt sprang er vom Stuhl, so schnell sein alter Körper es zuließ, und lief durch den Flur an der Küche vorbei zur Eingangstür, die er sofort ungeduldig öffnete.

Gott sei Dank, es war Leni, die aus ihrem Wagen stieg und zu ihm sagte:

„Tut mir leid, dass ich so lange gebraucht habe, aber im Krankenhaus war heute die Hölle los. Außerdem war ich nach meinem Dienst noch kurz bei Mama und habe ihr geholfen, ihre Habseligkeiten zusammenzupacken. Sie ist schon ganz aufgeregt, dass sie heim darf, und hat nicht verstanden, warum sie nicht gleich mit mir nach Hause fahren durfte. Ich habe ihr gesagt, dass du darauf bestanden hast, sie persönlich aus dem Höllenloch zu begleiten, was sie widerwillig hingenommen hat. Wahrscheinlich weiß sie, dass einem alten Sturschädel wie dir nachgegeben werden muss, da du sonst die nächsten drei Tage Verstopfung hast vor lauter unterdrückter Wut, weil du nicht deinen Willen durchgesetzt hast!“

Vincent, der das lose Mundwerk seiner Tochter schätzte, musste grinsen und antwortete ihr:

„Weißt du, wie schlimm es ist, wenn man nicht kacken kann? Da fallen einem fast die Augen aus dem Kopf. Aber nun lass uns fahren. Allerdings muss ich dich bitten, zuerst noch einen Abstecher zu einem Blumenladen zu machen, denn ich muss noch einen Strauß Rosen kaufen. 65, für jedes Lebensjahr eine. So ist es Tradition, und du weißt, wie sehr deine Mutter Rosen liebt!“

Dann stieg er in den alten blauen Subaru seiner Tochter und schnallte sich an.

Während der Fahrt schwiegen die beiden die meiste Zeit, und auch der Kauf der Rosen verlief wortlos. Als Vincent mit dem Blumenstrauß am Schoss dasaß, ergriff er jedoch erneut das Wort. Er sagte zu seiner Tochter:

„Danke übrigens nochmals, dass du dich während der Operation zur Verfügung gehalten hast, um im Notfall Blut für deine Mutter zu spenden. Du weißt, wie selten eure Blutgruppe ist...!“

Leni nickte, als wolle sie sagen, dass dies selbstverständlich gewesen sei, und genau das war es auch. Auch sie würde alles tun, um ihrer Mutter zu helfen, denn sie verdankte ihr viel, und das wusste sie auch.

Ein paar Minuten später passierten sie den Schranken, der den Krankenhaus-Parkplatz versperrte, und stellten kurz darauf den Wagen ab. Dann gingen sie zum Eingang des Krankenhauses, das Vincent so viele Jahre jeden Tag aufs Neue betreten hatte. Damals, als er noch als Chirurg verehrt worden war. Es war immer wieder seltsam für ihn, an diesen Schauplatz zurückzukehren, und er sog die altbekannten Gerüche nach Putz und Desinfektionsmittel ein, als wäre es die frische Luft auf einem Berggipfel.

Aufgeregt ging er mit den Rosen hinter seiner Tochter her und wartete kurz darauf ungeduldig darauf, dass der Lift kam. Im richtigen Stockwerk angekommen, liefen sie über den Gang der Sonderklasse-Station, bis sie vor der Tür standen, hinter der Matilda auf sie wartete. Vincent drückte mit der freien Hand die Türklinke nach unten und öffnete die Tür. Und dann stand er vor ihr. Matilda sah die Blumen und Vincent und begann sofort zu weinen, denn erst vor kurzem hatte sie sich mit den Gedanken tragen müssen, was wäre, wenn sie nach der Narkose nicht mehr aufwachte und ihre Familie nie wiedersehen würde.

Sofort schossen auch Vincent die Tränen in die Augen, und er umarmte seine Frau liebevoll und sagte:

„Alles Gute zum Geburtstag, mein Schatz. Schön dich wohlauf zusehen. Naja, etwas blass bist du ja schon noch!“

Matilda antwortete schluchzend:

„Das liegt am Essen hier. Es wird Zeit, wieder etwas Anständiges in den Magen zu bekommen, das auch ausreichend gesalzen und gewürzt ist!“

Dann lachte sie das melodische Lachen, das Vincent so sehr liebte, und nahm die Blumen entgegen. Sie roch daran und sagte dann zu ihrer Tochter:

„Na, hat sich der alte Querulant wieder über deinen Fahrstil beschwert?“

Ebenfalls lachend erklärte Leni:

„Nein! Zum Glück hat er die Rosen in Händen gehalten, denn der Strauß ist so groß, dass er nicht darüber hinweg sehen hat können! Das war mein Glück!“

Vincent spielte mit und tat so, als wäre er äußerst unglücklich darüber gewesen, dass er nichts sehen hatte können. Dann verließen sie das Zimmer und gingen zum Schwesternzimmer, wo sie noch die Papiere bekamen, die zum Prozedere gehörten, wenn man das Krankenhaus verließ. Später, als sie im Subaru saßen, fiel Vincent auf, wie verträumt Matilda aus dem Fenster schaute. Er war sich sicher, dass sie froh darüber war, zusätzliche Lebensjahre geschenkt bekommen zu haben, und er ließ sie in ihren Gedanken schwelgen.

Als sie beim Haus angekommen waren, stiegen sie aus...

Erscheint lt. Verlag 8.9.2020
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Romane / Erzählungen
ISBN-10 3-7407-7722-2 / 3740777222
ISBN-13 978-3-7407-7722-7 / 9783740777227
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