einschlafgeschichten
Zsolnay, Paul (Verlag)
978-3-552-05225-3 (ISBN)
- Titel erscheint in neuer Auflage
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Friedrich Achleitner, geboren 1930 in Schalchen, Oberösterreich, Mitglied der Wiener Gruppe. Bis 1998 Professor für Architekturgeschichte an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien. Bücher: u.a. "hosn rosn baa" (gemeinsam mit H.C. Artmann und Gerhard Rühm, 1959), "Architekturführer Österreich" (1980ff.)
einschlafgeschichten
1 karl sparschwein – der name war ein pseudonym, das auf einen sparkassenbeamten im mittleren management gut passte –, karl sparschwein also war der meinung, dass er sich ein originelles pseudonym ausgesucht habe.
2 karl sparefroh war schweizer, etwas einfachen gemüts und nicht besonders gut mit humor ausgestattet. von einem pseudonym hat man ihm abgeraten, was er, ohne die miene zu verziehen, befolgte.
3 karl sparschwein hat, wie man weiß, ein zusammengesetztes pseudonym verwendet. das spar bezog sich auf seinen beruf und das schwein auf ihn selbst.
4 franz freudenschuss war schweizer vom scheitel bis zur sohle, womit aber nicht bewiesen ist, dass er auch wirklich eine sohle hatte.
5 georg ungestüm war so lahmarschig, dass ihm sogar das von der gemeinde aufgezwungene pseudonym nichts nutzte.
6 milchreis ist kein name, erklärte unlängst der berühmte namensforscher hans-walther reisfleisch. milchreis nicht.
7 karl schweizer war siebenbürger. er trug diesen namen, weil die sachsen jene leute, die die kühe molken, schweizer nannten. in der schweiz war er nie. er durfte auch als kind beim blinde-kuh-spiel nie mitmachen.
es ist vier uhr früh. ich liege im romantikhotel stern in chur. ich habe jetzt sieben mal das licht aufgedreht und hoffe inbrünstig, dass mir keine blöde geschichte mehr einfällt. kaum hatte ich das licht wieder ausgedreht, kam ein anruf der schweizer landesverteidigung, sie hätten meine lichtsignale aus dem zimmer 306 (mit der bezeichnung: alt landammann dr. christian jost nationalrat und bankpräsident der gkb) empfangen, aber keinen passenden code. mich überkam ein berauschendes machtgefühl, und ich schlief sofort ein.
als vor meinem fenster ein böller krachte und ich nachschaute, was los war, sah ich, dass auf der straße niemand, jedoch vollmond war.
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knalkoff
hans knalkoff ist ein etymologischer sonderfall, nicht er, sondern sein familienname. knal kommt nicht von knall, sondern von knol oder kniga, koff nicht von kopf, sondern von mala oder svet. kniga kommt aus dem altslawischen und hat etwas mit unzuverlässig zu tun, mit einem menschen, der lesen oder gar schreiben kann. ob es tatsächlich einen knigakoff gibt, konnte in den zahlreichen osteuropainstituten nicht erfragt werden, es spielt auch für diese geschichte keine rolle, weil sie keine chance hat, zu einem ordentlichen ende geschrieben zu werden. es ist sonntag mittag, die milde herbstsonne scheint durch die kleinen fensterscheiben, und es ist so überhaupt kein etymologisches wetter. die bulgaren, die auskunft geben könnten, sind auf der donauinsel, man müsste sie unter oder weit weg von den vielen türken suchen. an einem sonntag, an dem die milde herbstsonne durch die kleinen fensterscheiben scheint, schreibt man eben keine geschichte, eine etymologische schon gar nicht. nachmittags könnte es allerdings passieren, dass man die malakofftorte mit einer verfeinerten wahrnehmung genießt, womit bewiesen ist, dass lesen nicht nur bildet, sondern auch abenteuer im koff verschafft.
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ofenrohr ost – ofenrohr west
im westen, etwa im satten innviertel, vegetierte unter den bauern ein matter, frauenfeindlicher witz: wenn du nicht weißt, was du deiner frau zu weihnachten schenken sollst, dann kaufe ihr einfach ein ofenrohr, umgetauscht wird sowieso.
im osten, etwa in der armen mark brandenburg, gab es die einrichtung der bückläden, in denen bückware zu haben war. bückware, das waren jene offiziell nicht vorhandenen güter, die die verkäuferin unter der budel versteckt hatte und sich eben bücken musste, wenn sie sie dezent hervorholte. eine klassische bückware war ein ofenrohr, besonders das knie. und die höchste form von luxus: ein weiß lackiertes ofenrohr. es ist nicht bekannt, ob jemals ein innviertler seinen witz zu ddr-zeiten in brandenburg erzählt hat.
| Sprache | deutsch |
|---|---|
| Maße | 146 x 218 mm |
| Gewicht | 280 g |
| Einbandart | kartoniert |
| Themenwelt | Literatur ► Anthologien |
| ISBN-10 | 3-552-05225-9 / 3552052259 |
| ISBN-13 | 978-3-552-05225-3 / 9783552052253 |
| Zustand | Neuware |
| Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR) | |
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