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Vor der Flagge des Vaterlands: Historischer Abenteuerroman -  Jules Verne

Vor der Flagge des Vaterlands: Historischer Abenteuerroman (eBook)

(Autor)

eBook Download: EPUB
2017 | 1. Auflage
188 Seiten
Musaicum Books (Verlag)
978-80-272-3928-3 (ISBN)
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In 'Vor der Flagge des Vaterlands: Historischer Abenteuerroman' entführt uns Jules Verne in eine fiktive Welt voller Abenteuer und historischer Ereignisse. Mit seinem typisch packenden Stil verwebt Verne geschickt Fiktion und Realität, während er die Leser auf eine Reise durch die Geschichte mitnimmt. Der Roman ist geprägt von detaillierten Beschreibungen und lebendigen Charakteren, die die Leser in die faszinierende Welt von Verne eintauchen lassen. Verne, bekannt für seine innovativen Science-Fiction-Werke, zeigt hier sein Talent für historische Romane und begeistert mit jeder Seite. 'Vor der Flagge des Vaterlands' ist ein Meisterwerk des Abenteuergenres und ein Muss für alle Fans von Jules Verne.

Zweites Capitel.


Der Graf d'Artigas.


Wer war eigentlich dieser Graf d'Artigas?... Ein Spanier?... Sein Name schien darauf hinzudeuten. Am Achter seiner Goelette stand in goldnen Buchstaben der Name »Ebba«, und dieser ist rein norwegischen Ursprungs. Hätte man ihn gefragt, wie der Kapitän der »Ebba« heiße, so würde er geantwortet haben: »Spade«, und »Effrondat« der Obersteuermann, und »Helim« der Koch, lauter sehr abweichende Namen, die auf verschiedne Nationalität der Inhaber schließen ließen.

Es erschien auch schwierig, aus dem Typus, den der Graf d'Artigas selbst vertrat, einen sichern Schluß zu ziehen. Wies auch die Farbe seiner Haut, das tiefschwarze Haar, die Grazie seiner Haltung auf spanische Abstammung hin, so zeigte seine Gesammterscheinung doch nicht den Rassencharakter, der den Eingebornen der iberischen Halbinsel eigen ist.

Er war ein Mann von übermittler Größe, kräftigem Bau und höchstens fünfundvierzig Jahre alt. Mit seinem ruhigen, fast hoheitsvollen Auftreten ähnelte er jenen Großen der Hindus, deren Blut mit solchem vom malaiischen Archipel gemischt ist. War diese Persönlichkeit auch nicht von kalter Natur, so bemühte sie sich doch, so zu erscheinen, zeigte gebieterische Bewegungen und bediente sich einer kurzen Ausdrucksweise. Was die Sprache des Mannes und seiner Leute anging, so bestand sie in einem jener eigenthümlichen Idiome, die auf den Inseln des Indischen Oceans und der benachbarten Meere herrschen. Brachten ihn seine Seereisen aber an die Küste der Alten oder der Neuen Welt, so drückte er sich mit auffallender Leichtigkeit englisch aus, wobei sich nur ein ganz schwacher Anklang an seine fremde Abstammung hörbar machte.

Kein Mensch hätte sagen können, welches die Vergangenheit des Grafen d'Artigas war, auf welche Schlangenwege ihn sein höchst geheimnißvolles Leben geführt hatte, was er jetzt eigentlich war, woher sein jedenfalls beträchtliches Vermögen, das ihm als vornehmer Herr zu leben erlaubte, wohl stamme, wo er seinen dauernden Wohnsitz oder wenigstens seine Goelette ihren Heimathafen habe, und kein Mensch hätte auch gewagt, ihn danach zu fragen, da er sich wenig mittheilsam erwies. Er schien nicht der Mann zu sein, der sich durch ein Interview, selbst mit amerikanischen Reportern, ausforschen ließ.

Was man von ihm wußte, beschränkte sich auf die Nachrichten der Zeitungen, wenn diese das Eintreffen der »Ebba« in dem oder jenem Hafen, vorzüglich in einem der Ostküste der Vereinigten Staaten meldeten. Dahin kam die Goelette nämlich fast zu bestimmten Zeitpunkten, um sich mit allen Bedürfnissen für eine längere Seefahrt zu versorgen. Hier erwarb sie nicht allein Mundvorrath, Mehl, Zwieback, Conserven, getrocknetes und frisches Fleisch, lebende Rinder und Schafe, sondern auch Kleidungsstücke, Werkzeuge, Luxus- und Bedarfsgegenstände aller Art gegen hohe Preise, die in Dollars, Guineen oder andern Münzsorten verschiednen Herkommens bezahlt wurden.

Hieraus ergiebt sich, daß, wenn man vom Privatleben des Grafen d'Artigas auch gar nichts wußte, er doch in den verschiednen Häfen Amerikas, von denen der Halbinsel Florida an bis zu denen Neu-Englands hin, recht wohl bekannt war. Es erscheint daher gar nicht wunderbar, daß der Director des Healthsul-House sich durch das Gesuch des Grafen d'Artigas sehr geehrt fühlte und diesen ehrerbietigst empfing.

Uebrigens war es das erste Mal, daß die Goelette »Ebba« im Hafen von New-Berne ankerte. Nach der Mündung der Neuze konnte sie offenbar nur eine Laune ihres Eigenthümers geführt haben. Was hätte Graf d'Artigas sonst hier vorgehabt?... Sich zu verproviantieren?... Nein, denn im Grunde des Pamplicosundes hätte er die Hilfsmittel, die ihm andre Häfen, wie Boston, New-York, Dover, Savannah, Wilmington in Nord- und Charleston in Südcarolina boten, gewiß nicht vorgefunden. Seine Piaster und Banknoten hätte er im Becken der Neuze, auf dem unbedeutenden Markte von New-Berne, auch kaum gegen Waaren umtauschen können.

Dieser Hauptort der Grafschaft Craven zählt kaum fünf- bis sechstausend Einwohner. Der Handel desselben beschränkt sich auf die Ausfuhr von Getreide, Schweinen, Möbeln und einiger Schiffsmunition. Außerdem hatte die Goelette vor wenigen Wochen, bei einem zehntägigen Aufenthalt in Charleston, volle Ladung für eine Reise eingenommen, deren Ziel wie immer niemand kannte.

Es fragt sich nun, ob die räthselhafte Persönlichkeit nur mit der Absicht gekommen war, das Healthsul-House einmal zu besuchen.

Das erschien ja nicht überraschend, da diese Anstalt sich eines verbreiteten und wohlverdienten Russ erfreute.

Vielleicht bestimmte den Grafen d'Artigas dabei auch die Laune, einmal mit Thomas Roch zusammenzutreffen. Das allgemeine Bekanntwerden des französischen Erfinders hätte eine solche Neugier ja gerechtfertigt... ein überspanntes Genie, dessen Erfindungen die Methoden der modernen Kriegführung umzustürzen versprachen.

Am Nachmittage stellte sich, seinem Gesuche entsprechend, der Graf d'Artigas in Begleitung des Kapitän Spade, des Befehlshabers der »Ebba«, am Thore des Healthsul-House ein.

Gemäß den ertheilten Anordnungen wurden Beide sofort eingelassen und nach dem Privatzimmer des Directors geführt.

Dieser empfing den Grafen d'Artigas in zuvorkommendster Weise und stellte sich ihm zur Verfügung, da er keinem Andern die Ehre gönnen wollte, sein Cicerone zu sein. Graf d'Artigas nahm das verbindliche Angebot mit höflichem Danke an. Der Director prahlte nicht wenig mit seiner den Kranken gewidmeten Pflege, einer Pflege, die, wenn man ihm glauben durfte, der weit überlegen war, die jene in ihrem eignen Heim genossen hätten, einer wahren »Luxusbehandlung«, wiederholte er öfters, deren Erfolge dem Healthsul-House seinen verdienten Ruhm erworben hatten.

Der Graf d'Artigas hörte ihm zu, ohne sich aus seinem gewohnten Phlegma bringen zu lassen, und schien sich von dieser unversieglichen Ruhmrednerei interessieren zu lassen, um desto besser das Verlangen zu verhüllen, das ihn nach diesem Hause geführt hatte. Nach fast einstündigem Zuhören und Umherwandeln nahm er jedoch selbst das Wort.

»Haben Sie, Herr Director, nicht auch einen Kranken hier, von dem man in der letzten Zeit allgemein viel gesprochen und der sogar in nicht geringem Maße dazu beigetragen hat, dem Healthsul-House die öffentliche Aufmerksamkeit zuzuwenden?

– Ah, Sie sprechen wohl von Thomas Roch, Herr Graf? fragte der Director.

– Ganz recht... von jenem Franzosen... jenem Erfinder, dessen Vernunft etwas angegriffen zu sein scheint.

– Sogar sehr, Herr Graf, und vielleicht ist das ein wahres Glück. Meiner Ansicht nach hat die Menschheit nichts zu gewinnen durch Erfindungen, deren Verwendung nur die ohnehin schon so zahlreichen Zerstörungsmittel noch vermehrt...

– Sehr klug und weise, Herr Director! Ich theile hierin übrigens völlig Ihre Meinung. Der wahre Fortschritt liegt nicht auf dieser Seite, und ich betrachte die als verderbliche Geister, die auf solchem Wege wandeln. Hat jener Erfinder denn seine geistigen Fähigkeiten noch nicht gänzlich verloren?

– Gänzlich?... O nein, Herr Graf, außer was so die gewöhnlichen Sachen des Lebens betrifft. In dieser Beziehung fehlt es ihm an jedem Verständniß und an jeder Verantwortlichkeit für sein Thun und Treiben. Sein Erfindergenie ist dagegen ganz unberührt geblieben, es hat die geistige Entartung überlebt, und wenn jemand auf seine, allerdings ganz unverständigen Forderungen eingegangen wäre, zweifle ich gar nicht daran, daß er eine neue Kriegsmaschine – für die ja nicht das geringste Bedürfniß vorliegt – zu Stande gebracht hätte.

– Gewiß, kein Bedürfniß, Herr Director, wiederholte der Graf d'Artigas, dem der Kapitän Spade beizustimmen schien.

– Sie werden darüber übrigens selbst urtheilen können, Herr Graf. Hier stehen wir vor dem von Thomas Roch bewohnten Pavillon. Ist seine Einschließung auch vom Gesichtspunkte der öffentlichen Wohlfahrt ganz gerechtfertigt, so wird er doch mit aller ihm gebührenden Rücksicht und aller Sorgfalt behandelt, die sein Zustand erfordert. Daneben ist er geschützt vor indiscreten Personen, die etwa darauf ausgingen...«

Der Director schloß seinen Satz mit einem sehr bezeichnenden Kopfschütteln, das auf den Lippen des Fremden ein kaum bemerkbares Lächeln hervorrief.

Wird denn Thomas Roch, fragte der Graf d'Artigas, auch niemals allein gelassen?...

– Niemals, Herr Graf. Er hat zur steten Beaufsichtigung einen besondern Wärter, auf den wir uns unbedingt verlassen können. Im Fall ihm dann auf die eine oder die andre Weise eine Andeutung entfallen sollte, wird diese augenblicklich bemerkt, und es würde sich dann zeigen, welcher Gebrauch davon zu machen wäre.«

Bei diesen Worten streifte der Graf d'Artigas mit einem flüchtigen Blicke den Kapitän Spade, der durch eine leichte Bewegung sagen zu wollen schien: »Ja, ja, ich verstehe.«

Wer den genannten Kapitän während dieses Besuchs beobachtet hätte, würde in der That bemerkt haben, daß er den Theil des Parks, der den Pavillon Nr. 17 umschloß, und die Eingänge, die hierher den Zutritt ermöglichten, mit größter Aufmerksamkeit musterte... wahrscheinlich angesichts eines schon vorher entworfnen Planes.

Der Garten dieses Pavillons reichte bis an die Umfassungsmauer des Healthsul-House. Nach außen zu zog sich die Mauer fast am Fuße des...

Erscheint lt. Verlag 14.12.2017
Verlagsort Prague
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Essays / Feuilleton
Literatur Historische Romane
Schlagworte Abenteuerroman • Artemis • Bermudas • Blutsbruder • Die Sagen der Alaburg • Die Sterngefallene • Entführung • Graf d'Artigas • Harry Potter • herman hesse • historisch • Innovation • Jules Verne • Nervensanatorium • Nimmerherz • origin • Thomas Mann • Thomas Roch • U-Boot • Vergeltung
ISBN-10 80-272-3928-1 / 8027239281
ISBN-13 978-80-272-3928-3 / 9788027239283
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