Träume in New Harbor (eBook)
340 Seiten
MORE by Aufbau Digital (Verlag)
978-3-96797-002-9 (ISBN)
Ein Regenbogen im Winter.
Hannah hat ihr Leben im Griff und ist durch nichts aus der Ruhe zu bringen - weder durch ihren stressigen Job als Nachtschwester, noch durch ihre chaotischen Mitbewohner Morg und Boobie oder ihre schwierige Familie. Aber dann wird Hannah schwanger und auf einmal steht ihr Leben Kopf. Kurzerhand kündigt Hannah ihren Job und ihr WG-Zimmer und kehrt zurück an den Ort ihrer Kindheit: New Harbor. Doch der Neuanfang ist schwieriger als gedacht. Die Pflege des alten und griesgrämigen Charlies, der mit seiner toten Frau redet und sich in keinster Weise helfen lassen will, wird für Hannah zur Herausforderung. Und was soll sie mit dem Vater ihres ungeborenen Kindes machen? Und warum überhaupt konnte nicht alles so bleiben, wie es war ...
Der Titel erschien erstmals 2016 unter 'Ein Regenbogen im Winter'.
Ava Jordan wuchs in Westfalen auf. Nach einigen Jahren im Rheinland kehrte sie in die Heimat zurück und bewohnt dort nun mit ihrem Mann und unzähligen Büchern ein kleines Häuschen. Sie schreibt und übersetzt schon sehr lange und kann sich ein Leben ohne das Schreiben einfach nicht vorstellen.
2. Kapitel
Er hatte ja an diesem Abend mit vielem gerechnet. Damit, dass es irgendwie komisch oder peinlich wurde, wenn er Hannah nach knapp drei Monaten wiedersah. Oder dass sie merkwürdig reagierte und ihm die kalte Schulter zeigte, weil er sich nach der gemeinsamen Nacht nicht mehr bei ihr gemeldet hatte. In Gedanken hatte er sich sogar schon einige Sätze zurechtgelegt, die er ihr sagen wollte:
Tut mir leid, dass ich damals verschwunden bin. Ich war verwirrt. Völlig durch den Wind. Du … bist so schön und perfekt, und als ich morgens neben dir aufgewacht bin, wollte ich diesen Moment für alle Ewigkeit konservieren. Ich wollte, dass wir bis ans Ende unseres Lebens jeden Morgen nebeneinander aufwachen. Aber das geht nicht, weil …
Weiter war er nicht gekommen. So sehr er sich auch anstrengte, aber er konnte ihr nicht alles erzählen. Und weil er an diesem Punkt nicht weiterkam, hatte er es schließlich aufgegeben, sich auf diesen Abend vorzubereiten.
Sein Besuch in Boston war kein spontaner Entschluss gewesen, wie Morg es Hannah gegenüber vermutlich verkauft hatte.
Für seinen kleinen Bruder musste es so aussehen, als wäre Paul eher zufällig in der Stadt. Ausgerechnet an Thanksgiving. Ausgerechnet an einem dieser Familienfesttage, an denen Morg immer so traurig wurde, weil er die Familie vermisste, die sie nie gewesen waren. Als Paul anrief und beiläufig meinte, er sei in der Stadt, konnte Morg natürlich nicht zulassen, dass Paul an so einem Abend allein blieb.
Er rief vom Flughafen an und flunkerte etwas von einem dringenden Geschäftstermin vor, der ihn in die Stadt gespült hatte. Einen Rückflug hatte er wegen des Feiertags erst für den nächsten Morgen bekommen.
»Komm vorbei«, hatte Morg ohne Zögern gesagt. Er klang irgendwie müde, fast ein wenig teilnahmslos. Vermutlich hatte er sich wieder zugedröhnt.
Aber das war nicht Pauls Problem. Wenn Morg sich die Zukunft verbauen wollte, indem er in den Tag hineinlebte und sein Geld in Drogen investierte, musste er das tun. Nicht jeder war so zielstrebig wie Paul und besaß mit 32 Jahren ein Multimillionen-Unternehmen.
Morg schien jedenfalls mit Hannah die richtige Mitbewohnerin für diesen Lebenswandel gefunden zu haben. Ihr Zögern sagte doch schon alles! So hatte er sie eigentlich nicht eingeschätzt. Er war nicht nur wegen Morg über Thanksgiving in die Stadt gekommen. Diese quirlige junge Frau war ihm in den vergangenen Wochen und Monaten nicht aus dem Kopf gegangen. Dabei hatte er es wirklich versucht. Er hatte sich mit Arbeit abgelenkt, aber sobald er mal ein paar Stunden Leerlauf hatte, wünschte er sich, wieder bei ihr zu sein. In ihrem Bett zu liegen und zu beobachten, wie sie schlief. Wie ruhig ihr Atem ging. Er mochte so vieles an ihr. Wie unaufgeregt sie am nächsten Morgen war. Ein bisschen so, als käme es häufiger vor, dass sie neben einem fremden Mann aufwachte.
Er war so dumm! Hatte er sich wirklich in den vergangenen Wochen eingeredet, dass sie vielleicht mehr für ihn sein könnte als ein One-Night-Stand?
Der Tequila am Abend, die Knutscherei auf der Couch und danach die gemeinsame Nacht … Das fühlte sich jetzt, mit dem Wissen um ihre Schwangerschaft, an, als wäre es für sie nichts Besonderes gewesen.
Und wenn er doch der Vater war? Wenn sie gar nicht so viele Männer in ihr Bett ließ oder seine Spermien eben die schnellsten waren neben Gott weiß wie vielen anderen?
Paul beschleunigte seine Schritte. Dieses baufällige, zugige Haus in der miesen Gegend im Norden von Boston war wohl kaum der richtige Ort, um ein Kind großzuziehen. Hannah hatte damit offenbar keine Probleme. Auch für Morg und seinen Kumpel Boobie war es völlig in Ordnung, so wie er die beiden kannte. Niemand störte sich daran – außer er selbst.
Aber da es sich offenbar nicht um sein Kind handelte – denn das konnte es doch unmöglich sein, oder? –, ging ihn das auch nichts an.
Er erreichte die Hauptstraße des Viertels und entdeckte in einiger Entfernung ein Spirituosengeschäft. Das steuerte er an. Zum Glück hatte der Laden noch offen, und es herrschte auch reger Betrieb. Der Thanksgiving-Abend, kurz nach dem Essen. Da gab es genug Leute, die ihren Frust über die traute Familie runterspülen mussten.
Paul kaufte nach kurzem Überlegen eine Flasche Tequila (warum auch nicht? Der war schon einmal sein Untergang gewesen) und zwei Flaschen Wein und stapfte durch den Schnee wieder zurück. Der erste Wintereinbruch war in diesem Jahr früh gekommen. Doch der Schnee war matschig und würde vermutlich nicht lange liegen bleiben.
Als er das Haus wieder betrat, herrschte eine geradezu gespenstische Stille. Paul ging ins Esszimmer, doch dort saß nur die steinalte Nachbarin Minnie mit Hannahs Onkel Finn und erzählte ihm flüsternd irgendwas über ihre zahllosen Liebschaften von vor sechzig Jahren. Finn wirkte etwas gequält.
Paul stellte die Papiertüte mit Tequila und Wein auf den Tisch und ließ sich auf einen Stuhl fallen.
»Wo sind die anderen?«, fragte er, als Minnie gerade eine Pause machte.
»Keine Ahnung. Dein Bruder wollte mit seiner Freundin noch weg. Boobie und die andere sind wohl mitgegangen.« Er nickte zu der Papiertüte. »Teilst du die oder …«
»Oh, klar.« Paul stand auf und holte aus der antiken Anrichte zwei Gläser. Minnies Kinn war auf die Brust gesunken, und in der Stille des großen Raums hörte man ein leises Schnorcheln. Offensichtlich hielt sie im Sitzen ein kleines Schläfchen.
Irgendwo im Haus hörte er gedämpfte Stimmen. Dann ein helles Lachen. Hannah.
»Geht’s ihr gut?«, fragte Paul.
»Besser als einigen anderen jedenfalls.«
Paul schenkte einen Fingerbreit Tequila in die beiden Gläser. Finn kippte seinen, ohne mit der Wimper zu zucken.
»Das habe ich jetzt gebraucht. Danke.«
»Ich auch.« Paul prostete ihm zu und schenkte nach.
Sie tranken einen zweiten und schwiegen. Schließlich ergriff Paul das Wort. »Eins würde mich interessieren«, sagte er. »Du und Trevor – wie kam es dazu? Ich meine … Du bist der Bruder von Hannahs Mom, oder?«
Finn grinste. »Der kleine Bruder, um genau zu sein. Und nebenbei das schwarze Schaf der Familie mit meinem lockeren Lebenswandel. Obwohl ich glaube, unsere Hannah holt gerade mächtig auf. Ihr Vater hat sie ins Gebet genommen. Ich glaube, er will jetzt doch ganz gerne wissen, wer der Vater ist.«
Das hätte Paul auch interessiert, doch das behielt er lieber für sich.
»Das mit Trevor und mir fing vor fünf Jahren an«, begann Finn. »Als er wiederaufgetaucht ist.«
»Er war verschwunden?«
Finn nickte. »Ziemlich lange sogar. Hat irgendwann Frau und Kind sitzen lassen und ist von heute auf morgen verschwunden. In seiner Familie ist er übrigens das schwarze Schaf, aber das kümmert ihn nicht. Was ich an ihm bewundere. Jedenfalls lernte ich ihn kennen, als er eines Tages vor der Tür stand. Mann, das war ein Schock für alle. Vor allem für Hannah.«
»Dann hast du ihn nicht kennengelernt, als er mit Hannahs Mutter zusammen war?«
Finn schüttelte den Kopf. Über den Tisch griff er nach der Platte mit dem Truthahn und nahm sich noch ein Stück. »Ich war vor 25 Jahren im Ausland stationiert. Irak«, fügte er hinzu. »Und als ich wiederkam, war schon alles gelaufen. Hannahs Eltern hatten sich kennengelernt, geheiratet, Hannah kam zur Welt – und zwei Wochen später war er weg.«
»Mhm«, machte Paul. Das erklärte vielleicht, dass Hannah glaubte, sie bräuchte für ihr Kind keinen Vater. »Und dann bist du mit Trevor …«
»Du meine Güte, nein!« Finn lachte dröhnend. Minnie schreckte auf, murmelte etwas und sank wieder in sich zusammen. »Wir sind doch nicht schwul. Wir wohnen nur im selben Haus. Eine richtige Junggesellenbude. Lebst du allein?«
Paul überging die Frage.
»Warum wohnt ihr dann zusammen?«
Finn zuckte mit den Schultern. »Ergab sich. Ich wohnte damals vorübergehend bei meiner Schwester, und er kam aus Kalifornien und brauchte auch eine Bude. War erst als Übergangslösung gedacht, hat sich dann aber eingespielt.«
Bei Hannahs Familie war also einiges nicht normal. Das passte Paul nicht. Er konnte nicht so genau sagen, was ihn daran störte, aber wenn das Kind von ihm war, wollte er, dass es in einer intakten Familie aufwuchs.
Und dann dachte er an seine eigene Situation und musste schlucken.
Intakte Familie. Als könntest du ihr das bieten.
Aber vielleicht wollte sie das gar nicht.
»So langsam mache ich mir Sorgen um die beiden. Wollen wir nach ihnen schauen?«
Ehe Paul wusste, wie ihm geschah, stand Finn auf, schnappte sich die Tequila-Flasche und ging aus dem Esszimmer.
Paul zögerte. Er konnte die alte Dame kaum allein lassen, oder? Und warum hatte Morg sich ausgerechnet heute verkrümelt, wenn man ihn mal brauchte?
Die alte Dame schnarchte leise vor sich hin, und weil Paul sich nicht verpflichtet fühlte, auf sie aufzupassen, folgte er Finn in den Flur. Der Weg zu Hannahs Zimmer war ihm vertraut, auch wenn er bisher nur einmal dort gewesen war.
Finn stand mit der Flasche in der Hand in der offenen Tür. Paul schob sich an ihm vorbei ins Zimmer. Die Nachttischlampe brannte und verbreitete ein warmes Licht. Auf dem Bett hockte Hannah im Schneidersitz, während ihr Vater vor ihr auf einem umgedrehten Stuhl saß und eindringlich auf sie einredete. Als Hannah die Bewegung an der...
| Erscheint lt. Verlag | 15.5.2020 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Neue Liebe in New Harbor Beach |
| Neue Liebe in New Harbor Beach | |
| Neue Liebe in New Harbor Beach | Neue Liebe in New Harbor Beach |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Romane / Erzählungen |
| Schlagworte | aleinerziehend • Alte Liebe • Baby • Cape Cod • Elizabeth Phillips • Ella Thompson • Erste Liebe • Ferien • Jen Gilroy • Liebe • Lighthouse Saga • Marie Force • Neuanfang • New Harbor • New Harbor Beach • Strand • Susan Mallery • Tracy Brogan • ungeplant schwanger • USA |
| ISBN-10 | 3-96797-002-7 / 3967970027 |
| ISBN-13 | 978-3-96797-002-9 / 9783967970029 |
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