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REICHSHANDBUCH DER DEUTSCHEN GESELLSCHAFT  Persönlichkeiten in Wort und Bild - Robert Volz

REICHSHANDBUCH DER DEUTSCHEN GESELLSCHAFT Persönlichkeiten in Wort und Bild

Robert Volz (Autor)

Software / Digital Media
2150 Seiten
2012
Finckenstein & Salmuth (Hersteller)
978-3-934882-30-0 (ISBN)
CHF 409,95 inkl. MwSt
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Dieses in seiner Zeit vom Umfang und Aktualität einzigartige biographische Nachschlagewerk umfaßt mehr als achttausendfünfhundert großenteils bebilderte Biographien der Träger von Kultur, Geist, Wissenschaft, Politik und Wirtschaft im Deutschland der Vor- und Zwischenkriegszeit. Ein besonderes Kapitel ist den in Berlin akkreditierten Diplomaten gewidmet. Dieses wohl umfangreichste Personenlexikon aus der Zeit der Weimarer Republik erscheint nun als digitales Medium mit Volltext-Suchfunktion und vermehrt um ein aktuelles Vorwort.

Wiedergabe der 1930/31 von Robert Volz herausgegebenen Originalausgabe. Das Vorwort des Soziologen und Nationalökonomen Ferdinand Tönnies (1855-1936) "Über die Gesellschaft" knüpft an sein Grundlagenwerk "Gemeinschaft und Gesellschaft" an, mit dem er die soziologische Feldforschung in Deutschland etablierte. 1933 verlor Tönnies Lehrbefugnis, Bezüge und Pensionsansprüche und wurde aus seinem Amt als Präsident der Deutschen Gesellschaft für Soziologie entfernt.

Im Vorwort des Verlages heißt es 1930: "Das Reichshandbuch der Deutschen Gesellschaft hat es sich zur Aufgabe gestellt, in anschaulicher und überzeugender Weise den Nachweis zu führen, welche geistigen Kräfte in Deutschland am Werke sind, und wird so einen geschlossenen Gesamteindruck der Berufs- und Gesellschaftskreise liefern, die das lebende Deutschland darstellt."

ÜBER DIE GESELLSCHAFT von Dr. phil., Dr. jur. h. c, Dr. rer, pol. h. c. FERDINAND TÖNNIES, Geheimer Regierungsrat, o. Professor an der Universität Kiel, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Soziologie. Bücher dienen zu unserer Erbauung, zu geistiger Förderung und Ergötzung oder zur Vermehrung und Verbesserung unserer Kenntnisse, unseres Wissens. Die Wörter „Kennen" und „Wissen" gehören in deutscher Sprache zu denen, die ihrer Form nach eine gegenwärtige Tätigkeit bezeichnen, dem Sinne nach aber ein Haben, also ein Perfektum: erkannt haben, erfahren haben, gelernt haben, auch kennengelernt haben, oft auch nur vernommen haben, zum mindesten muß man darüber gelesen haben, wenn auch oft nur ein vermeintliches Wissen und Kennen daraus sich ergeben mag. Innerhalb der allgemeinen Bedeutung des Kennens und Wissens erhebt sich zu einer besonderen Bedeutung das Kennen der Mitmenschen, das Wissen von ihnen, von ihren Tätigkeiten, ihren Leistungen, ihrer Herkunft, ihrer Entwicklung. Die Kenntnis, die einer in diesem Sinne besitzt, ist von sehr verschiedener Ausdehnung, je nach der Sphäre, in die ihn das Schicksal hineinstellt, je nach seiner Berufstätigkeit, seinem Alter, seinen Erlebnissen, aber auch je nach seinem Gedächtnis, denn die Verneinung des Kennens und Wissens ist das Vergessenhaben. Das Kennen und Wissen ist seiner Kraft nach sehr verschieden: die große Menge davon ist oberflächlich und leicht, weniges gründlich, stark und tief, und dazwischen gibt es viele Grade. So auch in bezug auf Menschen: der Zufall, die Gelegenheit scheint für viele Kenntnisse entscheiden: oberflächlich sind und bleiben mit seltenen Ausnahmen Reisebekanntschaften, wie auch Bekanntschaften, die bei großen Zusammenkünften, Kongressen, Versammlungen, bei Gesellschaften, im Salon gemacht werden, zumal im Auslande, wenn einer des anderen Sprache nicht versteht oder nicht spricht. Zuweilen führt das Gefallen an einem Mitmenschen zu näherer Bekanntschaft, zumal wenn dieses Gefallen ein leidenschaftliches wird und als Verliebtheit oder sogar Liebe zu Annäherungen — besonders zwischen Mann und Weib — und deren Folgen führt. Was die Stärke der Bekanntschaft vermehrt und sie zur Freundschaft — zwischen Männlein und Fräulein zur Ehe — wachsen lassen, freilich auch zu Entfremdung und Feindschaft hinüberwechseln kann, ist eben die Nähe, die Nachbarschaft, zunächst die örtliche, aber auch die der sozialen Schicht, also des Standes oder der Klasse, folglich der Berufstätigkeit, der Lebensinteressen, des religiösen oder anderen Glaubens, der Partei. Hier wirkt Gewohnheit — als Gewöhnung der Menschen aneinander — zu näherer intimer Bekanntschaft, also auch Freundschaft. Innigkeit eines so auf gegenseitiger Bekanntschaft erwachsenen sozialen Verhältnisses vollendet sich durch das Gedächtnis der gegenseitig erwiesenen Leistungen, als Dankbarkeit — das festeste Band einer vertraut gewordenen Freundschaft, also auch der glücklich werdenden Ehe. Alle solche Gemeinschaft, die aus Bekanntschaft erwächst und am sichersten im Schöße der Familie beruht, wo die Bekanntschaft zwischen Eltern und Kindern, die der Eltern miteinander, die der Geschwister so ursprünglich wie intim ist, erhält sich als naturgegebene Freundschaft durch Lebensdauer, wächst oft auch über diese hinaus, erstreckt sich regelmäßig über einen natürlichen Freundeskreis der nahen Verwandten und anderer Gefährten. Im Wesen ist davon verschieden die „Gesellschaft" der Menschen, auch insofern sie etwa aus ähnlichen Ursachen entsteht und zum mindesten in gegenseitiger Kenntnis, wenngleich etwa nur durch das bloße Wissen voneinander, beruhen mag. Der Sprachgebrauch kennt und anerkennt diesen Unterschied, wenngleich in ihm „Gesellschaft" einen mannigfachen Sinn hat. Auch im wissenschaftlichen Sprachgebrauch: im 19. Jahrhundert hat das deutsche philosophische Bewußtsein sich gewöhnt, die „Bürgerliche Gesellschaft" vom Staat zu unterscheiden und lernte sie hauptsächlich verstehen als die Mannigfaltigkeit der zumeist einander widerstreitenden, zuweilen aber gegenüber der Einheit des Staatswülens vereinten Interessen, zumal des durch das Bürgertum geführten Volkes gegenüber absolutistischer Ausschließlichkeit, die durch Monarchie, Hofschranzen, Adel, Militär und Bürokratie bestimmt wurde. Die Gesellschaft in diesem Sinne ist immer im Nachteil gegenüber dem Staate, den jene Faktoren bestimmen, insofern als sie kein dauerndes Organ besitzt, jederzeit einen einheitlichen Willen zu bilden, wenn sie auch versucht, ein solches Organ als Volksvertretung aus sich erwachsen zu lassen und so an der Staatslenkung teilzunehmen, die ihre Organe hat als gesetzgebende, als richterliche Gewalt und durch die Macht der Vollziehung ihres Willens. — Ein anderer Begriff der Gesellschaft ist erst im gegenwärtigen Jahrhundert zur Geltung gekommen, der schon bedeutete Gegensatz ihres Typus gegen den Typus der Gemeinschaft. Diese Typen wollen eine Modalität bedeuten, der alle sozialen Verhältnisse und was in ihnen beruht unterworfen sind. Es ist die Bewußtheit des Austausches und gegenseitigen Nutzens, im Gegensatz zu Gefühlen, Gewohnheiten, Pflichtbewußtsein, was die sozialen Verhältnisse als gesellschaftliche charakterisiert. Von „der" Gesellschaft kann hier nur die Rede sein, insofern als innerhalb eines Volkes oder innerhalb eines Komplexes von Nationen die Vielheit von Häuptern vorhanden ist, die dieses Zusammenhanges und dieser Samtschaft als ihrer gemeinsamen Bedeutung sich bewußt sind und sie bejahen — die Repräsentanten der Gesellschaft, die eben als solche auch ihre Führer sein wollen: Führer des ökonomischen, des politischen und des besonderen geistigen Lebens. Naturgemäß stehen hier die Führer der Volkswirtschaft im Vordergrunde, auch wenn sie etwa, sofern die Aktionen und die Aktionsfähigkeit in Betracht kommen, es vorziehen, sich mehr passiv zu verhalten. Im sozialen Leben, wie es während der letzten Jahrhunderte, besonders aber erst nach der großen Revolutionsepoche, sich entwickelt hat, haben zusehends diese Häupter der großen Industrie und des großen Handels, zumal des Geldhandels, an politischem Einfluß und politischer Macht immer mehr gewonnen: sie besetzen zum guten Teile die Parlamente, durch diese die Ministerien — freilich erhalten sich noch einen Teil solchen Einflusses und solcher Macht die Vertreter der großen Landwirtschaft, wenigstens als Eigentümer weiter Areale oder gar Latifundien; aber dieser Anteil muß um so geringer werden, je mehr die Urproduktion, mit Ausnahme etwa des Bergbaues, an Bedeutung verliert, je mehr also Handel und Industrie den wirtschaftlichen Charakter eines Landes bestimmen. Freilich wird das politische auch durch das geistige Leben mitbestimmt, und zwar verhältnismäßig am stärksten durch das der Kirchen, weil es durch die Überlieferung in den Volksgewohnheiten und in geistigen Volksbedürfnissen seine tiefsten Wurzeln hat; ein anderes geistiges Leben, in der naturwissenschaftlichen und historischen Erkenntnis beruhend, ist freilich längst daneben emporgekommen, ist aber trotz seines unzweifelhaften Vordringens, zumal in protestantischen Ländern (während gerade die schärfsten Vorstöße von Frankreich ausgegangen sind), noch weit davon entfernt geblieben, eine Reife zu gewinnen und eine Organisation von sich aus darzustellen, die denen der evangelischen Kirchen, geschweige der römisch-katholischen Kirche irgendwie die Spitze zu bieten vermöchte. So gehen denn die Führer des geistigen Lebens zu einem großen Teile noch aus den überlieferten Geistesmächten hervor, weil diese auch ihren beharrenden Einfluß in der Erziehung und Bildung wie in der Politik behaupten. Aber die großen Bewegungen und Neuerungen gehen nicht aus ihnen, sondern weit überwiegend aus den Wissenschaften hervor, und zwar Bewegungen und Neuerungen sowohl in der eigenen Sphäre des geistigen Lebens, wozu auch die moralischen Probleme gehören, als auch im politischen und nicht am wenigsten im wirtschaftlichen Leben, weil hier der alte Geist der Kirche, dessen Ursprung und Wesen in ganz anderen Daseinsbedingungen sich gebildet und entwickelt hat, sich in eine gewisse Neutralität gebannt sieht—nur mittelbar durch das Vehikel der Gesetzgebung vermag er hin und wieder einige Wirkung vermittelnd, aber eher zugunsten der Schwachen, auszuüben. So ist die Gesellschaft eines Landes oder Reiches in dem Sinne verstehbar, daß sie die große Menge dieser Häupter in sich enthält, die eine Samtschaft darstellen, insofern als sie gemeinsam dieses Merkmales teilhaftig und bewußt sind: nicht eine geschlossene Einheit, gleich einem Herrenstande, dem man durch die Geburt oder durch eine Weihe übersinnlicher Art angehört, sondern eher als die herrschende Klasse, von der sie aber doch sich unterscheidet, insofern als diese ausschließlich durch die wirtschaftliche Überlegenheit, also durch die großen Vermögen und Einkommen bestimmt wird. Wenn die Gesellschaft aus den Personen besteht, die durch Besitz, durch Amt und durch Bildung hervorragen, die in sozialen, politischen oder intellektuellen Funktionen sich betätigen, so kann man auch ihr angehören mit bescheidenem Einkommen, mit geringem oder gar keinem Vermögen. Ob aber die Macht des Geldes und Kapitals, ob die Macht der politischen Tätigkeiten, ob die Macht des Geistes entscheidend ist, das wird immer fragwürdig sein, und in letzter Linie nicht von den Führern selber, von ihren Differenzen und Widersprüchen oder ihrer Einmütigkeit, sondern von der großen Menge des Volkes und ihren Bewegungen, von dem Einfluß, den sie im wirtschaftlichen, im politischen und im geistigen Leben gewonnen hat, bedingt sein. Wir leben in einem Zeitalter immer erneuter Revolution: dadurch ist die Führung der Wirtschaft, der Politik und des Geistes immer schwieriger geworden; schwieriger auch die Feststellung, wer in diesem Sinne zu den Führern, also zu der „Gesellschaft" gehört; und man muß sich daran genügen lassen, nach äußeren Merkmalen, die eine führende Stellung bezeichnen, dies zu ermessen, ohne darauf Anspruch zu machen, alle wirklich führenden und maßgebenden Personen erfaßt zu haben; ja selbst wenn das möglich wäre, so ließe doch immer nur ein Augenblicksbild sich herstellen — immerhin darf man sagen, daß ein Grundstock der Personen, die hier die Gesellschaft zusammensetzen, bleibt, ungeachtet allen Wechsels, der durch Todesfälle, durch neue Menschen und durch innere Veränderungen entsteht. Und wer auch immer etwas oder etwas mehr über eine solche Persönlichkeit wissen will, wird dankbar sein, in einem Handbuche rasch zu finden, was er sucht.

Zusatzinfo zahlreiche schwarz-weiße Portrait-Photographien
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Biografien / Erfahrungsberichte
Schlagworte Biographien • Diplomatie • Ferdinand Tönnies • Personenlexikon • Soziologie • Weimarer Gesellschaft • Zwischenkriegszeit
ISBN-10 3-934882-30-7 / 3934882307
ISBN-13 978-3-934882-30-0 / 9783934882300
Zustand Neuware
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