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Als die Sehnsucht uns Flügel verlieh (eBook)

Roman
eBook Download: EPUB
2020 | 1. Auflage
600 Seiten
Piper Verlag
978-3-492-99717-1 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Als die Sehnsucht uns Flügel verlieh -  Hanni Münzer
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»Kathi und Franzi werden Ihr Herz brechen. Und es wieder reparieren.« Hanni Münzer über »Als die Sehnsucht uns Flügel verlieh«   Wenn das Kriegsende zum aufwühlenden Anfang wird: ein großer historischer Roman über die Suche nach einem Ort zum Wurzelnschlagen  Hanni Münzer begibt sich in der Fortsetzung ihrer Heimat-Saga erneut auf eine Zeitreise und erzählt eine mitreißende Geschichte über Heimatverlust, Frauenemanzipation und den Wettlauf ins All.  Im Mai 1945 werden das junge Mathematikgenie Kathi Sadler und ihre Schwester Franzi nach Moskau verschleppt. Kathi soll den sowjetischen Machthabern bei der Entwicklung ihres Raumfahrtprogramms helfen, Franzi dient dabei als Druckmittel. Über Jahrzehnte kämpft Kathi gegen den Schmerz der Entwurzelung, für eine Gefühl von Heimat und um einen Funken Hoffnung in dunklen Zeiten.   Münzers schillerndes Erzähltalent verleiht ihrem historischen Epos einen mitreißenden Sog, der Geschichte und Gefühl zu einem wunderbaren Schmöker vereint.  Hanni Münzers Heimat-Saga - der fesselnde Generationenroman der Bestsellerautorin von »Honigtot« Familie, Heimat und Gefühl sind Hanni Münzers Herzensthemen. Schon über eine halbe Million Exemplare ihrer packenden Romanserien haben ihren Weg auf die Bücherstapel begeisterter Leser gefunden, die sich mit Haut und Haar auf ergreifende Schicksale einlassen wollen.  Die aufwühlende Fortsetzung des SPIEGEL-Bestsellers »Heimat ist ein Sehnsuchtsort« »Es geht um Liebe und Leidenschaft, um Historie, um Menschen, Geheimnisse, Hoffnung, Leid und Glück. Es ist wohl genau diese Mixtur, die Münzers Werke zu Bestsellern macht.« Fürther Nachrichten  

Hanni Münzer ist eine der erfolgreichsten Autorinnen Deutschlands. Mit den Romanen ihrer »Honigtot-Saga«, der »Seelenfischer«- und »Schmetterlinge«- Reihe sowie der »Heimat-Saga« erreichte sie ein Millionenpublikum und eroberte die Bestsellerlisten. Mit den Romanen »Honigland« und »Honigstaat« (Am Ende der Nacht 1 und 2), setzt sie ihre erfolgreiche »Honigtot-Saga« ebenso spannend wie bewegend fort. Nach Stationen in Seattle, Stuttgart und Rom lebt Hanni Münzer heute mit ihrem Mann in Oberbayern. 

Hanni Münzer ist eine der erfolgreichsten Autorinnen Deutschlands. Mit ihren großen Romanen, darunter die hoch gelobte "Honigtot"-Saga, erreichte sie ein Millionenpublikum und eroberte die Bestsellerlisten. Ihre zweibändig angelegte Saga um die Familie Sadler ist von ihrer eigenen Familiengeschichte inspiriert. Nach Stationen in Seattle, Stuttgart und Rom lebt Hanni Münzer heute mit ihrem Mann in Oberbayern.

2


Alles Böse kommt vom Menschen.

Das Gute bestimmt der Mächtige.

Annemarie Sadler

 

Die kleine Tupolew hatte die zugewiesene Halteposition noch nicht völlig erreicht, als ein offener Jeep auf sie zuraste. Im buchstäblich letzten Moment bremste der Fahrer ab, riss das Lenkrad herum, und der Wagen schlitterte in eine Halbkurve. Eine Frau in Uniform sprang heraus. Kurz fiel die Sonne auf einen ihrer zahlreichen Brustorden. Die Auszeichnungen erinnerten Kathi an ihren kriegsversehrten Großvater. Auch ihm waren einst Orden verliehen worden, ein lächerliches Pfand für die zeitlebens ruinierte Gesundheit.

Doch diese Frau sah mehr als gesund aus; sie verströmte eine geradezu aggressive Vitalität, als müsste jedes Hindernis ihr ausweichen und nicht umgekehrt. Durch das winzige Bullauge beobachtete Kathi, wie die Offizierin mit energischem Schritt auf das Flugzeug zueilte, um gleich darauf aus ihrem Blickfeld zu entschwinden.

Niklas überließ die abschließenden Handgriffe seinem Co-Piloten, nahm die Kopfhörer ab und öffnete den Gurt. In gebückter Haltung kam er auf Kathi zu und half ihr und Franzi, die eigenen Gurte zu lösen. »Alles in Ordnung mit euch beiden?«

Kathi nickte. Sie war von einem unwirklichen Gefühl beseelt, kam sich leicht und schwebend vor, beinahe benommen. »Es war wie im Traum«, sagte sie und wunderte sich, wie körperlos sich ihre Stimme anhörte.

»Achtet auf euer Gleichgewicht, wenn ihr aussteigt. Ihr seid mehrere Stunden gründlich durchgerüttelt worden. Der Boden dürfte euch zunächst ziemlich wackelig vorkommen.«

Niklas öffnete die Luke und hängte die Ausstiegsleiter ein. »Wir machen es wie beim Einsteigen. Ich zuerst, dann folgt Franzi und dann du, Katja.« Kathi mochte es, wenn er sie Katja nannte. Er selbst hatte sich ihr als Niklas vorgestellt, aber alle anderen sagten Nikolaj zu ihm. Das wollte sie von nun an auch tun.

Wie von Nikolaj angekündigt, fühlten sich die ersten Schritte höchst unsicher an, als wäre der Boden unter ihren Füßen zum Leben erwacht. Kathi griff nach Franzis Hand. Der Eindruck verflüchtigte sich jedoch schnell, die Erde rückte wieder an ihren angestammten Platz.

Zwischenzeitlich hatte die Offizierin Nikolaj beiseitegezogen. Kathi hätte ihr Gespräch gerne belauscht, aber der Lärm der unablässig startenden und landenden Maschinen verhinderte das. Kurz streifte der Blick der Fremden Kathi, zeigte jedoch kein besonderes Interesse an ihr.

Für Kathi galt das genaue Gegenteil. Ungeniert unterzog sie die fremde Frau einer Musterung. Die vielen Abzeichen an der Uniform deuteten auf einen höheren Offiziersrang hin. Als Kathi sie auf das Flugzeug hatte zueilen sehen, erfasste sie ein vertrautes Gefühl, ähnlich jenem, wenn die Lösung eines Mathematikrätsels zum Greifen nahe schien, um sich ihr im letzten Moment doch noch zu entziehen. Kathi ahnte, dass diese Frau eine Rolle in ihrem Leben spielen würde. Wer war sie? Was hatte sie mit Nikolaj zu tun?

Die Russin hatte ihre Kappe abgenommen und unter den Arm geklemmt. Während Nikolaj angespannt wirkte, verharrte die Frau in lässiger Pose. Ein Bein leicht angewinkelt, den Kopf ihm zugeneigt, sprach sie weiter auf ihn ein.

Schönheit, wusste Kathi, wurzelte in der Geometrie. Dennoch blieb sie eine subjektive Angelegenheit. Für ihren Vater Laurenz war ihre Mutter Annemarie die schönste Frau der Welt. Bei dieser Unbekannten hatte die Geometrie Gesicht und Körper in perfekter Harmonie zusammengefügt: eine schlanke Gestalt, fein gemeißelte Züge, hell schimmernde Haut und volles rotes Haar, das in der frühen Abendsonne wie geschmolzenes Kupfer leuchtete.

Zwei weitere Wagen kamen in Sicht und rollten auf das Vorfeld. Eine Limousine mit verdunkelten Scheiben und Standarte, gefolgt von einem offenen Militärjeep, bemannt mit vier Rotarmisten.

Die Limousine stoppte unmittelbar neben Nikolaj und der Unbekannten. Die hintere Tür schwang auf. Anstatt auszusteigen, begnügte sich der Insasse damit, den Arm herauszustrecken und die beiden mit herrischer Geste heranzuwinken. Es entwickelte sich eine kurze Diskussion zu dritt.

Kathi bemerkte den Unwillen auf Nikolajs Gesicht. Neugierig tat sie einen Schritt auf den Wagen zu. Weiter kam sie nicht, eine Hand senkte sich bleischwer auf ihre Schulter. Von ihr unbemerkt waren zwei Rotarmisten aus dem Jeep gestiegen. Während der eine sie hinderte weiterzugehen, half der andere dem Co-Piloten mit dem Gepäck aus der Tupolew. Viel war es nicht. Neben den schweren Militärtaschen der beiden Piloten standen nur ihre eigenen Rucksäcke, ein kleiner Koffer und ihr Akkordeon einsam auf dem Rollfeld.

Niklas löste sich nun aus dem Gespräch und näherte sich Kathi. Sofort gab der Rotarmist Kathi frei und trat zurück.

»Es tut mir leid, Katja. Ich muss fort«, sagte Nikolaj. »Es hat sich eine Situation ergeben.«

»Was soll das heißen, du musst fort?« Er würde sie doch jetzt nicht alleine hier stehen lassen? Sie hatte mit vielem gerechnet, aber nicht damit, dass sie sich bereits auf dem Flughafen trennen würden. Die Enttäuschung schlug über ihr wie eine Woge zusammen.

Nikolaj schenkte ihr ein aufmunterndes Lächeln. »Geh mit Xenia, Katja. Sie wird euch euer Quartier zeigen.« Er wies mit dem Kopf in Richtung der russischen Offizierin, die noch mit dem Unbekannten in der Limousine sprach.

»Xenia?«, hauchte Kathi. Sie glaubte, den Namen vor einiger Zeit schon einmal in einem anderen Zusammenhang gehört zu haben. Während sie noch ihr Gedächtnis danach durchwühlte, schlangen sich zwei kleine Hände um ihren Bauch, und ein Kopf presste sich gegen ihre Hüfte. Franzi! Die Kleine spürte die Verwirrung ihrer älteren Schwester.

Nun gesellte sich die Rothaarige zu ihnen und übernahm selbst die Vorstellung: »Guten Tag, ich bin Xenia«, sagte sie auf Deutsch. Aus unmittelbarer Nähe betrachtet, wirkte ihre Schönheit geradezu einschüchternd. Ihr sicheres Auftreten verriet, wie sehr sie es gewohnt sein musste, dass man ihr überall einen Platz in der ersten Reihe freiräumte. Dennoch gab es einen Makel, auch wenn Xenia ihn durch ihre leise und akzentuierte Art zu sprechen geschickt zu kaschieren wusste: Sie lispelte, und der eigene Name hörte sich aus ihrem Mund wie Fenia an.

Von der Limousine ertönte ein anhaltendes Hupen. Das Signal behauptete sich selbst gegen den infernalischen Fluglärm.

»Ich muss los, Katja. Xenia wird sich um euch kümmern.« Nikolaj strich Franzi, die sich weiter an ihre Schwester klammerte, kurz über den dunklen Schopf. Anschließend schulterte er seine Militärtasche. Kathi kämpfte vergeblich gegen das enge Gefühl in ihrer Kehle an, während sie zusah, wie sich Nikolaj von ihr entfernte.

»Wann kommst du wieder?«, schrie Kathi gegen ein startendes Flugzeug an. Hätte Franzi nicht an ihr gehangen wie ein verängstigtes Äffchen, sie wäre ihm womöglich nachgelaufen. Dabei wollte sie sich nicht benehmen wie ein Kind, nicht vor diesem perfekten Wunderwesen Xenia. Doch ihr flehendes Herz betete darum, dass sich Nikolaj nochmals zu ihr umwenden und ihr das Lächeln schenken würde, das nur ihnen beiden gehörte. Ein Lächeln, gewebt aus Mondlicht.

Nikolaj drehte sich tatsächlich um, legte die Hände wie einen Trichter vor den Mund und rief: »Bald. Ich melde mich!« Das erhoffte Lächeln blieb er ihr dabei schuldig.

Für einen kurzen Augenblick verwandelte sich Kathis Welt in Glas, wurde durchsichtig und zerbrechlich, drohte zu zersplittern.

Xenia musste ihre Anweisung wiederholen: »Nehmt euer Gepäck und kommt mit!« Erst jetzt reagierte Kathi auf die Russin.

Sie folgten ihr und kletterten vorne in den Jeep.

»Wohin fahren wir?«, erkundigte sich Kathi.

»In ein Krankenhaus.«

»Was sollen wir in einem Krankenhaus?«

»Ihr werdet dort ärztlich untersucht.«

»Was denn für Untersuchungen?« In Kathi schrillten Alarmglocken. Zwar beschränkten sich ihre eigenen Erfahrungen mit Ärzten auf ein Minimum, jedoch waren ihr die vielen Fehlschläge bei der Behandlung ihrer Schwester überaus präsent. Später hatten ihre Eltern nur knapp verhindern können, dass Naziärzte ihre Schwester euthanasierten.

»Fragst du immer so viel?«, wollte Xenia wissen.

»Wundert dich das?«, duzte Kathi sie zurück. In ihrer Erregung vergaß sie, dass ihr Instinkt sie erst vor wenigen Minuten gewarnt hatte, Vorsicht walten zu lassen. »Meine Schwester und ich sind Fremde in einem fremden Land. Warum sollte ich nicht wissen wollen, was weiter mit uns geschieht?«, schob sie als Erklärung nach.

Ein feines Lächeln umspielte Xenias Lippen. »Nikolaj hat mir bereits angedeutet, dass du dich nicht so leicht einschüchtern lässt. Ich gebe dir einen Rat: Fremde können sich keinen Stolz leisten.«

»Ich bedanke mich für den Rat, aber ich sehe keinen Sinn darin. Mein Interesse an unserem weiteren Schicksal hat keineswegs mit Stolz zu tun.«

»Nikolaj verriet mir auch, dass du gerne diskutierst.«

»Nur wenn die Diskussion zielführend ist«, konterte Kathi. Was sollte das? Was wollte Xenia? Warum erwähnte sie ständig Nikolaj? »Verrätst du mir, warum wir untersucht werden sollen? Bitte«, fügte sie hinzu.

»Wir müssen uns vergewissern, dass ihr uns nicht irgendwelche Krankheiten ins Land schleppt.«

»Ist das nicht ein wenig spät? Wir sind schon hier. Womöglich habe ich dich längst angesteckt?«

Für den Bruchteil einer Sekunde wirkte Xenia irritiert. Erst darauf lachte sie glockenhell auf. »Du bist sehr direkt. Ich weiß zwar nicht, ob mir das gefällt, aber amüsant ist es allemal.« Sie startete den Motor.

Franzi, die sich bislang ruhig verhalten hatte und sich eng an Kathis...

Erscheint lt. Verlag 5.10.2020
Reihe/Serie Heimat-Saga
Heimat-Saga
Verlagsort München
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte 2. Weltkrieg • buch bücher • Bücher 20. Jahrhundert • Buch gebunden deutsch • Familienromane • Familiensaga • Frauenemanzipation • Gebundenes Buch mit Schutzumschlag • Generationenroman • Heimat • Heimatgefühle • Heimatland • Heimatverlust • Historische Bücher • Historischer Familienroman • Kalter Krieg • Nachkriegsära • Nachkriegszeit • Novitäten 2020 • Novitäten Frauenromane • Raumforschung • Romane Frauen • Roman geschichtlich • Roman Hardcover gebunden Novität • Starke Frauen Buch • UdSSR • Weltraumforschung • Wissenschaftlerinnen
ISBN-10 3-492-99717-1 / 3492997171
ISBN-13 978-3-492-99717-1 / 9783492997171
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