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Thron des Blutes (eBook)

Historischer Roman

(Autor)

eBook Download: EPUB
2021
Heyne Verlag
978-3-641-22501-8 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Thron des Blutes - Conn Iggulden
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Ein Mann. Sieben Könige. Der blutige Thron Englands.

England im 10. Jahrhundert: Das Land ist geteilt und gezeichnet von jahrelangen Machtkämpfen. König Æthelstan, ein Enkel Alfreds des Großen, hat geschworen, das Reich unter einer Krone zu vereinen. An seiner Seite steht Dunstan von Glastonbury – ein Mönch, Politiker, Visionär und, in den Augen vieler, ein Verräter. Sieben Königen dient Dunstan durch Krieg, Feuer und Wahnsinn, um Æthelstans Traum wahr werden zu lassen. Doch zu welchem Preis?

Conn Iggulden unterrichtete Englisch an der Universität von London und arbeitete sieben Jahre als Lehrer, bevor er schließlich mit dem Schreiben historischer Abenteuerromane begann. Er lebt mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen im englischen Hertfordshire. Die Romane seiner "Emperor"-Trilogie stürmten binnen Kurzem die britischen Bestsellerlisten. 2006 gefolgt von seinem ersten Sachbuch dem "Dangerous Book for Boys", das er zusammen mit seinem Bruder Hal schrieb und das das als "Buch des Jahres" bei den British Book Awards ausgezeichnet worden ist. Ein Buch wie das "Dangerous Book" hätten sie damals gerne zur Hand gehabt. Nun haben sie es selbst geschrieben und der goldenen Zeit der Kindheit und der Abenteuer ein Denkmal gesetzt.

1


Ich hätte den ganzen Tag an dieser Klippe hängen können, wenn sie mir nicht die Finger gebrochen hätten. Meine Hände waren immer kräftig, aber mit gebrochenen Knochen sind sie kein verlässlicher Anker mehr, nicht einmal in einem Meer von Wut. Dennoch klammerte ich mich noch eine Weile fest. Als ich sie schließlich anstarrte, allerdings weder Mitleid heischend noch bittend, erstarb ihr Gelächter und ihr Spott, was mir eine gewisse Befriedigung war. Die kleine Gruppe von Männern und Frauen stand am Rand und wartete darauf, dass ich abstürzte. Sie sahen zu, wie ich mich mit geschundenen und geschwollenen Händen an die brüchige Erde klammerte und ihnen trotzte.

Ich sah, dass Encarius beschämt war, er, der einst mein Freund gewesen war. Ich suchte nach Worten, um ihm zu sagen, dass ich ihm verzieh, denn ich hatte keine andere Möglichkeit, mich zu rächen, und ich wollte, dass er später jedes Mal zusammenzuckte, wenn er an mich dachte. Rache ist süß, aber Verzeihen kann genauso grausam sein.

Ich fürchtete den Tod nicht. In meiner Jugend, glaube ich, vermochte ich ihn mir nicht vorzustellen. Ich knirschte mit den Zähnen, während meine Fingernägel an den Steinen abbrachen, und ich erinnere mich, dass ich versuchte, zwischen meinen ausgestreckten Armen nach unten zu spähen, und gleichzeitig merkte, dass mein Griff sich lockerte. Knochen splitterten, aber ich war immer noch da und dachte daran, was ich ihnen antun würde, falls ich überlebte. Ich war fünfzehn Jahre alt, aber ich hatte breite Schultern, und meine Arme waren schwarz behaart. Ich wirkte männlicher als einige von denen, die doppelt so alt waren und jetzt dort standen und ihre priesterlichen Hände falteten wie Bettler. Oh, diese scheinheiligen Gesichter! Ich sehe sie heute noch vor mir.

Als ich merkte, dass ich mich nicht länger würde festhalten können, rief ich Encarius und bat ihn, das Kreuzzeichen auf meine Stirn zu machen, sodass ich das Fegefeuer schneller hinter mir lassen würde und in den Himmel käme. Er trat vor, um mir diesen kleinen Dienst zu erweisen, der mir so viel bedeutete. Ich sah, wie er sich herunterbeugte, und unsere Blicke trafen sich, obwohl er es zu vermeiden suchte. Er war der Urheber meines Unglücks, mein Ankläger, doch er schüttelte traurig den Kopf, als sei alles nur meine Schuld.

»Ich würde dir dieses Schicksal ersparen, wenn ich könnte, Dunstan«, sagte er. Er befeuchtete seinen Finger mit der Zunge und nahm damit etwas Staub auf, den er mit Spucke vermischte, ehe er meine Stirn mit seiner kalten Hand berührte.

»Du bist ein guter Mensch, Encarius«, flüsterte ich. »Würdest du mir die Beichte abnehmen?«

Er sah, wie meine Arme zitterten, doch immer noch sah er mich zweifelnd an, als ob er mir selbst jetzt nicht traute. Ich schwieg und sah ihn nur flehend an, bis er sich herabbeugte. Als er mir ganz nahe war, stieß seine Frau oder irgendeine der anderen Schlampen einen Warnschrei aus, aber es war zu spät. Ich packte sein Gewand und riss ihn mit in die Tiefe, oh, ich stürzte hinab wie Luzifer lange vor mir.

Das erste Mal brachte mein Vater mich zur alten Glastonbury, meiner geliebten Insel, zu der wir durch den Nebel gelangten. Hier hatte König Arthur sein Leben beendet, als Excalibur in die Salzmarschen der Umgebung geschleudert wurde. Mein Vater hoffte auf ein Wunder für mich, für seinen Sohn, der von Teufeln besessen oder aufgefressen wurde. Ich litt damals unter Anfällen und Krämpfen.

Manchmal denke ich, der Alte war ebenso sehr Heide wie glühender Anhänger Christi. Er trug einige merkwürdige Amulette an seinem Mantel und an seinem Kettenpanzer. Glastonbury gab es schon, lange bevor der wahre Glaube auf unserer Insel ankam. Der feuchte Boden hier ist getränkt mit Hexenwerk und Zauberkult aus Tausenden von Jahren, so sagt man. Ich bin einige Male in der Mittsommernacht hinausgegangen, fiebernd vor Aufregung, um die nackten Frauen zu sehen. Ich habe sie nie gefunden, kein noch so kurzer Blick auf eine Brust oder ein Bein. So erging es mir immer.

Ich erinnere mich, wie das Wasser im Kielraum des Bootes hin und her schwappte. Ich war dreizehn Jahre alt, und ich zupfte meinen Vater am Ärmel, um ihn darauf aufmerksam zu machen. Ich konnte nicht verstehen, wie ein Boot schwimmen und gleichzeitig Wasser aufnehmen konnte. Ich hatte Angst, das Wasser könnte steigen und über uns zusammenschlagen, samt dem Bootsmann, der uns stakte. Er hatte ein rotes Gesicht und schien nicht ganz richtig im Kopf.

Mein Vater entzog mir seinen Ärmel, und ich ließ ihn los. Es heißt, Heorstan sei vor dreißig Jahren ein starker Mann mit breiter Brust gewesen, als er damals ein Lehnsmann König Edwards von Wessex geworden war. In seiner Jugend, die für mich so weit zurücklag wie die Zeit König Arthurs, hatte mein Vater Alfred Magnus, den Großen, gekannt. Er war der Mann, der Wessex zu dem Königreich machte, das eines Tages ganz England regieren würde. Damals gab es längere Regierungszeiten. Heutzutage scheint es, dass man sich nur umzudrehen braucht, und schon sitzt die Krone auf einem neuen Gesicht.

Mein jüngerer Bruder Wulfric stand im Bug, während der Bootsmann uns stakte.

»Pass auf, Junge!«, fuhr mein Vater ihn an.

Wulfric versuchte, ein schuldbewusstes Gesicht zu machen, aber er war viel zu fasziniert von der Fremdartigkeit der Insel und dem Nebel, der über allem lag. Kriechende Kreaturen fielen ins stille Wasser, als wir durch das Schilf glitten. Das dunkle Marschland erstreckte sich bis dorthin, wo das Meer sich in seinen Rand fraß, ein Dutzend Meilen weit entfernt. Es hob und senkte sich mit den Gezeiten und war so dick von Salz verkrustet, dass kaum etwas darauf gedeihen konnte.

Hin und wieder schreckte ein schlafender Vogel auf und stieg wild flatternd in die Luft. Die Wasserwege umgaben uns wie unsichtbare Adern, sie veränderten jedes Geräusch und sorgten für gespenstische Echos.

Ich sah, wie Wulfric nach den weißen Nebelfetzen griff, er konnte nicht verstehen, wie etwas so greifbar wirken und doch vor den Augen verschwinden konnte. Ich will bekennen, dass ich ihn liebte, aber sein Kopf hätte genauso gut ein polierter Knochen sein können, so nutzlos war er. Wenn Wulfric sprach, konnte er sich gut ausdrücken, aber das Schreiben meisterte er noch nicht. Als sein älterer Bruder pflegte ich ihn damit zu ärgern.

In vieler Hinsicht bin ich nicht mehr der Junge, der ich war, mit meinen Bosheiten und schnellen Urteilen. Ich war mir damals so sicher, dass ich von Feinden umgeben war! Es hat Generationen gedauert, bis ich einsah, dass ich sie mir selbst gemacht hatte. Doch wenn ich zurückdenke, mit welcher Grausamkeit ich Wulfric quälte, muss ich immer noch lachen.

Mein Bruder versuchte, vom Bug aus auf den Anlegesteg zu springen, und ich sah, wie mein Vater ihn zurückhielt. Er sorgte sich mehr, dass Wulfric ins Wasser fallen und ertrinken könnte, als er sich je um meinetwegen gesorgt hätte. Der Alte muss damals ungefähr siebzig gewesen sein, seine beiden Jungen waren von einer Frau geboren worden, die vierzig Jahre jünger war als er. Heorstan bot meiner Mutter ein schönes Heim auf fast 500 Hektar Land, eine angemessene Entschädigung für das Geschenk ihrer Jugend. Vielleicht brauchte er eine Pflegerin, und ich war das erfreuliche Ergebnis. Vielleicht hatte sie ihn auch ins Leben zurückgestreichelt.

Nach Glastonbury kamen damals nicht viele Besucher, längst nicht so viele wie heute. An der Anlegestelle wurden wir von zwei Jungen begrüßt, die unsere Taschen trugen, außerdem von zwei irischen Mönchen, die nur Gälisch sprachen, was ich nicht verstand. In dem Nebel, der um uns waberte, erschien mir der Fluss ihrer Sprache merkwürdig, fast wie ein Zauber, als brauchte ich nur aufmerksam genug zuzuhören, damit es nicht mehr klang, als würde jemand erwürgt.

Ehrerbietig beugte mein Vater den Kopf, dabei war er ein Lehnsmann, der Könige gekannt hatte. Ich sagte nichts, aber Wulfric sprang mit begeisterten Ausrufen neben ihnen her, während ich mich vor Verlegenheit wand und wünschte, er würde den Mund halten.

Ich sah, dass die Jungen, die unser Gepäck trugen, sich amüsierten. Sie stießen sich an und grinsten, und natürlich grinste der einfältige Wulfric zurück, als seien sie seinesgleichen.

Energisch zog ich ihn an mich und beugte mich hinab, um ihm zuzuflüstern, dass dies keine Freunde seien, als ich merkte, dass ein schrecklicher Gestank von ihm ausging. Angewidert schob ich ihn fort. Die Bootsfahrt hatte lange gedauert, und Wulfric hatte sich beschmutzt. Doch er hüpfte fröhlich den Weg zu der kleinen Abtei entlang, wo damals so viele Wunder geschahen, dass es fast alltägliche Begebenheiten waren.

Unsere Gruppe stapfte dahin, und der Nebel begann sich aufzulösen, als wir höheres Gelände erreichten. Niemand sprach, unsere Schritte waren das einzige Geräusch.

Ich flüsterte: »Du hast dich eingeschissen, Wulfric.«

Ich hatte es wütend gezischt, denn er war so fröhlich, aber selbst damals merkte ich, dass es seine Art war, auf mich und besonders auch auf unseren Vater zu reagieren. Heorstan schien in seinen späteren Jahren derartige Dinge nicht mehr zu bemerken, doch ich fühlte mich verpflichtet, auf seine Würde zu achten.

Wulfric wirkte beleidigt, als sei ich im Unrecht und nicht er. Er wurde tiefrot und blickte auf die beiden Jungen, die unsere Taschen trugen. Sie hatten noch nichts bemerkt, würden es aber sicher bald tun.

»Geh nach vorn, Wulfric«, sagte ich. »Der Wind kommt von hinten. Geh vor uns, damit wir dich nicht riechen müssen.«

Er schien den Tränen nahe, als er meinem Rat folgte. Ich glaube, ich hasste ihn in dem...

Erscheint lt. Verlag 1.4.2021
Übersetzer Christine Naegele
Verlagsort München
Sprache deutsch
Original-Titel Dunstan
Themenwelt Literatur Historische Romane
Schlagworte Benediktinerkloster • Conn Iggulden, Die Rosenkriege • Dunstan von Glastonbury • eBooks • Englische Geschichte • Englisches Mittelalter • Erzbischof von Canterbury • Historische Romane • Historische Schlachten • König Eadred • König Edgar • König Edmund I. • Königreiche • Westminster Abbey
ISBN-10 3-641-22501-9 / 3641225019
ISBN-13 978-3-641-22501-8 / 9783641225018
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