Modehaus Haynbach – Glanzvolle Zeiten (eBook)
320 Seiten
beHEARTBEAT (Verlag)
978-3-7325-7063-8 (ISBN)
Paris und München, 1953: Mabelle von Haynbach ist aufgeregt: Sie hat ihren ersten Auftritt als Mannequin in Paris. Bisher hat sie nur für ihre Schwester Viktoria - mittlerweile angesehene Designerin - Kleider vorgeführt. Beflügelt von ihren ersten Erfolgen, beschließt Mabelle, dass es an der Zeit ist, endlich ihre Großeltern kennenzulernen. Diese hatten ihrem Sohn Helmut vor langer Zeit den Rücken gekehrt - aufgrund der nicht standesgemäßen Liebe zu Mabelles Mutter Claire. Auf Schloss Haynbach wird Mabelle überraschend freundlich aufgenommen. Und sie lernt Claus kennen, einen sympathischen Handwerker, der auf dem Besitz Renovierungen durchführt. Wird eine Liebe über die Standesgrenzen ein weiteres Mal für Zwist sorgen? Als Mabelle den wahren Grund für die tiefe Kluft zwischen den Familien herausfindet, überlebt sie nur knapp einen Unfall. Trachtet ihr jemand nach dem Leben?
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<p><strong>Elaine Winter </strong>ist ein Pseudonym der Autorin Ira Severin, die schon als Kind gerne Geschichten erfunden hat. Sie studierte Germanistik und Anglistik, probierte sich in verschiedenen Jobs in der Medienbranche aus und kehrte bald zum Geschichten erfinden zurück. Inzwischen ist sie seit mehr als zwanzig Jahren Autorin und hat den Spaß am Erdenken schicksalhafter Wendungen und romantischer Begegnungen bis heute nicht verloren. Sie schreibt auch unter dem Pseudonym Luisa von Kamecke.</p>
Elaine Winter ist ein Pseudonym der Autorin Ira Severin, die schon als Kind gerne Geschichten erfunden hat. Sie studierte Germanistik und Anglistik, probierte sich in verschiedenen Jobs in der Medienbranche aus und kehrte bald zum Geschichten erfinden zurück. Inzwischen ist sie seit mehr als zwanzig Jahren Autorin und hat den Spaß am Erdenken schicksalhafter Wendungen und romantischer Begegnungen bis heute nicht verloren. Sie schreibt auch unter dem Pseudonym Luisa von Kamecke.
1
Paris, Anfang März 1953
Mabelle von Haynbach trug ihre schönsten Schuhe, schwarze Pumps mit weißen Absätzen und einer weißen Spange über dem Spann. Leider waren sie der Mode entsprechend spitz und drückten ihre Zehen unangenehm zusammen. Wahrscheinlich hätte sie sie doch eine Nummer größer kaufen sollen, aber wer wollte schon ein Mannequin mit riesigen Füßen?
Es war Frühling in Paris, und Mabelle war so aufgeregt und glücklich, dass sie es ziemlich lange schaffte, ihre schmerzenden Füße zu ignorieren. Als sie urplötzlich das Gefühl hatte, keinen einzigen Schritt mehr tun zu können, war sie schon eine ganze Weile über die weite Grünfläche des Champ de Mars spaziert, um den Eiffelturm aus jedem nur möglichen Blickwinkel zu bewundern. Eigentlich war das berühmte Wahrzeichen von Paris nur ein riesiges Stahlgerüst, aus irgendeinem Grund fand sie es trotzdem wunderschön.
Zudem hatte Mabelle noch nie einen Himmel gesehen wie den über Paris. Der Frühlingswind hatte jedes noch so kleine Wölkchen weggeblasen, und wenn sie nach oben sah, kam sie sich vor, als befände sie sich im Inneren einer blauen Murmel.
Auch die Menschen hier erschienen ihr anders als zu Hause. Die französischen Frauen waren unbeschreiblich elegant. Sie schritten mit hoch erhobenen Köpfen und ohne jede Eile dahin. Und die Männer, die ohne Begleitung unterwegs waren, lächelten Mabelle im Vorbeigehen auf eine Weise an, die gleichzeitig herausfordernd und bewundernd wirkte. Vielleicht war das der besondere Charme, den man den Franzosen nachsagte.
Als Mabelle auf die Uhr sah, stellte sie fest, dass es höchste Zeit war, sich auf den Weg zum Atelier zu machen.
»Entschuldigung. Können Sie mir sagen, wie ich von hier aus am schnellsten in die Avenue Montaigne komme?«, wandte sie sich an ein vorbeischlenderndes Liebespaar. Die beiden hatten nur Augen füreinander und schienen sie gar nicht zu hören. Anscheinend entsprachen die Klischees über Paris als Stadt der Liebe der Wahrheit.
Seufzend holte Mabelle ihren Stadtplan hervor, faltete ihn im Wind mühsam auseinander und versuchte, sich in dem Gewirr von Straßen und Plätzen zu orientieren. Sie hatte vor ihrem Termin noch Zeit gehabt und sich deshalb zu dem kleinen Ausflug zum Eiffelturm entschlossen. Sie wusste nicht, ob sie noch die Gelegenheit haben würde, sich die Stadt anzusehen, wenn es erst einmal mit den Anproben losging. Deshalb wollte sie jede freie Minute nutzen. Noch viel wichtiger war jedoch, die berufliche Chance zu nutzen, die sich ihr hier in Paris bot. Deshalb musste sie zu ihrem ersten Termin unbedingt pünktlich erscheinen.
Ohne sich die Mühe zu machen, den Straßenplan wieder ordentlich zusammenzufalten, stopfte Mabelle ihn zurück in ihre Handtasche und lief los.
Als sie eine halbe Stunde später endlich die Avenue Montaigne erreichte, spürte sie ihre Füße kaum noch. Der Wind hatte ihre Haare zerzaust, aber ihr blieb keine Zeit mehr, sich einen Spiegel oder eine spiegelnde Schaufensterscheibe zu suchen, um das Desaster in Ordnung zu bringen. Ohnehin war sie schon ein bisschen zu spät dran. Sie hatte unterwegs mehrmals nach dem Weg fragen müssen und war dennoch zwei Mal falsch abgebogen. Jetzt war sie so in Eile, dass sie sogar der Niederlassung des berühmten Christian Dior, die wenige Häuser von ihrem Ziel entfernt lag, nur einen kurzen Blick gönnte. Ihr Traum war es, eines Tages während der Pariser Fashion Week in einem Dior-Modell über den Laufsteg zu schweben. Doch wenn sie schon bei ihrer allerersten Anprobe in Paris unangenehm auffiel, würde daraus vielleicht nie etwas werden. In ihrer Agentur hatte man ihr vor ihrer Abreise nach Paris eingeschärft, wie wichtig es für ein erfolgreiches Mannequin sei, sich an die »drei großen P« zu halten. Das bedeutete, sie musste sich stets professionell verhalten, pünktlich erscheinen und perfekt frisiert und geschminkt sein. An diesem Tag würde sie wohl kein einziges P zu bieten haben.
Im Laufschritt stürmte Mabelle in das Gebäude, in dem das Atelier de mode Luc Guérin untergebracht war. Bisher kannte man sie dort nur von den Fotos, über die sie für die Modenschau gebucht worden war. Nun würde sie wahrscheinlich den guten Eindruck zunichtemachen, den ihre Bilder offenbar hinterlassen hatten. Man würde sich über sie beschweren und einen Ersatz für sie fordern, ihre Agentur würde sie hinauswerfen, und sie würde weder bei Guérin noch bei Dior oder bei sonst irgendjemandem jemals an einer großen Modenschau teilnehmen dürfen.
Außer natürlich bei Viktoria, was aber nicht zählte, da sie, Mabelle, die kleine Schwester der Inhaberin des Modehauses Haynbach war. Es war demütigend, nur in München Kleider vorführen zu dürfen. Wenn sie gleich ihre erste Buchung in Paris vermasselte, würde sie sich wohl früher oder später einen anderen Beruf suchen müssen.
Das Problem war nur, dass sie keine andere Arbeit wollte. Sie liebte es, schöne Kleider vorzuführen und sich bewundern zu lassen. Und sie wusste, dass sie es gut konnte. Die Frauen, die sie in den teuren Modellen sahen, wollten sein wie sie, aussehen wie sie, sich bewegen wie sie. Und sie glaubten, das würden sie erreichen, indem sie sich das Kleid kauften, das Mabelle für die Modenschau auf den Leib geschneidert worden war. So hatte es seit ihrem ersten Auftritt in den Kreationen ihrer Schwester funktioniert, und so würde es wahrscheinlich auch in den großen Pariser Ateliers funktionieren. Wenn sie heute und in den kommenden Tagen nicht vollkommen versagte.
Mabelle lief an den Vorführ- und Empfangsräumen im Erdgeschoss vorbei, stürmte die Treppe hinauf und riss die Tür auf, die laut einem kleinen Schild zum Atelier führte. Sie hatte erwartet, zunächst in einen Flur zu kommen, von dem mehrere Türen abgingen. So war es in Viktorias Modehaus. Sie hoffte auch auf einen Spiegel, in dem sie auf die Schnelle ihre Frisur überprüfen konnte. Zu ihrem Entsetzen fand sie sich jedoch sofort in einem großen Raum wieder, in dem mehrere Frauen emsig herumliefen oder an Zuschneidetischen und Schneiderpuppen beschäftigt waren. In der Mitte stand eine junge Frau auf einem kleinen Podest. Bei ihrem Anblick kam Mabelle sich gleich noch zerzauster vor.
Soeben warf die Schönheit auf dem weißen Betonblock das schimmernde schwarze Haar nach hinten. Die üppige Mähne bildete einen interessanten Kontrast zu ihrer hellen Haut und den glänzenden hellgrauen Augen. Sie sah einfach umwerfend aus. Wie sie da stand, hätte man sie in jedem Märchenbuch als Schneewittchen abbilden können.
»Mabelle von Haynbach?« Eine Frau um die vierzig im weißen Kittel, und mit einem Stecknadelkissen am Handgelenk musterte sie streng.
Mabelle strich sich nervös die Haare glatt, obwohl sie es damit wahrscheinlich noch schlimmer machte. Dann nickte sie und öffnete den Mund zu einer Entschuldigung. Doch die Frau im Kittel war schneller.
»Sie sind zu spät. Monsieur Guérin wird ungehalten sein. Mit Antoinette ist er schon durch.« Sie deutete auf die schwarzhaarige Schönheit auf dem Podest, die ein dunkelblaues Cocktailkleid mit funkelnden Stickereien am Gürtel und am Ausschnitt trug.
»Ich … bin fremd in Paris und habe mich verlaufen. Meine Schuhe sind neu, und ich finde sie auch ganz hübsch, aber sie sind vorne so eng, dass meine Füße ganz taub sind …« Lautes Gelächter unterbrach sie. Es kam nicht nur vom Schneewittchen namens Antoinette, sondern auch von sämtlichen Näherinnen im Raum.
Mabelle biss sich auf die Unterlippe. Sie musste sich endlich abgewöhnen, einfach draufloszureden. Schließlich war sie hier nicht mehr im Atelier ihrer Schwester, wo jeder sie kannte und mochte.
»Ich bin Maguerite Chizaine, Première d‹ Atelier«, stellte die Direktrice sich vor, wohl damit die Neue gleich wusste, mit wem sie es zu tun hatte. Ihr Blick war so streng, dass Mabelle fast einen Knicks gemacht hätte. Aber nur fast. Stattdessen kräuselte sie die Lippen und pustete sich eine ihrer blonden Locken aus der Stirn.
»Es tut mir leid, dass ich zu spät komme, Mademoiselle Chizaine«, sagte sie mit fester Stimme. »Man sagte mir, Monsieur Guérin würde heute entscheiden, welche Kleider ich bei der Schau vorführen soll.«
»Ich glaube nicht, dass Monsieur Guérin heute noch Zeit für dich hat.« Antoinette sprang vom Podest, ohne auf die Näherin zu achten, die zu ihren Füßen hockte und offensichtlich noch nicht mit dem Abstecken des Saums fertig war. »Mir hat er wunderschöne Modelle zugewiesen. Fünf Stück.«
Schneewittchen drehte sich um die eigene Achse, sodass sich der weite Rock in einen schimmernden Teller verwandelte. Dabei lösten sich einige Stecknadeln aus dem Saum und rieselten mit leisem Klicken zu Boden. Aber das schien Antoinette nicht zu kümmern.
»Sehr schön«, sagte Mabelle verwirrt. »Ich nehme an, es sind genug Kleider für uns alle da, sonst wären wir nicht gebucht worden.«
Mabelles Konkurrentin zuckte mit den schneeweißen Schultern....
| Erscheint lt. Verlag | 29.6.2020 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Die Geschichte der Familie Haynbach |
| Die Geschichte der Familie Haynbach | Die Geschichte der Familie Haynbach |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Romane / Erzählungen |
| Schlagworte | 20. - 21. Jahrhundert • Anna Jacobs • Bayern • Beziehung • Das Erbe der Wintersteins • Deutschland • Drama • Familiengeheimnis • Familiensaga • Frankreich • Frauenroman • Gefühle • kindle ebook • Kindle Roman • Liebe • Liebesleben • Liebesroman • Liebesromane für Frauen • Luisa von Kamecke • Mannequin • Mode • Nachkriegszeit • Näherei • Paris • romane ebook • Romantik • Saga • Schicksal • Süddeutschland • Tuchvilla • Weltkrieg • Wirtschaftswunder |
| ISBN-10 | 3-7325-7063-0 / 3732570630 |
| ISBN-13 | 978-3-7325-7063-8 / 9783732570638 |
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