Die letzte Astronautin (eBook)
480 Seiten
Piper Verlag
978-3-492-99605-1 (ISBN)
David Wellington wurde in Pittsburgh, Pennsylvania, geboren und studierte an der Syracuse University. Seine ersten Romane veröffentlichte er zunächst in seinem Internet-Blog, bevor amerikanische Verlage auf ihn aufmerksam wurden. Mit seinen Romanen um die Vampirjägerin Laura Caxton avancierte Wellington aus dem Stand heraus zum neuen Star der amerikanischen Horror- und Dark-Fantasy-Szene. Wellington ist verheiratet und lebt in New York, wo er als Archivar bei den Vereinten Nationen arbeitet.
David Wellington veröffentlichte seine ersten Romane zunächst im Internet, ehe amerikanische Verlage auf ihn aufmerksam wurden. Mit seinen Büchern um die Vampirjägerin Laura Caxton avancierte er aus dem Stand heraus zum neuen Star der amerikanischen Horror- und Dark-Fantasy-Szene. Wellington ist verheiratet und lebt in New York, wo er als Archivar bei den Vereinten Nationen arbeitet. "Die letzte Astronautin" ist sein erster Science-Fiction-Roman.
Periares
»It’s a grand old flag, it’s a high-flying flag …«
»Die Besatzung der Orion wünscht Ihnen zu Hause auf der Erde einen frohen und gesunden Vierten Juli. Aus Sicherheitsgründen können wir hier oben keine Feuerwerkskörper steigen lassen, aber wir möchten Sie gern wissen lassen, dass wir nicht vergessen haben, was dieser Tag für Amerika bedeutet.«
»Ganz recht, Blaine. Und hier auf der Orion haben wir gleich zwei Gründe zum Feiern. Heute haben wir die Umlaufbahn des Mondes hinter uns gelassen. Jetzt ist es offiziell: Die vier Besatzungsmitglieder der Orion sind weiter gereist als jemals ein Mensch zuvor.«
»USA! USA!«
»Das ist unser Experte Ali Dinwari, er hält die Fahne, die wir in ein paar Monaten auf dem Mars aufpflanzen werden. Und neben mir sitzt Bordarzt Blaine Wilson, der uns alle gesund hält …«
»Weiter, weiter, noch zwölf Minuten, dann bekommst du einen Hotdog!«
»Blaine ist ein grausamer Zuchtmeister, aber er hat recht – dort hinten auf dem Laufband sehen Sie unsere Wissenschaftsexpertin Julia Obrador, sie winkt gerade in die Kamera. Wir müssen jeden Tag zwei Stunden trainieren, denn auf der Orion herrscht Schwerelosigkeit. Wir müssen unsere Knochen in Schuss halten, damit wir bei der Ankunft auf dem Mars aufrecht gehen können und nicht kriechen müssen.«
»Du hast vergessen, dich selbst vorzustellen, Sally.«
»Stimmt! Gut, dass du da bist und mich erinnerst, Blaine. Ich bin Sally Jansen, Kommandantin …«
»Du wirst die erste Frau auf dem Mars sein, was?«
»Ah, ja … Missionskommandantin der Orion 6. Wir vernichten jetzt noch dieses Festmahl aus Hotdogs und Früchtepunsch und machen uns danach gleich wieder an die Arbeit. Aber wir konnten diesen Tag nicht verstreichen lassen, ohne Amerika – und die ganze Welt – wissen zu lassen, dass wir …«
»… and forever in peace may you wave!«
»… genau auf Kurs sind und uns auf einen historischen Moment auf dem roten Sand des Mars zubewegen. Einen schönen Vierten Juli euch allen!«
»Okay, Orion. Jetzt wieder normaler Funk. Habt ihr gut gemacht da oben – die Presseleute grinsen und das ist ein gutes Zeichen.«
»Danke, Houston.« Kommandantin Jansen wandte sich zu ihrer Besatzung um und zeigte ihnen den erhobenen Daumen.
»Gerne«, sagte die Bodenkontrolle. »Obwohl … ich bekomme gerade eine Nachricht. Sieht so aus, als hätte Julia die sozialen Medien vernachlässigt. Denkt daran, dass ihr mindestens dreimal täglich etwas posten müsst. Wenn die Leute auf der Erde nicht regelmäßig was von euch hören, machen sie sich Sorgen um eure geistige Gesundheit. Das macht ein schlechtes Bild.«
»Obrador?«, fragte Jansen.
»Ich gelobe Besserung, es ist nur … meine Güte. Kann ich von diesem Teil runter?«
Blaine Wilson bedachte Obrador mit einem fiesen Grinsen. »Noch neun Minuten.«
Doch Jansen schüttelte den Kopf. Sie hatten noch Arbeit vor sich. »Vergiss es, du bist fertig – und mach dir keinen Kopf wegen InstaChat, wir haben zu tun. Wilson, ich will nichts hören. Houston, hier Jansen, die Kommandantin. Habt ihr eine Erklärung für diese Abweichungen, die ich euch gezeigt habe? Auf meiner Anzeige leuchtet immer noch das rote Licht wegen des Ventildrucks in Treibstofftank sechs der Landefähre.«
»Orion, wir vermuten, dass es sich um ein fehlerhaftes Schaltrelais handelt. In dieser Phase der Mission sind diese Programme alle deaktiviert. Es wurde kein Druckablass veranlasst, deshalb gibt es keinen Grund für eine rote Warnleuchte oder irgendein anderes Licht. Sonst sieht alles gut aus. Das muss eine Störung sein.«
»Es leuchtet rot seit dem Schub zum Orbittransfer. Das gefällt mir nicht, Houston. Vielleicht bin ich paranoid, aber …«
»Sie entscheiden, Kommandantin. Sagen Sie uns, was Sie tun möchten.«
Jansen sah zu ihrer Besatzung im HabLab hinüber. Sie waren gut in Form, ein bisschen aufgekratzt, nachdem sie Gelegenheit gehabt hatten, eine Nachricht nach Hause zu senden, auch wenn es eine aufgezeichnete Nachricht gewesen war. »Jetzt wäre ein guter Zeitpunkt, es zu überprüfen. Ich bitte um die Genehmigung für einen Außenbordeinsatz, damit ich mir den Tank mal anschauen kann. Ist das okay?«
»Sie haben die Genehmigung für einen Außenbordeinsatz. Aber seien Sie vorsichtig, Kommandantin.«
»Verstanden, Houston.«
SALLY JANSEN, ASTRONAUTIN: Muss das sein? Über diesen Tag möchte ich nicht sprechen. Ich … Okay. Okay. Damals wollte die NASA, dass wir andauernd Pressetermine und Medienauftritte machten. Also wirklich ständig. Die Orion-Mission kostete Milliarden, und sie wollten den amerikanischen Steuerzahlern zeigen, was mit ihrem Geld passierte. Wir sollten Rockstars sein, TV-Promis. Das war mir immer unangenehm. Mein Gott, können wir nicht mal eine Minute Pause machen? Bloß eine Minute, damit ich mich ein bisschen sammeln kann. Denn Sie müssen verstehen, dass der 4. Juli 2034 der schlimmste Tag meines Lebens war.
Es war nicht einfach, sich in der Enge des HabLab in den Raumanzug zu zwängen. Und das Passieren der elastischen Luftschleuse reichte aus, um Jansen schwer ins Schnaufen zu bringen. Das HabLab-Modul – in dem die Astronauten lebten und arbeiteten – war ein siebzehn Meter langer, aufgeblasener Zylinder mit elastischen Doppelwänden, zwischen denen der Wasservorrat des Raumschiffs zirkulierte. Das Wasser hielt das Habitat nach Bedarf kühl oder warm und bot einen Schutzschild gegen die Weltraumstrahlung, doch wenn jemand dagegen stieß, wippte und wackelte das Modul wie eine Luftmatratze und flößte nicht gerade Zutrauen ein.
Die Luftschleuse des Habitats war eine enge Geweberöhre, durch die man sich in Zeitlupe hindurchwinden musste. Dabei musste man jede Bewegung vorsichtig planen, damit man nicht mit irgendeinem Teil des Raumanzugs an den dünnen Wänden hängen blieb. Ein Riss in der weichen Schleuse würde bedeuten, dass sie sämtliche Außenbordeinsätze abblasen konnten, bis die Schleuse wieder repariert war.
Irgendwie gelang es ihr, auf die andere Seite des Moduls zu kommen. Von dort half sie Julia Obrador, der Wissenschaftsexpertin, ebenfalls durch die Schleuse zu schlüpfen. Obradors Gesicht hinter dem Polykarbonatvisier war weiß wie ein Bettlaken und Schweiß stand ihr auf der Stirn. Sie lachte nervös und klammerte sich an das Schiff, als fürchtete sie herunterzufallen. Ihre Nervosität war nicht überraschend – in der Simulation hatte Obrador zwar schon zahlreiche Außenbordeinsätze gemacht, hatte das Schiff aber noch nie verlassen, seit sie von der Erde gestartet waren. Jansen tätschelte ihr den Arm, um ihr Mut zu machen.
Meine Güte, Jansen selbst war auch nicht gerade cool. Um sie herum dehnte sich das Universum in alle Richtungen aus, leer und finster. Sie kämpfte ein Schwindelgefühl nieder. Diesmal war es anders, fand sie. Anders als all die anderen Außenbordeinsätze, die sie auf der Raumstation Deep Space Gateway während des Trainings absolviert hatte. Sie brauchte einen Moment, bis sie begriff, warum.
Unter ihr war nichts. Nichts zu beiden Seiten. Nichts über ihr … rein gar nichts, einfach nur das Nichts … endlos.
Streng genommen gab es im Weltraum, in der Mikrogravitation, kein Oben und Unten. Das menschliche Gehirn war jedoch so sehr an Schwerkraft gewöhnt, dass es das nicht denken konnte, es einfach nicht hinnehmen konnte. In der Raumstation war das einfacher gewesen, denn dort war die Erde riesig leuchtend sichtbar gewesen. Der Bogen des Planeten war unten, damit kam das Gehirn klar. Es war in der Lage zu akzeptieren, dass man flog, dass der Boden sich einem nicht rasant näherte, denn es gab ein Unten, auf das man zeigen konnte. Jetzt aber nicht mehr.
Nach fünfzehntägiger Reise lag die Erde weit hinter ihnen, größer als jeder Stern, aber so weit weg, dass sie psychologisch nichts mehr ausrichtete. Jansen schwirrte der Kopf bei dem verzweifelten Versuch, einen Bezugsrahmen zu finden – und scheiterte daran.
»Man kann sich überall festhalten«, erklärte sie Obrador, die dankbar nickte. »Einfach nie loslassen, okay? Fass einfach einen Haltegriff und lass nicht mehr los.«
Im Helm klang ihre Stimme flach und blechern, als höre sie sich selbst im Radio. Als gäbe jemand anders diesen guten Ratschlag.
Sie sah das Raumschiff an, die Orion, und irgendwie konnte sie sich wieder orientieren. Ihr Schiff bestand aus vier Modulen, jedes von ihnen hatte eine andere Funktion. Ganz hinten war das Antriebsmodul mit den Triebwerken und den Treibstofftanks. Davor war das kegelförmige Steuermodul, der einzige Teil des Schiffes, der wieder zur Erde zurückkehren würde, wenn ihre Mission auf dem Mars abgeschlossen war. Der lange Zylinder mit dem HabLab war in eine Isolierschicht aus wattiertem Silbergewebe gehüllt, das in der Sonne blendete. Und am anderen Ende, direkt auf den Mars gerichtet, befand sich die kugelförmige Landefähre mit ihren Landestelzen, die vorn wie Insektenfühler herausstanden. Das war das Landemodul, in dem sie und Ali zwei Wochen lang auf beengtem Raum leben würden, während sie Steine und meteorologische Daten sammelten.
Aber bis dahin würden noch Monate vergehen. Sollte sie den Fehler nicht finden und sollte das rote Licht weiterhin leuchten, obwohl alles in Ordnung aussah, dann wäre sie den ganzen Flug über nervös. Deshalb sollte sie das besser jetzt klären.
»Immer eine Hand vor die andere«, erklärte sie Obrador, während sie sich an der Außenseite des Habitatmoduls entlanghangelte und sich am Haltegriff vorwärtszog. »Ganz langsam.« Sie durfte nicht zu schnell werden, sonst würde sie...
| Erscheint lt. Verlag | 3.8.2020 |
|---|---|
| Übersetzer | Simon Weinert |
| Verlagsort | München |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Fantasy / Science Fiction ► Science Fiction |
| Schlagworte | Abenteuer • Astronaut • Außerirdische • away • Buch • Bücher • das Objekt • Der Besucher • eBook • Erstkontakt • first contact • Horror • Mystery • Nasa • Near future • neuerscheinung 2020 • Parsons • Science Fiction • Science Fiction beginners • Science Fiction Buch • science fiction bücher • Science Fiction für Einsteiger • Science Fiction tipps • scifi buch • Scyfy Buch • Spannung • Suspence • Thriller • Überlebende • Universum • Weltall • Zukunft |
| ISBN-10 | 3-492-99605-1 / 3492996051 |
| ISBN-13 | 978-3-492-99605-1 / 9783492996051 |
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