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Raureif (eBook)

Apfelblütenträume 2
eBook Download: EPUB
2020 | 1. Auflage
350 Seiten
Piper Verlag
978-3-492-98523-9 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Raureif -  Valentina May
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Eine Apfelplantage im Alten Land und ein dunkles Geheimnis, das die Familie nicht loslässt: Der zweite Teil der großen Familiengeheimnissaga von Valentina May Finanzinvestor Finn Matthiesen verbindet eigentlich nichts mehr mit der Apfelplantage seiner Familie im Alten Land: Für ihn zählen nur Fakten und Zahlen, in zahlreichen flüchtigen Affären versucht er die Vergangenheit zu vergessen. Doch bei einem Besuch seiner Geschwister behauptet sein Bruder Tom, ihre totgeglaubte Schwester Caroline könnte noch am Leben sein. Finn gerät ins Zweifeln - was geschah damals wirklich? Als ob das nicht schon genug Unruhe in seinen Alltag bringen würde, stellt auch noch die schöne Maike sein Leben gehörig auf den Kopf. Denn mit ihr verbindet ihn mehr, als er sich zunächst eingestehen möchte ...

 Valentina May schreibt erfolgreich Liebesromane und Familiensagas der Gegenwart und Historie. Oft spielt die Natur in ihren Romanen eine wichtige Rolle. Ihre Geschichten spielen an Orten, die sie selbst besucht hat.  Die Autorin lebt mit ihrem Mann und ihren Tieren im Weserbergland. Wenn sie nicht am Schreibtisch sitzt und sich neue Geschichten ausdenkt, reitet sie von ihren Hunden begleitet durch Wald und Wiesen, was sie zu neuen Romanideen inspiriert. 

Valentina May schreibt erfolgreich Liebesromane, in denen auch die Natur eine wichtige Rolle spielt. Schon immer träumte Valentina von einem Cottagegarten und vielen Tieren. Diesen Traum hat sie sich inzwischen erfüllt. Die Autorin lebt mit ihrem Mann auf einem Hof in einem kleinen Dorf am Rande des Weserberglands. Wenn sie nicht am Schreibtisch sitzt und sich neue Geschichten ausdenkt, kümmert sie sich um ihren verwunschenen alten Rosengarten oder macht es sich auf einer Steinbank am Rande der Gänsewiese gemütlich.

1.


Dieser Kerl würde wohl nie aufgeben. Sein Brief war eine Frechheit. Was bildete er sich ein? Niemals würde sie an ihn verkaufen. Wütend zerknüllte Maike das Papier und pfefferte es auf den Boden.

»Zur Hölle mit diesem Matthiesen!«, rief sie außer sich. Tränen der Wut und Hilflosigkeit traten in ihre Augen.

Sie schämte sich, dass ihre Reederei seit Monaten rote Zahlen schrieb. Als sie sie vor fünf Jahren von den Eltern übernommen hatte, war es ein florierendes Unternehmen gewesen. Zunächst sah auch bei ihr alles erfolgsversprechend aus. Doch die Konkurrenten waren wie Pilze aus dem Boden geschossen und die Passagiere anspruchsvoller geworden. Nur die Anbieter mit den besten und zugleich günstigsten Ausflugsarrangements und -events gewannen. Ständig musste sie ihre Konkurrenten unterbieten, was ihre Einnahmen schmälerte. Maike war aus allen Wolken gefallen, als sie erfahren hatte, dass die Eltern keine Rücklagen gebildet, sondern jeden Cent in die Sanierung ihres maroden Altersruhesitzes gesteckt hatten, der verwaist auf deren Rückkehr wartete. Und in ihre Weltreise natürlich. Für eine notwendige Umrüstung der alten Schiffe, um den Ansprüchen der Passagiere zu genügen, reichte Maikes Geld nicht. Der ausflugsarme Winter nahte, und das Geld, das sie vorher verdient hatte, musste sie und Anna über die kalte Zeit hinwegbringen. Vielleicht hätte sie längst alles hingeworfen, aber sie war ihren Eltern dankbar, dass sie ihr die Kapitänsausbildung ermöglicht hatten. Ohne sie hätte Maike es nicht geschafft. Doch dann war sie schwanger geworden, und die Eltern hatten ihre finanzielle Unterstützung versagt. Aus Scham und Enttäuschung. Die Tochter der angesehenen Reederei Hansen bekam ein uneheliches Kind, und gab zu allem Überfluss den Namen des Vaters nicht preis.

In ihrem Heimatdorf Stolteby waren die wildesten Gerüchte über sie kursiert, die Maike zur Flucht gezwungen hatten. Oft hatte sie sich selbst vorgeworfen, den leidenschaftlichen Gefühlen einer einzigen Nacht nachgegeben zu haben. Verständnis oder gar Mitgefühl hatte sie bei niemandem gefunden, nicht mal bei ihrer Familie. Einsam und verlassen hatte sie sich gefühlt, bis sie begriffen hatte, dass es nichts brachte, in Selbstmitleid zu baden, sondern sie ihr Leben meistern musste. Genauso wie jetzt, da sie mit Problemen erneut allein dastand. Mit einer Armbewegung fegte sie wütend das Rechnungsbuch vom Schreibtisch und stützte den Kopf in die Hände. Eine Weile saß sie grübelnd da. Wie sollte es jetzt weitergehen?

Lautes Klopfen schreckte sie auf.

»Moment bitte!«, rief sie und hob hastig das Rechnungsbuch wieder auf.

Was nützte es ihr zu jammern. Wenn sie die Reederei erhalten wollte, musste sie Matthiesen die Stirn bieten.

»Herein!« Maike richtete ihren Haarknoten, aus dem sich beim Bücken Strähnen gelöst hatten.

Das kaum zwanzigjährige Crewmitglied Tabea stand mit scheuem Blick zögernd in der Tür.

»Bitte entschuldigen Sie die Störung, Frau Hansen, aber der Cateringservice für den morgigen Ausflug nach Maasholm und Schleimünde hat soeben abgesagt«, berichtete sie mit betroffener Miene. »Was machen wir denn jetzt?«

Maike stöhnte und schloss kurz die Augen.

Das nicht auch noch! Als wenn ich nicht genug gestraft wäre.

Sie wusste aus Erfahrung, wie aussichtslos es war, kurzfristig jemand anderen zu finden. Irgendetwas würde, nein musste ihr auf die Schnelle einfallen.

»Wir improvisieren eben«, entschied sie nach kurzer Überlegung.

Tabea blickte verdutzt. »Improvisieren? Ich … ich verstehe nicht …«, stammelte sie.

»Ganz einfach. Morgen ist ja nur Fingerfood angesagt. Wir werden die Platten eben selbst machen«, erklärte Maike bestimmt. Oft genug hatte sie ihrer Mutter, einer gelernten Köchin, über die Schulter geschaut und selbst mit Hand angelegt, wenn es erforderlich war. Als sie noch ein Kind gewesen war, hatten die Eltern alles selbst für die Gäste zubereitet. Wie gern hatte sie beim Decken der Tische geholfen und viel dabei gelacht.

»Zieh’ nicht so ein Gesicht, Tabea. Die Absage vom Catering ist kein Weltuntergang. Wir packen das schon«, sagte Maike voller Zuversicht.

»Aber ich habe so was noch nie gemacht«, verteidigte sich ihre Angestellte.

»Dann wird es Zeit, dass du es lernst. Ein guter Unternehmer rechnet mit Ausfällen und ist flexibel genug, sich aus der Not zu retten«, antwortete Maike augenzwinkernd. Auch ich habe einst ähnlich wie Tabea empfunden.

Wenigstens lenkte sie das Problem von Matthiesens frechem Brief ab.

Keine Viertelstunde später waren alle Aufgaben vom Einkaufen bis zur Garnitur der Platten mit ihrer Crew zu Maikes Zufriedenheit aufgeteilt.

 

Maike rollte Mett zwischen ihren Händen zu Bällchen und legte sie in die Pfanne. Genau wie damals. Während sie einen Mettball nach dem anderen formte, schweiften ihre Gedanken in die Vergangenheit zurück zu dem Tag, an dem sie von ihrer Schwangerschaft erfahren hatte. Ganz in Gedanken gab sie einen Fleischklops nach dem anderen in das heiße Fett und wendete sie.

»Autsch!«, schrie Maike plötzlich auf und schaltete den Herd aus, bevor sie fluchend zur Spüle hinüberrannte. Fett war beim Braten aus der Pfanne gegen ihre Hand gespritzt. Die Hautstelle auf ihrem Handrücken brannte höllisch. Sie ließ kaltes Wasser darüber laufen, was den Schmerz milderte.

»Mami?«

Maike zuckte erschrocken zusammen, dann wandte sie sich um. Anna stand in ihrem rosa Känguru-Pyjama und wirrem Haar in der Tür, den Stoffhasen fest im Arm und rieb sich gähnend die Augen. Maike war sofort bei ihr und zog sie liebevoll in den Arm.

»Kannst du nicht schlafen, Schätzchen?« Sie trug Anna zum Schlafzimmer hinüber, das sie sich teilten.

»Du hast eben geschrien. Was war denn los?«, fragte Anna halb besorgt, halb vorwurfsvoll.

»Tut mir leid, wenn ich dich aufgeweckt habe. Ich habe für die morgige Fahrt Mettbällchen gebraten. Dabei habe ich mich verbrannt«, erklärte sie Anna und legte das Mädchen behutsam aufs Kinderbett, das nur einen Schritt von ihrem eigenen entfernt stand.

»Schlimm?« Anna sah sie mitfühlend an. Ihre Tochter war ein sensibles Kind und immer voller Mitgefühl. Maike schüttelte den Kopf.

»Nein, tut schon gar nicht mehr weh«, log sie, um das Kind nicht mehr zu beunruhigen. »Jetzt schlaf schön, Anna. Morgen musst du wieder früh raus.«

»Liest du mir noch was vor? Bitte.« Flehend sah Anna sie aus großen, grauen Augen an. Wie hätte Maike da hart bleiben sollen? Anna weiß genau, wie sie mich um den Finger wickeln kann. Maike hoffte, dass ihre Tochter bei den ersten Sätzen einschlafen würde.

»Also gut, aber nur eine kleine Geschichte, ja?«, gab sie seufzend nach. Anna strahlte, und Maike ging das Herz auf.

»Die Geschichte mit dem Drachen«, forderte Anna, in deren Blick so viel Entschlossenheit lag, dass es Maike erneut an jemanden erinnerte, den sie lieber vergessen wollte.

Da sie heute zu erschöpft war, um mit ihrer Tochter zu diskutieren, griff sie nach dem Buch im Regal, schlug es auf und begann, daraus vorzulesen. Wie erhofft, war Anna rasch eingeschlafen. Maike saß noch eine Weile neben ihr auf dem Bett, lehnte den Kopf an die Wand und schloss die Augen. Die gleichmäßigen Atemzüge ihrer Tochter machten auch sie schläfrig. Gegen ihren Willen schlief sie ein und träumte von einem Paar stahlgrauer Augen, die sie verlangend und besitzergreifend ansahen …

 

Als sie am nächsten Morgen aufwachte, fühlte sie sich wie gerädert. Der Wecker auf dem Nachttisch schrillte so laut, dass sie davon Kopfschmerzen bekam. Die Mettbällchen für die Ausflügler! Die mussten noch auf einer Servierplatte garniert werden. Höchste Zeit zum Aufstehen. Maike schwang sich aus dem Bett und eilte ins Bad. Während sie unter der Dusche stand, ging sie im Geist durch, was heute noch außer der Fahrt nach Maasholm und Schleimünde zu erledigen war. Nachdem sie alles durchgegangen war, beschloss sie, gegen Mittag nach Hamburg zu fahren, um diesem arroganten Matthiesen ein für alle Mal klarzumachen, dass sie ihre Reederei nicht verkaufen würde.

Und genauso machte sie es. Nachdem sie den hektischen Vormittag mit der Ausflugstour hinter sich gebracht hatte, setzte Maike sich in ihren Wagen und fuhr nach Hamburg. Auf dem Beifahrersitz lag der Umschlag mit Matthiesens Büroadresse in der Nähe der Landungsbrücken. Im Geist legte sie sich die Worte zurecht. Solch einem knallharten Manager musste sie nicht nur gut vorbereitet, sondern auch energisch und selbstbewusst entgegentreten. Genau daran haperte es, denn tief in ihrem Innern war sie alles andere als selbstsicher. Es fiel ihr immer schwerer, neue Ausreden zu erfinden. Sie hasste es, ihre Gläubiger vertrösten zu müssen, genauso wie sie Annas Wünsche ständig zurückstellen musste. Den geplanten Schulausflug konnte sie eh nicht bezahlen. Dabei wollte sie eigentlich, dass Anna an allem teilnahm, woran sie Lust hatte.

Maike bog ab und parkte ihren Wagen nur wenige Schritte entfernt vom gläsernen Bürokomplex, neben dem ein blank poliertes Messingschild mit der Aufschrift FM Investor KG in der Sonne glänzte. Das gläserne Vordach reflektierte das Sonnenlicht und blendete sie. Der moderne Bau hatte klare Linien, zwar nicht ihr Geschmack, aber jeder, der ihn sah, würde sich im Nachhinein daran erinnern.

Gleich würde sie sich in die Höhle des Löwen begeben. Nur wenige Parkplätze weiter stand ein schwarzer Porsche auf dem für Matthiesen gekennzeichneten Parkplatz. Sie hatte wohl Glück und könnte dem arroganten Kerl endlich die Meinung sagen, was sie von ihm und seinem Angebot hielt. Darauf freute sie...

Erscheint lt. Verlag 2.3.2020
Reihe/Serie Altes Land-Saga
Altes Land-Saga
Verlagsort München
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte Altes Land • Band 2 • Familenroman • Familiengeheimnis • Familiensaga • Hamburg • Liebesroman • Romane für Frauen • Trilogie
ISBN-10 3-492-98523-8 / 3492985238
ISBN-13 978-3-492-98523-9 / 9783492985239
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