Mission SOL 2020 / 7: Drei hoch Psi (eBook)
64 Seiten
PERRY RHODAN digital (Verlag)
978-3-8453-5148-3 (ISBN)
5.
Kooperation war von der Besatzung der SOL offenbar nicht zu erwarten. Nur Widerspruch. Ein Widerspruch nach dem anderen. Und der letzte Widerspruch war einer zu viel gewesen.
Für Eroin Blitzer stand nun fest, dass sich die Solaner nicht seinen Anweisungen fügen wollten und das Sphärenlabyrinth nicht angreifen würden. Die Faszination eines solchen Gebildes höherer Technik war offenbar viel zu groß, als dass sie davon hätten lassen können. Sie würden immer wieder neue Gründe ersinnen, weiterzuforschen, statt zu handeln. Bis es zu spät wäre.
Folglich musste er auf andere Weise zum Ziel gelangen.
Blitzer entschied, als Erstes die beiden Kalbarone der Terminalen Kolonne zu töten. Solange sie auf der Medostation behandelt wurden, waren sie wehrlose Opfer; erwachten sie erst aus der Narkose, stellten sie gefährliche, weil kluge Gegner dar.
War das erledigt, würde er endgültig die Kontrolle über die SOL übernehmen, mit ihr das Sphärenlabyrinth unschädlich machen und danach die Solaner für ihre Unbotmäßigkeit strafen: mit der Vernichtung ihres Schiffs.
Blitzer ging von Perry Rhodans Kabine bis zum nächsten Sicherheitsposten und drang durch die Wand in die Waffenkammer ein, als stünde ihr Schott sperrangelweit offen. Er nahm sich ein schweres Kombistrahlgewehr, einen tragbaren Individualschirmprojektor und einen Behälter mit Desintegratorgranaten, den er mit einem Riemen um die Hüfte schnallte. Der Schutzschirmprojektor war ein primitives Aggregat nach dem Prinzip der Hypermagnetischen Abwehrkalotte, dem Hochenergie-Überladungsschirm eines SERUNS zwar weit unterlegen, doch Blitzer hätte an Bord der SOL schwerlich einen Kampfanzug gefunden, der ihm passte. Und sollte er in Bedrängnis geraten, konnte er sowieso durch die nächste Gangwand fliehen, während seine Gegner sich erst ein Schott suchen mussten.
Er folgte dem Korridor weiter, solange er in seine Richtung führte, dann passierte er eine Wand und gelangte in eine Kabine mit einer Schlafstätte. Zwei unbekleidete Solaner, die dort lagen, fuhren hoch. Ihre protestierenden Rufe verstummten abrupt, als Blitzer die nächste Wand durchschritt. Immer rascher eilte er von einem Mannschaftsquartier zum nächsten, so schnell, dass er von vielen Solanern gar nicht bemerkt wurde, nur von denen, deren Blickfeld er durchquerte. Und bevor sie etwas tun konnten, um ihn aufzuhalten, hatte er ihren Bereich schon wieder verlassen.
Auch auf dem Gang, der direkt an seinem Ziel vorüberführte, hielt er nicht inne, sondern strebte in unvermindertem Tempo auf die Wand der Isolierstation zu. Ungebremst prallte er dagegen und wurde mit der Energie des eigenen Schwungs ein gutes Stück zurückgeschleudert. Er landete auf dem Boden, sein Kombistrahler schlitterte davon.
Blitzer hätte nicht benommen sein dürfen. Normalerweise wäre er unverzüglich aufgesprungen, hätte die Waffe geholt und versucht, die Wand auf andere Weise zu überwinden. Doch er blieb einen Moment am Boden liegen. Die Kopfschmerzen, die ihn plagten, hatten sich zu bislang ungekannter Intensität gesteigert und lähmten ihn geradezu. Er schaltete sein Schmerzempfinden ab, versuchte es zumindest, jedoch ohne jeden Erfolg. Das erschreckte ihn mehr als das quälende Hämmern im Kopf selbst. Er musste mehrere Sekunden warten, bis es abflaute.
Warum erlaubte es ihm seine Fähigkeit nicht, die Wand der Medostation zu durchdringen? Lag es an der hohen Ricodinkonzentration? Blitzer hielt das für höchst wahrscheinlich. Die Solaner selbst konnten nichts verbaut haben, was ihn in seinen Möglichkeiten einschränkte, nicht mal in einer Isolierstation. Ihr technisches Niveau war schlichtweg zu primitiv.
Er wartete darauf, dass die Pein auf den Pegel von vor dem Zusammenprall zurückging. Er wartete vergeblich. Schließlich bückte er sich nach dem Kombistrahler – erneut schoss ihm Schmerz in den Kopf, er keuchte –, nahm ihn an sich und sah einen Solaner um die Ecke des Gangs biegen. Der weibliche Mensch trug lockige Haare und hatte die Stirn gekraust. Offenbar war ihr das Klappern des Kombistrahlers aufgefallen, und sie kam nachschauen, was geschehen war. Ein Paralysestrahl aus seiner Waffe fällte sie, bevor sie eine Frage stellen konnte.
War es das, was ein Cowboy machte?
Eroin Blitzer ärgerte sich über die unpassende Überlegung und schaltete den Strahler auf Thermowirkung um. Zerbone und Aroff wollte er nicht paralysieren, und das medizinische Personal hatte sich aus dem Kampf herauszuhalten, wenn er es verschonen sollte. Wenn es diese alte terranische Tradition nicht einhielt, waren sie selbst für das verantwortlich, was ihnen geschah.
*
Der Türöffner gab eine wenig melodiöse Fehlermeldung von sich. Verschlossen. Nun, es war eine Isolierstation. Langsam und vorsichtig, um keinen erneuten Kontakt mit dem Ricodin zu erleiden, fädelte sich Eroin Blitzer in die positronischen Schaltkreise des Schlosses ein. Dorthin war das Chaosgeflecht noch nicht vorgedrungen. Entsprechend leicht fiel es ihm, den Verschlusszustand aufzuheben.
Das Schott fuhr zur Seite. Blitzer zog sich aus der Schließtechnik zurück, aktivierte den Individualschirm, nahm den Kombistrahler in den Schulteranschlag und rückte in die Isolierstation vor.
In einem weiten Halbkreis stand ein halbes Dutzend Medoliegen. Zwei waren belegt, eine von einem schlangenmenschenhaften Mor'Daer, während auf der anderen ein Federkleid und ein hoch aufragender Schnabel den Ganschkaren verrieten. Beide Kalbarone regten sich nicht, waren narkotisiert, wie ihr Behandlungsverfahren es unbedingt verlangte.
Der Paralysatorschuss, der ihn traf, verpuffte im Schutzschirm. Er feuerte auf die Medikerin, die sich ihm in den Weg gestellt hatte, und erkannte sie im gleichen Moment: Mahlia Meyun, ein Protegé von Rhodan und Danton.
Sie war nicht nur in Medotechnik ausgebildet, sondern auch kampferfahren, was Blitzers Mission unerfreulich zu verkomplizieren drohte. Sie warf sich hinter ein unbenutztes Medobett in Deckung, und Blitzers Thermostrahl bohrte sich erfolglos nur in die Wand gegenüber dem Eingang. Metallplastik warf Blasen und kochte, ein beißender Gestank wallte in den Raum. Alarm jaulte auf.
Blitzer registrierte das nur am Rande, feuerte noch einmal auf die Medikerin, ohne sie zu treffen. Dass sie seinem ersten Schuss hatte ausweichen können, ließ nur den Schluss zu, dass seine Reaktionen stark verlangsamt waren, ohne dass er es selbst bemerkt hatte. Diesem Umstand musste er fortan Rechnung tragen.
Die Tatsache verriet Blitzer allerdings noch etwas anderes: Meyun war gewarnt gewesen. Rhodan oder Danton mussten sie benachrichtigt haben. Es überraschte ihn wenig, dass sie ihm genauso wenig vertrauten wie er ihnen.
Blitzer überlegte, das Kombistrahlgewehr auf Desintegrationsmodus zu schalten und die Medoliege, hinter der sich Meyun verbarg, unter Dauerbeschuss zu nehmen. Ohne Deckung hatte sie keinerlei Aussicht auf Überleben.
Diese Vorgehensweise hätte ihn jedoch Zeit gekostet; Zeit, die ihm nicht zur Verfügung stand, wenn Rhodan und Danton sein Vorgehen vorausgesehen hatten. Blitzer wandte sich der Medoliege mit dem Ganschkaren Aroff zu und richtete den Strahler auf den Vogelartigen.
In rascher Abfolge schlugen Paralysatorschüsse in seinen Feldschirm, aber die Belastungsanzeige blieb im grünen Bereich. Die Handwaffe einer Medikerin konnte ihm nicht gefährlich werden.
Schwarze Ranken brachen aus Boden und Decke der Medostation. Das Ricodin bildete sinnverwirrend schnell eine Barriere zwischen ihm und Aroff. Die Fäden verhakten und verwoben sich zu einer hauchdünnen, schwarz schillernden Membran, deren Anblick Blitzers Schmerz vervielfachte.
Er feuerte. Der gepulste Thermostrahl schlug in die schwarze Wand und verlor sich. Tentakel schlängelten sich aus ihr hervor und peitschten nach ihm. Er wich zurück, aber dennoch traf ein Hieb seinen Feldschirm und durchdrang ihn, als wäre er nicht vorhanden. Ein Ricodinstrang ringelte sich um seinen Fuß, gleichzeitig schien sich um seinen Kopf ein glühendes Band zusammenzuziehen.
Blitzer wich weiter zurück, trotzdem trafen ihn zwei Tentakel an Schulter und Hüfte. Schmerz brandete auf, sein Strahler flog durch die Luft. Blitzer torkelte durch das Schott zurück auf den Gang.
Schwarzes Ricodin verschloss den Eingang.
Alarm gellte durch den Korridor. Blitzer hielt sich den Kopf, wandte sich ab, ergriff die Flucht. Gegen die Medostation vorzugehen, war sinnlos. Er musste fliehen, einen neuen Angriff planen ...
Als er versuchte, durch die Wand gegenüber der Medostation zu gehen, gelang es ihm nicht. Das Metall war für ihn plötzlich genauso massiv wie für jeden beliebigen Terraner an Bord. Dabei hatte er genau diese Wand vorhin erst passiert!
Eine neue Ricodinbarriere? Nein, so schnell konnte sich der Kolonnen-Baustoff nicht ausgebreitet haben. Zumal Blitzer nicht den Schmerz spürte, der ihn normalerweise durchzuckte, wenn er mit dem Material in Kontakt kam.
Also hatte er seine Fähigkeiten eingebüßt. Er musste durch den Gang fliehen, ein Versteck suchen wie ein Dieb in der Nacht, nicht wie ein Beauftragter der Hohen Mächte.
Es war fatal: In diesem Zustand war er den Solanern hilflos ausgeliefert. Er hatte seine Gegner unterschätzt, die sich offensichtlich wesentlich stärker mit dem Chaos verstrickt hatten, als Blitzer klar gewesen war.
Nun stand fest: Er hatte nicht mal mehr das kleine Machtmittel, die SOL zu kontrollieren. Dazu war sie zu sehr vom Chaos durchsetzt. Und diejenigen, deren Unterstützung er nun gebraucht hätte, hatte er sich zum Feind gemacht.
Er entschied sich zu einer Planänderung. Die Vernichtung des...
| Erscheint lt. Verlag | 11.6.2020 |
|---|---|
| Reihe/Serie | PERRY RHODAN-Mission SOL 2 |
| Verlagsort | Rastatt |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Fantasy / Science Fiction ► Science Fiction |
| Schlagworte | Neo • Perry Rhodan • Perryversum • Science Fiction |
| ISBN-10 | 3-8453-5148-9 / 3845351489 |
| ISBN-13 | 978-3-8453-5148-3 / 9783845351483 |
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