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DER WEISSE TEPPICH (eBook)

Der Krimi-Klassiker!
eBook Download: EPUB
2020
CLXXXVIII Seiten
BookRix (Verlag)
978-3-7487-2746-0 (ISBN)

Lese- und Medienproben

DER WEISSE TEPPICH - Bryan Edgar Wallace
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Der weiße Teppich war ein Zankapfel von dem Augenblick an, als Harriet MacDonald ihn vorschlug. Ihr Mann protestierte entschieden. Trotzdem ging sie hin und kaufte ihn. Als ich sie kennenlernte, bildete ich mir ein, ihr eigensinniges Beharren auf dem weißen Teppich sei nur eine Methode, sich gegen den dominierenden Gatten durchzusetzen: Aber wie so vieles in dem eigenartigen Haus lag auch hier, wie es sich herausstellen sollte, ein tieferer und keineswegs so simpler Grund vor. Bryan Edgar Wallace (* 28. April 1904 in London; ? 1971), der Sohn des legendären Schriftstellers Edgar Wallace, wurde in Deutschland insbesondere durch die Verfilmung seiner Romane in den 1960er Jahren bekannt. Der Roman Der weiße Teppich erschien erstmals im Jahre 1963; eine deutsche Erstveröffentlichung folgte im gleichen Jahr unter dem Titel George und Jojo. Der weiße Teppich war überdies die literarische Vorlage für den Film Der Henker von London (Deutschland 1963, Regie: Edwin Zbonek) mit Hansjörg Felmy, Maria Perschy, Dieter Borsche, Wolfgang Preiss, Rudolf Fernau und Chris Howland. Der Apex-Verlag veröffentlicht die Werke von Bryan Edgar Wallace als durchgesehene Neuausgaben in seiner Reihe APEX CRIME und macht diese Krimi-Klassiker erstmals seit nahezu fünfzig Jahren wieder verfügbar.

  Erstes Kapitel


 

 

Der weiße Teppich war ein Zankapfel von dem Augenblick an, als Harriet MacDonald ihn vorschlug. Ihr Mann protestierte entschieden. Trotzdem ging sie hin und kaufte ihn. Als ich sie kennenlernte, bildete ich mir ein, ihr eigensinniges Beharren auf dem weißen Teppich sei nur eine Methode, sich gegen den dominierenden Gatten durchzusetzen: Aber wie so vieles in dem eigenartigen Haus lag auch hier, wie es sich herausstellen sollte, ein tieferer und keineswegs so simpler Grund vor.

Ich persönlich musste, als ich den Teppich zum ersten Mal sah, Jock MacDonald recht geben. Er brachte eine übermäßig bizarre Note in ein an und für sich schon recht phantastisches Haus. Aber als dann alles vorbei war, habe ich mich zuweilen gefragt, ob nicht MacDonald mit seinem Interesse für afrikanische Zauberkünste dunkel geahnt haben mag, dass dieser Teppich der Schlüssel zu seinem Tode sein würde.

Harley Manor, das schöne alte Herrenhaus, das die MacDonalds bewohnten, habe ich mein Leben lang gekannt. Bevor die MacDonalds es kauften, hatte es den Craigs gehört, die mit meiner Familie befreundet gewesen waren. In meiner Jugend war ich in dem Haus aus und ein gegangen. Sie hatten einen Sohn in meinem Alter gehabt, aber er war bei einem Autounglück umgekommen, und da waren sie weggezogen. Er war der einzige Sohn gewesen. Ich nehme an, sie hielten es nicht aus, dort zu bleiben.

Wohl gerade weil ich das Haus so gut kannte und weil es so eng mit meiner Kindheit verknüpft gewesen war, war ich tief bestürzt, als ich sah, was MacDonald angerichtet hatte.

In den Jahren, in denen ich es gut kannte, war es ein schlampiges, behagliches Heim gewesen, etwas altmodisch, voll von Lachen, Hunden und Angelgerät in der Halle. Einmal im Jahr, erinnere ich mich, veranstaltete Mrs. Craig ein gigantisches Großreinemachen, und trotz der schmerzerfüllten Proteste der Kinder wurde aller angehäufte Kram auf einem gewaltigen Scheiterhaufen verbrannt. Trotzdem sah das Haus nach zwei Monaten wieder so aus, als ob gar nichts geschehen wäre.

Mehrere Jahre hatte das Haus leer gestanden. Dann zog plötzlich der neue Besitzer ein - MacDonald. Da er mein nächster Nachbar war, suchte ich ihn auf. Obwohl ich wusste, es sei jemand zu Hause, meldete sich niemand auf mein Klingeln, also gab ich es auf - das heißt so lange, bis ich Joan, MacDonalds Tochter, kennenlernte. Das genügte, um mich zu neuen Annäherungsversuchen zu bewegen.

Ich werde nie den Augenblick vergessen, als ich zum ersten Mal das Innere des Hauses zu sehen bekam, nachdem die MacDonalds es übernommen hatten. Diesmal wurde mir die Tür geöffnet, von einem alten, verschrumpelten Neger, und den Bruchteil einer Sekunde lang war es, als ich die Halle betrat, v/ie eine Heimkehr; aber als ich mich umsah, bekam ich einen gewaltigen Schock: eine grausige Maske starrte mir ins Gesicht. Es gab vier Stück davon, je zwei links und rechts von der Tür, die früher einmal zu Vater Craigs Studierstube geführt hatte - eine Sammlung hässlicher afrikanischer Ritualmasken, eine immer schöner geschnitzt und eine immer abscheulicher als die andere. Schon ihr Anblick bedrückte mich, und noch heute bringe ich diesen ersten Augenblick mit all den Ereignissen in Verbindung, die sich später in diesem Haus abgespielt haben.         

Die Masken waren an und für sich schlimm genug. Ihre primitive Brutalität aber wurde noch durch den unfassbaren Kontrast zu dem Wandschmuck an der gegenüberliegenden Seite der Halle unterstrichen. Dort hingen neben der Tür, die früher einmal ins Wohnzimmer führte, zwei zarte französische impressionistische Gemälde.

Wandte ich mich nach links, dann befand ich mich in der heutigen Welt, wandte ich mich nach rechts, dann fühlte ich mich um zehntausend Jahre zurückversetzt, in eine Zeit, als alles Wissen noch im Verborgenen lag und das Leben der Menschen von der Angst vor dem Unbekannten beherrscht wurde. Es lag an dem krassen Kontrast: Als ob auf eine mystische Art das Haus in zwei Hälften zerfallen wäre. Mein erster Impuls war, wegzulaufen, aber, wie gesagt, ich war gekommen, um eine junge Dame zu treffen - also blieb ich da.

Ich bin nie ein Schürzenjäger oder Seladon gewesen, aber ich muss zugeben, im Falle Joan war ich drauf und dran, mich zu verknallen - noch dazu, nachdem ich sie bis dahin nur zweimal getroffen hatte. Jetzt hatte ich mir vorgenommen, sie zu einer Tennispartie einzuladen, die eigens zu diesem Zweck arrangiert worden war.

Joan MacDonald war ein merkwürdiges Mädchen, völlig anders als die Frauen, die ich je in meinem Leben kennengelernt hatte, und gerade ihre besondere Art machte sie so anziehend. Im Vergleich zu den ortsüblichen drallen Sporttypen, die in rotwangiger Fülle in meinem Erdenwinkel zu gedeihen schienen, war sie reiner Dynamit, und bereits unser kurzes Gespräch an den Seitenlinien von Dolly Harmsworths Tennisplatz, während wir zusahen, wie die Tochter des Dorfarztes mit schwitzender Begeisterung den Ball jagte, hatte mir gezeigt, dass alles an ihr durchaus ungewöhnlich war. Sie spielte nicht Tennis, war aber eine Meisterschützin. Sie hatte noch nie ein Kaninchen, wohl aber mindestens drei Tiger erlegt. Sie sprach nicht Französisch, dafür aber fließend Suaheli, und anders als die meisten jungen Mädchen aus meinem Bekanntenkreis, die sich nur dafür interessierten, wer es gerade mit wem trieb, wie und wo, machte Joan MacDonald kein Hehl daraus, dass sie jede Art von Tratsch langweilig fand.

Sie war nicht sehr groß, hatte aber die anmutig lässige Haltung eines Menschen, dessen Muskeln durchtrainiert sind und jedem Wink gehorchen. Ihr Gang hatte etwas Katzenhaftes, und obwohl sie sich durchaus natürlich bewegte, lag in ihrer gleitenden Anmut etwas Unwirkliches. Das Gesicht war herzförmig, mit reinen, scharf geschnittenen Linien. Obwohl die Backenknochen vielleicht ein wenig zu hoch saßen, als dass man von Vollendung hätte sprechen können, fand ich den Gesamteindruck berückend; nach Dollys Tennispartie konnte ich es kaum erwarten, Joan wiederzusehen.

Leider war die Woche nach der Partie recht arbeitsreich. Ich bin nämlich ein sogenannter Gentleman-Farmer, eine Art Landjunker. Ich bewirtschafte ungefähr elfhundert Morgen Land, die mir mein Vater vererbt hat, und gerade in dieser Woche hatte ich einen Mähdrescher für die Weizenernte gemietet. Jede Stunde war kostbar, und ich kam nicht los.

Am Sonnabend kurz nach der Mittagspause waren wir fertig, drei und eine halbe Stunde früher als berechnet. Ich ging eilends ins Haus und badete. Aus einleuchtenden Gründen laufe ich nicht gern mit Strohhalmen im Haar umher.

Ich weiß nicht, ob es zu trifft, dass Trennung die Herzen zärtlicher stimmt. Meine Neugier jedenfalls war erheblich gewachsen.

Joans Vater hatte ich nur ein einziges Mal getroffen, und ich muss zugeben, er war eine imposante Erscheinung. Ich beaufsichtigte gerade einige meiner Leute, die einen Zaun gegen seinen Wald zu reparierten. Plötzlich - lautlos - stand er da, wie aus dem Boden gewachsen, wie aus dem Nichts hervorgezaubert: eine wuchtige Gestalt, volle einsachtzig groß, obwohl er kleiner wirkte, weil seine Schultern so breit waren. Er musste seine guten hundert Kilo wiegen. Der massige Kopf saß auf einem kurzen, kräftigen Hals, der mit einer muskulös gewölbten Brust verschmolz. Obwohl seine Züge die gleichen heroischen Ausmaße hatten wie seine Glieder - fester Mund, weit auseinanderstehende Augen mit buschigen Brauen, eine große, leicht abgeplattete Nase -, machte er auf mich einen seltsam verschlossenen und versonnenen Eindruck. Er kam mir wie ein Mensch vor, der ganz auf sich selber konzentriert ist und ohne Rücksicht auf die Folgen seinen Weg geht. Instinktiv spürte ich, dass MacDonald sich seine eigenen Maßstäbe setzte.

Wenn sie mit den Lebensregeln oder Maßstäben seiner Mitmenschen in Konflikt gerieten, würde er dennoch unbeirrt seinen eigenen Kurs halten.

Natürlich wurde in der Umgebung, besonders abends im Wirtshaus, viel über ihn geredet, aber Genaueres ließ sich nicht feststellen. Er war Witwer, hatte fast sein ganzes Leben in Afrika verbracht, aber was er dort eigentlich getrieben hatte, konnte nicht einmal Sergeant Gruggins, unser lokaler Sherlock Holmes, ans Licht fördern - und er hätte es wissen müssen, wenn es überhaupt zu erfahren gewesen wäre. Was die Dorfbewohner am meisten ärgerte - weil sie nämlich für gewöhnlich binnen vierundzwanzig Stunden herausbekommen hatten, was jedermann tat -, war, dass keiner von ihnen bisher Gelegenheit gehabt hatte, einen Blick in das Haus zu werfen, seit der neue Besitzer eingezogen war. Auch aus den beiden Negerdienstboten war nichts herauszubekommen, weil sie nie das Grundstück: verließen. Alle Änderungen im Hause selbst hatte eine Londoner Firma vorgenommen, deren Arbeiter - wenn man der öffentlichen Meinung Glauben schenken wollte - sich mit dem neuen Schlossherrn verschworen hatten, den Mund nicht aufzumachen. Nach dem dritten oder vierten Glas Bier wurden die Geschichten, die man sich über Harley Manor erzählte, immer phantastischer.

Nach seiner Ankunft wohnte MacDonald allein mit seinen Dienern zwei Jahre lang in dem Haus. Dann wurde über Nacht alles zugesperrt, und die Bewohner verschwanden. Das war an und für sich recht seltsam gewesen, aber als er einige Monate später wiederkam, genauso geheimnisvoll und stumm, wie er abgereist war, kannten die Aufregung und Neugier im Dorf keine Grenzen mehr - besonders, da er eine junge schöne Frau mitbrachte, die nur halb so alt war wie er.

Die ganze Gegend bereitete sich auf die Invasion vor. Nun, da eine Frau im Haus regierte, würde alles anders aussehen, aber man irrte sich sehr: Mrs....

Erscheint lt. Verlag 26.1.2020
Verlagsort München
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror Krimi / Thriller
Schlagworte Afrika • Apex-Verlag • Belletristik • Der Henker von London • eBook • E-Book • Edgar Wallace • England • geheimnisvoll • Gheimnis • Klassiker • klassisch • Krimi • London • Mord • Morde • Neuausgabe 2020 • neuerscheinung 2020 • Riten • Roman • Romane • Schwarze Magie • Spannung • Suspense • Thriller
ISBN-10 3-7487-2746-1 / 3748727461
ISBN-13 978-3-7487-2746-0 / 9783748727460
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