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Turbulenzen (eBook)

Weggefährten und Erinnerungen eines Flugkapitäns
eBook Download: EPUB
2019 | 12. Auflage
352 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7494-6302-2 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Turbulenzen -  Wolfgang S. Mittelbach
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In diesen fesselnden Memoiren teilt der Autor einige der äußerst kritischen und entscheidenden Erfahrungen, die sein Leben geprägt haben. Im Alter von 27 Jahren wurde bei Wolfgang S. Mittelbach unheilbarer Krebs diagnostiziert. Doch er gab nie auf, meisterte lebensbedrohliche Situationen und wurde später ein erfolgreicher Verkehrspilot in leitender Funktion.

Kapitel II
1965 bis 1975
Lehrjahre sind keine Herrenjahre


Realschule Main-Taunus

Der Beginn eines neuen Schuljahres sollte von nun an nicht mehr nach den Osterferien, sondern nach den großen Sommerferien sein. Kein Mensch wusste damals, warum das so sein sollte.

Diesen Schulbeginn gab es in Deutschland eigentlich schon ab 1941. Nach dem Krieg wurde das in Westdeutschland wieder rückgängig gemacht und der Schuljahresbeginn wieder in die Zeit vor 1941 auf das Frühjahr verlegt. Mitte der 60er Jahre besann man sich dann wieder darauf alles rückgängig zu machen. Betroffen waren die Länder Nordrhein-Westfalen, Hessen, Saarland, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg. In Hamburg, Bremen, Schleswig-Holstein und Niedersachsen gab es stattdessen ein Langschuljahr. Nur in Bayern blieb alles beim Alten, es hatte die erste Rückgängigmachung schon nicht mitgemacht.

Der damals amtierende hessische Kultusminister Orth äußerte sich wie folgt auf einer Pressekonferenz zum eingeführten Kurzschuljahr 1966/1967. Aufklärung jedoch vermochte der Minister nicht zu geben.

Orth zu den Journalisten in hessischen Dialekt:

„Ich kapier`s jetzt noch net ganz.“

Orth schlechthin:

„Das kapiert keiner warum mer des mache.“

Gespräche wurden in allen deutschen Kultusministerien, in allen Schulen und in vielen Elternhäusern geführt. Kein anderes Thema beschäftigte die Betroffenen so, wie die verwickelte Verlegung des Schulanfangs, die von den elf Kultusministern in Bonn beschlossen wurde.24

Gespart habe ich durch die beiden Kurzschuljahre eigentlich nichts. Aufgrund des Wechsels auf die Realschule Main-Taunus in Hofheim musste dafür die 5. Klasse wiederholt werden. Die Kurzschuljahre waren verbunden mit zwei Lehrerwechseln.

In den Jahren der Schulzeit möchte ich im Wesentlichen auf meine damaligen Interessen und Träume, die mich getrieben haben, eingehen.

Eine ehemalige Mitschülerin hielt ihre Memorieren aus der 5. und 6. Klasse in einem Schultagebuch fest: „Eine ganz neue Klasse. Der erste Tag ist am aufregendsten. All die neuen Lehrer. Aber bald freundeten wir uns mit allen an. Ganz gut getroffen haben wir es mit unserer Klassenlehrerin Frau Becher. Sie ist ganz Klasse. Außerdem haben wir jetzt schon Englisch. Eigentlich fühlen wir uns ganz wohl als Realschüler. Leider wird Frau Becher nach Bad Dürkheim versetzt und wir erwarten mit Spannung unseren neuen Klassenlehrer. Er ist noch jung, sein Name H.-W. Mester. Fast ist er noch besser als Frau Becher, er macht jeden Spaß mit. Bei uns hat er Mathematik, sein Lieblingsfach und Biologie. Wir planen unsere erste dreitägige Klassenfahrt, nach Eberbach bei Heidelberg. Jetzt sind wir in der Schule nicht mehr die Kleinen, sondern die R6C.“

Realschulklasse R6C im Jahr 1967
Nach einer Wanderung entlang des Philosophenweges in die Altstadt,
vor dem Brückentor der alten Neckarbrücke.
Meine Position 3. von links

Klassenfahrt in die Eifel

Für die weiteren Jahre bis zur Mittleren Reife hat uns Herr H.-W. Mester als Klassenlehrer unterrichtet. Ab der 7. Klasse kamen noch zwei zusätzliche Fächer hinzu. Physik, mein Lieblingsfach, und Französisch.

Eine fünftägige Klassenfahrt in die Vulkaneifel stand unmittelbar zu Beginn des neuen Schuljahres bevor. Unsere Unterkunft war die an einem Waldesrand gelegene Jugendherberge Naturfreundehaus nahe der Abtei Maria Laach bei Mendig. Die ganze Klasse war natürlich glücklich vom Schulunterricht befreit zu sein, dennoch galt es einiges Wissenswertes über die geologische Geschichte der Vulkaneifel zu erfahren. Der ovale Laacher See ist mit rund 3,3 km2der größte See in Rheinland-Pfalz. Auf einem geologischen Lehrpfad entlang der Uferzone war zu beobachten, wie Gasblasen des aufsteigenden Kohlenstoffdioxids auch heute noch die vulkanische Aktivität der Region nachweisen. Der letzte Ausbruch des Vulkans fand im Jahr 10.930 v. Chr. statt. Geologen gehen davon aus, dass zurzeit keine Gefahr von dem See ausgeht. Vor dem Hintergrund der langen Vulkantätigkeit in der Eifel ist die Möglichkeit eines Vulkanausbruchs jedoch nicht von der Hand zu weisen. Gemessen an diesen langen Zeiträumen sei ein neuer Ausbruch des Vulkans innerhalb der nächsten Jahrtausende „sehr wahrscheinlich“, vermuten die Vulkanologen.25

Da unser Lehrer Herr H.-W. Mester sehr gut zu Fuß war, plante er eine Wander- Rallye. Die Aufgabe bestand darin, in kleinen Gruppen, mit einem Kompass und einer topografischen Wanderkarte im Maßstab 1:50.000 ausgerüstet, den Weg durch unbekanntes Gelände zu finden. Zeitversetzt starteten die einzelnen Gruppen von der Jugendherberge auf den etwa 10 km langen Parcours. Je nach Richtung und Entfernung gab es an vorgegebenen Wegpunkten Rätsel zu lösen, die Informationen zum weiteren Wegverlauf gaben. Jeder Weg Punkt musste nachweislich anhand eines Protokolls entweder mit Zeitangabe, Rätsellösung, Zeichnung oder Mitbringsel bestätigt werden. Diejenige Gruppe hatte gewonnen, die zuerst möglichst fehlerfrei wieder an der Jugendherberge ankam.

Am letzten spätsommerlichen Abend dieser ereignisreichen Klassenfahrt führte uns der Weg über einen schmalen Waldpfad zu einem Basaltsteinbruch. Wir saßen im Kreis an einem romantischen Lagerfeuer, vergnügten uns bei Gitarrenklängen und grillten Würstchen.

Neben Geologie- und Geografieunterricht vor Ort, wurde auch die Kameradschaft innerhalb der Schulklasse zu dieser Zeit sehr geprägt.

Schnupperflüge

Die Fliegerei hatte mich weiterhin in ihrem Bann gezogen. Ob Modellflug, die Faszination der großen Passagier-Jets auf dem Rhein-Main Flughafen oder Ausflüge an den Wochenenden mit Vater zum Segelfluggelände des Aeroclub Wiesbaden e.V., auf der Platte bei Taunusstein-Neuhof.

In den Sommermonaten durfte ich öfters an Schnupperflügen mit einem Fluglehrer teilnehmen. In das Gurtzeug des Fallschirms habe ich gerade so hineingepasst, jedoch musste aufgrund meines Leichtgewichts die Trimmung im Bug mit Gewichten ausgeglichen werden. Hier kamen die Hebelgesetze, wie im Physikunterricht gelernt, zur praktischen Anwendung.

Bevor der erste Start durchgeführt wurde, unterwies mich mein Fluglehrer in Aerodynamik. Er erklärte, warum ein Segelflugzeug fliegt: „Damit ein Flugzeug fliegen kann, braucht es Auftrieb. Auftrieb entsteht durch Luft, die von vorne um die Tragflächen strömt. Viele Menschen glauben, dass hauptsächlich die Luft, die unter den Tragflächen entlang strömt, das Flugzeug trägt. Tatsächlich ist dies nur bedingt richtig. Die entstehende Kraft unter den Tragflächen macht nur etwa ein Drittel des gesamten Auftriebs aus. Die restlichen zwei Drittel des Auftriebs stammen vom Sog, der an der Oberseite herrscht.“

„Jedoch ist das genaue Prinzip des Auftrieb sehr kompliziert“, sagte mein Fluglehrer. „Aber wie funktioniert das?“ fragte ich wissbegierig. Ich bekam dafür eine vereinfachte Erklärung. „Wichtig für den Auftrieb ist, dass die Luft über den Tragflächen schneller strömt als die Luft unter den Tragflächen. Noch lange bevor das erste Flugzeug gebaut wurde“, erklärte mir mein Fluglehrer, „erkannte ein kluger Schweizer namens Bernoulli, dass der Druck in der Luft immer abnimmt, wenn ihre Geschwindigkeit zunimmt. Durch die gewölbte Oberseite muss das über der Tragfläche fließende Luftteilchen den längeren Weg zurücklegen. Das Teilchen auf der Unterseite legt einen kürzeren Weg zurück. Das heißt, nach Bernoulli, dass zum schneller fließen gezwungene Luftteilchen auf der Oberfläche erzeugt Unterdruck, das langsamere Luftteilchen auf der Unterseite erzeugt Überdruck. Zwei Luftteilchen, welche getrennt werden haben das Bestreben, egal was passiert nach der Trennung sich wieder am Ende der Tragfläche zu vereinen. Das bedeutet im Fall unserer Tragfläche, dass der Druck über der Tragfläche geringer ist als darunter. Durch dieses Phänomen wird das Flugzeug zu 2/3 nach oben gesogen und nur zu 1/3 nach oben gedrückt. Und da haben wir unseren Auftrieb.“

Nach dieser theoretischen aerodynamischen Einweisung konnte ich es kaum noch abwarten, bis ich im Cockpit des Seglers vom Typ Bergfalke II saß. Der erste Start stand unmittelbar bevor. Aufgrund der relativ kurzen, gegen das Gelände ansteigenden Grasbahn des Flugplatzes wurden die Starts mit einer Seilwinde durchgeführt. Nach Erteilung der Startfreigabe wurde das Zugseil mit der Winde leicht angespannt. Ein Helfer hielt die Tragflächen waagrecht und nach wenigen Metern stiegen wir im steilen Winkel bis das Schleppseil auf einer Ausgangshöhe von ca. 200 Metern ausgeklinkt wurde.

Nachdem wir frei flogen und in den thermischen Aufwinden des Taunus kreisten, um an Höhe zu gewinnen, meinte mein Fluglehrer, ich solle mal mit Daumen und Zeigefinger leicht am Steuerknüppel mitfühlen.

Nach kurzer Zeit ließ er den Steuerknüppel los und ich bekam ein Gefühl dafür, wie das Segelflugzeug um seine drei Achsen gesteuert wird. Mit dem Querruder um die...

Erscheint lt. Verlag 23.9.2019
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Biografien / Erfahrungsberichte
Sachbuch/Ratgeber Gesundheit / Leben / Psychologie Lebenshilfe / Lebensführung
Schlagworte Alternativmedizin • Biogarphie • Biographie • Gesundheit • Lebenshilfe • Luftfahrt • Medizin • Ratgeber • Schulmedizin • Verkehrsluftfahrt
ISBN-10 3-7494-6302-6 / 3749463026
ISBN-13 978-3-7494-6302-2 / 9783749463022
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