Notärztin Andrea Bergen 1393 (eBook)
64 Seiten
Bastei Entertainment (Verlag)
978-3-7325-9054-4 (ISBN)
Todesfahrt bei Eis und Schnee
Immer wieder wischt sich Lena Tränen aus den Augen, während sie in ihrem alten Auto über die tief verschneite Landstraße zum Waldfriedhof fährt. Nur dort, am Grab ihrer Oma, findet sie Ruhe und kann nachdenken. Selbst Eis, Schnee und katastrophale Straßenverhältnisse schrecken sie nicht ab. Zu groß ist ihre Verzweiflung darüber, dass ihr geliebter Jakob sie nur benutzt hat, um seine Karriere als Arzt voranzutreiben! All seine zärtlichen Worte waren nichts als Lügen und Berechnung! Als das Schneetreiben immer dichter wird, umklammert Lena das Lenkrad fester und starrt durch die Windschutzscheibe. Doch sehen kann sie kaum noch etwas, vor allem nicht die Fahrbahnbegrenzungen. Und mit einem Mal spürt Lena, wie ihr kleiner Wagen die Bodenhaftung verliert und zu schlittern beginnt - geradewegs auf einen dicken Baumstamm zu, der plötzlich mitten im Weg steht! Ein Schrei entfährt ihr, der Aufprall ist gewaltig und reißt das Metall des Autos auf. Nur kurz spürt sie einen brennenden Schmerz, dann senkt sich dunkelste Schwärze über Lena ...
Todesfahrt bei Eis und Schnee
Gib nicht auf, Lena! Bitte, gib nicht auf!, ist alles, was ich denken kann, während ich mit gleichmäßigem Druck und Atemgaben versuche, das Herz der jungen Frau wieder zum Schlagen zu bringen. Als ich spüre, dass meine Kräfte nachlassen, übernimmt mein Kollege Jakob Holthaus, und ich mag mir nicht vorstellen, was in dem angehenden Chirurgen in diesem Moment vor sich geht. Denn Lena Reichenbach, die auf eisglatter Straße verunglückt ist und um deren Leben er gerade kämpft, ist die Frau, die er liebt – und die nach einem erbitterten Streit der beiden in ihr Auto gesprungen und davongebraust ist. Mitten hinein in ihr Verderben …
Als das tragbare EKG nun eine erste schwache Herztätigkeit anzeigt, hält Jakob inne, und wir verladen die Patientin in Windeseile in den Rettungswagen. Auf der halsbrecherischen Fahrt durch Eis und Schnee schicke ich ein Stoßgebet zum Himmel, dass Lena leben darf! Und dass die zarte Liebe, die zwischen Jakob und ihr gewachsen ist, noch eine Zukunft hat …
„Guten Tag, ich habe ein Problem mit meinem Motorrad“, sagte Jakob Holthaus, als er den Kundentresen der Autowerkstatt erreicht hatte.
Die Frau, die hinter dem Tresen an einem Schreibtisch saß, hob kurz den Blick und deutete mit einem Finger auf das Telefon an ihrem Ohr.
„Einen Moment, ich bin gleich für Sie da“, sagte sie zu Jakob, dann wandte sie sich wieder dem Telefonat zu.
Jakob vergrub die Hände in den Taschen seiner Jeans und wartete. Er ließ den Blick über die Zertifikate an der Wand schweifen, die die Werkstatt als eine der besten und kundenfreundlichsten Autowerkstätten auszeichneten. Dann sah er wieder zu der Frau mit den roten Haaren, die ihm einen entschuldigenden Blick schenkte.
„Genau, das Teil wurde falsch geliefert“, sagte sie jetzt in den Hörer. „Ich brauche das Gegenstück dazu.“ Sie klemmte das Telefon zwischen Schulter und Ohr und notierte etwas auf einem Block. „Ja, perfekt. Alles klar, bis dann.“
Nachdem Sie aufgelegt hatte, wandte sie sich mit einem Lächeln Jakob zu, und ihm wurde es eigenartig warm ums Herz.
Die Frau hatte leuchtend grüne Augen, fast ein bisschen wie die einer Katze, ein hübsches rundliches Gesicht mit einer Stupsnase, und wenn sie lächelte, zeichneten sich niedliche Grübchen in ihre Wangen.
„So, was kann ich für Sie tun?“
Jakob brauchte einen Moment, bis er wieder in der Realität ankam. Das Wesen dieser Frau hatte ihn ganz gefangen genommen.
„Äh, ich bin wegen meines Motorrads da“, stammelte er. „Die Maschine springt nicht mehr an.“
„In Ordnung, dann sehe ich mir das mal an.“ Sie stand auf und kam hinter dem Schreibtisch hervor. Ihre Arbeitshose und ein Sweatshirt konnten ihre feminine Figur nicht verbergen, und Jakob bemerkte wieder, dass die junge Frau ihn völlig in seinen Bann zog.
Lena Reichenbach, stand auf ihrem Namensschild, das auf ihrer Latzhose angebracht war. Lena … Ein weicher, fließender Name, beschwingt und leicht. Das passte zu ihr, fand Jakob.
Er folgte ihr nach draußen auf den Parkplatz, auf dem die Maschine stand.
„Das da vorne ist sie.“ Jakob deutete auf das Motorrad, das gegenüber dem Eingang geparkt war. „Eigentlich wollte ich mit ihr die Blinker abholen, die ich letzte Woche bestellt habe, doch jetzt will sie überhaupt nicht mehr fahren.“
„Aber getankt haben Sie?“, erkundigte sich Lena.
Jakob verdrehte die Augen. „Natürlich. Wegen so etwas bleibe ich doch nicht liegen!“
Lena lächelte ihn an. „Das war nicht böse gemeint. Ich frage das nur, um die einfachen Dinge auszuschließen. Sie wissen gar nicht, mit welchen Problemen wir uns so tagein, tagaus herumschlagen. Manchmal sind die Lösungen so einfach, aber keiner kommt darauf, weil alle gleich von gravierenden Mängeln ausgehen.“
„Das kenne ich“, sagte Jakob amüsiert. „In meinem Beruf ist es ganz genauso.“
„Was machen Sie denn beruflich?“, erkundigte sich Lena interessiert, während sie das Motorrad einer intensiven Blickkontrolle unterzog.
„Ich bin Assistenzarzt am Elisabeth-Krankenhaus. Viele meiner Kollegen gehen bei unseren Patienten häufig gleich vom Schlimmsten aus, dabei handelt es sich manchmal auch einfach nur um einen harmlosen Schnupfen oder eine Wirbelverrenkung.“
„Na ja, besser, man rechnet erst mal mit etwas Ernstem, als dann etwas zu übersehen“, sagte Lena. „Jedenfalls ist das meine Herangehensweise. Bei Ihnen sind die Menschen natürlich noch mehr darauf angewiesen, dass Sie akkurat arbeiten, aber auch in meinem Beruf kann es schnell sein, dass jemand ernstlich in Gefahr gerät, wenn ich einen Fehler mache.“
Darüber hatte Jakob bisher noch gar nicht nachgedacht. „Das stimmt“, gab er dann verblüfft zu.
„Na, jetzt machen Sie nicht so ein Gesicht. Hier geht es nicht darum, wer den bedeutsamsten Job hat“, sagte Lena amüsiert. „Kann ich mal den Schlüssel bekommen?“
„Klar.“ Jakob reichte ihn ihr, und Lena versuchte, den Motor zu starten. Nichts tat sich.
„Und das ist jetzt ganz plötzlich aufgetreten?“, hakte sie nach.
Jakob nickte. „Ich wollte sie eigentlich umparken, aber sie springt nicht mehr an.“
„Hm.“ Lena dachte kurz nach. „Vielleicht ist es die Batterie.“
„Möglich, bei den Temperaturen.“
„Moment, das haben wir gleich.“ Lena verschwand in der Werkstatt und kam nach kurzer Zeit mit einem Batteriemessgerät wieder. Sie überprüfte die Spannung und zog mehrere Sicherungen, um deren Durchgang zu prüfen. „Hier scheint alles in Ordnung zu sein.“ Sie fuhr sich durchs Haar. „Vielleicht ist es ein Schalter“, überlegte sie laut. Sie testete den Start- und den Kupplungsschalter, schien aber nichts Ungewöhnliches festzustellen. Dann kniete sie sich neben die Maschine und maß den Durchgang des Seitenständerschalters. „Aha, hier kommt nichts an.“
Lena betätigte den Schalter mehrfach, sprühte dann etwas Rostlöser darauf, aber auch das brachte nicht das gewünschte Ergebnis. „Da ist nichts zu machen“, sagte sie schließlich. „Der Seitenständerschalter ist defekt. Ich fürchte, wir müssen Ihre Maschine hierbehalten.“
„Im Ernst? Vor ein paar Tagen ging der Schalter doch noch tadellos“, sagte Jakob überrascht.
Lena hob die Schultern. „Tja. Manchmal bricht einfach der Kontakt. Seien Sie froh, dass Sie damit nicht auf der Autobahnraststätte, sondern hier bei uns vor der Werkstatt liegen geblieben sind. So sparen Sie sich wenigstens die Abschleppkosten.“ Sie zwinkerte ihm zu.
„Na, das ist ja wirklich tröstlich“, entgegnete Jakob wenig begeistert.
„Wenn Sie wollen, kann ich so gleich auch Ihre neuen Blinker montieren.“
Jakob seufzte ergeben. „Schön, vermutlich wird mir nicht viel anderes übrig bleiben.“
„Alternativ können Sie die Maschine selbstverständlich auch nach Hause schieben“, sagte Lena gelassen.
Jakob brummte nur zur Antwort.
„Das werte ich mal als ein Nein.“ Lena drehte sich um und ging wieder in den Verkaufsraum.
Jakob folgte ihr. Auch wenn er nicht begeistert davon war, dass er sein Motorrad jetzt hierlassen musste, musste er zugeben, dass er die Mechanikerin ziemlich sympathisch fand.
Lena hatte sich mittlerweile wieder an ihren Schreibtisch gesetzt und tippte auf der Computertastatur herum. „Nächste Woche wäre das Teil da. Da hätten wir auch noch einen Werkstatttermin frei.“
„Gut, dann nehme ich den.“
Lena druckte ein Blatt Papier aus und reichte es ihm. „Ich brauche hier eine Unterschrift von Ihnen und da oben noch Ihre Telefonnummer.“
„Na, Sie gehen aber ran“, sagte Jakob neckend, um sich für ihre Frotzeleien auf dem Parkplatz zu revanchieren.
In Lenas Augen blitzte etwas auf. „Oh, wenn Sie wüssten, wie viele Herren ich schon nach Ihrer Nummer gefragt habe … Wobei ich auch die Damen nicht außen vor lasse.“
Ein Lächeln huschte über Jakobs Gesicht. Diese Frau war wirklich schlagfertig. Er hätte gerne mehr Zeit mit ihr verbracht, aber er wusste nicht, ob er einen Vorstoß wagen und sie auf einen Kaffee einladen sollte. Wahrscheinlich würde sie ihn bei ihrer Schlagfertigkeit ohnehin nur auf die Kaffeemaschine im Wartebereich verweisen, also ließ Jakob es lieber bleiben.
„Wir rufen Sie dann an, wenn Ihr Motorrad fertig ist“, sagte Lena jetzt wieder in ihrem professionellen Ton, als wäre nichts zwischen ihnen gewesen. „Brauchen Sie ein Ersatzfahrzeug?“
Jakob schüttelte den Kopf. „Nein, danke, ich nehme den Bus.“
„In Ordnung.“ Lena lächelte noch einmal, doch jetzt hatte Jakob den Eindruck, als wäre das Lächeln viel distanzierter als noch vor ein paar Minuten. Vielleicht hatte er sich diese kleine Neckerei ja doch nur eingebildet?
„Gut, dann vielen Dank erst mal.“ Jakob verabschiedete sich und...
| Erscheint lt. Verlag | 17.12.2019 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Notärztin Andrea Bergen | Notärztin Andrea Bergen |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | 2017 • 2018 • Arzt • arzt-krimi • Arztromane • Bergdoktor • Bestseller • Bianca • Cora • Deutsch • Doktor • Dr. • dr daniel • dr laurin • dr norden • Dr Stefan Frank • eBook • E-Book • eBooks • E-Books • Familiensaga • Fortsetzungsroman • Frauen • für • für Frauen • Großdruck • große-schrift • Happy End • Hedwig Courths Mahler • Heft-Roman • Historical • Julia • kaipurgay • Kelter • Kindle • Klinik • Klinik-roman • Krankenhaus • Krankenschwester • Kurfürstenklinik • Landarzt • Liebe • Liebesroman • Liebesromane • martin-Kelter • Medizin • Mira • Modern • Patient • patricia-vandenberg • Romance • romantisch • Schicksalsroman • Serie • spannend • Tiffany • Verlag |
| ISBN-10 | 3-7325-9054-2 / 3732590542 |
| ISBN-13 | 978-3-7325-9054-4 / 9783732590544 |
| Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR) | |
| Haben Sie eine Frage zum Produkt? |
DRM: Digitales Wasserzeichen
Dieses eBook enthält ein digitales Wasserzeichen und ist damit für Sie personalisiert. Bei einer missbräuchlichen Weitergabe des eBooks an Dritte ist eine Rückverfolgung an die Quelle möglich.
Dateiformat: EPUB (Electronic Publication)
EPUB ist ein offener Standard für eBooks und eignet sich besonders zur Darstellung von Belletristik und Sachbüchern. Der Fließtext wird dynamisch an die Display- und Schriftgröße angepasst. Auch für mobile Lesegeräte ist EPUB daher gut geeignet.
Systemvoraussetzungen:
PC/Mac: Mit einem PC oder Mac können Sie dieses eBook lesen. Sie benötigen dafür die kostenlose Software Adobe Digital Editions.
eReader: Dieses eBook kann mit (fast) allen eBook-Readern gelesen werden. Mit dem amazon-Kindle ist es aber nicht kompatibel.
Smartphone/Tablet: Egal ob Apple oder Android, dieses eBook können Sie lesen. Sie benötigen dafür eine kostenlose App.
Geräteliste und zusätzliche Hinweise
Buying eBooks from abroad
For tax law reasons we can sell eBooks just within Germany and Switzerland. Regrettably we cannot fulfill eBook-orders from other countries.
aus dem Bereich