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G. F. Unger Classics Billy Jenkins 45 (eBook)

Die Hammer-Boys

(Autor)

eBook Download: EPUB
2019 | 1. Aufl. 2019
64 Seiten
Bastei Entertainment (Verlag)
978-3-7325-9005-6 (ISBN)

Lese- und Medienproben

G. F. Unger Classics Billy Jenkins 45 - G. F. Unger
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Die Hammer-Boys

Die Herzass-Boys sitzen auf den obersten Stangen eines Korrals und blicken auf den tobenden Hengst, der sich nicht einfangen lassen will. Der herrliche Schwarzfalbe weiß, was ihm blüht, doch er kann es nicht verhindern, dass ihm die Lassoschlinge über den Kopf fliegt. Nun wird das Tier in die Korralecke gezogen, und drei Reiter machen sich daran, es zu satteln. Während sie den Contest-Sattel auflegen und die Hackamore am Kopf des Tieres befestigen, drängt Phil Morel sein Pferd näher heran, um in den Sattel des Hengstes übersteigen zu können.
Die sonnenverbrannten, hageren Zuschauer auf den Korralstangen wirken in ihrer gesammelten Ruhe fast gleichgültig. Lässig rauchen sie ihre Zigaretten oder Pfeifen und tauschen karge Bemerkungen aus.
'Heiliger Rauch! Phil wird's auch nicht schaffen!', sagt der kleine krummbeinige Shorty und legt noch ein paar Falten in sein runzliges Baumrindengesicht.
Blinky, ein hübscher, schlanker Bursche, wirft seinen Zigarettenrest in den Korral und knurrt: 'Phil wird auch in die Sonne sausen ... das is'n klarer Fall!'

Der lange Charly zieht etwas stärker an seiner Shag-Pfeife und brummt zwischen den Zügen: »Mistvieh, verdammtes … Nicht zu brechen ist dieser Killer!« Vorsichtig tastet er über seine linke Schulter, in der er schmerzhafte Stiche spürt. Gestern erst hat ihn dieser Teufelshengst auf die Schulter geworfen.

»Weil, nun ha’m wir’s bald alle versucht!«, sagt Len, dessen von Narben zerschnittenes Gesicht einen müden Ausdruck trägt. »Dick war noch nich dran … und Jim.«

Der athletische Dick Hanson wendet den massigen Kopf und brummt: »Und der Boss, Len! Well, wenn der Schwarze Phil abgeworfen wird, versuch ich’s gar nicht erst. Phil is’n besserer Reiter als ich. Schätze, dass auch Panther-Jim in die Sonne saust. Wenn’s ’nen Menschen gibt, der diese Bestie reiten kann, dann is’ es der Boss, sag ich!«

Die anderen Boys nicken zustimmend und beobachten weiter. In ihren Herzen brennt die Scham der Niederlage.

Der kleine Shorty spuckt aus und krächzt: »Jetzt murksen wir schon ’n paar Wochen mit diesem Vieh rum … aber keiner von uns bringt’s fertig, ›Sonnenfischer‹ zu reiten!«

Blinky nickt und meint: »Well, er schlägt die ganze Mannschaft! Er is’ ’ne Idee besser als wir! Vielleicht können wir nicht reiten und sollten uns ’n paar Schaukelpferde besorgen zum Üben. Vielleicht aber is’ es ein Sohn des Teufels! Ich habe mal was von ’ner Prinzessin gelesen, die der Teufel in ’ne Erbse verwandelt hat. Warum sollte der Teufel seinen Sohn nicht in einen Gaul verwandeln können – nur, um die Herzass-Mannschaft auf die Palme zu bringen? Ich …«

»Hört euch diesen Quatsch an!«, knurrt Charly. »Die Prinzessin schlief auf ’ner Erbse, aber sie wurde nicht …«

Der lange Charly bricht ab, denn Phil Morel sitzt jetzt auf dem Teufelspferd. Der Hengst ist noch von zwei Reitern eingekeilt und kann sich vorerst nicht bewegen. Man sieht es dem »Schwarzen Phil« an, dass jeder Muskel an ihm gespannt ist.

Phil Morel schiebt seine Füße in die großen Stahlringe, die als Steigbügel dienen, und nimmt die Hackamore in die Linke. Mit der Rechten zieht er seinen Sombrero, um damit auf die Hinterhand des Schwarzfalben schlagen zu können.

Jetzt reißen die beiden Helfer ihre Pferde zur Seite, und Phil ist mit dem Wildling allein. Er schlägt mit dem Hut zu.

Der Schwarzfalbe ist ein prächtiges Tier. Vor vier Wochen haben die Herzass-Boys diesen König der Wildnis mitsamt seiner Stuten-Herde eingefangen. Wie ein Denkmal steht der Hengst, völlig bewegungslos. Plötzlich beginnen die herrlich modellierten Muskeln zu zittern. Es sieht aus, als würde das Tier von Kälteschauern geschüttelt.

Jetzt biegt der Hengst, der zweifellos Araberblut in seinen Adern hat, den langen Hals und wendet den kleinen Kopf dem Reiter zu. Seine Augen leuchten rötlich gelb. Hass und Wut zugleich drücken diese Augen aus.

»Guck mich nur an!«, sagt Phil Morel grinsend. »Mich wirst du nicht so leicht abwerfen, mein Junge!« Wieder schlägt er mit dem Hut.

Unter diesem Schlag schnaubt »Sonnenfischer«, dann setzt er sich in Bewegung. Er tut das ganz langsam und leicht, fast graziös. Er geht so leicht und zierlich wie ein Reh. Es ist eine Freude, das Spiel der prächtigen Muskeln dabei zu sehen. Der lange, schwarze Schweif reicht bis zum Erdboden, und die schwarze, üppige Mähne streicht über Phils Schenkel.

»Sieh dich vor, Phil!«, ruft der lange Charly. »Der Teufel bockt nicht – er will sich werfen!«

Jedes andere Wildpferd wäre beim ersten Schlag des Reiters »explodiert«, hätte mit wilden Bocksprüngen versucht, die verhasste Last abzuwerfen. Nicht so der Hengst. Er hat alle Cowboys, die ihn zu brechen versuchten, bisher abgeworfen und fühlt sich stärker als die Menschen.

Keinesfalls erkennt er ihre Herrschaft an, und seine Siege über die Reiter haben ihn zum »Killer« gemacht, zum verschlagenen Mörder, der die Zweibeiner mit seinem Hass verfolgt und zu töten versucht, sobald er sie abgeworfen hat.

Zum Reiten ist das Tier bestimmt nicht mehr geeignet; es ist verdorben und hat kein Vertrauen zum Menschen. Ein Starker müsste kommen, der es unter sich zwingt und später mit viel Liebe und Zärtlichkeit das Vertrauen des Tieres zu gewinnen sucht. Die Herzass-Boys setzen ihren Ehrgeiz darein, dass einer von ihnen der Starke sein wird.

Langsam geht der Hengst durch den Korral. Ganz plötzlich duckt er sich unmerklich und springt hoch. Mit allen vier Beinen zugleich stößt er sich vom Boden ab und macht dabei einen Katzenbuckel. Selbst für den mit »allen Wassern gewaschenen« Phil Morel kam der Bocksprung völlig unerwartet. Doch eisern zwängt der Mann seine Schenkel zusammen, und als der Hengst mit steifen Beinen wieder landet, sitzt Phil immer noch im Sattel.

Der Falbe wirbelt sofort herum und vollführt den zweiten Sprung.

Wie ein vom Bogen geschnellter Pfeil saust das Tier hoch in die Luft, landet und wirft sich seitwärts zu Boden. Es kracht furchtbar. Staub und Sand wirbeln. Der Sattelgurt platzt mit hörbarem Knall.

Phil Morel kann sich gerade noch rechtzeitig aus dem Sattel werfen. Er rollt über den Boden.

Der Hengst wälzt sich einige Male hin und her und wiehert dabei herausfordernd. Dann erhebt er sich und äugt nach dem Reiter.

Phil hat den Sturz unbeschädigt überstanden und springt nun auf.

Doch schon ist der Hengst hinter ihm her, will ihn mit den Vorderläufen zu Boden schlagen und zerstampfen.

In letzter Sekunde preschen die beiden Helfer auf ihren Pferden heran, und dann sausen die Lassoschlingen. Trotzdem wäre es dem wütenden Hengst wohl gelungen, Phil zu verletzen, wenn Dick Hanson nicht die Gefahr rechtzeitig erkannt hätte.

Er hatte seine Bullpeitsche aus dem Gürtel gezogen und ließ die lange Lederschnur in scharfem Schlag gegen den Kopf des Wildpferdes los. Es knallt, als der breite, scharfe Riemen den Hengst an einem Ohr trifft.

Vor Schmerz aufwiehernd, springt das Tier zurück. Phil kann sich durch die Korralstangen rollen. Über ihm springen die Boys von der obersten Stange und helfen dem Kameraden auf die Beine.

Wütend wirft sich der tobende Hengst gegen die festen Zedernstämme. Es splittert und kracht. Dann aber haben sich zwei Lassoschlingen um den Hals des Tieres gelegt, und nun wird »Sonnenfischer« in eine andere Ecke des Korrals gezogen. Später lassen die Cowboys das Tier frei, damit es sich beruhigen kann.

Phil Morel klopft sich den Staub von der Kleidung. Dabei schimpft er: »So ein tückisches Biest! Das ist ein Killer, wie ich nur je einen gesehen habe! Mit dieser Bestie ist nichts mehr zu machen!« Schwankend geht er davon.

Charly stopft seine Pfeife neu, zündet sie an und verkündet: »Dick hat ja schon gesagt, dass er’s gar nicht versuchen will. Jim wird’s auch kaum schaffen. Wenn Billy den Satansgaul nicht unterkriegt, hat sich die gesamte Herz-Ranch bis auf die Knochen blamiert!«

Dick brummt: »Dann wird sich’s bald im ganzen Distrikt rumgesprochen haben, dass die Herzass-Boys einen Gaul im Korral haben, den sie nicht reiten können!«

»Es wird Boys geben, die uns Schaukelstühle und Pantoffeln anbieten!«, ächzt Shorty.

Die Cowboys bilden noch immer eine dichte Gruppe. Sie beobachten Phil Morel, der zu den Tränktrögen geht und sich dort wäscht.

Der chinesische Koch kommt aus dem Küchenhaus und bearbeitet eine Eisenplatte mit kräftigen Hammerschlägen.

»Das Essen ist fertig! Kommt!«, sagt der lange Charly.

Die Boys bewegen sich auf die Tür zum Speisesaal zu, langsam, als gingen sie zu einem Begräbnis. Als sie alle an dem langen Tisch sitzen, wünscht der Vormann Charly eine gute Mahlzeit und senkt dann den Kopf über den Teller. Die anderen Boys brummen nur. Sie haben alle keinen rechten Appetit – bis auf einen.

Dick Hanson »arbeitet« wie immer. Sein mächtiges Kinn bewegt sich gleichmäßig. Rasch hat er den Teller geleert und lädt sich neu auf. Wieder kaut er. Nach und nach entstehen auf seiner Stirn kleine Schweißtropfen. Plötzlich blickt er auf und hält betroffen inne. »Was glotzt ihr mich denn alle so an, he?«, knurrt er misstrauisch. »Hab ich was?«

»Sure!«, krächzt der kleine Shorty. »Nerven hast du, Mann! Uns tränen vor Kummer die Hühneraugen, und du frisst, als hätteste das große Los gewonnen!«

»Hab keine Hühneraugen!«, brummt Dick und futtert weiter. »Außerdem ist ein gutes Essen für meinen Kummer gerade das richtige. Lasst nur Billy zurückkommen! Er wird den Teufel eines Tages reiten, das ’s ja klar! Ha – da fällt mir gerade ’ne Geschichte ein, die mir Buster-Dan erzählt hat. Ich traf ihn in Tombstone, wo er auf zwei Krücken über die Straße schlich. Ich fragte ihn, wer ihm die Zehen abgeschossen hätte. Wisst ihr, was er antwortete? ›Ich selbst‹, sagte er. Und dann hat er mir die Story erzählt. Es war im Lokal ›Horseman‹, wo sich Buster-Dan ein Zimmer gemietet hatte, um seinen Rausch auszuschlafen. Er hatte nämlich seinen Geburtstag gefeiert. In der Nacht wachte er auf. Der Mond schien in sein Zimmer, und am Fußende seines Bettes leuchteten zwei Augen. Er dachte sich, dass da wohl ein Puma sprungbereit hocke. Und nun zog Buster-Dan seinen Colt unterm Kopfkissen vor und knallte los. Die Augen verschwanden auch sofort. Well, Buster-Dan schlief dann wieder ein. Am anderen Morgen suchte er den Puma. Dabei merkte Buster-Dan, dass er gar nicht so richtig gehen konnte. Und nun sah er die Bescherung: Er hatte sich in der Nacht die Hühneraugen weggeschossen und …«

Die Boys am Tisch grölen: »Au! Oh!...

Erscheint lt. Verlag 19.11.2019
Reihe/Serie G.F. Unger Classic-Edition
G.F. Unger Classic-Edition
Verlagsort Köln
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte 2017 • 2018 • Abenteuer-Roman • alfred-bekker • Bestseller • bud-spencer • buffalo-bill • Cassidy • Chaco • clint-eastwood • Country • Cowboy • Deutsch • e Book • eBook • E-Book • e books • eBooks • Erwachsene • Exklusiv • für • GF • g f barner • Indianer • jack-slade • Jugend • Karl May • kelter-verlag • Kindle • Klassiker • Krimi • Laredo • larry-lash • Lassiter • lucky-luke • Männer • martin-wachter • pete-hackett • peter-dubina • Reihe • Ringo • Roman-Heft • Serie • sonder-edition • Western • Western-roman • Westernromane • Wilder Westen • Wilder-Westen • Winnetou • Wyatt Earp • Wyatt-Earp
ISBN-10 3-7325-9005-4 / 3732590054
ISBN-13 978-3-7325-9005-6 / 9783732590056
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