Der Bergdoktor 1998 (eBook)
64 Seiten
Bastei Entertainment (Verlag)
978-3-7325-8821-3 (ISBN)
Dr. Burger und der Notruf vom Kaiserhof
Mit diesem Rückschlag hat keiner gerechnet
Von Andreas Kufsteiner
'Martin, da liegt jemand!' Eine unbeschwerte Herbstwanderung sollte es werden, aber mitten im Wald stoßen der Bergdoktor und seine Frau auf einen Verletzten. Tot ist er noch nicht, der Bauer vom Kaiserhof, aber viel fehlt nicht. Er blutet aus tiefen Wunden an Bauch und Beinen.
Dr. Burger gelingt es, das Leben des Mannes zu retten. Josef Stöckl wird mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus geflogen und operiert.
Jetzt warten alle, dass er aus dem Koma erwacht und sich hoffentlich daran erinnern kann, was passiert ist ...
Dr. Burger und der Notruf vom Kaiserhof
Mit diesem Rückschlag hat keiner gerechnet
Von Andreas Kufsteiner
„Martin, da liegt jemand!“ Eine unbeschwerte Herbstwanderung sollte es werden, aber mitten im Wald stoßen der Bergdoktor und seine Frau auf einen Verletzten. Tot ist er nicht, der Bauer vom Kaiserhof, aber viel fehlt nicht mehr. Er blutet aus tiefen Wunden an Bauch und Beinen.
Dr. Burger gelingt es, das Leben des Mannes zu retten. Josef Stöckl wird mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus geflogen und operiert.
Jetzt warten alle, dass er aus dem Koma erwacht und sich hoffentlich daran erinnern kann, was passiert ist …
Der Oktober meinte es gut in diesem Jahr: Im Zillertal folgten warme goldene Tage aufeinander wie die Blätter im Kalender. Die Sonne schien von morgens bis abends, und die Temperaturen luden zu Eiscreme und Sonnenbädern ein. Über dem Wald zogen Schwärme von Wildgänsen südwärts. Und der Wind neigte das Gras auf den Wiesen.
Martin Burger und seine Frau nutzten das herrliche Wetter für einen Spaziergang. Der Bergdoktor trug eine grüne Hose mit zahlreichen Taschen, ein helles Hemd und Wanderschuhe, deren dicke Sohlen ihn nichts von dem steinigen Untergrund spüren ließen.
Sabine hatte sich für ein kürbisfarbenes Kleid entschieden. Ihre Jacke trug sie um die Hüften gebunden. Unter ihrem Hut blitzten blonde Haare hervor. Sie schritt kräftig neben ihm aus, seufzte nur verhalten.
„Ist alles in Ordnung, Liebes?“, erkundigte er sich.
„Freilich. Es ist nur … Ohne die Kinder fehlt mir etwas“, gestand sie. „Ich hab ständig das Bedürfnis, mich umzuschauen, ob es ihnen gutgeht. Dabei sind sie gar net mitgekommen.“
„Mach dir keine Sorgen. Den dreien geht es gut. Filli wird sich auf dem Geburtstag seines Freundes amüsieren, Tessa lernt mit ihrer Freundin für das nächste Diktat, und das Mauserl bekommt von Zenzi ein paar neue Kleidungsstücke genäht.“
„Ich hoffe nur, Filli übergibt sich heute Abend net wieder, weil er zu viel Kuchen in sich hineingestopft hat. Im vergangenen Jahr folgte auf die Feier bei Linus postwendend eine Nacht mit Zwieback und Kamillentee.“
„Unsere Kinder werden langsam groß.“
„Da sagst du was. Bald wird der erste Bub für Tessa vor der Tür stehen.“
Martin Burger schüttelte den Kopf. „Net, wenn er weiß, was gut für ihn ist. Wenn es nach mir geht, verabredet sich unsere Kleine net vor ihrem dreißigsten Geburtstag. Und dann idealerweise auch nur, wenn wir dabei sind, versteht sich.“
Sabine lachte. „Darauf wird sie sich wohl kaum einlassen. Das Herz fragt net nach dem Alter. Hab ich dir eigentlich erzählt, wie ich zum ersten Mal verliebt war? Es war in der Schule. Wir hatten einen neuen Lehrer. Er war jung und sportlich, und als er zum ersten Mal in unsere Klasse kam, waren alle Madeln hin und weg. Dann hat er zur Kreide gegriffen, und an seiner Hand glitzerte ein Ehering. Ich schwöre, man konnte die Herzen aller Madeln im Raum mit einem lauten Kracks brechen hören.“
„Also hatte ich eine große Konkurrenz um dein Herz?“
„Unbedingt, ja.“ Sie zwinkerte.
„Dann bin ich doppelt froh, dass ich es geworden bin.“ Martin Burger schob seine Hand in die seiner Frau. „Hab ich dir heute eigentlich schon gesagt, wie sehr ich dich liebe?“
„Net so sehr wie ich dich, Martin.“ Sie reckte sich auf die Zehenspitzen und drückte ihren Mund auf seinen.
Ihre Lippen fanden sich zu einem innigen Busserl, und sekundenlang versank alles rings um sie her. Mochte es in der Welt auch noch so laut und hektisch zugehen, so waren sie doch stark und voller Zuversicht, weil sie einander hatten.
„Sieh nur, mein Schatz!“ Martin Burger deutete zu einem Eichhörnchen, das am Fuß einer Kiefer scharrte und wieselflink den Stamm hinaufkletterte, ehe es im dichten Grün verschwand.
„Der Kleine hat wohl einen Vorrat für den Winter vergraben.“ Sabine lächelte. „Es bringt Glück, Eichhörnchen zu sehen.“
„Mein Glück halte ich schon hier im Arm.“ Er gab ihr gleich noch ein Busserl. Dann wanderten sie Hand in Hand weiter.
Sie folgten einem Pfad, der zum Kuckuckssee führte.
Der Bergsee wurde von Gletschern gespeist und war selbst an warmen Tagen eiskalt. Das klare Wasser glitzerte in der Herbstsonne, und das Schilf raschelte im Wind wie eine beruhigende Melodie. Ein Entenpärchen schwamm in Ufernähe. Und das Wasser schlug mit sachtem Plätschern gegen den Bootssteg.
„Wollen wir hier rasten und …“ Martin Burger unterbrach sich, als seine Frau seine Hand fester umklammerte. „Stimmt was net?“
„Martin, da drüben liegt jemand!“ Sabine war auf einmal ganz blass um die Nase. „Ich glaube, er ist tot!“
„Was sagst du da?“ Er folgte ihrem Blick. Tatsächlich waren in einem dunkelgrünen Gebüsch zwei Beine auszumachen. Feste Stiefel mit dunklen Sohlen, eine grobe Arbeitshose.
Dort lag tatsächlich ein Mann!
Ohne zu zögern, eilte der Bergdoktor durch das Gestrüpp und kniete sich neben den Reglosen. Das Hemd des Mannes war ebenso zerfetzt wie die Hose. Er blutete aus mehreren tiefen Wunden. So stark, dass sich eine dunkle Blutlache um ihn ausgebreitet hatte.
Martin Burger tastete nach dem Puls, fand keinen und suchte weiter. Da! Schwach nur, furchtbar schwach, schlug etwas gegen seine Fingerkuppen.
„Tot ist er noch net, aber viel fehlt wirklich net.“
Sabine war ihm gefolgt und schnappte nun erschrocken nach Luft.
„Mei, das ist doch der Bauer vom Kaiserhof!“
In der Tat. Das war der Stockl-Josef, ein fünfundfünfzigjähriger Bauer, der mit seiner jüngeren Tochter den Kaiserhof bewirtschaftete. Seine Frau war vor sechs Jahren gestorben.
Er war ein sehniger Mann von mittelgroßer Statur, mit einem dunklen Kinnbart und einer kleinen, runden Brille. Sie lag zerbrochen neben ihm im dichten Grün. Längliche Hufabdrücke mit gut erkennbaren Afterklauen zeichneten sich um ihn herum auf dem Waldboden ab. Wildschweinspuren!
Der Körper des Bauern war mit Wunden übersät. Schlimm war er zugerichtet, sehr schlimm sogar. Sein Herz schlug so schwach, als müsste es sich zu jedem Pumpen erst mühsam aufraffen.
Er hatte schon viel zu viel Blut verloren!
Martin Burger untersuchte ihn. Der Landwirt war nicht bei Bewusstsein. Er atmete, aber sein Kreislauf stand kurz davor, zu versagen. Seine Haut war von kaltem Schweiß überzogen.
Polytrauma, spulte sein Gehirn automatisch ab. Mehrere Körperteile sind verletzt. Schocksymptomatik.
„Sabine, ruf in der Zentrale an. Sag Bescheid, dass wir einen Heli brauchen. Mit dem Rettungswagen wären wir zu langsam. Josef muss so schnell wie möglich in die Klinik.“
„Bin schon dabei.“ Sie tippte bereits die Nummer in ihr Handy.
Der Bergdoktor drehte den Verletzten vorsichtig herum, sodass er flach im Gras lag. Er vermisste seine Instrumente und die Ausrüstung in seiner Praxis schmerzlich. Sein Patient brauchte zusätzlichen Sauerstoff, einen venösen Zugang und Flüssigkeit. Von Medikamenten gar nicht zu reden. Hier im Wald stand ihm nichts davon zur Verfügung. Er konnte lediglich eines tun: Die Blutungen stillen, so gut er es vermochte.
Martin Burger zog sein Hemd aus, riss es in Fetzen und verband den Landwirt damit. Blut sickerte sogleich durch den Stoff, aber mit etwas Glück, würde der Verband den Blutverlust lange genug aufhalten, bis sie im Krankenhaus waren.
„Er darf nicht sterben, Martin“, flüsterte seine Frau. „Seine beiden Töchter haben doch nur noch ihn.“
„Ich weiß“, erwiderte er rau. „Ich weiß.“ Dann beugte er sich vor. „Kannst du mich hören, Josef?“
Die Lider des Bauern flatterten, aber er kam nicht zu sich.
Sabine schob ihr Handy in die Tasche. „Die Zentrale schickt den Heli sofort los. Er sollte in zehn Minuten hier sein.“
„Ich hoffe, Josef schafft es noch so lange. Kann ich deine Jacke haben, Liebes?“
„Natürlich.“ Sie wickelte das Kleidungsstück von ihrer Hüfte und gab es ihm.
Er nahm es und deckte den Bauern damit zu. Zwar war es noch angenehm warm hier im Tal, aber durch den Schock nahm die Hautdurchblutung des Verletzten ab. Sein Körper reagierte darauf mit Kältezittern, was Energie kostete und an seinen Kräften zehrte. Das wiederum verschlimmerte seinen Zustand. Die Jacke konnte ihm Zeit verschaffen.
Wenigstens ein bisschen.
„Was ist hier nur passiert, Martin?“ Sabine schaute sich unsicher um. „Das sieht beinahe nach einem Kampf aus.“
„Ich würde sagen, Josef wurde von Wildschweinen angegriffen.“
„Aber warum? Sind Wildschweine nicht eher Fluchttiere, die sich davonmachen, wenn sie auf einen Menschen stoßen?“
„Normalerweise schon. Es sei denn, sie haben gerade Frischlinge und wollen ihre Jungen beschützen.“
„Aber jetzt im Herbst?“
„Mir kommt das auch merkwürdig vor.“ Der Bergdoktor furchte die...
| Erscheint lt. Verlag | 12.11.2019 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Der Bergdoktor | Der Bergdoktor |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | 2017 • 2018 • Alpen • Alpen-Krimi • alpenkrimi kindle • alpen-roman • Arzt • Arztroman • Arztromane • Bastei • bastei hefte • bastei heftromane • bastei romane • bastei romane hefte • Bergdoktor • Berge • Bergpfarrer • Bergroman • berg romane • bergromane • bergromane kindle • bergromane kindle ebook • Bestseller • Bianca • Cora • Deutsch • dr daniel • dr laurin • dr norden • Dr Stefan Frank • eBook • E-Book • eBooks • Fortsetzungsroman • Frauen romane • Frauenromane • Großdruck • große-schrift • Hans Ernst • Heft • Heftchen • Heftroman • heftromane bastei • Heimat • Heimat-Krimi • Heimatromane • heimatromane bastei • heimatromane hefte • Heimatromane kindle • heimatromane kindle ebook • heimatromane kindle ebooks deutsch • hermann-broch • Hütte • Julia • Kelter • Kindle • Landarzt • Liebe • Liebesromane • liebesroman heimat • Mira • Patient • Reihe • Rettung • Romanheft • Roman-Heft • romantik deutsch • romantisch • schicksalsromane • schicksalsromane kindle • schicksalsromane kindle ebooks deutsch • schöne romane • Schwarzwald • Serie • spannend • steingruber • Toni-Hüttenwirt |
| ISBN-10 | 3-7325-8821-1 / 3732588211 |
| ISBN-13 | 978-3-7325-8821-3 / 9783732588213 |
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