Agentin für Catron (eBook)
243 Seiten
Uksak E-Books (Verlag)
978-3-7389-3386-4 (ISBN)
3
Japha runzelte die Stirn. Sie hatte sich geweigert mit dem Fremden in ihrem Zimmer zu sprechen, also waren die zwei in ein nahegelegenes Restaurant gegangen, das von vielen Studenten aufgesucht wurde. Hier war es laut und unruhig, der richtige Ort, um ein ungestörtes Gespräch zu führen, denn niemand konnte zuhören.
Am Nebentisch diskutierten vier Leute hitzig über eine abstrakte physikalische Anomalie, aus verborgenen Lautsprechern erklang schrille Musik, Stimmengewirr wogte auf und ab.
„Sie wollen mir also erzählen, Sie kommen vom Geheimdienst?“, fragte die Frau mit einem ungläubigen Lächeln. „Nehmen Sie es mir nicht übel, aber so geheim können Sie und Ihr Auftrag wohl kaum sein, sonst hätten Sie bestimmt nicht so offen darüber gesprochen. Und wie kommen Sie überhaupt dazu, von meiner Bewerbung bei den Kosmotikern zu wissen?“
„Das klingt ja fast wie eine Kampfansage“, meinte Kohreth ruhig. „Es wäre vollkommen sinnlos, würde ich jedem erzählen, wer und was ich bin. Doch ich bin natürlich aus einem bestimmten Grund zu Ihnen gekommen. Ihre Leistungen während des Studiums haben die Aufmerksamkeit vorgesetzter Stellen erregt. Aus diesem Grund wurde auch die zusätzliche Simulation angesetzt, bei der Sie sich übrigens gut geschlagen haben.“
„Moment, wollen Sie damit sagen, dass nicht mein Instruktor für die Zwischenprüfung gesorgt hat? Weshalb wissen Sie mehr darüber als ich?“
„Es muss Ihnen doch gleich aufgefallen sein, dass diese Simulation Ihr bisheriges Pensum weit überschritten hat. Wir wollten wissen, wie weit Sie sind, wie Sie sich unter Stress verhalten, was Sie zu leisten in der Lage sind, wenn eben diese Lage hoffnungslos erscheint.“
„Und jetzt wissen Sie es?“, fragte Japha bitter. „Ich kann nicht sagen, dass ich mich wohl dabei fühle. Eher komme ich mir vor wie ein Versuchstier in einem Labor.“
„Und das sagt jemand, der versessen darauf ist, zu den Kosmotikern zu gehören?“
Ihr Kopf ruckte hoch. „Soll das heißen, dieser Test war eine Aufnahmeprüfung, um zu den Wissenschaftlern …?“
„Halt, nein, langsam, so weit sind wir noch nicht. Ich kann dazu noch nichts sagen, Japha. Zunächst einmal müssen Sie sich bewähren. Diese Wissenschaftler werden keinen Grünling in ihren Reihen dulden. Im Übrigen würden wir uns selbst ein schlechtes Zeugnis ausstellen, wüssten wir nicht, was das catronische Volk tut und denkt. Das gilt für jeden einzelnen. Ihr Wunsch ist uns nicht verborgen geblieben.“
„Was soll ich tun?“ Allein die vage Aussicht darauf, zu der bevorzugten Gruppe zu gehören, ließ bei Japha jeden anderen Gedanken in einem großen Schwarzen Loch verschwinden. Sie war buchstäblich bereit, alles zu geben, um ihr Ziel zu erreichen. Wenn sie dafür mit dem Geheimdienst zusammenarbeiten musste, dann würde sie das auch ohne jeden Vorbehalt tun. Sie würde sogar auf der Stelle ihr Studium abbrechen, falls sich das als nötig erweisen sollte.
Kohreth bremste ihre Begeisterung aber erst einmal. „Ich habe Ihnen keine Versprechungen gemacht, Pitala. Und ich werde das auch nicht tun. Aber eine Tätigkeit für den Geheimdienst hält Ihnen alle Türen offen.“
Japha verzog das Gesicht. „Sie widersprechen sich da aber selbst.“
Kohreth lächelte kühl, seine rosa Zähne waren zwischen den schmalen Lippen kaum sichtbar.
„Ich denke nicht“, gab er etwas arrogant zurück. „Sie haben die große Chance Ihr unbestreitbares Talent in den Dienst des Volkes zu stellen. Ich biete Ihnen die Möglichkeit, nach einer angemessenen Zeit der Bewährung, Kontakt zu den Kosmotikern aufzunehmen. Das heißt nicht, dass Sie damit schon einen Platz bei ihnen sicher haben, doch man wird Ihnen wohlwollend gegenüberstehen. Ich denke, das ist mehr, als Klurad Ihnen bieten kann. Trotz seiner hohen Abstammung wird er doch nie einen wirklich wichtigen Posten bekleiden können.“
„Was wissen Sie über Klurad?“
„So ziemlich alles. Es ist schließlich unsere Aufgabe, alles zu wissen. Ihr Freund besitzt keinen Ehrgeiz und hat nicht den Biss, um es wirklich weit zu bringen. Das haben Sie selbst doch auch schon bemerkt, wenn Sie ehrlich sind. Sie hingegen sind aus einem anderen Rohstoff gegossen. Sie haben den festen Willen, auf der Karriereleiter nach oben zu klettern. Ich biete Ihnen diese Chance. Gibt es eine bessere Gelegenheit dem Volk der Catronen zu dienen und sich gleichzeitig den großen Wunschtraum zu erfüllen? Sie sind eine kluge Frau, Japha Pitala, denken Sie darüber nach.“
Genau das tat sie natürlich schon längst. Der Reiz dieser Aufgabe war nicht zu übersehen. Japha fühlte sich in ihrer Intelligenz herausgefordert und gleichzeitig geschmeichelt. Sie war dem Geheimdienst aufgefallen – wichtig genug, um direkt angesprochen zu werden. Trotzdem zögerte sie mit einer sofortigen Zusage, obwohl alles in ihr stolz danach schrie, dieses Angebot anzunehmen.
Sie! Sie war auserwählt, einer Elite anzugehören, die seit Langem daran arbeitete, das catronische Volk im Kampf gegen die Dangezinen endlich zum Erfolg zu führen.
Es kam ihr nicht in den Sinn darüber nachzudenken, dass der Geheimdienst in Person von Kohreth offen darüber sprach, mehr Einfluss zu besitzen als die Oberschicht des Volkes. Klurad von Piolak, der doch immerhin der höheren Gesellschaftsschicht angehörte, wurde abgetan als Narr und unwichtiges Rädchen im Getriebe, während sie selbst …
Halt, nein, nicht weiter spekulieren, verbot sie sich selbst. Ein letzter Rest von klarer Überlegung hielt Japha Pitala davon ab, ihrer Begeisterung voll und ganz nachzugeben.
„Wie würde dann das weitere Vorgehen aussehen?“, fragte sie sachlich.
Kohreth lächelte im Innern verächtlich über die Frau. Sie war nicht anders als all die anderen, die er bisher angeworben hatte. Jeder Catrone hatte seinen Preis, der eine mehr, der andere weniger hoch. Hier war es tatsächlich nur die geringe Aussicht, in einigen Jahren einer Horde verrückter Wissenschaftler anzugehören, die nichts anderes zu tun hatten als Hirngespinsten nachzujagen. Kohreth glaubte nicht an die vage Möglichkeit mit technischem Schnickschnack einen nennenswerten Vorteil über die Dangezinen zu erlangen. Auch die unendlichen Raumschlachten, die Unmengen an Material verschlangen, hatten nicht wirklich Aussicht auf Erfolg. Seiner Meinung nach konnte nur eine tiefgreifende Untergrundarbeit die Dangezinen nachhaltig schädigen. Und dazu war dem Geheimdienst jedes Mittel recht.
Kohreth war sicher, dass Pitala nach einer kurzen Bedenkzeit dieses unwiderstehliche Angebot annehmen würde. Er bemühte sich, ihr den weiteren Weg einigermaßen schmackhaft darzustellen.
„Sie werden zunächst Ihr Studium beenden. Aufgrund der bisherigen Leistungen gehe ich davon aus, dass Sie mit Auszeichnung abschließen werden. Parallel dazu werden Sie bereits während der nächsten Studienpause ein Ausbildungslager besuchen, in dem Sie mit den Grundregeln Ihrer zukünftigen Aufgaben vertraut gemacht werden. Nach dem Studium folgt dann die eigentliche Ausbildung, später werden Sie einem Posten zugeteilt, der Ihren Fähigkeiten angemessen ist, und wo Sie sinnvolle Arbeit leisten können. Wir müssen die Dangezinen aus dem Untergrund heraus schädigen, um den Krieg zu gewinnen.“
Kohreth ließ seine Worte nachwirken. Er hatte gerade die Standardprozedur geschildert, die er selbst als äußerst langweilig empfand. Für Japha mochte das jedoch Anreiz genug sein – vorerst.
„Und wann werde ich dann die Möglichkeit erhalten, zu den Kosmotikern zu stoßen?“, forschte sie nach.
Kohreth seufzte innerlich. Hatte sie denn wirklich keinen anderen Ehrgeiz?
„Nach einer angemessenen Zeit werden wir, das heißt unsere Vorgesetzten, alle Mühe darauf verwenden, den Kontakt herzustellen. Es wird jedoch an Ihnen selbst liegen, die Wissenschaftler davon zu überzeugen, Sie auch zu akzeptieren. Falls Sie bis dahin jedoch noch immer ein so großes Interesse daran haben, wird Ihnen das sicherlich gelingen.“ Er drückte sich absichtlich unklar aus. In einigen Jahren konnte sich die Situation grundlegend geändert haben, niemand konnte zu diesem Zeitpunkt eine Prognose abgeben.
Der Offizier musterte die schöne junge Catronin. Ein bisschen naiv war sie, trotz ihrer hohen Intelligenz. Aber allein mit ihrem guten Aussehen mochte es ihr zu Anfang schon gelingen, kleine Erfolge als Agentin zu haben. Jetzt brauchte er nur noch ein bisschen Geduld.
„Ich werde darüber nachdenken“, versprach Japha und erhob sich etwas abrupt. „Bis wann brauchen Sie eine Antwort?“
„Das liegt allein bei Ihnen“, sagte er zufrieden. Auf keinen Fall würde er sie jetzt drängen, auch das gehörte zu seiner Taktik. Die zukünftige Agentin sollte tatsächlich das Gefühl haben, sich eigenständig entscheiden zu können, auch wenn dem längst nicht so war. Sollte sie tatsächlich den Nerv haben, jetzt ablehnen zu wollen, würde man andere Mittel finden, um sie mit Druck doch noch zu zwingen. Das Reich konnte sich keinerlei Verschwendung leisten; eine Frau wie Pitala an irgendeine Forschungsstation zu verlieren wäre Verschwendung.
Mit einem rätselhaften Lächeln erhob auch er sich. „Haben Sie Dank für Ihre Aufmerksamkeit, Japha Pitala. Ich muss Ihnen nicht sagen, dass dieses Gespräch vertraulich bleiben sollte. Hier ist der Code für meinen Com-Anschluss. Sobald Sie sich entschieden haben, geben Sie mir eine kurze Meldung.“
Er verschwand, drängte sich durch die Menge und verschmolz im nächsten Augenblick mit der Umgebung. Japha starrte eine Weile ins Leere, ihre Gedanken purzelten wild durcheinander, doch immer mehr drang eine einzelne Idee durch. Sie würde zu den Kosmotikern gehören – alles andere...
| Erscheint lt. Verlag | 17.10.2019 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Fantasy / Science Fiction ► Science Fiction |
| ISBN-10 | 3-7389-3386-7 / 3738933867 |
| ISBN-13 | 978-3-7389-3386-4 / 9783738933864 |
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Größe: 523 KB
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