Zwischen Himmel und Hölle -5- (eBook)
CCXCII Seiten
BookRix (Verlag)
978-3-7487-1699-0 (ISBN)
Kapitel 1
In der Dämonin begann es langsam aber sicher zu brodeln, als sie am Thronsaal vorbei kam und sah, dass er wieder einmal verlassen war.
„Das soll ja wohl ein Scherz sein“, fauchte sie leise, ließ ihre Faust in die Steinwand neben ihr krachen und ging weiter. Tag ein, Tag aus, diese jämmerliche Existenz, diese Nutzlosigkeit und diese Langeweile. Es war zum kotzen!
Hier mal einen Menschen töten, da mal für Chaos sorgen und dabei nicht einmal bemerkt werden. Dies war ihr Schicksal. Schon seit weit über dreihundert Jahren war sie mittlerweile schon eine Dämonin, von Samael gewandelt, weil sie wohl schon in ihrem Menschenleben unaussprechliche Dinge getan hatte. Nach ihrem Erwachen als Dämonin war sie verwirrt gewesen und hatte jeden zerfleischt, der ihr zu nahe gekommen war, doch oh, wie hatte sie sich gefreut, als sie nacheinander einen Auftrag nach dem anderen bekam! Sie war stolz darauf gewesen, jemandem dienen zu können und hatte sich als durchaus talentiert erwiesen. Ihre Foltermethoden waren unter den Dämonen ebenso berühmt wie auch gefürchtet. Nur leider gab es da einen Haken... Egal wie viele Kampfkünste sie sich mittlerweile angeeignet hatte, egal wie viele Bücher sie studiert hatte und egal, wie viele Dämonen sie verehrten, eine Person gab es, bei der sie in Vergessenheit geraten war.
Und es war niemand geringeres, als der Leibhafte selbst.
Mehrere Jahre lang hatte Samael sie auf einen Feldzug nach dem anderen geschickt, doch mit der Zeit waren ihre Aufträge immer seltener geworden. Irgendwann hatte Samael sie dann überhaupt nicht mehr zu sich gerufen. Anfangs hatte sie dies als Ferien betrachtet und sich teilweise feucht fröhlich ausgetobt, so, wie es sich für eine Ausgeburt der Hölle gehörte. Doch nach einigen hundert Jahren dann, setzte der Frust ein. Einige Male hatte sie mit ihrem König sprechen wollen, doch er hatte sie nur aus kalten und toten Augen gemustert und sie wieder weg geschickt. Die anderen seien ihr zuvor gekommen, er hatte bessere Leute und was für Gründe er ihr nicht noch alles hinterher geworfen hatte. Still und heimlich hatte sie beobachtet, wie Callista und Vanita auf der Bildfläche erschienen waren und dabei innerlich alles in Stücke gerissen.
Sie hätte ihrem Drang zu töten locker nachgeben können, fürchtete aber, von Samael erwischt zu werden und endgültig weggesperrt oder hingerichtet zu werden. Oh, es kam oft vor, dass der Teufel sich einen seiner Untergebenen, einem Insekt, entledigte. Diese Art zu sterben war alles andere als angenehm, so viel war sicher.
Sie war immer sehr stolz gewesen auf das, was sie war. Doch welchen Zweck hatte es zu existieren, wenn du nicht eine einzige Aufgabe zu verrichten hattest? Es hatte eine Zeit gegeben, in der sie sich fünf komplette Jahre lang zurückgezogen hatte. Kein Dämon hatte sie mehr zu Gesicht bekommen.
In dieser Zeit der völligen Isolation war ihr klar geworden, dass sie dankbar dafür sein musste, so unsichtbar zu sein, denn es bot ihr ungeahnte Möglichkeiten! Sie könnte eine ganze Stadt auslöschen oder einen nichtsnutzigen Dämon exekutieren, niemandem würde es auffallen. Dem Teufel am allerwenigsten.
Sie hatte einmal ihre neue Herrscherin, Camael, dabei gesehen, wie sie sich von Béla, einem unbedeutend jungem Dämon, eine Liste aushändigen lassen hatte, auf der jeder Höllenbewohner aufgelistet wurde, der schon mehr als einmal negativ aufgefallen war. Sie war nicht darunter gewesen. Es war, als hätte sie nie existiert.
Hätte sie eine Seele gehabt, wäre sie wohl verletzt darüber gewesen. In ihrer Brust mochte zwar ein Herz schlagen, doch außer dem Drang Chaos zu stiften, konnte es nicht sonderlich viel verspüren.
Kopfschüttelnd vertrieb sie sämtliche Erinnerungen. Was soll's, gäbe sie sich einfach dieser Zerstörungswut hin, dann wäre sie beschäftigt.
Sie ging in die Trainingshalle, in der nicht nur Boxsäcke und Dummys zu finden waren, sondern auch die perfekten Imitationen von Steinwänden, Sumpfgebieten und Kletterwänden. Barren, Plattformen, Waffen und nicht zu vergessen waschechte Dämonen, die sich ganz nach Lust und Laune verprügeln konnten.
Just in diesem Moment wurden ein Mann und eine Frau auf sie aufmerksam, die schon seit einiger Zeit mehr miteinander verband, als nur der Sex. Hadley und Knox waren ein eingeschworenes Team und gaben ein hübsches Paar ab. Sie, die Schönheitskönigin mit perfekt gestyltem, blondem Haar und er der stattliche Bad Boy mit stark gebräunter Haut und schwarzem Haar. Sie liebte es, sich über die beiden lustig zu machen, konnte aber nicht abstreiten, dass sie ihr ans Herz gewachsen waren. Es hatte so manch Vorteil, so etwas wie Freunde hier unten zu haben.
„Reagan“, stellte Knox nun grinsend fest. „Wenn ich es nicht besser wüsste würde ich sagen, du hast ziemlich beschissene Laune.“
Statt ihm darauf zu antworten zeigte Reagan ihm den Mittelfinger und schleuderte dann ein Wurfmesser nach ihm, welchem er mit einem polternden Lachen auswich.
„Worüber ärgerst du dich schon wieder, hm?“, hakte Hadley nach, die ihr einen bitterbösen Blick zuwarf, da sie es gewagt hatte ihren Mann verletzen zu wollen. Die Dämonin mit dem tiefvioletten Haar knurrte leise und stieß dann ein Fauchen aus, welches auch von einer Katze hätte stammen können.
„Die Thronstühle sind schon wieder leer“, sagte sie bloß.
Ihre zwei Freunde wurden ein wenig ernster und tauschten dann einen besorgten Blick miteinander aus, bei dem sie eine gedankliche Konversation zu führen schienen, zumindest vermutete Reagan das.
„Deine Langeweile schlägt dir in den letzten Jahren immer mehr aufs Gemüt. Willst du nicht einmal mit Camael in Ruhe darüber reden? Ich bin sicher, sie hat Verständnis für dich“, meinte Hadley und war gezwungen, nun ebenfalls einem Wurfmesser auszuweichen.
Wenn Reagan schlechte Laune hatte, wussten alle, dass ein Kampf oder ein strenges Training unvermeidlich war. Anders schien sich diese Frau einfach nicht beruhigen zu können und aus genau diesem Grund versuchte das Paar gar nicht erst, sie auf andere Weise abzulenken.
Sie ließen die Fäuste knacken und stürzten sich dann zeitgleich auf ihre geschätzte Kumpanin, die trocken auflachte und dann in die Vollen ging.
„Wozu? Sie weiß nicht einmal, dass ich existiere!“, schnautzte sie und bombardierte die zwei mit Fäusten und Tritten, die zum Großteil leider ins Leere gingen. Es kostete sie nach all den Jahren keinerlei Anstrengungen mehr, sich auf mehrere Gegner gleichzeitig zu konzentrieren. Harter Übung hatte sie es zu verdanken, dass sie dabei noch einen lockeren Plausch führen konnte.
„Mich ärgert noch etwas ganz anderes“, fuhr sie fort, während sie zwei Kurzschwertern auswich, die von Knox mit einer Leichtigkeit geführt wurden, die einen neidisch werden ließ. Sie ließ jedoch nichts anbrennen und zog eine Desert Eagle, ihre Lieblingswaffe, mit der sie Knox ohne zu zögern ins Knie schoss. Er brüllte auf und knickte ein, womit noch eine Gegnerin verblieb. Wütend über den Treffer, den Reagan erzielt hatte, fuhr sie ihre dämonischen Krallen aus und schlug mit ihnen direkt in ihr Gesicht. Blut spritzte als ihre Fänge Haut zerrissen, doch der Treffer war nicht tief genug, als dass Narben zurückbleiben würden.
„Die Unterwelt und Amarya leben in Frieden und das sollte nicht sein“, spuckte Reagan aus, wischte sich hastig mit dem Arm übers Gesicht und verkrallte sich mit ihrer Hand in Hadleys Haar, um ihr sogleich mit Gewalt ein paar lange Strähnen herauszureißen. Zischend ging ihre Gegnerin in die Knie. Ihre Haare waren ihr allerheiligstes und Reagan wusste das nur zu genau. Somit hatte sie gewonnen.
Keuchend ließ Reagan von ihr ab und trat sogleich einige Schritte zurück, um zu signalisieren, dass sie begriffen hatte, dass sie mal wieder zu weit gegangen war. Die anderen Dämonen in der riesigen Halle waren schon längst auf sie aufmerksam geworden, doch keiner von ihnen würde es sich trauen, diese Frau zu verpfeifen.
Indem Reagen den Kopf senkte, entschuldigte sie sich bei ihren Freunden. Hadley kauerte mit feuchten Augen auf dem Boden und starrte betroffen auf ihre ausgerissenen Haare und Knox war neben sie gerutscht, sauer darüber, dass er sich nun eine Kugel aus dem Knie entfernen lassen musste. Davon mal abgesehen, dass es scheiße weh tat, würde es auch einige Stunden in Anspruch nehmen, um zu heilen.
„Musstest du mir ausgerechnet ins Knie schießen?“, grollte er, doch sein belustigtes Grinsen zeigte, dass er damit kein so großes Problem hatte, wie man meinen sollte.
„Sorry, hab nicht nachgedacht“, sagte Reagan eilig, dabei war es glatt gelogen. Tatsächlich war es ein gut überlegter Schachzug gewesen, da man auf diese Weise einen Gegner unglaublich schnell unschädlich machen konnte. Eine einzige Bewegung ihrerseits hätte genügt, um ihm nach dem Treffer mit einer Klinge den Kopf abzutrennen. Doch sowas würde sie ihm nicht antun, er war ja schließlich ihr Freund. Oder?
Sie reichte Hadley die Hand, um sie mit einem kräftigen Ruck auf die Beine zu ziehen und ging dann selbst in die Hocke, um in ihrer...
| Erscheint lt. Verlag | 3.10.2019 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Zwischen Himmel und Hölle |
| Zwischen Himmel und Hölle | Zwischen Himmel und Hölle |
| Verlagsort | München |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Fantasy / Science Fiction ► Fantasy |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | Amarya • Camael • Dämonen • Engel • Erzengel • Fantasy • Fantasy-Romance • Fantasy-Romane • Flügel • Freundschaft • Geheimnis • Hölle • Krieg • Liebe • Liebesromane • Macht • Michael • Paranormal-Romance • Raphael • Reihe • Romantasy • Romantik • Romanze • Samael • Serie • Teufel • Übernatürlich • Übersinnlich • Unterwelt • Zadkiel |
| ISBN-10 | 3-7487-1699-0 / 3748716990 |
| ISBN-13 | 978-3-7487-1699-0 / 9783748716990 |
| Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR) | |
| Haben Sie eine Frage zum Produkt? |
Digital Rights Management: ohne DRM
Dieses eBook enthält kein DRM oder Kopierschutz. Eine Weitergabe an Dritte ist jedoch rechtlich nicht zulässig, weil Sie beim Kauf nur die Rechte an der persönlichen Nutzung erwerben.
Dateiformat: EPUB (Electronic Publication)
EPUB ist ein offener Standard für eBooks und eignet sich besonders zur Darstellung von Belletristik und Sachbüchern. Der Fließtext wird dynamisch an die Display- und Schriftgröße angepasst. Auch für mobile Lesegeräte ist EPUB daher gut geeignet.
Systemvoraussetzungen:
PC/Mac: Mit einem PC oder Mac können Sie dieses eBook lesen. Sie benötigen dafür die kostenlose Software Adobe Digital Editions.
eReader: Dieses eBook kann mit (fast) allen eBook-Readern gelesen werden. Mit dem amazon-Kindle ist es aber nicht kompatibel.
Smartphone/Tablet: Egal ob Apple oder Android, dieses eBook können Sie lesen. Sie benötigen dafür eine kostenlose App.
Geräteliste und zusätzliche Hinweise
Buying eBooks from abroad
For tax law reasons we can sell eBooks just within Germany and Switzerland. Regrettably we cannot fulfill eBook-orders from other countries.
aus dem Bereich