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Schokoladentage (eBook)

Roman
eBook Download: EPUB
2019 | 1. Auflage
478 Seiten
Insel Verlag
978-3-458-76414-4 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Schokoladentage -  Gabriele Diechler
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Alwy ist frisch verliebt, der smarte Anwalt Leon ist ein Traummann. Auch beruflich sieht es vielversprechend aus. Das Leben könnte herrlich sein - wenn die junge Patissière nicht plötzlich um ihre berufliche Existenz fürchten müsste. Das Haus, in dem sich ihr Tortenatelier befindet, ist an einen Bauinvestor verkauft worden, der die Immobilie teuer sanieren und die Mieter hinauswerfen will. Von ihrer Freundin und Partnerin Bettina kann Alwy nur bedingt Hilfe erwarten, denn die hat eigene Probleme: Sie ist schwanger und der zukünftige Kindsvater reagiert anders als erhofft. Alwy kämpft um ihren Laden, nichtsahnend, welche Folgen das für ihr Leben hat ...

Ein bezaubernder Roman über die Magie der Liebe, die Kraft der Freundschaft und die Höhen und Tiefen des Lebens - optimistisch, prickelnd und voller Wärme.



<p>Gabriele Diechler, in Köln geboren, lebt und arbeitet im Salzkammergut. Nach vielen Jahren als Drehbuchautorin und Dramaturgin widmet sie sich nun hauptsächlich dem Roman und Jugendbuch.</p>

2. Kapitel


April, acht Monate früher


Nur noch wenige Zentimeter, dann bekäme sie den Griff der Tasche zu fassen und könnte die Rezeptsammlung herausziehen. Wenn sie über das fleckige Leder der Mappe strich, sah sie immer Helene vor sich, die übers ganze Gesicht lachte. Das Beeindruckende waren nicht nur ihr Scharfsinn und ihre zupackende Art gewesen, sondern auch ihr kindlicher Übermut, den sie nie verloren hatte. Wer sonst wäre auf die Idee verfallen, in einer Rezeptsammlung Torten mit Sprechblasen zu versehen, in denen witzige Texte standen. Manche Torten hatten Beine und flüchteten vor einem herausfordernden Rezept. Wenn Alwy Helenes Rezeptbuch aufschlug, war gute Laune garantiert.

Anfangs liebte sie vor allem die einfachen Kuchen. Helene hatte sie – auf die verschiedenen Lebenslagen zugeschnitten – in Kapiteln zusammengefasst: Kuchen, wie eine tröstende Umarmung oder wie eine Aufforderung, sich endlich etwas zu gönnen. Für Helene waren Backwaren immer mehr als Leckereien gewesen; durch sie konnte man zu Menschen sprechen, ihnen etwas mitgeben. Ihr hatte Helene eine Menge mitgegeben. An erster Stelle die Fähigkeit, an sich zu glauben, egal, was das Leben ihr abverlangte.

Noch einmal streckte Alwy die Hand nach ihrer Handtasche unter dem Sitz des Vordermannes aus, doch gerade als sie sie zu fassen bekam, begann sich alles um sie herum zu drehen. Der Boden verschwamm zu einer undefinierbaren Masse.

Alwys Hand erschlaffte, sie kroch aus der Lücke, in die sie sich gezwängt hatte, rang nach Luft und presste ihren Körper gegen die Rückenlehne. Ruhig weiteratmen … sich nicht verrückt machen. Normalerweise buchte sie einen Platz am Gang, um sich nicht so eingesperrt zu fühlen, außerdem aß sie vor jedem Flug etwas Leichtes, damit ihr nicht flau im Magen wurde. Doch diesmal war alles anders. Sie hatte Tokio überstürzt verlassen, und der Flug über Frankfurt nach Salzburg war fast ausgebucht gewesen. Mit Mühe und Not hatte sie einen der letzten Plätze ergattert; und an essen war seit ihrer Trennung von Harald nicht zu denken.

Wie von fern hörte sie die Stimme der Psychologin, bei der sie ein Seminar gegen Flugangst belegt hatte. Erkenne Angst als Hemmschuh. Atme in die Angst hinein und lass sie dann los. Keine Angst vor der Angst zulassen!

Bis vor drei Jahren war Flugangst nur ein Wort für sie gewesen, doch nach der ersten Attacke wusste sie, wie entsetzlich diese Angst sein konnte. Sie nahm ihr den Atem und schüttelte sie durch, bis ihr der Kopf rauschte und sie sich im eigenen Körper fremd vorkam.

Mit fahriger Geste zog sie eine Flasche Baldriantropfen aus ihrer Jackentasche. Sie war leer, trotzdem presste sie sie an sich, als könnte das Fläschchen sie retten. Für den äußersten Fall hatte sie ein leichtes Beruhigungsmittel eingesteckt, doch Tabletten nahm sie nur, wenn es gar nicht anders ging.

Alwy konzentrierte sich auf alles Physische: auf den rauen Stoff unter ihren Händen, ihre Wirbelsäule, die sie fest gegen die Rückenlehne drückte. Ihre Lunge schien sich in ihrer viel zu engen Brust zu weiten. Sie bekam kaum noch Luft.

»Geht es Ihnen nicht gut?« Eine Flugbegleiterin beugte sich zu ihr hinunter und sah sie beunruhigt an.

Hätte sie doch nur das Personal informiert, dass sie unter Flugangst litt. Im Moment war an Sprechen jedenfalls nicht zu denken. Alwy zog ihre schweißnassen Hände zwischen ihren Beinen hervor und sah, dass die Stewardess den Platz ihres Sitznachbarn einnahm, der vorhin zur Toilette gegangen war. »Geben Sie mir Ihre Hand«, sagte sie auffordernd.

Ohne auf eine Antwort oder eine entsprechende Geste zu warten, griff die Frau nach ihren feuchten Fingern, legte ihre Hände darum und begann, auf sie einzureden.

»Es dauert nicht mehr lange bis zum Landeanflug, dann steigen Sie aus und erkunden die Stadt. Haben Sie beruflich in Salzburg zu tun, oder machen Sie Urlaub?«

Alwy nickte beim Wort beruflich.

»Dann bleiben Sie eine Weile in der Mozartstadt?« Die Frau sprach weiter. »Sie glauben nicht, wie ich Sie um die Möglichkeit beneide, Salzburg besser kennenzulernen. Es gibt so viel zu sehen.«

Alwy lauschte dem leisen Singsang. Festung, Mönchsberg, Museum der Moderne, Schloss Aigen. Das alles musste sie sich angeblich unbedingt ansehen. Sie freute sich auf die Stadt und auf ihre Kollegin Tina, mit der sie einen neuen Lebensabschnitt beginnen würde. Doch jetzt musste sie sich erst mal beruhigen.

Alwy ließ alle Infos an sich vorbeirauschen, schloss die Augen und konzentrierte sich darauf, rhythmisch weiterzuatmen. Plötzlich fiel ihr das Lied ein, das ihre Kollegin Nanami manchmal beim Verzieren der Torten gesungen hatte – ein japanisches Volkslied, das zur Zeit der Kirschblüte an Vergänglichkeit und Neuanfang erinnerte. Vergänglichkeit! Wie sehr sie dieses Wort inzwischen fürchtete. Letzte Nacht hatte sie, wie schon die Nächte zuvor, wachgelegen und darüber nachgedacht, ob es richtig war, Harald nach so langer Zeit zu verlassen, um in Salzburg noch einmal ganz von vorn zu beginnen.

Die Jahre an seiner Seite hatten etwas Abenteuerliches gehabt und waren vor allem durch Haralds brennenden Ehrgeiz gekennzeichnet gewesen; es gab nichts, was er nicht zumindest andachte, um es zum Drei-Sterne-Koch zu bringen. Anfangs war sie voller Freude von einem Hotel zum nächsten mit ihm getingelt. Überall war er der aufstrebende Kochkünstler gewesen und sie die Pâtissière mit den exquisiten Rezepten und der Fingerfertigkeit, die jedermann bewunderte. Es war spannend gewesen, fremde Länder kennenzulernen und sich beruflich zu vervollkommnen, doch mit den Jahren wiederholte sich vieles, und irgendwann war es immer das Gleiche. Arbeiten, bis man vor Müdigkeit fast umfiel, und sparen für irgendwann, wenn es Zeit für eine Familie wäre.

Bei ihrem Umzug nach Tokio war ihr endgültig klargeworden, dass sie sich nach über zehn Jahren im Ausland nach einem Zuhause in Europa sehnte. Zwar hatte Harald gezögert, als er begriff, wie ernst es ihr mit diesem Wunsch war, doch schließlich hatte er zugestimmt. Umso überraschter war sie gewesen, als er ihr vor einigen Wochen von einem Jobangebot in Seoul erzählte.

»Das Restaurant im Grand Hyatt hat bereits zwei Sterne, und nun wollen sie so schnell wie möglich den dritten. Die trauen mir zu, es zu schaffen.« Harald hatte die Haltung eines Mannes angenommen, der sich kurz vor dem Ziel wähnte: gerader Rücken, gestraffte Schultern. Ohne sich vorher mit ihr abgesprochen zu haben, hatte er den Job als Chef de Cuisine bereits zugesagt. Er würde das System, das sie beide so gut kannten – nach längstens drei Jahren war es Zeit für einen Jobwechsel –, weiter durchlaufen. Keine Rede mehr von einem gemeinsamen Heim in Deutschland oder Österreich.

»Du hast gesagt, du hättest eingesehen, dass in einer Partnerschaft nicht nur einer den Ton angeben kann … ›Wir müssen beide glücklich sein.‹ Das hast du mir versprochen!«

Harald hob beschwichtigend die Hände. »Ich weiß, der Job in Seoul war nicht vereinbart … aber das Grand Hyatt ist ein Geschenk des Himmels, Alwy. Ich musste zusagen.« Er nahm ihre Hand und hauchte einen versöhnlichen Kuss darauf, doch Alwy entzog sie ihm. Sie wusste, Harald nahm an, sie würde auch dieses Mal, wenn auch unter Murren, auf seine Karriere Rücksicht nehmen. Doch obwohl sie schlussendlich einlenkte und versprach, ihn ein letztes Mal zu begleiten, setzte schließlich die Erkenntnis ein, dass nicht Harald für ihr Leben verantwortlich war – sie war es. Nur sie wusste, was sie glücklich machte; sie entschied, wo sie hinzog und wie es mit ihr weiterging. Wenn sie...

Erscheint lt. Verlag 13.10.2019
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte Anja Saskia Beyer • Das kleine Café an der Mühle • Das wunderbare Wollparadies • Der Blaubeergarten • Der Duft von Rosmarin und Schokolade • Der fabelhafte Geschenkeladen • Der kleine Teeladen zum Glück • Der zauberhafte Trödelladen • Die Chocolaterie der Träume • Die kleine Straße der großen Herzen • Die Schokoladenkönigin • Ein englischer Sommer • frankophil • Frankreich • Frauenbuch • Frauenfreundschaft • Frauenliteratur • Frauenroman • Freundinnen • Freundschaft • Gegenwartsliteratur • Glück • Große Gefühle • insel taschenbuch 4742 • IT 4742 • IT4742 • Jenny Colgan • kleine Bäckerei am Strandweg • Kleine Sommerküche am Meer • Lavendelträume • Lebensfreude • Lebensführung • Liebe • Liebesgeschichte • Liebesroman • Manuela Inusa • Patisserie • Rezepte • Roman für Frauen • Romanze • Salzburg • Wohlfühlbuch • wohlfühlen
ISBN-10 3-458-76414-3 / 3458764143
ISBN-13 978-3-458-76414-4 / 9783458764144
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