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G. F. Unger Sonder-Edition 174 (eBook)

Zeit zum Kämpfen

(Autor)

eBook Download: EPUB
2019 | 1. Aufl. 2019
80 Seiten
Bastei Entertainment (Verlag)
978-3-7325-8725-4 (ISBN)

Lese- und Medienproben

G. F. Unger Sonder-Edition 174 - G. F. Unger
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Zeit zum Kämpfen

Ich hatte meinen Colt abgelegt und würde ihn nie mehr in die Hand nehmen. Ich würde Lola heiraten und mit ihr ein neues Leben beginnen. Als wir nach Zozo kamen und die dortige Bank mir zu einem Spottpreis die kleine Wagenrad-Ranch anbot, griff ich zu. Eigentlich hätte mich der niedrige Kaufpreis stutzig machen müssen. Ich hätte ahnen müssen, dass es ein Haar in der Suppe gab. Doch auf die Idee kam ich erst, als Brannigan auftauchte und mir einfach meine Herde wegnahm. Und dann standen plötzlich seine zwei Revolverschwinger auf unserem Hof, um uns von unserem Land zu verjagen. Was jetzt? Ich musste mich entscheiden: Wollte ich aufgeben oder wieder zum Colt greifen und kämpfen?

Wahrscheinlich verschwendete ich jahrelang mein Leben, dies dachte ich immer wieder in diesen wilden, rauchigen Jahren.

Aber es gefiel mir so.

Es gab immer wieder eine Zeit zum Lieben, zum Kämpfen – und zum Reiten.

Das alles wiederholte sich ständig.

Denn ich war ein Revolvermann. Nein, kein Revolverheld oder einer dieser dummen Revolverschwinger. Ich war einer aus der Gilde der Revolvermänner, welche nach Meinung der menschlichen Gemeinschaft zwar Gutes taten, doch auf böse Weise.

Und so war es damals auch in Mesa Verde.

Wir waren zu dritt von den Bürgern der kleinen Stadt angeworben worden. Sie hatten uns zu Hilfe geholt, weil sie selbst nicht kämpfen und sterben wollten. Denn ihre Chancen wären sehr viel schlechter gewesen, als unsere es sein würden.

So war das nun einmal. Denn wir waren Coltritter, deren Schutz man sich kaufen konnte, wenn man gut genug zahlte. Und weil es vor der Zeit zum Kämpfen für mich fast immer eine Zeit zum Lieben gab – denn mein Leben konnte ja verdammt kurz sein –, lag ich mit Lola im Bett.

Lolas Liebe konnte man sich kaufen, doch sie ließ nicht jeden Mann zu sich in das kleine Adobehaus am Rand der Stadt. Der Mann musste ihr gefallen.

Bei mir war das der Fall, und so ließ sie mich spüren, dass es auch ihr Spaß machte und sie es nicht nur für Geld tat.

Sie lag an diesem Vormittag neben mir und schlief. Ich aber war wach und fragte mich, wie lange wir hier in Mesa Verde noch warten mussten, bis die Bande kam. Es konnte noch lange sein. Wir hatten hier alles frei, was Unterkunft und Essen betraf. Auch unsere Pferde wurden gut versorgt. Dennoch zerrte dieses Warten an den Nerven.

Und immerzu gab es in einem die Frage, ob man es überstehen und am Leben bleiben würde. Es konnte auch sein, dass man zum Krüppel geschossen wurde.

Und das alles für ein paar Dollars. Wahrscheinlich waren wir doch verdammte Narren, die irgendwann zum Untergang bestimmt waren.

Ich sah zur Seite auf Lola.

Sie war eine junge Witwe. Ihr Mann war Postkutschenbegleiter gewesen. Banditen hatten ihm vom hohen Bock der Kutsche geschossen, in der sich eine Geldkiste befand.

Lola war mehr als hübsch, und vielleicht hatte sie sogar Spaß an ihrem jetzigen Leben, so wie ich an meinem.

Aber hatte ich eigentlich noch Spaß an meinem Leben?

Spaß ist ohnehin nicht das richtige Wort, nein, es war sogar völlig falsch. Es war wohl stets das Gefühl, dass man fair gekämpft und gesiegt hatte, wieder einmal mehr davongekommen war in einem höllischen Spiel, bei dem der Einsatz das Leben war.

Waren wir Coltritter im Grunde nichts anderes als Spieler, die mit ihren Colts um Leben und Tod spielten?

Ich lag da und hielt die schlafende Lola in meinem Arm, war ihr dankbar für die schöne Nacht. Es konnte meine letzte gewesen sein. Und auch sie schien dies gedacht zu haben.

Immer dann, wenn ich auf solche Gedankengänge kam, erreichte ich bald jenen Punkt, an dem die Frage wie aus einem dichten Nebel stieg: Wie lange noch?

Und dann kam bald schon die nächste Frage: Was könnte ich noch aus meinem Leben machen?

Ich sah wieder auf Lolas hübsches Gesicht.

Da öffnete sie ihre blauen Augen und sah mich eine Weile wortlos an.

»Jones«, murmelte sie dann kehlig, »es war eine wunderschöne Nacht. Doch jetzt wirst du bald kämpfen müssen. Ich spüre immer stärker, dass Alvarez Kilham mit seiner bösen Horde nicht mehr weit ist. Ja, ich kann das spüren. Als er zuletzt hier in Mesa Verde war, da sagte er mir, dass er mich mitnehmen würde über die Grenze nach Sonora in sein verborgenes Camp. Du kannst ihn also gleich hier erwarten und zur Hölle schicken, wohin er gewiss gehört. Ich weiß ziemlich sicher, dass er der Mann ist, der meinen Bill vom Bock der Kutsche schoss. Töte ihn, Jones, töte ihn! Und ich will dabei zusehen. Töte ihn! Denn sonst wird er bald, wie du jetzt, hier bei mir im Bett liegen, und ich kann nichts dagegen tun. Seine Männer werden diese kleine Stadt wieder demütigen, und die Männer dieser Stadt werden zusehen, wie die Banditen Jagd auf ihre Frauen, Töchter oder Schwestern machen. Du musst ihn hier töten, Jones, hier vor meiner Tür!«

Ihre Stimme wurde zuletzt schrill.

Und dann rollte sie sich wie eine Katze aus dem Bett und verharrte einen Moment nackt, wie sie war.

Oha, sie war wunderschön.

So musste damals die Schaumgeborene aus der alten griechischen Sage ausgesehen haben. Ich hatte einmal darüber gelesen. Venus hat sie geheißen, wenn ich mich nicht irre.

Sie begann sich anzukleiden. »Ich mache uns ein Frühstück«, sprach sie dabei. »Weißt du, wenn ich keine Hure wäre, würde ich alles tun, dich dazu zu bringen, dass du mich heiratest. Dann würden wir irgendwohin gehen, wo wir neu anfangen könnten. Das wäre auch für dich gut, besonders für dich.«

»Du bist keine Hure«, widersprach ich. »Nicht die ist eine Hure, die es mit allen treibt, sondern die, welche das Herz einer Hure hat. Dein Herz ist gut, Lola Bakerbee.«

Sie erwiderte nichts, sondern verschwand im Morgenrock in der Küche.

Ich lag noch da und dachte wieder nach.

Ja, es wäre nicht schlecht, eine Frau zu haben und ein neues Leben zu beginnen.

Aber wo und wie?

Ich war damals vor dem Krieg ein junger Cowboy gewesen, der irgendwann herausfand, dass er mit dem Colt gut umgehen konnte. Es war eine instinktive Begabung. Dann brach der Krieg aus. Und natürlich meldete ich mich freiwillig zur Texasbrigade und lernte das Töten. Ja, ich wurde sogar belobigt und befördert, weil ich so gut töten konnte. Dann führte ich eine ganze Schwadron von Männern an, die mächtig viele Feinde töteten.

Und nach dem Krieg wurde ich ein Revolvermann.

Ich dachte nun auch an meine beiden Partner Lewis Scott und Johnny Laredo. Wir waren aus drei verschiedenen Richtungen gekommen. Und jeder von uns sollte fünfhundert Dollar bekommen, wenn es uns gelingen sollte, Alvarez Kilham und dessen Mörderbande zu vernichten.

Fünfhundert Dollar waren damals eine Menge Geld hier im Arizona-Territorium. Für eine solche Summe musste ein Cowboy fast drei Jahre arbeiten.

Ich wusste, Lewis Scott und Johnny Laredo waren in dem kleinen Ort verteilt. In Mesa Verde lebten weniger als hundert Menschen, Alte und Kinder mit eingeschlossen.

Am Anfang hatten die Männer von Mesa Verde noch gegen die Bande gekämpft. Aber es waren zu viele getötet worden. Da gab sich der Ort auf und unterwarf sich. Doch die Bande trieb es immer schlimmer, wenn sie nach ihren Beutezügen hier durchkam, auf dem Weg zurück nach Sonora, also über die Grenze nach Mexiko.

Ich erhob mich ebenfalls.

Und noch bevor ich richtig angekleidet war nach der kurzen Wäsche am Waschtisch in der Ecke des Schlafzimmers, kam draußen ein Reiter vor das Haus geritten. Eine noch jugendliche Stimme rief draußen, nachdem der Hufschlag des Pferdes verklungen war: »Mr. Savage, sie kommen! Verdammt sie kommen! Es sind nicht mehr viele, kaum mehr als ein halbes Dutzend. Und einige sind verwundet. Die haben irgendwo schon heißes Blei bekommen! Sie kommen von Norden her!«

Der junge Bursche auf dem Pferd verstummte wild und heiser. Dann jagte er weiter in den Ort hinein.

Ich verharrte, und ich wusste, nun war wieder die Zeit zum Kämpfen gekommen.

Wir hatten einige junge Burschen außerhalb des Ortes als Wachposten auf die Hügel geschickt. Einige Tage und Nächte waren verstrichen.

Doch nun hatte die Warterei ein Ende. Und es würde Tote geben, das war ziemlich sicher.

Ich warf mir den Waffengurt um die Hüften und schloss die Schnalle, rückte das Holster zurecht und band es unten mit dem Riemen am Oberschenkel fest. Dann zog ich einige Male probeweise den Colt und prüfte noch einmal die Ladung, ließ die Trommel lautlos drehen.

Ja, es war alles in Ordnung.

Lola war gekommen.

»Dann kannst du wohl nicht mehr frühstücken«, sprach sie, aber es war kein kühles Reden, sondern mehr Worte einer unabänderlichen Hilflosigkeit. Ich sah es in ihren blauen Augen. Und ihr vorhin noch so voller Mund wirkte jetzt herb. Nein, nun waren es keine lockenden Lippen mehr.

Ich nickte ihr zu.

Dann sprach ich ruhig: »Es gibt immer eine Zeit zum Lieben, zum Kämpfen und zum Reiten. Jetzt ist das Kämpfen an der Reihe.«

Als ich verstummte, da hörten wir draußen den Hufschlag einer Mannschaft, die auf müden Pferden angeritten kam.

Wenn die Bande Verwundete bei sich hatte, dann war ihr Raubzug wahrscheinlich nicht erfolgreich gewesen. Wahrscheinlich kamen sie deshalb jetzt wie böse und gereizte Hornissen auf ihrer Flucht durch die Stadt. Der Weg zur Grenze war nicht mehr weit, kaum weiter als ein Dutzend Meilen. Und so fühlten sie sich gewiss schon einigermaßen sicher.

Was würden sie tun? Einfach durchreiten? Oder reagierten sie hier in diesem kleinen Ort erst einmal die Wut über ihre Niederlage ab.

Ich musste an Lola vorbei, denn sie stand im Türrechteck, so als wollte sie mir den Weg versperren. Aber als ich auf sie zutrat, gab sie mir den Weg frei.

»Ja, töte ihn«, sprach sie kehlig. »Doch wenn er dich töten sollte, dann werde ich um dich weinen, so wie damals um meinen Bill.«

Ich hielt bei ihr an und strich mit meiner Fingerspitze an der Rundung ihrer Wange abwärts bis zu ihrem Kinn.

»Du hast nicht das Herz einer Hure«, wiederholte ich meine Worte von vorhin. »Du willst nur überleben. Jeder Mensch hat ein Recht darauf.«

Dann...

Erscheint lt. Verlag 15.10.2019
Reihe/Serie G. F. Unger Sonder-Edition
G. F. Unger Sonder-Edition
Verlagsort Köln
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte 2017 • 2018 • Abenteuer-Roman • abenteuerromane kindle • abenteuerromane kindle deutsch • abenteuerromane kindle für erwachsene • alfred-bekker • bastei hefte • bastei heftromane • bastei romane • bastei romane hefte • Bestseller • Cassidy • clint-eastwood • Country • Cowboy • Deutsch • eBook • E-Book • eBooks • Erwachsene • Exklusiv • für • für Erwachsene • g f barner • gf unger • Heftchen • Heftroman • heftromane bastei • Indianer • Jugend • karl-may • Karl May • Kindle • Klassiker • Krimi • Laredo • larry-lash • Lassiter • lucky-luke • Männer • pete-hackett • peter-dubina • Reihe • Ringo • Romanheft • Roman-Heft • Serie • spannend • Western • western country • western country exklusiv • western deutsch • western ebook deutsch • western e books • western hefte • Western Klassiker • Westernreiten • Western-roman • Westernroman • Westernromane • Western Romane • western romane bastei • western romane deutsch • western romane kindle deutsch • western romanhefte • Wilder Westen • Wilder-Westen • Wild West • Wildwestromane • Wild West Romane • Winnetou • Wyatt Earp
ISBN-10 3-7325-8725-8 / 3732587258
ISBN-13 978-3-7325-8725-4 / 9783732587254
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