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Der wandernde Spielzeugladen (eBook)

Kriminalroman

(Autor)

eBook Download: EPUB
2019 | 1. Auflage
251 Seiten
Aufbau digital (Verlag)
978-3-8412-1773-8 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Der wandernde Spielzeugladen - Edmund Crispin
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Ein Spielzeugladen löst sich in Luft auf.

England im Herbst 1938. Um seine Schreibblockade zu lösen, begibt sich der Lyriker Richard Cardogan nach Oxford. Kaum in der Universitätsstadt angekommen, ist ihm die exakte Adresse seiner Unterkunft entfallen. So stolpert er prompt in einen Spielzeugladen und darin über die Leiche einer Frau. Bevor er auch nur einen klaren Gedanken fassen kann, trifft ihn ein Schlag auf den Hinterkopf und er findet sich am folgenden Tag auf dem Boden des Lagerraums wieder. Dort muss er feststellen, dass die Leiche spurlos verschwunden ist und der Laden sich obendrein unerklärlicherweise in ein Lebensmittelgeschäft verwandelt hat. Die Polizei hält ihn für einen Spinner und so kann ihm nur noch sein alter Freund, Oxford-Professor Gervase Fen, helfen ...

'Der wandernde Spielzeugladen' ist Edmunds Crispins berühmtester Roman um den exzentrischen Amateurdetektiv Gervase Fen.



Edmund Crispin, geboren 1921, war das Pseudonym des englischen Krimiautors und Komponisten Robert Bruce Montgomery. 1944 erschien der erste Band seiner Reihe um den Ermittler Gervase Fen, Professor für englische Literatur in Oxford. Crispins Kriminalromane zeichnen sich durch ihren humoristischen Stil, der bis ins Absurde reicht, und gleichzeitig einen hohen literarischen Anspruch aus. Er verstarb 1978. Alle neun Romane der Krimireihe um Gervase Fen sind bei Aufbau Digital verfügbar.

1. Die Episode vom draufgängerischen Dichter


Richard Cadogan hob seinen Revolver, zielte bedächtig und drückte den Abzug. Der Schuss hallte durch den kleinen Garten und sorgte, ähnlich den sich ausweitenden Kreisen, die von einem ins Wasser geworfenen Kieselstein ausgehen, im gesamten Vorort St. John’s Wood für eine Welle der Aufregung und Unruhe, deren Intensität erst langsam wieder verebbte. Aus den verrußten Bäumen, deren Blätter im herbstlichen Sonnenlicht braun und golden erstrahlten, stoben Schwärme aufgeschreckter Vögel. In der Ferne begann ein Hund zu jaulen. Richard Cadogan ging zur Zielscheibe hinüber und inspizierte sie entmutigt. Nicht ein Kratzer war daran zu erkennen.

»Ich habe danebengeschossen«, sagte er nachdenklich. »Erstaunlich.«

Mr. Spode, Teilhaber von Spode, Nutling und Orlick, einem auf anspruchsvolle Literatur spezialisierten Verlag, klimperte mit dem Kleingeld in seiner Hosentasche – vermutlich, um auf sich aufmerksam zu machen. »Fünf Prozent für das erste Tausend«, bemerkte er. »Siebeneinhalb für das zweite Tausend. Mehr werden wir wohl kaum verkaufen. Kein Vorschuss.« Er hüstelte unsicher.

Cadogan kehrte auf seine alte Position zurück, während er mit einem leichten Stirnrunzeln den Revolver untersuchte. »Man darf damit nicht zielen, das wird es sein«, sagte er. »Man muss aus der Hüfte schießen.« Er war schlank, hatte markante Gesichtszüge, arrogant wirkende Augenbrauen und strenge dunkle Augen. Dieses calvinistische Erscheinungsbild wurde ihm nicht gerecht, denn tatsächlich war er ein freundlicher, bescheidener und romantischer Mensch.

 

Zeichenerklärung  
A Spielzeugladen (zweite Position) G Das ›Mace and Sceptre‹
B St. Christopher’s H Sheldonian
C St. John’s I Rosseters Kanzlei
D Balliol J Markt
E Trinity K Polizeiwache
F Lennox L Spielzeugladen (erste Position)

 

»Ich nehme an, Sie sind damit einverstanden?«, fuhr Mr. Spode fort. »Das sind die üblichen Bedingungen.« Wieder war sein leises Hüsteln zu hören. Mr Spode hasste es, über Geld zu reden.

Krumm vornübergebeugt las Cadogan laut aus einem Buch vor, das zu seinen Füßen im vertrockneten, stoppeligen Gras lag. »›Bei allen Pistolenschüssen‹«, verkündete er, »›schaut der Schütze auf das anvisierte Ziel, nicht auf die Pistole.‹ Nein. Ich will einen Vorschuss. Mindestens fünfzig Pfund.«

»Wie kommt es, dass Sie plötzlich zum Waffennarren geworden sind?«

Mit einem leisen Seufzer richtete Cadogan sich auf. Er konnte jeden Monat seiner siebenunddreißig Jahre spüren. »Hören Sie«, sagte er. »Es wäre besser, wenn wir beide zur gleichen Zeit über das gleiche Thema reden könnten. Wir sind hier nicht in einem Stück von Tschechow. Außerdem lenken Sie ab. Ich habe einen Vorschuss auf mein Buch verlangt – fünfzig Pfund.«

»Nutling … Orlick …« Mr. Spode gestikulierte umständlich vor sich hin.

»Sowohl Nutling als auch Orlick sind doch die reinsten Hirngespinste.« Richard Cadogan blieb unbeugsam. »Das sind doch Prügelknaben, die Sie erfunden haben, um sich mit Ihrem Geiz und Ihrem Banausentum hinter ihnen zu verstecken. Hier stehe ich, allgemein anerkannt als einer der drei wichtigsten lebenden Dichter, über den drei Bücher veröffentlicht wurden (alle ganz furchtbar, aber lassen wir das) und über den in allen Darstellungen der Literatur des zwanzigsten Jahrhunderts ausführliche Lobreden geschwungen werden …«

»Ja ja.« Mr. Spode hob die Hand wie jemand, der versucht, einen Bus anzuhalten. »Natürlich sind Sie zweifellos sehr bekannt. Sicher.« Er hustete verlegen. »Aber leider bedeutet das nicht, dass viele Menschen Ihre Bücher kaufen. Die Mehrheit der Leute ist eben ungebildet, und der Verlag ist nicht so wohlhabend, dass wir uns erlauben könnten …«

»Ich werde eine Reise unternehmen, und ich brauche Geld.« Cadogan verscheuchte eine Mücke, die um seinen Kopf schwirrte.

»Ja, natürlich. Aber sicher … wie wäre es mit noch ein paar frechen Liedtexten fürs Kabarett?«

»Lassen Sie mich Ihnen eines sagen, mein lieber Erwin« – hier stieß Cadogan seinem Verleger warnend den Finger vor die Brust – »dass ich zwei Monate mit einem Kabarett-Stückchen verplempert habe, weil mir kein Reim auf ›britisch‹ einfallen will…«

»›Kritisch‹«, schlug Mr. Spode zaghaft vor.

Verächtlich sah Cadogan ihn an. »Außerdem«, fuhr er fort, »habe ich es satt, mir meinen Lebensunterhalt mit Liedtexten zu verdienen. Mag sein, dass ich einen betagten Herausgeber zu ernähren habe« – wieder tippte er Mr. Spode an die Brust – »aber alles hat seine Grenzen.«

Mr. Spode wischte sich das Gesicht mit einem Taschentuch ab. Sein Profil war beinahe ein perfekter Halbkreis – die hohe Stirn, die nahtlos in eine Glatze überging, die nach unten gebogene Hakennase und das fliehende Kinn, das kraftlos und erbarmungswürdig in seinem Hals verschwand.

»Wie wäre es«, wagte er sich vor, »mit fünfundzwanzig Pfund?«

»Fünfundzwanzig Pfund! Fünfundzwanzig Pfund!« Cadogan fuchtelte bedrohlich mit seinem Revolver. »Wie soll ich mit fünfundzwanzig Pfund eine Reise bezahlen? Ich bin völlig ausgebrannt, mein lieber Erwin. Ich kann St. John’s Wood nicht mehr sehen. Ich habe keine guten Einfälle mehr. Ich brauche einen Tapetenwechsel – andere Menschen, Aufregung, Abenteuer. So wie der späte Wordsworth. Ich zehre von meinen geistigen Vorräten.«

»Der späte Wordsworth.« Mr. Spode kicherte und verstummte dann plötzlich, hatte er doch das Gefühl, etwas Unpassendes getan zu haben.

Aber Cadogan redete unbeirrt weiter. »Tatsächlich sehne ich mich nach Romantik. Deswegen bringe ich mir das Schießen bei. Und deswegen werde ich Sie wahrscheinlich auch erschießen, wenn Sie mir nicht die fünfzig Pfund geben.« Erschreckt trat Mr. Spode einen Schritt zurück. »Ich vegetiere vor mich hin. Ich werde vor meiner Zeit alt. Die Götter selbst wurden alt, als Freya geraubt wurde, während sie die goldenen Äpfel bewachen sollte. Sie, mein lieber Erwin, sollten mir eine luxuriöse Urlaubsreise finanzieren, anstatt auf dermaßen schäbige Art und Weise wegen fünfzig Pfund Haarspalterei zu betreiben.«

»Möchten Sie vielleicht ein paar Tage mit mir auf Caxton’s Folly verbringen?«

»Haben Sie Abenteuer, Aufregung, schöne Frauen zu bieten?«

»Diese romantischen Verstiegenheiten«, erwiderte Mr. Spode. »Da wäre natürlich meine Frau …«Er wäre nicht gänzlich abgeneigt gewesen, seine Frau dem Wohlbefinden eines bedeutenden Dichters zu opfern – oder, was das anging, irgendwem sonst aus irgendeinem Grund. Elsie konnte manchmal ziemlich nervtötend sein. »Und dann«, fuhr er hoffnungsvoll fort, »ist da noch die Vortragsreise durch Amerika …«

»Ich habe Ihnen schon gesagt, Erwin, dass ich davon nichts mehr hören will. Auf gar keinen Fall werde ich Vorträge halten.« Cadogan begann, auf dem Rasen auf und ab zu marschieren. Besorgt bemerkte Mr. Spode, dass sich in Cadogans kurzgeschorenem dunklen Haar eine kleine, kahle Stelle zu zeigen begann. »Ich habe kein Interesse daran, Vortrage zu halten. Ich weigere mich, Vorträge zu halten. Ich will nicht nach Amerika, ich will nach Poictesme oder Logres. Ich wiederhole es: Ich werde alt und stumpfe zusehends ab. Ich handle aus Berechnung. Ich plane im Voraus. Heute Morgen habe ich mich dabei ertappt, wie ich eine Rechnung direkt nach ihrem Eintreffen bezahlt habe. Damit muss endlich Schluss sein. In einem anderen Zeitalter hätte ich lebendige Kinderherzen verspeist, um meine verlorene Jugend zurückzugewinnen. Doch so wie es aussieht« – er blieb neben Mr. Spode stehen und schlug ihm mit solcher Begeisterung auf den Rücken, dass der arme Mann fast vornüber fiel – »werde ich nach Oxford fahren.«

»Oxford. Aha.« Mr. Spode kam wieder zu sich. Er war froh über diese zeitweilige Befreiung von den lästigen Verpflichtungen des Geschäfts. »Eine ausgezeichnete Idee. Manchmal bereue ich es, den Sitz meines Verlages in die Hauptstadt verlegt zu haben, selbst wenn das nun schon ein Jahr her ist. Man kann nicht so lange in Oxford gelebt haben wie ich, ohne hin und wieder Heimweh zu verspüren.« Selbstgefällig klopfte er sich auf seine ziemlich...

Erscheint lt. Verlag 31.10.2019
Reihe/Serie Professor Gervase Fen ermittelt
Professor Gervase Fen ermittelt
Übersetzer Eva Sobottka
Sprache deutsch
Original-Titel The Moving Toyshop
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror Krimi / Thriller
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte 2. Weltkrieg • 30er Jahre • Agatha Christie • Carola Dunn • College Krimi • Cosy Crime • Cosy Krimi • Edmund Crispin • England • england krimi • Erbin • Erbschaft • Gervase Fen • Krimiklassiker • Michael Innes • Oxford • Professor • Rechtsanwalt • Schriftsteller • Verschwinden
ISBN-10 3-8412-1773-7 / 3841217737
ISBN-13 978-3-8412-1773-8 / 9783841217738
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