Serenade (eBook)
376 Seiten
Shadodex-Verlag der Schatten
978-3-946381-69-3 (ISBN)
Quistis Fall hat schon in der Grundschule gern Geschichten geschrieben. Im Alter von zehn schrieb sie ein vierteiliges Epos - verteilt auf 12 Heftseiten: 'Der Drache mit dem Regenschirm', den ihre Grundschullehrerin mit 'sehr gut!' quittierte und für einige Erheiterungen in der Klasse beim Vorlesen sorgte. Ihre Freude am Schreiben und dem Fach Deutsch wurde am Gymnasium später aufgrund des hohen Leistungsdrucks und durch Mobbing in der sechsten Klasse aber schnell gedämpft. Nachdem die Deutschlehrerin Quistis' Mutter dann offenbarte, ihre Tochter könne keinen einzigen Satz richtig sprechen - oder schreiben -, wechselte Quistis kurz darauf die Schule und machte im Sommer 2008 ihr Abitur. (Übrigens mit Deutsch als Leistungskurs!) Nach dem Abitur absolvierte sie eine Ausbildung zur Buchhändlerin und studierte kurz darauf Germanistik und Theaterwissenschaft.
Quistis Fall hat schon in der Grundschule gern Geschichten geschrieben. Im Alter von zehn schrieb sie ein vierteiliges Epos – verteilt auf 12 Heftseiten: "Der Drache mit dem Regenschirm", den ihre Grundschullehrerin mit "sehr gut!" quittierte und für einige Erheiterungen in der Klasse beim Vorlesen sorgte. Ihre Freude am Schreiben und dem Fach Deutsch wurde am Gymnasium später aufgrund des hohen Leistungsdrucks und durch Mobbing in der sechsten Klasse aber schnell gedämpft. Nachdem die Deutschlehrerin Quistis' Mutter dann offenbarte, ihre Tochter könne keinen einzigen Satz richtig sprechen – oder schreiben –, wechselte Quistis kurz darauf die Schule und machte im Sommer 2008 ihr Abitur. (Übrigens mit Deutsch als Leistungskurs!) Nach dem Abitur absolvierte sie eine Ausbildung zur Buchhändlerin und studierte kurz darauf Germanistik und Theaterwissenschaft.
Teil 1: Zerbrochene Idylle
Zwischenwelt
Kapitel 1 – Ankunft
Kapitel 2 – Green Hall
Kapitel 3 – Das Kreuz in der Asche
Kapitel 4 – Carolines Turm
Kapitel 5 – Die Beerdigung
Kapitel 6 – Der Fall
Teil 2: Schuld und Sühne
Zwischenwelt
Kapitel 1 – Trauer
Kapitel 2 – Das Tagebuch
Kapitel 3 – Panik
Kapitel 4 – Vollendung
Teil 3: Lügen der Erinnerung
Zwischenwelt
Kapitel 1 – Stufe 5
Kapitel 2 – Greyfriars
Kapitel 3 – Infiltrierung
Kapitel 4 – Warten
Kapitel 5 – Überfall
Kapitel 6 – Der Brunnen
Kapitel 7 – Nachforschungen
Kapitel 8 – Selbstgespräch
Kapitel 9 – Grenzpunkt
Teil 4: Scherben der Erinnerung
Zwischenwelt
Kapitel 1 – Erwacht
Kapitel 2 – Das Auge
Kapitel 3 – Midas' Gold
Kapitel 4 – Schlafende Wut
Kapitel 5 – Wall of Pain
Kapitel 2 – Green Hall
14. Juli
00:03 Uhr
Nur auf der linken Seite des Erdgeschosses brannte noch Licht. Trotz der dicken Vorhänge in der Bibliothek stahl sich die schwache Beleuchtung bis nach draußen durch.
Auch in dieser Dunkelheit wirkte das Schloss imposant. Es war 1703 mit Portland-Kalkstein gebaut worden. Der stammte aus einem Steinbruch ganz in der Nähe der Stadt. Sogar für den Buckingham Palace und die Saint Pauls Cathedral wurde derselbe helle Stein verwendet. Doch für mich würde niemals ein anderes Gebäude mit Green Hall Castle mithalten können.
Zum Großteil hatte es einen schlichten barocken Stil, doch was die Eingangshalle anging, war der damalige Architekt und späterer Eigentümer von Green Hall – Marcus Crane – seiner Zeit weit voraus gewesen. Der gesamte Eingangsbereich war aus Glas. Selbst das vordere Dach bestand aus Tausenden Buntglasscheiben in verschiedensten Grüntönen. Es hatte etwas von einer anderen Welt. Deshalb schien es fast wie ein schlechter Scherz, dass die Eingangstür klein und unscheinbar gehalten war, wo der Rest des Anwesens doch eher imposant wirkte.
Da man uns bereits durch das Tor gelassen hatte, klopfte Mom. Kurz darauf brannte im vorderen Teil der Halle Licht, und die Tür öffnete sich. Normalerweise war es Vinnys Aufgabe, Besuch zu empfangen. Zu der späten Stunde hatte die Haushälterin aber natürlich frei. Stattdessen öffnete uns Larry.
Er war Bens Zwillingsbruder, aber die beiden waren sich in keiner Weise ähnlich. Weder äußerlich noch vom Charakter. Larry hatte einen Bierbauch, einen weißen Bart und eine Halbglatze. Ständig schaute er verkniffen, außer er wollte irgendwen über irgendwas belehren. Dann kam seine Brille zum Einsatz, die er immer in der linken Hemdtasche bereithielt. Wenn er sie trug, fühlte er sich wie der weiseste Mann im Universum.
Ben dagegen war bisher nur etwas grau an den Schläfen. Ansonsten aber hochgewachsen und schlank. Seine Augen schauten nicht verkniffen. Niemals.
Mir war die Vorstellung mehr als einmal absurd erschienen, dass diese Männer Zwillinge sein sollten. Wenn man es auf das Kleinste herunterbrechen wollte, dann war Larry der Pragmatiker und Ben der Träumer. Oder auch Traumtänzer, um es mit Larrys Worten zu sagen.
»Da seid ihr ja!«, rief er erleichtert aus und begrüßte seine Schwester noch auf der Türschwelle mit einer Umarmung.
»Hi Larry«, sagte Mom erleichtert. Ihr Tonfall glich einem echten Fortschritt, wie ich fand.
»Na, kommt rein. Kommt rein.« Er zog Dad und mich in den Flur. »Was wollt ihr trinken? Und habt ihr Hunger?«
»Ehrlich gesagt möchte ich erst mal unser Gepäck reinholen«, sagte Dad und machte bereits Anstalten, zurück zum Wagen zu gehen. Doch Larry hielt ihn panisch mit seinen Wurstfingern an der Schulter fest.
»Fünf Minuten, Michael. Ben und ich schweigen uns seit Stunden in diesem verdammten Haus an. Ich ertrag das nicht mehr. Kommt jetzt!«
Ich hasste Larrys Befehlston. Er arbeitete, genau wie Mom, in einer Bank und war es gewohnt, ständig Leute herumzukommandieren.
Dad gab klein bei, was mich irgendwie ärgerte. Er hielt resignierend die Hände hoch, und augenblicklich breitete sich ein Lächeln auf Larrys Gesicht aus.
»Danke, Schwager. Du hast was gut.«
»Wie geht’s ihm denn?«, fragte Mom im Flüsterton, während sie sich die Jacke auszog.
»Sprich normal, Laura. Ben hockt nicht hinter der Tür«, wies Larry seine kleine Schwester zurecht.
Lag es an mir, oder war Larry heute tatsächlich besonders nervtötend?
»Wie gesagt, wir schweigen uns an. Die meiste Zeit sitzt er in der Bibliothek und starrt ins Leere. Zwischendurch schaut er sich die Bücherregale an und grummelt etwas vor sich hin. Das war’s. Jetzt kommt! Bevor er sich noch fragt, wo wir bleiben.« Hektisch schloss Larry die Tür und bedeutete uns, ihm zu folgen.
Während wir zur Bibliothek gingen, klackerten Moms Schuhe auf den weißen Fliesen unangenehm laut. Mein Blick ging durch die Halle. Auch wenn sie definitiv das Herzstück des Schlosses war, ohne Sonnenschein wirkte sie einfach nur düster und unscheinbar. Ich hoffte, dass morgen großartiges Wetter sei. Ich würde mich erst richtig willkommen fühlen, wenn Green Hall mir seine einzigartige Schönheit zum Gruß preisgegeben hatte.
Als wir ins Zimmer traten, stand Ben auf der anderen Seite des Raums von seinem Sessel in Kaminnähe auf. Ich war zwar darauf eingestellt, dass die letzten beiden Tage gerade bei ihm Spuren hinterlassen hatten, aber es versetzte mir dennoch einen Schlag in die Magengegend. Sein Gesicht war eingefallen und blass. Das Kaminfeuer schien das noch zu unterstreichen. Zeichnete die Furchen in Bens Gesicht noch deutlicher mit seinem Schattenspiel ab.
Das ist nicht mehr mein Ben.
Diese Erkenntnis löste eine seltsame Panik in mir aus. Doch der Moment war zu einnehmend, als dass ich mich genauer damit auseinandersetzen konnte. Meine Schritte wurden langsamer. Ich wagte es aber nicht, zu stoppen, und ich konnte auch nicht aufhören zu starren.
Er wirkt um zehn Jahre gealtert. Mindestens …
Ich fand es immer seltsam, wenn man sagte, jemand sehe so aus, als sei er um soundso viele Jahre gealtert, wenn etwas Schreckliches passiert war. Nun wurde mir bewusst, dass dieser Satz nicht der Ausschmückung beim Erzählen galt. Tatsächlich brachte er die Wahrheit genau auf den Punkt.
Ben kam humpelnd auf uns zu. Seit seiner Reitverletzung hatte er Probleme mit seinem linken Knie und dem Rücken. Mittlerweile brauchte er seine Krücke immer öfter. Mom lag ihm bei jedem ihrer Besuche in den Ohren, er solle sich endlich operieren lassen. Ohne Erfolg. Er hatte Angst vor Krankenhäusern. Und wenn es eins über die Familie Crane zu wissen gab, dann dass sie ihre Ängste in vollen Zügen auslebte, statt sie zu bekämpfen.
Schweigend umarmte Ben Mom, dann Dad und schließlich mich.
»Hallo mein Engel«, sagte er, und man spürte regelrecht, wie viel Mühe es ihn kostete, mir ein Lächeln zu schenken. Es war ein aufgesetztes und erreichte seine Augen nicht. Überhaupt schien er unseren Blicken auszuweichen. Dann wuschelte er mir durchs Haar, wie man es eigentlich nur bei Kleinkindern machte. So was hatte er vorher noch nie getan. Unter normalen Umständen hätte ich mich darüber aufgeregt. Immerhin war ich fast sechzehn. Aber ich riss mich zusammen und tat es als Zeichen seiner Unsicherheit ab. Schließlich wussten wir alle nicht, wie wir mit der Situation umgehen sollten. Ich am allerwenigsten. Deshalb folgte ich einem jähen Impuls, bevor der Moment vorbei war, und umarmte Ben fest.
»Es tut mir so leid«, flüsterte ich in sein linkes Ohr und hoffte, dass er meine Anteilnahme in diesen schlichten Worten spüren würde. Aber er nickte nur stumm und wandte sich dann wieder meinen Eltern zu. Ich hätte losheulen können.
»Kommt, setzt euch. Ihr seid sicher erledigt von der langen Reise, und wir haben noch etwas vom Mittagessen übrig. Ich bin sicher, Larry wird es schaffen, die Reste aufzuwärmen.«
Larry, der sich gerade gemütlich auf eine Couch gesetzt hatte und sich ohne Frage auf die Abwechslung mit uns freute, schien von der Idee seines Bruders nicht begeistert.
Wann hast du wohl das letzte Mal selbst gekocht, hm?, fragte ich mich, als er aufstand und in die Küche verschwand.
Mom hatte irgendwann erzählt, dass er nicht mal selbst seine Wäsche wusch und so gut wie jeden Tag zu Geschäftsessen ging. Larry arbeitete bei der DZ Bank London und bewohnte eines dieser typischen weißen Reihenhäuser in Kensington.
Es hatte ihn schon als Jugendlichen von hier weggezogen. Ein paar Jahre lebte er in Chicago, bevor er sich endgültig für London entschied. Im Vergleich zu diesen Großstädten war für ihn das Leben in Weymouth wohl zu abgeschieden. Er war eines dieser typischen Arbeitstiere, und das Leben in London war für ihn der Inbegriff von Elite, Kultur und Prestige. Weymouth war den kleinen Leuten und kulturfaulen Touristen vorbehalten, die sich lieber am Strand sonnten, als ausgewählte Bauwerke und Museen zu besuchen. So dachte er, und mir passte nichts davon.
Nachdem Larry in die Küche gegangen war, schwiegen wir vier uns an. Dad schien die Stille besonders nervös zu machen. Für solche Situationen war er nicht geschaffen. Mom bekam Mitleid, und mit einem kaum merklichen Nicken erlöste sie ihn. Er entschuldigte sich schnell bei Ben und trat den Weg zurück an. Ich machte Anstalten, auch aufzustehen, um Dad mit dem Gepäck zu helfen, aber sowohl er als auch Mom gaben mir Zeichen, sitzen zu bleiben.
Weitere Minuten des Schweigens, die vom prasselnden Feuer im alten Kamin begleitet wurden. Meine Blicke wanderten durch den Raum mit seinen hohen Wänden und gut gefüllten Bücherregalen. Schließlich blieb mein Blick an Mom hängen, und ich sah ihr an, dass sie krampfhaft nach einem Gesprächseinstieg suchte.
Sie fixierte einen Punkt am Boden, kräuselte ihre Lippen und spielte an der Kette mit dem Herzanhänger herum. So sah sie auch aus, wenn sie zu Hause die Einkaufsliste schrieb, obwohl sie nicht wusste, worauf sie Hunger hatte. Heute hielt sie das Herz wie einen Rettungsanker umklammert. Sie hatte diese Kette bereits seit Ewigkeiten. Zwei Buchstaben waren darin eingraviert. Ein M und ein L. Allerdings standen die Buchstaben nicht für Dads und ihre Initialen.
Schließlich machte Ben den ersten Schritt und fragte halbherzig nach der Schule. Ob ich immer noch so viel zeichnete, und wie es meinen Freunden ging.
Mich verunsicherten diese Fragen. Wenn jemand...
| Erscheint lt. Verlag | 1.10.2019 |
|---|---|
| Verlagsort | Kressberg-Mariäkappel |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Fantasy / Science Fiction ► Fantasy |
| Schlagworte | Besessenheit • Fluch • Friedhof • Geister • Mord • Rache |
| ISBN-10 | 3-946381-69-3 / 3946381693 |
| ISBN-13 | 978-3-946381-69-3 / 9783946381693 |
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