Verführung in Manhattan (eBook)
304 Seiten
MIRA Taschenbuch (Verlag)
978-3-7457-5149-9 (ISBN)
Erfolg im Beruf, das ist alles, was die kühle Sydney will. Dass sie sich ausgerechnet in den bekannten Künstler Mikhail Stanislaski verliebt, den sie für einen unverschämten Macho hält, passt ihr deshalb überhaupt nicht. Genauso wenig wie ihrer eifersüchtigen Mutter, die hinter dem Rücken ihrer Tochter versucht, den attraktiven Mann für sich zu gewinnen. Doch dann stellt ein folgenschwerer Unfall Sydneys gesamten Lebensplan auf den Kopf...
<p>Die preisgekrönte Schriftstellerin sitzt jeden Tag acht Stunden am Schreibtisch. Inzwischen sind fast 250 Romane geschrieben, die weltweit regelmäßig auf den Bestsellerlisten landen. Vom <em>New Yorker</em> wurde sie zu »Amerikas Lieblingsautorin« ernannt. Auch in Deutschland erfreut sich Nora Roberts einer großen Fangemeinde. Sie lebt mit ihrem Ehemann in Maryland.</p>
2. KAPITEL
„Mutter, dazu habe ich wirklich keine Zeit.“
„Sydney, Liebes, für eine Tasse Tee hat man immer Zeit.“ Mit diesen Worten goss Margerite Hayward Kinsdale LaRue ihrer Tochter eine Tasse Ginseng-Tee ein. „Mir scheint, du nimmst diese Sache mit dem Mietshaus etwas zu ernst.“
„Vielleicht weil ich die Verantwortung dafür trage“, murmelte Sydney, ohne von den Akten auf ihrem Schreibtisch aufzusehen. Sie wünschte, ihre Mutter würde nicht lange bleiben, damit sie sich in Ruhe mit den Akten befassen konnte.
„Ich kann mir nicht vorstellen, dass dein Großvater dies beabsichtigt hat. Andererseits war er Zeit seines Lebens ein ungewöhnlicher Mann.“ Sie erinnerte sich, wie gern sie den alten Kauz gehabt hatte. „Komm, Liebling, trink ein bisschen Tee und nimm dir eines der köstlichen kleinen Sandwiches. Selbst Karrierefrauen brauchen mittags etwas zu essen.“
Sydney gab nach und hoffte, dass sie ihre Mutter auf diese Weise schneller wieder loswurde. „Das ist wirklich sehr nett von dir“, sagte sie. „Leider habe ich heute furchtbar viel zu tun.“
„Und das alles wegen der dummen Firma“, klagte Margerite, während Sydney sich zu ihr setzte. „Ich begreife nicht, weshalb du dich derart persönlich einsetzt. Es wäre doch ganz einfach, einen Geschäftsführer einzustellen.“ Sie tat einige Tropfen Zitronensaft in ihren Tee und lehnte sich zurück. „Natürlich kann ich mir vorstellen, dass es für eine Weile interessant ist. Aber der Gedanke, dass du richtig Karriere machen möchtest … Das scheint mir ziemlich sinnlos zu sein.“
„Meinst du?“ murmelte Sydney und versuchte sich ihre Verbitterung nicht anmerken zu lassen. „Vielleicht verblüffe ich ja alle und bin tatsächlich gut.“
„Ich bin sicher, du bist fantastisch – ganz gleich, was du anfängst, Liebling.“ Margerite tätschelte ihrer Tochter die Hand. „Ich war entzückt, als ich erfuhr, dass Großvater Hayward dir alle diese hübschen Gebäude hinterlassen hat“, begann sie besänftigend. Sie war eine blendend aussehende, äußerst gepflegte Fünfzigerin und wirkte in ihrem Chanelkostüm mindestens zehn Jahre jünger. „Aber dass du dich in die laufenden Geschäfte einmischst …“ Verwirrt betastete sie ihr sorgfältig gefärbtes, kastanienbraunes Haar. „Manche Männer schrecken instinktiv vor allzu erfolgreichen Frauen zurück.“
Sydney warf einen viel sagenden Blick auf den seit kurzem ungeschmückten Ringfinger ihrer Mutter. „Nicht alle Frauen richten ihr Interesse ausschließlich auf die Männerwelt.“
„Rede keinen Unsinn.“ Margerite lachte leise. „Keine Frau möchte auf Dauer ohne einen Ehemann bleiben. Du darfst den Mut nicht verlieren, nur weil es zwischen dir und Peter nicht geklappt hat. Die erste Ehe dient häufig als Versuchsballon.“
Vorsichtig stellte Sydney ihre Tasse ab. „Hast du deine Ehe mit Vater ebenfalls nur als Versuchsballon betrachtet?“
„Ich bin sicher, wir haben beide eine Menge wertvoller Dinge daraus gelernt.“ Zuversichtlich strahlte sie ihre Tochter an. „Und jetzt erzähl mir von deinem Abend mit Channing. Wie war es?“
„Langweilig.“
Margerites blaue Augen blitzten verärgert. „Sydney, bitte.“
„Du hast mich gefragt.“ Um sich für die weitere Diskussion zu wappnen, nahm Sydney ihre Tasse wieder auf. Weshalb fühle ich mich in Gegenwart meiner Mutter immer so unzulänglich? fragte sie sich. „Tut mir Leid, Mutter, aber wir passen wirklich nicht zusammen.“
„Unsinn. Ihr passt großartig zusammen. Channing Warfield ist ein intelligenter und erfolgreicher Mann aus einer sehr guten Familie.“
„Das war Peter auch.“
„Sydney, du darfst nicht jeden Mann, den du kennen lernst, mit Peter vergleichen.“
„Das tue ich gar nicht.“ Sydney nutzte die Gelegenheit und legte ihre Hand auf die ihrer Mutter. Es musste doch ein Band zwischen ihnen geben, auch wenn sie es nicht recht fühlte. „Ehrlich, ich vergleiche Channing mit niemandem. Aber ich finde ihn gestelzt, langweilig und anmaßend. Mag sein, dass mir zurzeit jeder Mann so vorkommt. Mich interessieren Männer im Augenblick einfach nicht. Ich möchte erst etwas aus mir selbst machen.“
„Etwas aus dir selbst machen“, wiederholte Margerite verblüfft. „Du bist eine Hayward und hast es nicht nötig, etwas anderes zu sein.“ Sie hob ihre Serviette auf und betupfte ihre Lippen. „Du liebe Güte, Sydney, du bist seit fast vier Jahren von Peter geschieden. Es ist an der Zeit, dass du einen geeigneten Ehemann findest. Dir steht ein Platz in der Gesellschaft zu, Sydney, und du trägst eine Verantwortung für den Namen deiner Familie.“
Sydney spürte die vertraute Beklemmung im Magen und stellte ihren Tee beiseite. „Das sagst du mir ständig.“
Ihre Mutter lächelte befriedigt. „Wenn Channing nicht der Richtige ist, wird sich gewiss ein anderer finden. Ich meine nur, du hättest ihn nicht so rasch ablehnen sollen. Wäre ich zwanzig Jahre jünger … Nun ja.“ Sie warf einen Blick auf ihre Armbanduhr und stieß einen leisen Ausruf aus. „Meine Güte, ich komme zu spät zum Frisör! Ich pudere mir nur noch rasch die Nase.“
Während Margerite im Waschraum nebenan ihr Make-up erneuerte, lehnte Sydney den Kopf zurück und schloss die Augen. Was sollte sie tun? Wie konnte sie ihrer Mutter verständlich machen, was sie selbst noch nicht recht begriff?
Ergeben stand sie auf und kehrte an ihren Schreibtisch zurück. Peter und sie waren miteinander aufgewachsen und gute Freunde gewesen. Aber sie hatten sich nicht geliebt. Unter dem Druck der Familie hatten sie geheiratet und waren noch zu jung gewesen, um den Fehler zu erkennen. Beinahe zwei Jahre hatten sie ihr Bestes versucht.
Nicht die Scheidung war schlimm, sondern die Tatsache, dass mit der Ehe auch die Freundschaft zwischen ihnen zerbrochen war.
Jetzt musste sie vor allem dafür sorgen, dass sie das Vertrauen ihres Großvaters rechtfertigte. Ihr war eine andere Verantwortung übertragen worden, eine neue Herausforderung. Und diesmal konnte sie sich keinen Fehlschlag leisten.
Die Sprechanlage summte. „Ja, Janine?“ fragte sie erschöpft.
„Mr. Stanislaski ist hier, Miss Hayward. Er hat zwar keinen Termin vereinbart, sagt aber, er hätte einige Unterlagen, die Sie unbedingt sehen möchten.“
Einen Tag früher als ausgemacht, stellte Sydney fest und richtete sich auf. „Schicken Sie ihn herein.“
Zumindest hat er sich rasiert, dachte sie. Dafür hat seine Jeans Löcher. Mikhail schloss die Tür hinter sich und sah sie eindringlich an. Wie zwei Boxer, die sich aus ihrer neutralen Ecke gegenseitig belauern, überlegte sie weiter.
Sie sieht in diesem hellgrauen, perfekt sitzenden Kostüm genauso steif und ordentlich aus wie neulich, stellte er fest und betrachtete das Teetablett mit den zarten Tassen und den exquisiten kleinen Canapés.
„Habe ich Sie etwa beim Lunch gestört, Miss Hayward?“ fragte er.
„Keineswegs.“ Sie stand nicht auf, und sie lächelte ihm zur Begrüßung auch nicht zu. „Haben Sie den Kostenvoranschlag dabei, Mr. Stanislaski?“
„Jawohl.“
„Sie arbeiten schnell.“
Er lächelte zufrieden. „Ich weiß.“ Er roch den Duft zweier Parfüms. Das eine war sehr zurückhaltend und kühl, das andere blumig und ausgesprochen weiblich. „Sie sind nicht allein?“
Sydney zog eine Braue in die Höhe. „Weshalb fragen Sie?“
„Hier riecht es nach einem Parfüm, das nicht zu Ihnen passt.“ Er reichte ihr die Unterlagen. „Auf dem ersten Blatt finden Sie, was unbedingt erledigt werden muss, auf dem zweiten steht, was darüber hinaus getan werden sollte.“
„Verstehe.“ Sie spürte die Hitze, die er ausstrahlte. Aus einem unerklärlichen Grund gefiel es ihr, und sie fühlte sich lebendiger denn je. Als träte sie aus einer dunklen Höhle ins Sonnenlicht hinaus. „Sind die Angaben Ihrer Subunternehmer ebenfalls dabei?“
„Ja, es ist alles vollständig.“ Während sie die Unterlagen durchsah, hob er ein winziges dreieckiges Brot in die Höhe und schnupperte daran. „Was ist denn dazwischen?“
Sydney sah kurz auf. „Gartenkresse.“
Enttäuscht legte er das Sandwich auf den Teller zurück. „Weshalb essen Sie so etwas?“
Diesmal lächelte sie. „Das ist eine gute Frage.“
Wenn Sydney lächelte, veränderte sie sich. Ihre Augen blickten warm, ihre Lippen wurden weicher, und ihre Schönheit wirkte nicht mehr so abweisend. Dadurch vergaß Mikhail, dass Frauen wie sie keinesfalls sein Typ waren.
„Dann werde ich Ihnen noch eine Frage stellen.“
Sydney überflog die Liste. Der Mann hatte gute Arbeit geleistet. „Sie scheinen heute ja davon überzuschäumen.“
Er beachtete ihre Bemerkung nicht. „Weshalb tragen Sie so gedämpfte Farben? Sie sollten lebhafte Töne wählen, saphirblau oder smaragdgrün.“
Überrascht blickte sie ihn an. Soweit sie sich erinnerte, hatte noch kein Mensch ihren Geschmack in Frage gestellt. In manchen Kreisen galt sie sogar als ausgesprochen elegante Frau. „Sind Sie Tischler oder Modeberater, Mr. Stanislaski?“
Er zuckte achtlos die Schultern. „Ich bin ein Mann. Ist das Tee?“ Er hob die Kanne hoch und roch an dem Inhalt, während Sydney ihn weiterhin verblüfft ansah. „Nein, für Tee ist es zu warm“, stellte er fest. „Haben Sie nicht etwas Kaltes?“
Kopfschüttelnd drückte Sydney auf die Sprechtaste. „Bringen Sie Mr. Stanislaski bitte etwas Kaltes zu trinken“, bat...
| Erscheint lt. Verlag | 26.9.2019 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Die Stanislaskis | Die Stanislaskis |
| Übersetzer | Louisa Christian |
| Verlagsort | Hamburg |
| Sprache | deutsch |
| Original-Titel | Luring a Lady |
| Themenwelt | Literatur ► Romane / Erzählungen |
| Schlagworte | Autor • Belletristik • bescheiden • beste • Bestseller • Buch • Bücher • bücher für frauen • büroromanze • Christlich • Deutsch • Erfolgsautor • erhebend • Familiendrama • Feinde • Frauen • Frauenroman • für • Geschichte • Geschichten • Glücklich • Gott • Karriere • Karrierefrau • Künstler • liebenden • Liebesgeschichte • Liebesroman • liebesroman buch • Liebesromane • liebesromane bücher • Manhattan • Moderne • Mutter-Tochter-Beziehung • New • Nora • nora roberts bücher • Religiös • roberts • Roman • Romance • Romantische • Romantische Bücher • romantischer • Spiegel • Top • Top-Titel • traditionelle • Unfall • Werte • Wohlfühl • York • Zeitgenössische • zu |
| ISBN-10 | 3-7457-5149-3 / 3745751493 |
| ISBN-13 | 978-3-7457-5149-9 / 9783745751499 |
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