Skull-Ranch 11 (eBook)
64 Seiten
Bastei Entertainment (Verlag)
978-3-7325-8510-6 (ISBN)
Indianergold
von Frank Callahan
Friedlich haben die Leute von der Skull-Ranch bislang neben ihren rothäutigen Nachbarn gelebt. Deshalb ist es ein Schock für sie, als die Indianer wie die roten Teufel über die Weißen herfallen.
John Morgan will es nicht glauben. Doch die mit Pfeilen gespickte Todesspur führt zum Winterdorf der Kiowas. Hat Big Nose seinen Stamm auf den Kriegspfad geschickt?
Der Boss der Skull-Ranch ahnt, dass etwas faul an der Sache ist. Nicht der Indianerhäuptling pokert in diesem tödlichen Spiel. Die Kiowas sind nur das Trumpfass für einen ausgekochten Halunken ...
Der indianische Kriegspfeil schlägt dumpf in den Oberarm des Reiters, der im ersten Moment überhaupt nicht begreift, was geschehen ist.
Dann zuckt der grelle Schmerz durch seinen Körper. Ein gellender Aufschrei kommt von seinen Lippen.
»Indianer«, keucht der Mann. Dann treibt er sein Pferd an, gibt dem sich aufbäumenden Tier die Sporen.
Ein weiterer Pfeil bohrt sich in das Sattelhorn, während hinter dem flüchtenden Reiter durch Mark und Bein gehendes Kriegsgeschrei hörbar wird.
Der Mann schwankt im Sattel. Der Pfeil brennt im Muskelfleisch. Das Gesicht des Reiters ist bleich. Seine gesunde Hand krampft sich am Sattelhorn fest.
Verzweifelt dreht er sich um, sieht die Verfolgermeute auf seiner Fährte. Es sind ungefähr ein halbes Dutzend Indianer, die noch immer ihr gellendes Kriegsgeschrei ertönen lassen und ihre Ponys antreiben, um ihr flüchtendes Opfer doch noch zu bekommen.
Der Verwundete nimmt alle Kräfte zusammen, obwohl die Wunde höllisch schmerzt. Sein Pferd jagt über die Prärie, als wüsste es ganz genau, dass das Leben seines Herrn davon abhängt.
Indianer, denkt der Mann. Verstehe ich nicht. Die Kiowas sind doch bisher immer friedlich gewesen, solange man sie in Ruhe gelassen hat. Was mag sie nur auf den Kriegspfad getrieben haben?
Bis nach Golden City sind es noch ungefähr fünf Meilen, überlegt der Flüchtende weiter. Wenn die roten Jungs keine Verstärkung bekommen und mir nicht den Fluchtweg abschneiden, kann ich es schaffen. Und der Pfeil wird mich nicht umbringen. Eigentlich habe ich noch eine ganze Menge Glück gehabt.
So denkt der Mann und treibt sein Pferd noch mehr an. Das Tier streckt sich willig wird auch kaum langsamer, als das Gelände nun bergiger wird.
Erneut dreht sich der Mann im Sattel um.
Fahles Mondlicht liegt über der rauen Berglandschaft Colorados. In der Ferne sind die zackigen Bergkämme der Sangre de Christo-Kette zu erkennen, die sich deutlich gegen den helleren Horizont abheben.
Die Indianer bleiben zurück. Ihre Angriffsschreie sind verstummt. Doch noch immer geben sie nicht auf.
Sie folgen dem Reiter mit zäher Ausdauer.
Der Mann blickt auf den Pfeilschaft in seinem linken Oberarm. Hoffentlich ist der Pfeil nicht vergiftet, entsetzt sich der Flüchtende, denn sonst ist es um mich geschehen. Sein Gesicht schimmert bleich. Tiefe Falten furchen seine Stirn.
Der Höllenritt dauert an.
Irgendwann stellt John O’Connors fest, dass die Indsmen zurückgeblieben sind. Trotzdem schont er sein Pferd nicht, lässt es nach wie vor tüchtig ausgreifen.
Der Verwundete wird sich erst in Sicherheit fühlen, wenn er die ersten Häuser von Golden City erreicht hat.
Als die Postkutsche in Golden City hineinjagt, sieht sie einem Igel nicht unähnlich, denn sie ist gespickt mit Pfeilen.
Indianerpfeilen.
In einer riesigen Staubwolke kommt die Stage Coach zum Stehen. Männer treten aus den Häusern, eilen schnell herbei, als sie den toten Begleitmann auf dem Kutschbock erkennen.
Old Pete flucht und schiebt seinen verstaubten Stetson in den Nacken. Drei Fahrgäste klettern müde und durch die lange höllische Fahrt fast seekrank aus dem Wageninnern.
Der Marshal von Golden City, George Rockwell, kommt aus seinem Office und läuft mit schnellen Schritten zur Postkutsche herüber. Er sieht den toten Begleitmann, dem ein Pfeil genau ins Herz gedrungen ist. Die Augen des Toten starren in die fahle Dämmerung des beginnenden Morgens.
Old Pete springt vom Kutschbock, flucht trocken und wendet sich dann an den Marshal.
»Kiowas«, knurrt er. »Ungefähr zwei Dutzend, Marshal. Sie haben uns viele Meilen lang gejagt, und ich weiß jetzt noch nicht, wie es mir gelingen konnte, ihnen zu entkommen. Sam erwischte es gleich am Anfang. Ich konnte es nicht verhindern.«
Traurig blickt der Oldtimer auf seinen toten Freund, der nun von einigen Männern vom Kutschbock genommen wird.
»Indianer?«, fragte der Marshal und schüttelt ungläubig den Kopf. »Kann ich kaum glauben, Pete. Big Nose und seine Kiowas sind bisher sehr friedlich gewesen. Wir treiben sogar Handel mit ihnen. Solange man sie in Frieden lässt und nicht übervorteilt, haben sie noch niemals jemanden angegriffen.«
»Indianer, Marshal, oder glaubst du, dass ich Tomaten auf den Augen habe? He, George, ich werde doch noch Rothäute erkennen. Ihr Geheul klingt mir noch immer in den Ohren. Frage nur diese Gentlemen dort. Sie werden es dir ebenfalls bestätigen.«
Die drei Männer, die gerade die Stage Coach verlassen haben, nicken mit bleichen Gesichtern. Ihnen ist deutlich noch eine höllische Angst anzusehen.
»Yeah, Marshal«, sagt einer. »Wusste überhaupt nicht, dass hier in Colorado die Rothäute noch auf dem Kriegspfad sind. Sie sollten die Regierung schleunigst benachrichtigen oder selbst etwas unternehmen. So kann es nicht weitergehen.«
Der Marshal von Golden City schüttelt immer noch ungläubig den Kopf. Er denkt daran, dass er sich schon genug mit weißen Banditen, Goldgräbern und Abenteurern herumschlagen muss. Würde ihm gerade noch fehlen, dass ihm die Kiowas Schwierigkeiten machten.
Und eigentlich geht es ihn auch überhaupt nichts an, was da draußen im Land geschieht. Er ist für die Stadt verantwortlich und wird auch von dieser dafür bezahlt.
Immer mehr Bürger von Golden City haben sich eingefunden. Sie diskutieren in kleinen Gruppen miteinander. Angst macht sich auf einigen Gesichtern breit, als sie von dem Indianerüberfall hören.
Marshal Rockwell zuckt zusammen, als sich plötzlich hämmernde Hufschläge nähern. Ein Reiter jagt die Mainstreet entlang. Der Mann hält sich nur noch mit letzter Kraft im Sattel.
Ein Pfeilschaft ragt aus seinem Oberarm. Die Jacke ist voll geronnenen Blutes.
George Rockwell setzt sich in Bewegung, tritt zu dem Pferd und kann dann gerade noch den. Reiter auffangen, ehe dieser in den Staub der Mainstreet stürzt.
Er stellt John O’Connors auf die Beine. Der Verwundete schwankt wie ein Strohhalm im Wind.
»Indianer«, krächzt er dann. »Sie überfielen mich ungefähr fünf Meilen von hier. Nur knapp konnte ich ihnen entkommen.«
»Sie sind in Sicherheit, Mister«, klingt George Rockwells beruhigende Stimme auf. »Der Doc wird sich um Sie kümmern.«
Er nickt zwei Männern zu, die den Mann in die Mitte nehmen und zum Haus des Arztes hinüberführen.
Die Menschenmenge schweigt. Alle Augen sind auf den Marshal von Golden City gerichtet, der sich plötzlich gar nicht mehr so wohl in seiner Haut fühlt.
»Wir sollten eine Bürgerwehr bilden«, sagt er dann. »Ich glaube zwar nicht, dass die Indianer es wagen werden, die Stadt anzugreifen, doch wir sollten für alle Fälle gerüstet sein.«
Beifälliges Gemurmel geht durch die Menge.
Old Pete schiebt sich neben den Marshal.
»Ich brauche auch einige Begleiter, sonst setze ich meine Fahrt nicht fort«, knurrt er und spuckt aus. »Und was das für die Stadt bedeutet, Marshal, können Sie sich denken. Die Overland-Company stellt den Linienverkehr ein. Golden City wird dann wieder von der Außenwelt so gut wie abgeschnitten sein.«
Der Marshal kratzt sich am Hinterkopf. Ihm will dies alles nicht schmecken.
»Okay, Pete«, erklärt er. »Ich fahre selbst mit, und bestimmt finde ich auch noch ein paar hartbeinige Jungs, die sich ein paar Dollars verdienen wollen und dem Teufel in die Suppe spucken würden. Lass mich nur machen.«
Marshal Rockwell geht davon. Vergebens fragt er sich, warum die Indianer das Kriegsbeil ausgegraben haben.
»Oh, du verkommenes Hundevieh«, schreit Doc Smoky und packt mit beiden Händen das Stück Fleisch fester, dessen anderes Ende sich im kräftigen Gebiss eines Schäferhundes befindet, der überhaupt keine Anstalten macht, seine Beute loszulassen.
»Lass sofort los, General Lee«, brüllt der Koch der Skull-Ranch. »Oh, warum haben wir nur diese Bestie mit zur Ranch genommen? Der Kerl hat nichts anderes im Kopf, als mich zu ärgern.«
Wieder zieht Doc Smoky kräftig, und dann lässt General Lee plötzlich los. Der Oldtimer taumelt zurück. Seine Arme kreisen wie Windmühlenflügel, ehe er sich auf den Hosenboden setzt und kräftig zu fluchen beginnt.
»Na, lernst du fliegen?«, vernimmt Doc Smoky eine spöttische Stimme. »Vorwärts geht es viel besser, Smoky.«
Der Oldtimer kommt schwankend auf die Beine und blickt sich wütend um. Als er das grinsende Gesicht von Shorty erkennt, ballen sich seine Hände zu Fäusten.
»Warum gibst du auch nicht besser auf General Lee acht«, ruft er böse. »Der Hund hat mir mein ganzes, schönes Mittagessen ruiniert. Nun gibt es nur noch Bohnen.«
Währenddessen hält der Schäferhund, der auf den Namen General Lee hört, das große Stück Rinderfleisch zwischen seinen Vorderpfoten und reißt sich große Brocken mit seinen scharfen Zähnen ab.
Dabei knurrt der Hund zufrieden und schlingt die Fleischbrocken hinunter.
»Vielleicht sollte ich euch den Kerl zum Mittagessen servieren«, brummt Doc Smoky drohend. »Lange lass ich mir das nicht mehr gefallen. Es reicht, Shorty. Und du bist für diese fleischfressende Bestie verantwortlich.«
Shorty nickt und läuft auf seinen krummen Beinen zu dem Schäferhund hinüber, der sich plötzlich duckt, den Schwanz einzieht und den kleinen Cowboy schuldbewusst anblickt.
Ohne mit den Wimpern zu zucken, nimmt Shorty den Rest des Fleisches vom Boden auf und wirft es zu dem Ranchkoch...
| Erscheint lt. Verlag | 17.9.2019 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Skull Ranch | Skull Ranch |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | Abenteuer-Roman • abenteuerromane kindle • abenteuerromane kindle deutsch • abenteuerromane kindle für erwachsene • bastei hefte • bastei heftromane • bastei romane • bastei romane hefte • clint-eastwood • Cowboy • E-Book • für Erwachsene • gf unger • Heftchen • Heftroman • heftromane bastei • Indianer • karl-may • Klassiker • lucky-luke • Reihe • Romanheft • Serie • spannend • Western • western country • western country exklusiv • western deutsch • western ebook deutsch • western e books • western hefte • Western Klassiker • Westernreiten • Western-roman • Westernroman • Westernromane • Western Romane • western romane bastei • western romane deutsch • western romane kindle deutsch • western romanhefte • Wilder-Westen • Wild West • Wildwestromane • Wild West Romane • Winnetou |
| ISBN-10 | 3-7325-8510-7 / 3732585107 |
| ISBN-13 | 978-3-7325-8510-6 / 9783732585106 |
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