Liebe mich bei Sonnenuntergang (eBook)
130 Seiten
CORA Verlag
978-3-7337-4998-9 (ISBN)
Sommer auf Elba: Am Strand, wo schon ihre Großeltern sich ineinander verliebten, begegnet Gina dem faszinierenden Sebastiano. Mit seinem Charme erobert der heißblütige Italiener schon bald ihr Herz. Doch dann erfährt Gina zufällig, wer ihre Urlaubsliebe wirklich ist ...
1. KAPITEL
„Ich glaube, wir haben es gefunden, Gina. Dies ist der ganz besondere Ort, an dem Matteo und ich zusammen waren.“
Gina hörte ihrer Großmutter deutlich an, wie aufgewühlt sie war. Sie sprach mit starkem Akzent und war sichtlich aufgeregt. Eine Mischung aus Wehmut, Beklommenheit und Sehnsucht glänzte in ihren blassblauen Augen, doch ansonsten strahlte die zunehmend zerbrechlich wirkende ältere Dame Entschlossenheit aus. Ihr früher langes, tiefschwarzes Haar war heute kurz und grau – und erinnerte Gina an das unaufhaltsame Fortschreiten der Zeit. Trotz der traurigen Erkenntnis, dass ihnen vielleicht nur noch wenige gemeinsame Jahre blieben, lächelte Gina und umfasste die vom vielen Arbeiten raue Hand ihrer Großmutter. Sie wusste, was diese Reise der alten Dame bedeutete – und wie wichtig es war, dass sie genau die Stelle fanden, die auf dem verblichenen Schwarzweißbild zu sehen war, das vor ihnen auf dem Tisch lag.
Das Foto und die dazugehörende Geschichte hatten Gina schon als kleines Kind fasziniert und verzaubert. Sie hatte nicht oft genug hören können, wie das Schicksal ihre italienische Großmutter und ihren schottischen Großvater zusammengeführt hatte – wie Maria Tesotto und Matthew McNaught sich an einem einsamen Strand begegnet waren … und sich ineinander verliebt hatten.
„Damals gab es dort keine Villa“, sagte ihre Großmutter, tief in Gedanken versunken. „Aber der Ort ist immer noch unberührt und abgelegen. Damals nannte man den Felsen im Meer ‚Lancia di Nettuno‘ – Neptuns Dreizack. Man sieht ihn auch auf dem Bild. Und der Name der Villa heißt übersetzt ‚Villa am Neptunsfelsen‘. Gina, es muss einfach dort sein!“
„Ich werde es herausfinden, nonna, versprochen.“
„Ach, du tust so viel für mich, ragazza mia. Ist es nicht zu viel?“, fragte die alte Dame mit einem traurigen Lächeln.
„Nein, natürlich nicht“, versicherte Gina. „Du weißt doch, wie lieb ich dich habe.“
Mit ihrer von Arthritis verkrümmten Hand strich die alte Dame Gina über die Wange. „Ich dich auch. Aber ich mache mir Sorgen darüber, dass du meinetwegen so viel aufgeben musstest – und wegen deines Großvaters. Seit wir zu dir nach Strathlochan in dein hübsches Cottage gezogen sind, hast du dich um uns gekümmert und versucht, uns das Leben so angenehm wie möglich zu machen, wann immer du nicht arbeiten musstest.“
„Nonna …“
„Ich weiß“, kam ihre Großmutter ihr zuvor. „Du triffst dich mit deinen Freunden, du liebst deine Arbeit. Aber es gibt doch noch mehr im Leben, Gina. Wir wollten nicht, dass du unseretwegen die Beziehung mit Malcolm beendest.“
Gina senkte den Kopf, um dem Blick ihrer Großmutter auszuweichen. Um keinen Preis würde sie ihr von den verletzenden Dingen erzählen, die Malcolm zu ihr gesagt hatte. „So war es nicht, nonna. Es ist einfach zu Ende gegangen.“ Spätestens, als ihr klar geworden war, wie weit Malcolms und ihre Vorstellungen von Familie auseinanderklafften.
„Aber die Trennung liegt nun schon vier Jahre zurück, und du hattest seitdem keine einzige Verabredung! Ich möchte doch, dass du glücklich bist – so glücklich, wie ich es all die Jahre mit meinem Matteo war. Ich wünsche mir so sehr, dass du einen tollen Mann findest, der genau der Richtige für dich ist. Du solltest dich mit Männern treffen, Spaß haben und an deine Bedürfnisse denken.“
Vielleicht hatte die Rückkehr nach Elba, wo ihr Glück seinen Anfang genommen hatte, ihre Großmutter auf diese Gedanken gebracht.
„Ich bin wirklich zufrieden, nonna“, sagte Gina, die sich schon lange keine ‚eigenen Bedürfnisse‘ mehr zugestand, ebenso wenig wie Träumereien. Das Leben war für sie eben anders gelaufen. Und vielleicht, da sie mit diesem Märchen von der glücklichen Liebe aufgewachsen war, konnte sie sich einfach nicht mit weniger zufriedengeben. Sie hatte wichtige Entscheidungen getroffen, die sie nicht bereute – auch wenn sie sich kaum an das Gefühl erinnern konnte, als Frau begehrt zu werden.
„Und jetzt opferst du deinen Urlaub, um diese Reise zu organisieren – alles wegen der Verrücktheiten einer alten Frau.“
Nonna Marias Worte rissen Gina aus ihren Gedanken. „Das ist doch Unsinn“, schimpfte sie sanft mit ihrer Großmutter. „Ich wollte auch schon lange mal nach Elba. Könnte es ein besseres Ziel für einen gemeinsamen Urlaub geben?“, fragte sie lächelnd. Doch der Grund, aus dem sie hierher gereist waren, versetzte der Freude einen Dämpfer – ebenso wie die Wehmut, die sich in den Augen ihrer Großmutter spiegelte.
„Du hättest auf jeden Fall eine Möglichkeit gefunden, mich hierherzubringen und das Versprechen einzulösen, das du mir und deinem Großvater gegeben hast. Das bedeutet mir wirklich viel.“
„Ich weiß, nonna.“ Gina versuchte, ihre Besorgnis nicht zu zeigen. Die Reise würde von einer alten, von Arthritis geplagten Dame vielleicht einen Tribut fordern – ganz zu schweigen von den Gefühlen, die die Rückkehr nach Elba in ihr auslösen würde. Zudem musste Nonna Maria auch noch den Schmerz um den Verlust ihres geliebten Mannes verkraften, der fünfzig Jahre lang ihr Ein und Alles gewesen war.
„Kann ich dich kurz hier allein lassen?“, fragte Gina. „Ich würde gern nachsehen, ob jetzt jemand in der Villa ist.“
Die alte Dame strich ihr über die Hand. „Mach dir bitte keine Sorgen um mich. Ich bin einfach nur ein bisschen müde von der langen Reise gestern.“
Sie waren von Schottland nach Pisa geflogen, dann mit Zug und Taxi nach Piombino gefahren und von dort aus mit der Fähre nach Portoferraio, dem Hauptort auf Elba. Die anstrengende Reise war erst zu Ende gewesen, als sie das unberührte Westende der bergigen Insel erreicht hatten. Dort hatte Gina ein preisgünstiges privates Zimmer gemietet. Ein Doppelbett stand in dem Raum, der klein und einfach eingerichtet, aber gemütlich war. Mehr konnte sich Gina ohnehin nicht leisten. Außerdem waren sie in der Nähe vom Capo Sant’Andrea. An diesen Namen erinnerte sich ihre Großmutter und glaubte, dass ihr Ziel in der Nähe lag.
Gina war nicht überrascht, als der Siebzigjährigen die Strapazen der Reise deutlich zu schaffen machten. Doch ihre Großmutter hatte darauf bestanden, gleich am Morgen nach ihrer Ankunft an der nordwestlichen Küste nach dem gesuchten Ort zu forschen. Da sich der Taxifahrer in der Umgebung gut auskannte, hatten sie einen Glückstreffer gelandet und die versteckte Bucht mit dem „Dreizack des Neptun“ gefunden. Gina hoffte nur, dass ihre Großmutter vom weiteren Verlauf der Suche nicht enttäuscht sein würde.
Sie stand auf und nahm ihre Tasche. „Ich habe dir hier meine Handynummer aufgeschrieben, und Signora Mancini hat sie auch. Wenn du irgendetwas brauchst, kannst du dich jederzeit an sie wenden.“ Sie war der Vermieterin sehr dankbar, denn diese hatte sich freundlicherweise bereiterklärt, diskret ein Auge auf Nonna Maria zu haben, wenn Gina nicht da war.
Nickend versuchte ihre Großmutter, einen Hustenanfall zu unterdrücken, was Gina leicht beunruhigte. Sie runzelte die Stirn und neigte den Kopf, um die alte Dame auf die runzlige Wange zu küssen. Gleichzeitig sandte sie im Stillen ein Stoßgebet zum Himmel, die Reise möge erfolgreich verlaufen. „Ich werde mein Bestes für dich tun, nonna.“
„Das tust du doch immer, ragazza mia.“
Als ihre Großmutter sie mit feucht glänzenden Augen ansah, traten auch Gina Tränen in die Augen. Sie rang sich ein Lächeln ab. „Ich bin bald wieder da.“
Um Kosten zu sparen, nahm Gina kein Taxi, sondern lieh sich ein Fahrrad und fuhr die schmalen, gewundenen Straßen entlang zu der Villa, die sie zuvor entdeckt hatten. Ihr ganzes Leben lang, also seit achtundzwanzig Jahren, hatte sie wenig Geld gehabt. Doch was den McNaughts an materiellen Dingen fehlte, machten unendliche Liebe, Zuneigung und Rückhalt in der Familie mehr als wett. Gina war sehr glücklich darüber gewesen, einen Teil dieser Liebe zurückgeben zu können, als ihre Großeltern während der vergangenen vier Jahre bei ihr gelebt hatten. Oft hatte sie froh geseufzt, weil die klare Luft, die behagliche Umgebung und der in Strathlochan herrschende Gemeinschaftssinn dem alten Paar so gutgetan hatten.
Jeglichen Gedanken daran, dass ihr eigenes Leben praktisch auf Eis lag, hatte sie energisch verdrängt. Nein, Gina bereute ihre Entscheidungen nicht. Doch jetzt war ihr Großvater gestorben, und sie vermisste ihn schmerzlich. Und leider hatten ihre Großeltern nie gemeinsam nach Italien zurückkehren können. Deshalb hatte Gina sich geschworen, Nonna Maria dabei zu helfen, ihren Plan in die Tat umzusetzen.
Es war nicht einfach, von ihrem Gehalt als Krankenschwester die laufenden Kosten zu bestreiten, die Hypothek für das Cottage abzuzahlen und den Lebenstraum ihrer Großmutter zu erfüllen. Die Rente der alten Dame war eher ein Almosen, und Ginas Großvater hatte ihr nur sehr wenig hinterlassen können, obwohl er sein ganzes Leben lang hart gearbeitet hatte. Für den Notfall hatte Gina noch etwas Geld zurückgelegt, hoffte jedoch sehr, dass sie ihre Reserven nicht ganz aufbrauchen musste. Auf keinen Fall durfte Nonna Maria herausfinden, dass sie ihre Ersparnisse für die Reise nach Elba verwendet hatte.
...| Erscheint lt. Verlag | 24.8.2019 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Digital Edition |
| Digital Edition | Digital Edition |
| Übersetzer | Bettina Röhricht |
| Verlagsort | Hamburg |
| Sprache | deutsch |
| Original-Titel | An Italian Affair |
| Themenwelt | Literatur ► Romane / Erzählungen |
| Schlagworte | bücher für frauen • Cora • cora bücher • cora digital edition • cora liebesromane • cora neuerscheinungen • cora romane • Cora Verlag • cora verlag kindle • eBook • ebook angebote • ebook günstig • ebook liebesroman • Frauenroman • Liebesgeschichte • Liebesroman • Romantische Bücher |
| ISBN-10 | 3-7337-4998-7 / 3733749987 |
| ISBN-13 | 978-3-7337-4998-9 / 9783733749989 |
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