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G. F. Unger Sonder-Edition 169 (eBook)

Der einsame Rebell

(Autor)

eBook Download: EPUB
2019 | 1. Aufl. 2019
80 Seiten
Bastei Entertainment (Verlag)
978-3-7325-8414-7 (ISBN)

Lese- und Medienproben

G. F. Unger Sonder-Edition 169 - G. F. Unger
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Der einsame Rebell

Draußen vor dem Saloonfenster tauchte ein Mann auf und feuerte sein schweres Büffelgewehr ab. Die Kugel traf meinen Bruder Bill und tötete ihn. Ich ging zu meinem Vater und meinem Bruder Jim, mit denen zusammen Bill eine Herde nach Dodge City gebracht hatte. Ich wusste, dass sie in großer Gefahr waren, und bot ihnen meine Hilfe an. Aber mein Vater sagte: 'Vor acht Jahren bist du von zu Hause weggelaufen, Stapp Sinclair. Du hast uns im Stich gelassen und bist ein Revolvermann geworden. Verschwinde, du gehörst nicht mehr zu uns!' Da ging ich, und ich wusste, dass ich jetzt Gelegenheit hatte, einige Dinge wiedergutzumachen ...

Obwohl es bis Dodge City nur noch zehn Meilen waren, musste ich noch einmal anhalten, damit unsere Pferde verschnaufen konnten. Denn die Tiere hatten mehr als hundert Meilen hinter sich, von denen wir die ersten fünfzig höllisch schnell geritten waren.

Ich hatte Jeffrey Tylord, den Mörder, gejagt und eingeholt, und nun befand ich mich mit ihm auf dem Rückweg.

Als ich seine Hände vom Sattelhorn band und auch die Leine löste, die seine Füße unter dem Pferdebauch hindurch verband, setzte er noch einmal alles auf eine Karte.

Das war kein Wunder, denn er wusste, dass sie ihn in Dodge City hängen würden. An seiner Stelle hätte ich auch noch mal alles auf eine Karte gesetzt.

Wie ein Puma stürzte er sich auf mich. Er war ein Mann, der kämpfen konnte, er gehörte zu der Sorte, die schon als Knaben lernen musste, dass man aus einem Topf voll Essen besonders viel bekommen konnte, wenn man alle anderen Hungrigen gnadenlos wegstieß.

Er konnte kämpfen und kannte hundert schmutzige Tricks.

Er war durch hundert und mehr Kämpfe gegangen und hatte die ganze Schlechtigkeit der Welt gespürt, bevor er selbst schlecht wurde.

Aber diesmal hatte er Pech.

Ich kannte noch ein paar Tricks mehr als er, und ließ ihm keine Chance.

Mein Name ist Stapp Sinclair. Damals gab es da und dort Männer zwischen Texas und Montana, die fluchten, sobald sie meinen Namen hörten.

Während unsere Pferde verschnauften, verdaute Jeffrey Tylord die erhaltenen Prügel. Ich warf ihm die Wasserflasche zu, in der noch ein kleiner Rest war. Er brauchte dringend diesen Wasserrest als Erfrischung.

Nachdem er ihn getrunken hatte, sagte er mit tiefer Überzeugung: »Du Hundesohn. Was hast du eigentlich gegen mich? Wir hatten doch niemals miteinander Verdruss, obwohl wir uns schon da und dort begegneten. Warum warst du noch als einziger Mann hinter mir her, nachdem sogar das Aufgebot aufgegeben hatte?«

Ich gab ihm nicht sogleich eine Antwort.

Denn seine Frage ließ mich nachdenken. Noch nie zuvor hatte ich allein aus selbstsüchtigen Motiven einen Mann gejagt. Diesmal war es so.

Diesmal ging es nicht darum, für eine Sache zu kämpfen, die man für gut hielt – oder weil man sich zuvor für diesen Job hatte anwerben lassen – oder weil man eine Schuld begleichen musste – oder weil man Feindschaft spürte – oder weil man von einem Gegner beleidigt, herausgefordert und geschädigt worden war.

Bisher hatte ich immer einen guten Grund gehabt für meine Kämpfe. Aber diesmal?

Ich hatte nichts gegen ihn persönlich. Er war ein Revolverheld und Kartenhai wie so viele.

Aber es waren tausend Dollar Belohnung auf seine Einbringung ausgesetzt. Das war es. Tausend Dollar!

Für Geld brachte ich ihn nach Dodge City zurück.

Wäre ich ein Heuchler gewesen, so hätte ich versucht, mir einzureden, dass ich dem Gesetz half und der menschlichen Gemeinschaft einen Dienst erwies.

Aber ich war stets ehrlich gegen mich selbst. Mir war das Gesetz völlig gleich. Ich war wegen der tausend Dollar auf Menschenjagd gegangen. Ich war endgültig zum Kopfgeldjäger geworden.

Dies musste ich in dieser Minute vor mir selbst bekennen, nachdem ich zuvor stets jeden Gedanken in diese Richtung verdrängen konnte. Aber jetzt, da wir hier zehn Meilen vor Dodge City rasteten, dachte ich endlich klar über mich nach und erkannte es.

Jeffrey Tylord wartete immer noch auf eine Antwort.

»Ich habe nichts gegen dich persönlich«, sagte ich. »Du bist nur ein Wolf unter vielen. Aber du weißt ja, wie das so ist im Leben mit Burschen von unserer Sorte. Man gehört entweder zu den Jägern oder den Gejagten. Ich brauche die tausend Dollar, die es für dich gibt.«

»Aber ich habe doch fast fünftausend Dollar in meinen Satteltaschen – warum nimmst du nicht dieses Geld und lässt mich laufen? Ich schwöre dir, dass ich keinem Menschen ein Wort davon sagen würde, dass du mich eingefangen, mir das Geld abgenommen und mich dann wieder laufen gelassen hättest. Ich schwöre es dir, Stapp Sinclair!«

Er rief die letzten Worte schrill, und er legte all seine Überzeugungskraft hinein. Er wollte, dass ich ihm glaubte.

Aber ich schüttelte den Kopf.

»Nein, dieses Geld will ich nicht. Du hast es Golden Rose gestohlen. Das Mädchen aber hat drei Jahre hart in den schlimmsten Tingeltangels dafür gearbeitet. Es war dann keine gute Idee von dir, ihr den Hals zuzudrücken, als sie dich dabei überraschte, wie du es ihr aus dem Versteck in ihrem Zimmer nehmen wolltest. Nun, du hast es dann doch bekommen. Doch du musstest dann durch das Fenster flüchten und dir den Weg zum Pferd freischießen. Jeffrey, ich bin noch nicht so tief gesunken, dass ich auch nur einen einzigen Cent von diesem Geld nehmen würde. Überdies soll Golden Rose irgendwo im Osten bei guten Leuten ein Kind haben. Nein, Jeffrey Tylord, da sind mir schon tausend Dollar für deine Einbringung lieber. Dazu kommt noch etwas. Sie machen mich für eine Weile unabhängig. Ich brauche meinen Revolver nicht an irgendwelche Leute zu vermieten – sei es als Leibwächter, Hauspolizist oder Revolverreiter in irgendeiner Rinderfehde um Wasser und Weide. Das alles brauche ich eine Weile nicht, wenn ich dich dem Gesetz übergebe. Du wirst einsehen, dass du gegen meine Argumente gar nicht ankommen kannst. Und wenn ich dich jetzt wieder auf dem Pferd festbinde und du mir dabei noch mal Schwierigkeiten machen solltest, dann wirst du was erleben. Hast du mich verstanden?«

»Ja«, sagte er heiser. »Ich habe dich verstanden, du großspuriger Schuft. Für hundert Dollar würdest du deiner alten Großmutter den Schädel einschlagen. Aber ich sage dir, dass es auch mit dir abwärts gehen wird. Ich war auch mal so stolz wie du. Dann geriet ich zum ersten Male an einen Mann, der mich schlagen konnte. Und ich brauchte danach ein halbes Jahr um wieder gesund zu werden. In diesem halben Jahr lernte ich die ganze Mitleidlosigkeit der Menschen kennen. Denn damals war ich ein halbes Jahr lang ein hilfloser Dreck. Pass auf, dass du das nicht auch mal erlebst. Denn wenn du danach wieder auf die Beine kommen solltest, dann bist du zu allem bereit – zu allem, verstehst du?«

Ich gab ihm keine Antwort darauf.

Doch ich brachte ihn in den Sattel seines müden Pferdes, welches sich soweit erholt hatte, dass es die letzten zehn Meilen schaffen würde.

Dann ritten wir weiter.

Es war später Nachmittag, fast schon Abend.

Und ich wusste, ich würde mich heute wieder einmal betrinken. Denn nur so würde ich mich besser leiden können.

Warum war ich nicht als Cowboy auf meiner Heimatweide in Texas und bei meiner Familie geblieben? Warum war im damals mit neunzehn Jahren ausgebrochen?

Wie mochte es wohl meiner Familie gehen – meinem Vater und den beiden Brüdern? – Meine Mam, die war tot. Bei meiner Geburt war sie gestorben. Und vielleicht hatte mein Vater mir das nie verzeihen können. Ja, so war er, mein Vater. Ich kannte keinen starrsinnigeren Mann. Doch das war schon neun Jahre her. Neun Jahre! Was für eine lange Zeit! Als ich fortlief, war Krieg.

Aber es war die traurige Zeit danach, die aus mir einen Revolvermann machte. Und nun ritt ich also mit einem Gefangenen nach Dodge City, der mir tausend Dollar einbringen würde, ich, Stapp Paul James Sinclair.

Um Mitternacht, als ich so betrunken war, dass ich nicht mehr gerade hätte gehen können, war mein Kopf dennoch seltsam klar, und es war mir, als könnte ich mich besonders gründlich von innen und außen betrachten.

Oh, ich sah mich ganz klar in allen Einzelheiten und bis in meinen tiefsten Kern hinein.

Und was ich da sah, dies brachte mich immer wieder dazu, noch ein Glas zu leeren.

Aber dann kam Lily Garradine.

Obwohl jeder von uns frei war, gehörten wir irgendwie zusammen, jedenfalls hier in Dodge City. Trotzdem machten wir uns keine Illusionen. Eines Tages – das wussten wir – würden wir in zwei verschiedene Richtungen auseinander gehen.

Lily hielt im Spielsaloon der Gentlemen Hall die Bank. Sie war nicht dort angestellt, sondern hatte ihren Spieltisch gegen Gewinnbeteiligung gemietet. Und sie machte hohen Gewinn.

Manchmal, wenn man sie lange und höflich genug bat, ging sie auch hinüber in den großen Saal und sang auf der Bühne ein paar schlichte Lieder.

Aber diese Lieder hatten es in sich. Da wurden diese wilden Texasjungens, die so weit weg von ihrer Heimatweide waren, ganz andächtig.

Denn Lily sang von den Mädchen, die auf ihren Liebsten warteten. Sie sang von den verwegenen Jungens, die hinausritten, um die Welt zu erobern – und sie sang auch von guten Freunden und Sattelgefährten, die das Leben gaben.

Ihre Stimme war dunkel, kehlig und dabei melodisch.

Ihre Stimme war für all die wilden Jungens wie ein gutes Licht in dunkler Regennacht und all der schwarzen Ungewissheit.

Diese Lily also kam zu mir, obwohl sie um diese Zeit ihre höchsten Gewinne machte, weil die Männer jetzt am betrunkensten waren und etwas riskierten.

Sie aber blieb kühl, ganz und gar eine eiskalte Spielerin. Nur ich wusste hier in Dodge City, dass sie auch nur eine Frau war, die Gefühle hatte und sich manchmal einsam fühlte in dieser harten Welt.

Sie nahm mir das Glas aus der Hand.

Und dann sagte sie: »Tausend Dollar für Jeffrey Tylords Einbringung. Und jetzt betrinkst du dich, weil du sie irgendwie für einen schmutzigen Lohn hältst. Du bist ein Mann, der nicht mehr für dreißig Dollar im Monat das Lasso schwingen...

Erscheint lt. Verlag 6.8.2019
Reihe/Serie G. F. Unger Sonder-Edition
G. F. Unger Sonder-Edition
Verlagsort Köln
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte 2017 • 2018 • Abenteuer-Roman • abenteuerromane kindle • abenteuerromane kindle deutsch • abenteuerromane kindle für erwachsene • alfred-bekker • bastei hefte • bastei heftromane • bastei romane • bastei romane hefte • Bestseller • Cassidy • clint-eastwood • Country • Cowboy • Deutsch • eBook • E-Book • eBooks • Erwachsene • Exklusiv • für • für Erwachsene • g f barner • gf unger • Heftchen • Heftroman • heftromane bastei • Indianer • Jugend • karl-may • Karl May • Kindle • Klassiker • Krimi • Laredo • larry-lash • Lassiter • lucky-luke • Männer • pete-hackett • peter-dubina • Reihe • Ringo • Romanheft • Roman-Heft • Serie • spannend • Western • western country • western country exklusiv • western deutsch • western ebook deutsch • western e books • western hefte • Western Klassiker • Westernreiten • Western-roman • Westernroman • Westernromane • Western Romane • western romane bastei • western romane deutsch • western romane kindle deutsch • western romanhefte • Wilder Westen • Wilder-Westen • Wild West • Wildwestromane • Wild West Romane • Winnetou • Wyatt Earp
ISBN-10 3-7325-8414-3 / 3732584143
ISBN-13 978-3-7325-8414-7 / 9783732584147
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