G. F. Unger 2022 (eBook)
64 Seiten
Bastei Entertainment (Verlag)
978-3-7325-8421-5 (ISBN)
Ein Roman von unerbittlicher Härte und Eindringlichkeit. Sie werden begeistert sein!
In Texas wartet der Tod
Obwohl sich die schöne Katy für meinen besten Freund entschieden hatte, wollte ich das Geld für die Rinderherde zu ihr nach Texas zurückbringen - auch wenn dort der Tod auf mich wartete ...
Unger-Western - Spitzenromane eines Autors, der seine Leser seit Jahrzehnten in Atem hält!
Der Sheriff und unser zweiter Deputy kamen heraus, als ich vor das Gefängnis ritt. Ich nickte nur und warf ihnen die Leinen der beiden anderen Pferde zu.
»Ich wusste, dass du sie bringen würdest, Jed«, sagte der Sheriff. »Der Mann, den sie beim Pferdediebstahl anschossen, ist inzwischen gestorben. Es gibt eine Verhandlung wegen Pferdediebstahls und Mord. Du hast zwei Tage frei, Jed. Schlaf dich richtig aus.«
Ich nickte und ritt zum Mietstall. Danach ging ich auf mein Zimmer, wusch mich und wechselte meine Sachen. Mein Magen knurrte, es war Zeit, das Restaurant aufzusuchen.
Katy hatte einen kleinen Ecktisch am Fenster besorgt, an dem nur wir zwei Platz hatten.
Ich musste sie immer wieder betrachten.
Ja, sie war etwas älter geworden – und ernster, reifer. Es war eine frauliche Reife hinzugekommen – und zugleich waren ein paar feine Kerben um ihre Mundwinkel und ein herber Zug um ihre Lippen.
Sie war kein Mädchen mehr.
»Bist du mit einer Herde den Treibweg heraufgekommen?«, fragte ich.
Sie nickte.
»Von Texas herauf«, sagte sie. »Mit Ty Cannon, meinem Mann, achtzehn Reitern und mehr als dreitausend Rindern und zweihundert Pferden. Ja, ich kam den Weg mit der Herde herauf. Ty Cannon war der Herdenboss.«
Nun wusste ich es genau. Mein alter Freund Ty Cannon, dessen Frau sie geworden war, hatte eine große Treibherde hergebracht.
Und sie war nicht daheim in Texas geblieben, sondern war mitgeritten.
Verdammt noch mal, von tausend Frauen tat das nicht eine!
Liebte sie Ty so sehr, dass sie ihn nicht für ein halbes Jahr missen wollte? Oder? Nein, es konnte wohl kein Oder geben, keine anderen Beweggründe oder Absichten. Sie liebte Ty so sehr, dass sie ihn selbst auf einem schweren Treibweg nicht alleine ließ.
Was hat Ty doch für ein Glück!, dachte ich.
»Wo ist er denn?« So fragte ich dann doch.
Nun hörte sie auf zu essen. Sie konnte plötzlich keinen Bissen mehr herunterbekommen. Dies sah ich ihr an.
»Er wurde gestern angeschossen«, sagte sie. »Nun hockt er mit dem vielen Geld auf dem Zimmer und wartet auf eine Chance. Als ich dich sah, Jed, da wusste ich, dass du die Chance bist. Dich schickt uns der Himmel.«
»He«, sagte ich. »Unsere Wege trennten sich damals. Als du dich für den prächtigen Tyle Cannon entschieden hattest und ich fortritt, war alles zu Ende. Alles!«
Nun schluckte sie mühsam. »Ich tat dir damals sehr weh«, murmelte sie. »Als ich mich für Ty entschied, da fügte ich dir einen großen Schmerz zu, nicht wahr?«
»Wer hat ihn angeschossen, den guten, lieben alten Ty?«, fragte ich mit mäßigem Interesse. Aber dabei wurde mir noch stärker bewusst, dass ich Katy immer noch liebte und sie nicht vergessen konnte.
»Es war eine Sammelherde«, erzählte Katy. »Alle kleinen Rancher hatten sich zusammengetan. Sie nahmen Kredit auf, stellten die Sammelherde zusammen und wählten Ty zum Herdenführer. Und jetzt warten sie dringend auf die dreißigtausend Dollar. Bekommen sie diese nicht, bricht daheim in Little Brazos alles zusammen. Dann können die Rancher ihre Kredite an die Bank nicht zurückzahlen – und die Bank wird endgültig von Richard McClellan übernommen. Dann hat er die Mehrheit dort und übernimmt das ganze Land. Er schmeißt sie alle raus!«
Sie sprach die letzten Worte hart.
»Er will nicht, dass Ty mit dem Geld heimkehrt«, sagte Katy, und es kam wie aus weiter Ferne an mein Ohr. »Als Ty es gestern versuchte – ich meine, als wir aufbrachen –, da ritten wir schon bald mit unseren beiden Begleitern in einen Hinterhalt. Ty wurde nur verwundet. Die beiden Cowboys traf es schlimmer. Hat dir der Sheriff nichts erzählt?«
»Nein«, sagte ich. »Warum schickt ihr das Geld nicht mit Wells Fargo? Da bekommt ihr eine Quittung, und …«
»Das geht nicht«, unterbrach sie mich. »Wir brauchen daheim in Little Brazos bis zum einunddreißigsten Oktober Bargeld. Verstehst du? Bargeld! Die Geldtransporte der Wells Fargo gehen auf einem zu großen Umweg von Kansas nach Fort Worth.«
Ich winkte ab, denn ich wusste Bescheid.
Ich verstand Katy und Ty Cannons Probleme nun schon etwas besser. Und ich kannte Richard McClellan gut genug.
Wenn er nicht wollte, dass Ty Cannon das Geld nach Little Brazos zurückbrachte, ließ er sich eine Menge einfallen, um es zu verhindern.
Das erkannte ich klar.
Und deshalb sagte ich zu Katy: »Holt euch eine starke Mannschaft zusammen. Ein paar von euren Treibern werden gewiss mit euch nach Texas zurückreiten wollen. Versprecht Ihnen eine gute Prämie. Und wenn ihr einem ganzen Dutzend Reitern je hundert Dollar zahlen müsstet …«
»Nein«, sagte Katy. »Das geht auch nicht. Wir können jetzt keinem mehr trauen. Überdies würde es sich unter allen Banditenbanden zwischen hier und dem Little Brazos herumsprechen, dass wir mit einer angeworbenen Mannschaft dreißigtausend Dollar nach Texas bringen wollen. Wir würden unterwegs in ein Dutzend Hinterhalte reiten. Jede Bande würde ihr Glück versuchen. Nein, das ist eine Sache für zwei oder drei Reiter, die verschwiegen auf einsamen Pfaden reiten und ihre Fährte verwischen. Verstehst du? Das ist etwas für dich und Ty, so wie in alten Zeiten. Wir haben noch ein paar von den besten Pferden unserer Remuda.«
»Aber Ty ist doch verwundet – angeschossen?« So fragte ich verwundert.
»Nur ein Streifschuss«, sagte sie. »Er hatte Kopfschmerzen. Deshalb ruht er sich aus. Aber in der kommenden Nacht wird er reiten können. Hilf uns, Jed! Sei noch einmal unser Freund. Wir brauchen Hilfe.«
Einen Moment lang war ich fast schon weich. Aber dann dachte ich wieder an den löwenhaften Richard McClellan.
Nein, ich wollte in keinen Verdruss von dieser Art hineinreiten – nicht für Ty, auch nicht für Katy – und schon längst nicht für die paar Drei-Kühe-Rancher vom Little Brazos.
Ich erhob mich.
»Nein, Katy«, sagte ich. »Es tut mir leid, aber ihr habt keine Chance. Schickt das Geld mit Wells Fargo auf dem langen Umweg heim. Dann kommt es zwar zu spät, doch es kommt. Grüß Ty von mir! Weißt du, ich muss mich jetzt langlegen. Ich war länger als eine Woche im Sattel – und davon die letzten drei Tage und Nächte mit den beiden Gefangenen unterwegs. Ich kann nicht mehr. Leb wohl, Katy! Viel Glück.«
Ich warf einen Dollar auf den Tisch, der unser Essen reichlich bezahlte.
Dann sah ich Katy noch einmal an, wandte mich um und ging.
Ich war wirklich ausgebrannt und müde. Und ich war fertig mit meiner Vergangenheit in Texas.
Hier war Kansas. Und hier war ich Erster Deputy Sheriff. Das war der Rang eines stellvertretenden Polizeichefs, dem ein weiter Landkreis unterstand.
Warum sollte ich diesen Job aufgeben, um mich für Katy, für Ty oder die Leute im Little-Brazos-Land totschießen zu lassen?
Nein, so verrückt war ich nicht.
☆
Es war schon Nacht, und ich musste etwa acht Stunden geschlafen haben, als ich erwachte. Normalerweise hatte ich den leichten Schlaf eines Indianers. Aber diesmal …
Na ja, ich hatte Besuch.
Einen der drei Männer kannte ich. Es war Roy Duane – und auch aus dem Little-Brazos-Land. Er war ein Killer.
»Hallo, Sheriff«, sagte er und lachte dann leise. Es war ein glucksendes Lachen, und es war auch nicht freundlich.
Ich setzte mich auf.
Sie hatten ihre Revolver bereit.
»Gehen wir«, sagte Roy Duane. »Du brauchst dich nicht anzuziehen, Sheriff, kannst in deinem schönen Unterzeug bleiben. Wir gehen hinten hinaus. Aber wir können dich auch tragen. Wie möchtest du es gern?«
Jetzt wusste ich genau, dass ich mächtig in der Klemme steckte.
Dass ich hier in Abilene Deputy war, dies half mir jetzt nicht – gar nicht. Denn diesem Roy Duane machte es nichts aus, mich mit oder ohne Stern umzulegen.
»Hört mal …«, begann ich.
Doch da stieß mir Roy Duane auch schon die Revolvermündung gegen den Halsansatz.
Ich gehorchte.
Es gab keine andere Wahl. Doch ich wusste, dass ich wahrscheinlich in einigen Minuten tot sein würde.
Roy Duane war noch böser und gefährlicher geworden, noch härter und erbarmungsloser.
Wir waren bald weit genug in die Nacht hinausgewandert – ich barfuß im Unterzeug, die anderen schweigend und mit schussbereiten Revolvern.
Ich wusste, dass ich nun am Ende meines Weges angelangt war.
Ich wollte nicht verzweifelt wie ein zappelndes Kaninchen sterben, sondern wie ein Mann. Ich wollte ihnen auch meine ganze Verachtung zeigen.
Sie wollten alle zu gleicher Zeit schießen.
Ich streckte ihnen die Brust entgegen.
Wenn es schon sein musste, dann wollte ich es möglichst kurz und schmerzlos haben. Es war mir recht, dass sie zu dritt auf mich schießen würden.
Aber da sagte eine trockene Stimme hinter einem Bauholzstapel hervor: »Ich habe eine Parker-Flinte mit zwei Läufen voll Indianerschrot! Versucht es mal! Drückt nur ab, dann bekommt ihr es zugleich auch von mir!«
Sie drückten nicht ab.
Nein, das taten sie nicht.
Denn in dieser Stimme war ein Klang von grimmiger Festigkeit.
Ich erkannte die Stimme.
Sie gehörte dem Nachtmarshal Bud Lane, und der war ein Bursche, dem man in solch einer Klemme vertrauen konnte.
Der würde nicht danebenschießen.
Das wussten auch Roy Duane und seine beiden anderen Kerle.
Ich trat langsam vor,...
| Erscheint lt. Verlag | 6.8.2019 |
|---|---|
| Reihe/Serie | G.F.Unger | G.F.Unger |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | 2017 • 2018 • Abenteuer-Roman • alfred-bekker • Bestseller • bud-spencer • buffalo-bill • Cassidy • Chaco • clint-eastwood • Country • Cowboy • Deutsch • e Book • eBook • E-Book • e books • eBooks • Erwachsene • Exklusiv • für • GF • g f barner • Indianer • jack-slade • Jugend • Karl May • kelter-verlag • Kindle • Klassiker • Krimi • Laredo • larry-lash • Lassiter • lucky-luke • Männer • martin-wachter • pete-hackett • peter-dubina • Reihe • Ringo • Roman-Heft • Serie • sonder-edition • Western • Western-roman • Westernromane • Wilder Westen • Wilder-Westen • Winnetou • Wyatt Earp • Wyatt-Earp |
| ISBN-10 | 3-7325-8421-6 / 3732584216 |
| ISBN-13 | 978-3-7325-8421-5 / 9783732584215 |
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