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Das Haus der Schmetterlinge (eBook)

Roman
eBook Download: EPUB
2019 | 1. Auflage
416 Seiten
Piper Verlag
978-3-492-99423-1 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Das Haus der Schmetterlinge -  Silvia Montemurro
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Die Personen, die wir geliebt haben, kehren immer zu uns zurück. Manchmal haben sie die Flügel eines Schmetterlings. Als die Biologin Anita von Köln zurück an den Comer See zieht, sucht sie nach Ruhe und einem Rückzugsort von der Welt. Im »Haus der Schmetterlinge«, der Familienvilla ihrer Großmutter Lucrezia, möchte sie nach einem traumatischen Erlebnis wieder zu sich selbst finden. Dort stößt sie auf ein altes Foto von Lucrezia mit einem kleinen Mädchen. Anitas Mutter Margherita scheint zu wissen, um wen es sich handelt, doch sie schweigt. Das Mädchen kommt Anita seltsam bekannt vor, und so beginnt sie, Nachforschungen anzustellen. Als sie schließlich das Tagebuch ihrer Großmutter liest, erfährt sie von einem dunklen Familiengeheimnis, das bis in die Gegenwart reicht.   »Das Haus der Schmetterlinge« ist ein gefühlvoller Familiengeheimnisroman, der von drei Frauen, drei Generationen und drei Schicksalen erzählt. Silvia Montemurro entfaltet in ihrem Roman eine berührende Geschichte von der Zerbrechlichkeit der Liebe und garniert sie mit kurzen Beschreibungen verschiedener Schmetterlingsarten vor jedem Kapitel.   Silvia Montemurro wurde 1987 in Chiavenna geboren. Sie unterrichtet Theater und kreatives Schreiben und verfasst regelmäßig Kurzgeschichten für die Zeitschrift »Confidenze«. Silvia Montemuro hat bereits mehrere Jugendbücher verfasst, »Das Haus der Schmetterlinge« ist ihr erster Roman für Erwachsene.

Silvia Montemurro wurde 1987 in Chiavenna geboren. Sie unterrichtet Theater und kreatives Schreiben und verfasst regelmäßig Kurzgeschichten für die Zeitschrift Confidenze. Privat engagiert sie sich für den Erhalt und die Förderung der italienischen Kultur in Italienischbünden in der Schweiz und liebt Tanzen und Reisen. Silvia Montemuro hat bereits mehrere Jugendbücher verfasst, Das Haus der Schmetterlinge ist ihr erster Roman für Erwachsene.

Silvia Montemurro wurde 1987 in Chiavenna geboren. Sie unterrichtet Theater und kreatives Schreiben und verfasst regelmäßig Kurzgeschichten für die Zeitschrift Confidenze. Privat engagiert sie sich für den Erhalt und die Förderung der italienischen Kultur in Italienischbünden in der Schweiz und liebt Tanzen und Reisen. Silvia Montemuro hat bereits mehrere Jugendbücher verfasst, Das Haus der Schmetterlinge ist ihr erster Roman für Erwachsene.

Anita


 

Man kehrt stets dorthin zurück,

wo die liebsten Erinnerungen dem Flug

Tausender weißer Schmetterlinge gleichen.

 

 

1. Kapitel


 

Ossuccio, Januar 2014

 

Sie hörte es nicht gleich. Es dauerte eine Weile, bis das Lied an ihre Ohren drang, vielleicht, weil sie mehr auf den leichten Wellenschlag am Seeufer achtete, ein Geräusch, das sie lange nicht gehört hatte. Als ihr bewusst wurde, dass eine Melodie ihre Schritte begleitete, blieb sie stehen, um herauszufinden, woher sie kam.

Es war keine Menschenseele unterwegs. Nicht weiter ungewöhnlich, da es schon nach neun Uhr abends und eiskalt war. Dennoch spazierte sie in einem für diese Temperaturen eindeutig ungeeigneten kurzen Wollmantel herum, ohne Schal, auf dem Kopf eine alte Mütze, die sie bei ihrer Mutter im Schrank gefunden hatte. Ihre Hände waren bereits steif gefroren, und die Zehen begannen langsam, vor Kälte zu schmerzen, aber sie wollte nicht umkehren, bevor sie nicht wusste, woher der Gesang kam.

Es war eine weibliche Stimme, so viel stand fest. Sie sang ein Klagelied, das ihr irgendwie bekannt vorkam. Oder bildete sie sich das möglicherweise nur ein?

Sie ging ein paar Schritte weiter und verfluchte dabei die spärliche Beleuchtung auf dem schmalen Weg, der von der Kirche Santa Maria Maddalena zum Strand von Ossuccio hinunterführte. Um ein Haar wäre sie gestürzt.

Das Ufer war hier, ganz ungewöhnlich für den Comer See, kein normaler Kiesstrand, sondern ein Wiesenstreifen. Er lag ein wenig erhöht über dem See und wurde durch ein Eisengeländer begrenzt, auf dem sie als Kind gerne herumgeturnt war.

Nie würde sie die herrlichen Sommerferien vergessen, die sie hier verbracht hatte, mit Freundinnen aus dem Ort, alle immer in Badesachen, im Schatten der Olivenbäume lümmelnd oder unbemerkt vom Bootssteg ins Wasser tauchend. Dabei war der See selbst an den heißesten Tagen kalt, und deshalb hatte sie es meist vorgezogen, erst auf einem Steinmäuerchen zu sitzen, die Füße hineinzustecken und sich an die Kälte zu gewöhnen, bevor sie sich langsam weiter ins Wasser gleiten ließ.

Ihre Freundinnen hingegen waren stets gleich ins Tiefe gesprungen und hatten wegen des Kälteschocks gekreischt – aber dafür nie die kleinen Fische gesehen, die einem um die Beine flitzten, wenn man erst abwartete und lediglich die Füße im Wasser baumeln ließ und sich zur Abkühlung mit den Händen Wasser über Bauch und Schultern goss.

»Anita ist ein Angsthase«, hatten die anderen sie geneckt, ohne dass es sie je gekümmert hätte.

Nach dem Bad im See war sie sofort zu ihrem Handtuch gerannt, um sich in der Sonne liegend aufzuwärmen. Damals war sie fast den ganzen Sommer barfuß herumgelaufen und unbekümmert über die spitzen Steine gesprungen. Jetzt war sie nicht mehr daran gewöhnt. Sie musste sich unbedingt ein Paar flache Schuhe zulegen, die für Spaziergänge über steinige Wege taugten, und aufhören, sich wie eine Städterin zu benehmen, schließlich war sie nicht mehr in Köln.

Der Gesang brach ab und damit der Strom ihrer Erinnerungen. Anita blieb seufzend stehen. Obwohl sie irgendwie beinahe erleichtert war, ohne zu verstehen, warum, hätte es sie zugleich gereizt, die Sängerin zu entdecken.

Versonnen blickte sie auf den See hinaus, diese schwarze Wassermasse, die in der Dunkelheit kaum von der Umgebung zu unterscheiden war, und verweilte bei dem einzigen Licht, das zu ihr herüberdrang. Es kam von der Isola Comacina, wo sich einst eine Zitadelle erhoben hatte, eine der letzten Festungen des weströmischen Reiches, auf dessen Resten später die Kirche San Pietro in Castello errichtet worden war. 1169 wurden alle Kirchen und Befestigungsanlagen auf der Insel im Verlauf der Feldzüge von Kaiser Friedrich Barbarossa gegen den oberitalienischen Städtebund dem Erdboden gleichgemacht. Danach hatte jahrhundertelang niemand mehr ein Gebäude auf der Insel errichtet. Inzwischen gab es dort ein angesagtes Restaurant.

Anita hörte sich immer wieder gern die alten Geschichten an. Comacina war für sie ein magischer Ort, ein uraltes Juwel, vom Festland isoliert. Ein Ausflugsboot brachte im Sommer alle halbe Stunde Touristen hinüber, die ein wenig herumspazierten und die Überreste der Basilika Sant’ Eufemia bewunderten. Sie konnte es kaum erwarten, selbst einmal wieder einen Ausflug nach Comacina zu machen. Doch erst einmal musste sie sich einleben, auf lästige Fragen harmlose Erklärungen geben und sich in das Dunkel der Nacht flüchten, um ein wenig Frieden zu atmen.

Sie zündete sich eine Zigarette an und merkte, dass ihre Finger ihr nicht richtig gehorchten. Es wurde wirklich Zeit umzukehren.

 

Um zur Villa delle Farfalle, dem Haus ihrer Mutter, zu gelangen, konnte sie den gleichen Weg zurückgehen, den sie gekommen war. Kürzer, dafür abenteuerlicher war der Weg am Seeufer entlang über den Strand. Während sie die beiden Möglichkeiten gegeneinander abwog, dabei den Zustand ihrer Füße bedachte, fing die Stimme wieder an zu singen.

Es klang näher, als sie zunächst geglaubt hatte.

Als umweltbewusste Deutsche entsorgte sie den Zigarettenstummel in ihrem Taschenaschenbecher und machte sich auf den Weg zum Strand.

Das melancholische Lied hielt an. Sie war wie hypnotisiert davon, und dann endlich sah sie die Sängerin. Es war ein Mädchen im Grundschulalter, wobei ihre zierliche Gestalt eine genaue Einschätzung erschwerte.

Nicht sonderlich verblüffend, sie hatte schon vermutet, dass es eine kindliche Stimme sein musste. Was sie allerdings wunderte, war, wie sehr ihr der Gesang zu Herzen ging, und sie blieb erneut stehen, um die Kleine aus der Ferne zu beobachten. Sie kehrte ihr den Rücken zu und blickte auf den See hinaus, genauso wie sie selbst noch vor wenigen Minuten. Ans Geländer gelehnt, stand sie da, während der frische Wind ihre pechschwarzen Haare durcheinanderwirbelte. Sie war in eine blauviolette Wollstola gehüllt, die ihr graues Kleid, das mindestens zwei Nummern zu groß war, höchst unzureichend bedeckte. Es sah aus, als hätte sie die Sachen einer erwachsenen Frau, vielleicht ihrer Mutter, entwendet.

Anita kniff die Augen zusammen. Wieso stand ein so kleines Mädchen um diese Uhrzeit allein am Seeufer, ohne dass jemand auf sie aufpasste, und sang zudem ein so trauriges Lied?

Denn das war es, wenngleich sie den Text nicht verstand. Entweder handelte es sich um eine erfundene Sprache, oder die Kleine war Ausländerin. Anita lauschte fasziniert, ohne sich zu rühren. Trotz ihrer Besorgnis um dieses seltsame Wesen, das von dort leicht ins Wasser fallen konnte, wollte sie den Gesang nicht unterbrechen.

Er erinnerte sie an ihre Kindheit und an das, was sie wieder in diesen kleinen Ort am Comer See verschlagen hatte. Als wäre alles, was sie sich später aufgebaut hatte, von einer Riesenwelle fortgerissen und sie schließlich hier angespült worden – hier, wo alles begonnen hatte.

In Ossuccio, in der Villa delle Farfalle, der Schmetterlingsvilla.

Anita machte einen Schritt vorwärts, um die kleine Gestalt mit der bezaubernden Stimme besser betrachten zu können. Dabei blieb sie mit dem Absatz an einem Pflasterstein hängen, und das dabei entstehende Geräusch brach den Bann.

»Scheiße«, entfuhr es ihr auf Deutsch.

Das Mädchen drehte sich zu ihr um, und Anita hielt die Luft an. Regungslos stand sie da, während die kindliche Sängerin, die asiatische Gesichtszüge hatte, sie aus schwarzen Augen erschrocken anstarrte.

Sie merkte, dass ihr Absatz sich gelockert hatte, und bückte sich kurz, um den Schaden zu untersuchen.

Als sie wieder aufsah, war das Mädchen verschwunden.

Suchend blickte sie sich um, war sich sicher, dass das kleine Wollbündel auf eines der Häuser in der Nähe zugelaufen war. Aber da war nichts mehr als der Nachhall dieses Gesangs und der kalte Wind, der noch unwirtlicher geworden zu sein schien.

 

Anita fröstelte, was nicht allein an der Kälte lag. Etwas an diesem Mädchen hatte sie verstört. Sie glaubte gewiss nicht an Geister, doch die kleine Sängerin schien sich in Luft aufgelöst zu haben. Prompt kamen ihr die Gruselgeschichten ihrer Großmutter in den Sinn, von den Geistern der im See Ertrunkenen, die in eisigen Winternächten manchmal erschienen, um über ihre Lieben zu wachen.

»Ich gehe jetzt mal besser nach Hause«, murmelte sie, wie um sich mit dem Klang ihrer eigenen Stimme zu beruhigen.

»Du bist ja halb erfroren«, rief Margherita ihr gedämpft entgegen, sobald sie zur Tür hereinkam.

Anita zwang sich, ihr Schlottern zu verbergen. Auf einmal fühlte sie sich wie damals als Kind, wenn sie mit Schnee in den Haaren und bloß einem Handschuh nach Hause gekommen war.

»Darf man erfahren, was dir eingefallen ist, bei dieser Kälte rauszugehen?«, erkundigte sich ihre Mutter, während Anita ihre Schuhe auszog und sich die Hände rieb.

»Warum sprichst du so leise?«

»Tante Maria ist drüben.«

Mutter und Tochter verdrehten die Augen. Maria war keine Verwandte, sondern eine alte Freundin von Lucrezia, Anitas verstorbener Großmutter. Inzwischen über neunzig, war sie immer noch rüstig und klar im Kopf. Sie hatte sehr an Lucrezia gehangen und vielleicht noch mehr an der Schmetterlingsvilla.

All die Jahre, die Margherita in Deutschland gewesen war, hatte sie sich um beide gekümmert, um die Großmutter und das Haus, und war an Lucrezias Seite geblieben, bis Margherita nach dem Tod ihres Mannes zurück nach Ossuccio gekommen war. Von daher betrachtete Maria sich als Familienmitglied und fand es ganz...

Erscheint lt. Verlag 5.8.2019
Übersetzer Karin Diemerling
Verlagsort München
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte Comer See • Familiengeheimnis • Familiengeheimnisroman • Fünfziger Jahre • Generationenroman • Große Liebe • Italien • italienische Autorin • Liebesgeschichte • Liebesroman • Liebesroman Neuerscheinung 2019 • Mutter-Tochter-Beziehung • Mütter und Töchter • Schmetterling • Tagebuch • Villa • Zweiter Weltkrieg
ISBN-10 3-492-99423-7 / 3492994237
ISBN-13 978-3-492-99423-1 / 9783492994231
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