Pikanter Skandal um Miss Holt (eBook)
256 Seiten
CORA Verlag
978-3-7337-3685-9 (ISBN)
Auf gar keinen Fall möchte die schöne Ianthe Holt den widerlichen Sir Charles heiraten! Der einzige Ausweg scheint eine überstürzte Verlobung mit dem ebenso attraktiven wie arroganten Robert Felstone, der ihr überraschend einen Antrag macht. Doch damit gerät Ianthes schwärmerisches Herz in Gefahr. Denn der aufstrebende Schiffsunternehmer will eine Vernunftehe, während sie sich in ihn verliebt! Zudem verlangt Robert von seiner zukünftigen Gattin einen makellosen Ruf. Was, wenn er erfährt, dass Ianthe in einen pikanten Skandal verwickelt war?
<p>Jenni Fletcher wurde im Norden Schottlands geboren und lebt jetzt mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern in Yorkshire. Schon als Kind wollte sie Autorin sein, doch ihr Lesehunger lenkte sie davon ab, und erst dreißig Jahre später kam sie endlich über ihren ersten Absatz hinaus. Sie hat Englisch in Cambridge und Hull studiert. Für ihre Romane wurde sie mehrfach für die britischen Romantic Novelists? Association Awards nominiert und hat 2020 den Rose Award für die beste Liebesgeschichte des Jahres gewonnen. Jenni Fletcher hatte zu viele Jobs, um sich an alle zu erinnern, aber hat nun endlich einen gefunden, den sie wirklich liebt: Schreiben, vorzugsweise historische Romane. Sie kann über Twitter @JenniAuthor oder über ihre Facebook-Seite JenniFletcherAuthor kontaktiert werden.</p>
1. KAPITEL
North Yorkshire, Juli 1865
Aber ich will ihn nicht heiraten!“ Ianthe fühlte sich wie geohrfeigt. „Wie kannst du so etwas auch nur vorschlagen, Percy?“
„Weil es eine gute Idee ist, deshalb!“ Seufzend warf ihr Bruder den Kopf zurück gegen das Rückenpolster. „Und ich habe nicht gesagt, dass du ihn heiraten musst, sondern nur, dass du es erwägen solltest.“
„Er ist zwanzig Jahre älter als ich!“
„Eher dreißig.“
„Wie konntest du dann …? Wie könnte ich …?“
Ianthe geriet ins Stottern und konnte sich nur mit Mühe davon abhalten, ihrem Bruder einen Tritt gegen das Schienbein zu verpassen. Abgesehen vom Alter störten sie zahllose weitere Dinge an Sir Charles Lester, auch wenn Percy ihr das niemals abnähme. Gute Idee hin oder her, der Baronet war der letzte Mann auf Erden, den sie zu ehelichen gedachte. Inzwischen bekam sie schon Gänsehaut, wenn sie ihn nur sah. Und hier saß sie nun, gefangen in einem Zugabteil, und mit jedem Dampfschwaden, den die Lok ausstieß, mit jedem Stampfen der Kolben kam sie ihm näher.
Stumm biss sie die Zähne zusammen und starrte aus dem Fenster, bemüht, sich zu beherrschen, indem sie sich auf die vorbeiziehende Landschaft konzentrierte. Mit Percy zu streiten war müßig, und sein Ansinnen rundheraus abzulehnen hätte ihn nur umso sturer gestimmt. Nein, sie musste gelassen bleiben, so gern sie auch geschrien hätte.
Die zerklüftete Gegend trug nicht eben zu ihrer Gelassenheit bei. Sie war ans Stadtleben gewöhnt, an Häuser, Geschäfte und Fabriken. Die Gefilde Yorkshires muteten in ihrer Andersartigkeit befremdlich an, als wäre die Welt hier weiter und wilder, als entglitte ihr die Kontrolle über ihr Leben.
„Du sagtest, wir würden Tante Sophoria besuchen.“
„Das tun wir ja, aber Charles besitzt ebenfalls ein Haus in der Nähe von Pickering. Ich habe also nicht gelogen.“
„Dass du hinter meinem Rücken meine Hochzeit planst, hast du verschwiegen!“
„Geplant habe ich gar nichts, nur darüber geredet. Hör zu, Schwesterherz, du musst nichts gegen deinen Willen tun, aber du könntest wenigstens versuchen, ihn zu mögen. Er ist nämlich ein anständiger Kerl, hat bei mir um deine Hand angehalten und so weiter.“
„Bei dir?“ Fassungslos fuhr sie zu ihm herum. Vergessen war ihre Entschlossenheit, gelassen zu bleiben. „Ich bin fast zweiundzwanzig! Ich brauche zum Heiraten nicht dein Einverständnis.“
„Ich bin das Familienoberhaupt.“
„Du bist mein Bruder, Percy, mein kleiner Bruder! Ich kann durchaus eigene Entscheidungen treffen.“
„Ich fand es hochanständig von ihm, zuerst zu mir zu kommen.“
„Oh, sei nicht so anmaßend! Das warst du früher nie. Auch das liegt an seinem Einfluss.“
„Und du warst früher keine solch altbackene Jungfer. Bevor du nach Bournemouth gegangen bist, warst du ganz ansehnlich, aber durch den hohen Kragen und die scheußliche Frisur ist davon nichts mehr zu sehen. Musst du dir das Haar so straff zurückbinden? Du kommst wie ein Blaustrumpf daher.“
„Du weißt, dass mir Äußerlichkeiten einerlei sind.“
Rasch wandte sie das Gesicht ab, wobei sie einen so flüchtigen wie unerquicklichen Blick auf ihr Spiegelbild im Zugfenster erhaschte: unscheinbares braunes Haar und ebenso braune, weit auseinanderstehende Augen. Als Rehaugen hatte ihr Vater sie bezeichnet, und seit seinem Tod schienen sie noch riesiger geworden zu sein. In ihrem schmalen Gesicht wirkten sie fast unnatürlich groß.
„Und musst du jeden Tag Grau tragen?“ Offenbar erwärmte sich Percy für das Thema. „Das ist deprimierend.“
„Bis vor Kurzem waren wir in Trauer!“
„Genau, wir haben es hinter uns. Wieso nur kleidest du dich nicht wieder farbenfroher? Mir ist schleierhaft, was Charles an dir findet.“
„Ich wünschte, er fände gar nichts an mir! Und sei nicht so unhöflich. Wir sind nicht allein.“
Sie warf einen bedeutungsvollen Blick auf den Mann ihnen gegenüber. Er hatte schon geschlafen, als sie das Abteil betreten hatten. Offenbar kam es Percy nicht in den Sinn, die Stimme zu senken, und das Letzte, was Ianthe wollte, war Publikum. Ihre Lage war auch ohne Zeugen peinlich genug.
Zudem war sie nicht sicher, ob ihr Reisegefährte tatsächlich so tief schlief, wie es den Anschein hatte. Während Percys jüngster Tirade hatte sie gemeint, ein leichtes Stirnrunzeln wahrzunehmen, als wäre er um ihretwillen empört.
Hatte sie sich das nur eingebildet oder lauschte er?
Unauffällig musterte sie ihn, nach einer weiteren Regung suchend. Selbst im Schlaf war er bemerkenswert attraktiv: schwarzes Haar, gerade Nase, wie gemeißelt wirkende Wangenknochen und ein markantes Kinn. Die leicht gebräunte Haut ließ darauf schließen, dass er viel Zeit im Freien verbrachte, obgleich der teure Stoff und der elegante Schnitt seiner Kleidung ihn als Gentleman auswiesen – doch ein Gentleman würde gewiss nicht unverhohlen lauschen, oder?
Sie musste sich getäuscht haben.
„Was ist?“ Percy folgte ihrem Blick. „Oh, der schläft. Und selbst wenn nicht, bezweifle ich, dass ihn unser kleines Familiendrama interessieren würde.“
„Trotzdem solltest du leiser sprechen.“
„Warum? Falls er aufwacht, könnten wir ihn nach seiner Meinung fragen. Gewiss würde er sich der meinen anschließen. Kein Mann wünscht sich eine alte Jungfer als Frau.“
„Die Meinung anderer ist mir gleich. Und wage es ja nicht, ihn zu fragen!“
„Ich versuche nur zu helfen. Entscheidest du dich gegen Charles, habe ich es wenigstens versucht, und damit ist die Sache für mich erledigt. Dann wirst du dich selbst bemühen müssen, und so, wie du aussiehst, findest du nie einen Mann. Au!“
Ianthe bedachte ihn mit einem giftigen Blick, während sie langsam den Ellenbogen zurückzog, den sie ihm in die Rippen gestoßen hatte. Sie wusste nur zu gut, wie ihre Aufmachung wirkte. Genau darauf legte sie es an. Die graue Gewandung und die triste Frisur gefielen ihr ebenso wenig wie ihrem Bruder, aber zumindest konnte man ihr nicht vorwerfen, um Aufmerksamkeit zu heischen. Man konnte ihr rein gar nichts Unschickliches vorwerfen. Dies war ihr neues Ich. So wollte sie sein, ob es Percy oder sonst wem passte oder nicht.
Dennoch schmerzten seine Worte, vor allem, da Percy sie früher niemals so grausam gekränkt hätte. Seit ihre Mutter letztes Jahr an der Schwindsucht gestorben und der Vater ihr bald darauf, von Gram erfüllt, gefolgt war, hatte ihr Bruder sich zum Schlechteren verändert. Je mehr Zeit er mit Sir Charles verbrachte, desto finsterer wurde sein eigentlich sonniges Gemüt. Inzwischen hatte sie das Gefühl, ihn kaum noch zu kennen. Wenn sie doch bloß zu dem alten Percy durchdringen und an dessen gütigere Seite appellieren könnte …
„Ich wünschte, du hättest mir reinen Wein eingeschenkt, was diese Reise betrifft.“ Sie bemühte sich, nicht allzu vorwurfsvoll zu klingen. „Können wir nicht ehrlich zueinander sein?“
Percy seufzte schwer. „Schau, Charles hat mich gebeten, dir nichts von seiner Anwesenheit zu sagen. Er wollte dich überraschen, dir sein Haus zeigen, ehe er dir einen Antrag macht. Die meiste Zeit über lebt er in London, aber anscheinend ist er sehr stolz auf sein Anwesen. Deshalb habe ich dir vorher nichts verraten.“
„Weil du wusstest, dass ich den nächstbesten Zug nach Hause nehmen würde.“
„Deswegen auch, ja. Aber könnten wir, da wir nun einmal hier sind, das Ganze nicht als Urlaub betrachten? Unser letzter Besuch bei Tante Sophoria liegt mindestens zehn Jahre zurück.“
„Zwölf.“
An der Beerdigung von Mutter und Vater hatte ihre Tante aufgrund einer heftigen Grippe nicht teilnehmen können, aber ihre Beileidsbriefe waren von Herzen gekommen und voller Mitgefühl gewesen. Sie hatte Ianthe sogar eingeladen, zu ihr in den Norden zu ziehen, obwohl sie, betagt und beinahe mittellos, kaum für sich selbst aufkommen konnte, geschweige denn für eine weitere Person. Wenngleich sich Ianthe angesichts der jetzigen Situation wünschte, sie hätte die Einladung angenommen …
Jedenfalls war die Aussicht auf einen Aufenthalt bei Tante Sophoria gegenwärtig der einzige Lichtblick in ihrem Leben. Ihre Kindheitserinnerungen an Ferien bei der älteren Schwester ihrer Mutter waren vage, aber glücklich.
„Ich freue mich darauf, sie wiederzusehen.“
„Und sie lässt dich bleiben, so lange du möchtest.“
„Was soll das heißen?“ Unvermittelt verflüchtigte sich die nostalgische Anwandlung. „Ich dachte, wir blieben nur eine Woche.“
„Nun …“ Percy wand sich. „Ehrlich gesagt, London ist teuer. Ich kann es mir nicht länger leisten, für uns beide zu sorgen. Und Charles hält es ohnehin für angebrachter, dass du bei Tante Sophoria lebst.“
„Charles hält es für angebrachter?“
„Ja, und ich stimme ihm zu. Ich hätte früher einsehen sollen, dass es schicklicher ist.“
„Willst du etwa sagen, dass dies – all dies – seine Idee war?“
„Ich denke schon, was nur beweist, wie sehr du ihm am Herzen liegst. Er ist ein famoser Bursche. Du weißt, dass Vater das auch fand.“
„Vater hat nie angeregt, dass ich ihn heirate! Und du weißt, was Mutter von ihm gehalten hat. Sie hat es nach Möglichkeit vermieden, mit ihm auch nur im selben Raum zu sein. Mich hat...
| Erscheint lt. Verlag | 30.7.2019 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Historical MyLady |
| Historical MyLady | Historical MyLady |
| Übersetzer | Nina Hawranke |
| Verlagsort | Hamburg |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Historische Romane |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
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| ISBN-10 | 3-7337-3685-0 / 3733736850 |
| ISBN-13 | 978-3-7337-3685-9 / 9783733736859 |
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