Zum Hauptinhalt springen
Nicht aus der Schweiz? Besuchen Sie lehmanns.de
Das Phantom mit dem Cello -  Hans Böhmig

Das Phantom mit dem Cello (eBook)

Kriminalroman

(Autor)

eBook Download: EPUB
2019 | 1. Auflage
316 Seiten
Morawa Lesezirkel (Verlag)
978-3-99084-809-8 (ISBN)
Systemvoraussetzungen
4,99 inkl. MwSt
(CHF 4,85)
Der eBook-Verkauf erfolgt durch die Lehmanns Media GmbH (Berlin) zum Preis in Euro inkl. MwSt.
  • Download sofort lieferbar
  • Zahlungsarten anzeigen
In einer Villa in Wien Döbling werden in einem schlüssellos versperrten Kellerraum zwei bereits in Verwesung befindliche Leichen mit eingeschlagenen Schädeln entdeckt. Bei den Toten handelt es sich um die früheren Eigentümer, den Kunsthistoriker Hans Berchtold und seine Frau Lea, die ihre Villa zwei Jahre zuvor an Edward und Diana Sandman, ein junges Ehepaar aus den USA, verkauft hatten. Die Amerikaner geraten rasch unter Mordverdacht. Sie werden verhaftet und vor einem Geschworenengericht angeklagt. Ihre Verurteilung steht knapp bevor, da macht Edward Sandman eine überraschende Entdeckung, die den mysteriösen Mord in einem neuen Licht erscheinen lässt. Doch das Gericht hält Edwards Entdeckung für ein Phantom und ist nicht bereit, eine neue Spur zu verfolgen. So bleibt Edward und Diana kein anderer Ausweg, als die Jagd nach dem Phantom selbst in die Hand zu nehmen.

Hans Böhmig, geb. 1933, war in seiner aktiven Zeit als Chirurg tätig. Nach dem Medizinstudium in Graz und Wien erhielt er eine chirurgische Ausbildung an der 1. Chirurgischen Universitätsklinik in Wien und am Transplantationszentrum in Denver, Colorado. Mehr als 150 wissenschaftliche Publikationen veröffentlichte er und 'Erinnerungen eines Chirurgen' befindet sich in Vorbereitung. Sein Hobby: der raffinierte Kriminalroman.

VI

Endlich kam der Schlüsseldienst. Es war bereits nach 3 Uhr früh. Zuerst ging Gerhardter mit dem Herrn vom Schlüsseldienst zur versperrten Türe an der Rückseite des großen Salons. Es handelte sich um ein gewöhnliches Schloss und nach zehn Sekunden war die Türe offen. Bei dem Zimmer schien es sich um ein Arbeits- und Bibliothekszimmer zu handeln, mit einem großem Schreibtisch, einem Schrank und im übrigen bis an die Decke reichenden Stellagen aus schönem Holz, die sich mit Ausnahme der Fensterseite rundherum erstreckten und auch die Türe, durch die sie eingetreten waren, umrahmten. An der Fensterseite gab es noch eine Sitzgruppe mit einem runden Tischchen und zwei Fauteuils. Die Stellagen waren zum Teil mit Büchern, zum Teil mit Ordnern, aber auch mit allerhand Kunstgegenständen, wie Gläsern, Vasen, Büsten, Figuren und allerlei Preziosen vollständig angefüllt. Auch auf dem Schreibtisch und sogar auf dem Boden fanden sich Gegenstände bzw. Wertsachen dieser Art und in der linken hinteren Ecke standen zwei große Kisten und daran anschließend mehrere zusammengerollte Teppiche. Der ganze Raum war von Staub bedeckt und es war offensichtlich, dass er lange Zeit nicht mehr benutzt worden war.

„Das werden wir noch herausfinden müssen, was dieser unbenutzte Raum zu bedeuten hat.“, sagte Inspektor Gerhardter. Und zum Herrn vom Schlüsseldienst gewandt fügte er hinzu: „Sperren Sie die Tür wieder ab, doch lassen Sie uns bitte einen Schlüssel da, mit dem wir die Tür wenn nötig wieder aufsperren können.“

Dann stiegen sie in den Keller hinab, um die versperrte Kellertüre, zu welcher der Schlüssel fehlte, öffnen zu lassen. Auch hier handelte es sich um ein gewöhnliches Schloss, und im Nu war die mit einer Eisenplatte verstärkte, dicht abschließende Türe geöffnet. Als Inspektor Gerhardter als erster in den Raum eintrat, schlug ihm eine Welle eines süßlichen, äußerst unangenehmen Geruches bzw. Gestankes entgegen, so dass er unwillkürlich zurückwich und sich die Nase zuhielt. Nach ihm erreichte die Geruchswelle auch die hinter ihm Stehenden, das heißt, den Herrn vom Schlüsseldienst und Inspektor Wimmer, die ebenfalls angewidert zurückwichen. Mit der Entlastung des zuvor abgeschlossenen Kellerraumes, dessen mit einem Fliegengitter bewehrtes Fenster ebenfalls dicht verschlossen zu sein schien, durch die offene Türe, verringerte sich jedoch die Intensität des Gestankes so weit, dass Inspektor Gerhardter sich darin näher umsehen konnte. Der Raum war an sich leer, am Boden waren aber zwei große Leintücher ausgebreitet unter welchen sich die Konturen flacher Gegenstände erkennen ließen. Plötzlich bemerkte er, dass unter dem rechten Rand des Leintuches eine dunkle, wie eingetrocknet wirkende Hand hervorschaute.

„Huh!“, sagte Gerhardter, „was ist denn das?“ Mit den Fingerspitzen beider Hände hob er das zur Tür blickende Ende des Leintuches so weit in die Höhe bis er die Konturen von zwei Köpfen erkennen konnte. Sofort ließ er das Leintuch wieder fallen und sagte: „Was auch immer hinter diesem Fund stecken mag, das ist eine Angelegenheit für die Mordkommission.“ Die Türe wurde wieder geschlossen und die drei Männer stiegen die Kellertreppe wieder hinauf in den Salon, wo auf dem Sofa immer noch die zwei verhafteten Brüder saßen. „Bring die beiden in die Küche, schau, dass sie dort sitzen können und gib ihnen auch etwas zu trinken.“, sagte er zum Kollegen Fuchs, der die Brüder bewacht hatte. Als dieser mit den Verhafteten draußen war, sagte er zu Inspektor Wimmer: „Ich ruf jetzt die Kriminalabteilung in der Berggasse an.“, und ging hinaus zu seinem Dienstwagen.

Als Gerhardter zurückkam, berichtete er, er sei mit Frau Inspektor Grebler von der Mordkommission verbunden worden. Als er ihr von den beiden Leichen in der Villa an der Eisernenhandgasse berichtete, verband sie ihn mit dem Leiter der Mordkommission, Chefinspektor Ludwig Hermanek. Nachdem er diesem vom Einbruch in die Villa und den zwei verhafteten Brüdern, dem überraschenden Fund von zwei Leichen in einem versperrten Kellerraum sowie von seinem Eindruck, dass die Leichen sich schon länger in Verwesung befunden haben dürften, berichtet hatte, entschied Hermanek, dass die Mordkommission um 8 Uhr 30 zur Villa kommen würde.

„Es ist jetzt 4 Uhr 15“, sagte er, „und nach Ihrer Schilderung besteht keine Dringlichkeit. Ich werde mich darum kümmern, dass nach Möglichkeit auch ein Gerichtsmediziner mitkommt. Und lasst bitte die zwei Einbrecher vorläufig in der Villa, damit wir sie noch am Tatort vernehmen können.“

Mittwoch, 6. Mai 1998

Die Mordkommission traf fast pünktlich in der Villa ein, angeführt von ihrem Leiter, Chefinspektor Ludwig Hermanek, einem kräftigen, gut aussehenden Fünfziger mit freundlicher Ausstrahlung, begleitet von seiner Stellvertreterin Frau Inspektor Herta Stumvoll und Inspektor Alois Gruber. Nach kurzer Vorstellung warf Chefinspektor Hermanek nur einen kurzen Blick in den Kellerraum mit den Leichen. Dann kamen zunächst die inzwischen ebenfalls eingetroffenen Techniker zum Zug, um den Tatort abzusperren und nach Strich und Faden zu dokumentieren und nach erhaltenen Spuren abzusuchen, während Hermanek wieder nach oben ging und sich die Folgen des Einbruches zeigen ließ. Dann ließ er sich das Protokoll der nächtlichen Vernehmung geben und, nachdem er es gelesen hatte, begann er mit der Einvernahme der verhafteten Brüder.

„Ich ersuche euch jetzt beide, mir auf meine Fragen nur die Wahrheit zu sagen.“, sagte er. „Wenn ihr euch als kooperativ erweist, wird euch das positiv angerechnet werden. Jede Lüge wird euch aber sehr schaden. Habt ihr das verstanden?“, fragte er.

„Ja.“, antwortete Karl, „Wir haben schon in der Nacht nur die Wahrheit gesagt.“

„Habt ihr gewusst, dass im Keller zwei Leichen liegen?“, fragte Hermanek.

Karl und Gustl schauten erschreckt auf. „Nein.“, sagte Karl. „Davon haben wir keine Ahnung.“

„Gut“, sagte Hermanek, „dann gehen wir jetzt in den Keller und ihr sagt mir, ob ihr die zwei Toten erkennt.“

Der Tatort, der Keller und die Kellerstiege waren in der Zwischenzeit vom technischen Team fotografiert und nach Spuren abgesucht worden. Nach Entfernung der Leintücher war schon am Kopfhaar zu erkennen, dass es sich bei den nebeneinander am Rücken liegenden mit den Köpfen der Türe zugewandten Toten um eine männliche und eine weibliche Person, jeweils mittleren Alters handeln dürfte. Beide Leichen waren vollständig bekleidet, nur im Bereich der Hände sowie am Hals und Gesicht lag die Haut frei. Am Hals und an den Händen war die Haut merkwürdig dunkel gefärbt, trocken und geschrumpft, während sie um Mund und Nase und zum Teil auch um die Augen fehlte und das freiliegende Gewebe in diesem Bereich schmierig aussah. Die Augen lagen tief in den Höhlen.

Karl und Gustl betrachteten von der Kellertüre aus die Leichen. Vor allem Gustl konnte seine Erschütterung nicht verbergen. Schließlich sagte er schluchzend: „Die Gesichter schauen so schrecklich aus, doch ich fürchte, da liegen Professor Berchtold und seine Frau.“ Karl nickte zustimmend. Dann wandten sie sich ab und der Chefinspektor ging mit Ihnen zurück in den Salon.

Inzwischen war der Gerichtsmediziner, Professor Klaus Binder, eingetroffen und nahm seine Untersuchung der Leichen auf. Als er fertig war, ließ er Chefinspektor Hermanek zu sich in den Keller rufen. „Ich habe die Leichen jetzt nur oberflächlich untersucht.“, sagte er. „Beide lassen im Bereich des Hinterkopfes eine schwere stumpfe Gewalteinwirkung mit Trümmerfraktur des knöchernen Schädeldaches in diesem Bereich erkennen. Es ist anzunehmen, dass die Gewalteinwirkung auch zu einer beträchtlichen Hirnverletzung, wahrscheinlich mit Hirnblutung, geführt hat. Bei beiden Toten dürfte es sich dabei um die Todesursache handeln. Ihr Team hat in einer Nische der Wand neben dem gegenüber liegenden Heizungsraum dieses relativ schwere, 1 1/2 Meter lange Eisenrohr gefunden. Ob es sich dabei um die Tatwaffe handeln könnte, werde ich noch genauer untersuchen.

Die Kleider der Toten habe ich vorläufig noch belassen. Ausweise oder andere Papiere haben wir bei den Toten nicht gefunden. Beide tragen aber einen Ehering und auch Armbanduhren, die allerdings stehen geblieben sind. Die weibliche Leiche trägt überdies eine Perlenhalskette und an der linken Hand einen Ring mit einem Rubin und Brillanten. Nach der Überführung in die Gerichtsmedizin wird die Obduktion zeigen, ob meine Annahme bezüglich der Todesursache zutrifft und ob weitere Verletzungen oder andere relevante Befunde vorliegen, welche zu berücksichtigen sind.“

„Können Sie etwas zum Todeszeitpunkt sagen?“, fragte Chefinspektor Hermanek.

„Das lässt sich...

Erscheint lt. Verlag 5.7.2019
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror
ISBN-10 3-99084-809-7 / 3990848097
ISBN-13 978-3-99084-809-8 / 9783990848098
Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR)
Haben Sie eine Frage zum Produkt?
EPUBEPUB (Ohne DRM)
Größe: 637 KB

Digital Rights Management: ohne DRM
Dieses eBook enthält kein DRM oder Kopier­schutz. Eine Weiter­gabe an Dritte ist jedoch rechtlich nicht zulässig, weil Sie beim Kauf nur die Rechte an der persön­lichen Nutzung erwerben.

Dateiformat: EPUB (Electronic Publication)
EPUB ist ein offener Standard für eBooks und eignet sich besonders zur Darstellung von Belle­tristik und Sach­büchern. Der Fließ­text wird dynamisch an die Display- und Schrift­größe ange­passt. Auch für mobile Lese­geräte ist EPUB daher gut geeignet.

Systemvoraussetzungen:
PC/Mac: Mit einem PC oder Mac können Sie dieses eBook lesen. Sie benötigen dafür die kostenlose Software Adobe Digital Editions.
eReader: Dieses eBook kann mit (fast) allen eBook-Readern gelesen werden. Mit dem amazon-Kindle ist es aber nicht kompatibel.
Smartphone/Tablet: Egal ob Apple oder Android, dieses eBook können Sie lesen. Sie benötigen dafür eine kostenlose App.
Geräteliste und zusätzliche Hinweise

Buying eBooks from abroad
For tax law reasons we can sell eBooks just within Germany and Switzerland. Regrettably we cannot fulfill eBook-orders from other countries.

Mehr entdecken
aus dem Bereich