Im Feuer der Nacht (eBook)
304 Seiten
MIRA Taschenbuch (Verlag)
978-3-7457-5032-4 (ISBN)
Barnaby Adair verschwendet keinen Gedanken an die Ehe, zu sehr genießt er sein Leben als Detektiv. Bis er eines Abends Penelope Ashford begegnet, die ganz anders ist als die Damen der vornehmen Gesellschaft. Sie kümmert sie sich um die vergessenen Waisenkinder Londons und wendet sich an ihn, weil plötzlich einige ihrer Schützlinge wie vom Erdboden verschluckt sind. Barnaby zögert nicht und übernimmt den Fall. Denn seine Auftraggeberin weckt nicht nur seinen kriminalistischen Spürsinn, sondern auch leidenschaftliche Gefühle in ihm. Aber die temperamentvolle Penelope hat zu seiner großen Überraschung eigene Pläne ...
»Für Fans von romantischen Liebesromanen uneingeschränkt zu empfehlen.«
LovelyBooks
<p>Stephanie Laurens wurde in Ceylon (dem heutigen Sri Lanka) geboren. Sie begann mit dem Schreiben, um ihrem wissenschaftlichen Alltag zu entfliehen. Bis heute hat sie mehr als 50 Romane verfasst und gehört zu den erfolgreichsten Autorinnen historischer Liebesgeschichten. Die preisgekrönte New York Times-Bestsellerautorin lebt mit ihrem Mann und zwei Töchtern in Melbourne.</p>
November 1835
London
»Danke, Mostyn.« Barnaby Adair, der dritte Sohn des Earl of Cothelstone, saß zufrieden im Lehnstuhl vor dem Kamin im Wohnzimmer seines eleganten Anwesens in der Jermyn Street und hob das Kristallglas von dem Serviertablett, das sein Butler ihm reichte.
»Ich brauche Sie nicht mehr.«
»Sehr wohl, Sir. Ich wünsche eine angenehme Nacht.« Mostyn, mustergültig in seinem Beruf, verbeugte sich formvollendet und zog sich geräuschlos zurück.
Barnaby lauschte angestrengt und hörte, wie die Tür geschlossen wurde. Er lächelte, nippte an seinem Glas. Gleich nach seiner Ankunft in der Stadt hatte seine Mutter ihm den Mann aufgehalst, und zwar in der kühnen Hoffnung, dass er ihren Sohn, der, wie sie oft zu verkünden pflegte, kaum zu bändigen war, doch noch in eine angemessene Richtung zu lenken verstand.
Obwohl Mostyn die ungeschriebenen Gesetze, die im Unterschied von Rang und Namen lagen, strengstens befolgte und sehr genau wusste, welche Rücksichten er dem Sohn eines Earls schuldig war, hatten Herr und Diener sich schnell aneinander gewöhnt. Ohne die Unterstützung, die sein Butler ihm gewährte – weitgehend, ohne dass er etwas veranlassen musste, wie das Glas feinsten Brandys in seiner Hand bewies –, konnte Barnaby sich seinen Aufenthalt in London nicht mehr vorstellen.
Mit den Jahren war Mostyn milder geworden. Vielleicht auch beide; jedenfalls führten sie nunmehr ein sehr angenehmes Leben.
Barnaby streckte die langen Beine in Richtung Kamin, kreuzte die Fußgelenke, ließ das Kinn auf die Halsbinde sinken und betrachtete die Spitzen seiner polierten Stiefel, die im Widerschein des knisternden Feuers förmlich zu baden schienen. In seiner Welt hätte alles gut sein sollen. Hätte …
Ja, er fühlte sich wohl … und unruhig.
Friedlich – nein, eingelullt in eine gesegnete Ruhe – dennoch unbefriedigt.
Dabei war es nicht so, dass er die letzten Monate erfolglos verbracht hatte. Nachdem er neun Monate lang sorgfältig eine Spur verfolgt hatte, hatte er einen Kreis junger Leute enttarnt, sämtlich aus besten Familien, denen es nicht gereicht hatte, sich in Lasterhöhlen zu vergnügen, sondern die es für einen Spaß hielten, selbst welche zu betreiben. Er hatte genügend Beweise gesammelt, sie trotz ihres Standes vor Gericht zu bringen und bestrafen zu lassen. Es war ein schwieriger, langwieriger und mühseliger Fall gewesen, dessen erfolgreicher Abschluss ihm Lob und Dankbarkeit seitens der adligen Kreise eingebracht hatte, die in Londons Metropolitan Police Force die Aufsicht führten.
Als seine Mutter davon erfahren hatte, hatte sie zweifellos die Lippen geschürzt, hatte vielleicht bissig den Wunsch ausgestoßen, dass er doch ebenso viel Interesse für die Fuchsjagd aufbringen möge wie für die Verbrecherjagd, aber mehr würde – und konnte – sie nicht sagen, solange sein Vater zu den genannten adligen Kreisen zählte.
In keiner modernen Gesellschaft durfte das Recht parteiisch sein. Unparteiisch musste Recht gesprochen werden, furchtlos und ohne Ansehen der Person – jenen Angehörigen der besseren Gesellschaft zum Trotz, die sich zu glauben weigerten, dass auch sie den im Parlament verabschiedeten Gesetzen unterworfen waren. Der Premierminister höchstselbst war bewegt worden, ihn zu seinem jüngsten Triumph zu beglückwünschen.
Barnaby hob das Glas und nippte. Es war ein süßer Triumph gewesen, der ihn aber doch merkwürdig leer zurückgelassen hatte. Auf unerwartete Weise unzufrieden. Bestimmt hatte er damit gerechnet, größeres Glück zu empfinden anstelle dieser seltsamen Leere und Ruhelosigkeit, dieser Ziellosigkeit, mit der er durchs Leben driftete, jetzt, wo er keinen Fall mehr hatte, der ihn fesselte, der seinen Scharfsinn herausforderte und ihm die Zeit vertrieb.
Vielleicht war seine Stimmung auch nur ein Spiegel der Saison, die gerade herrschte. Wieder neigte sich ein Jahr dem Ende zu. Es war die Zeit, in der kalter Nebel sich über Stadt und Land senkte, in der die Gesellschaft sich an die wärmenden Feuerstellen auf den Anwesen ihrer Ahnen flüchtete und sich dort auf die Schwelgereien der kommenden Festsaison vorbereitete. Für ihn war diese Jahreszeit immer schwierig gewesen – schwierig, weil es galt, eine plausible Entschuldigung dafür zu finden, den geselligen Zusammenkünften aus dem Weg zu gehen, die seine Mutter mit größtem Geschick arrangierte.
Viel zu leicht war es ihr gelungen, seine älteren Brüder und seine Schwester Melissa zu verheiraten. In ihm war sie nun ihrem Waterloo begegnet, setzte den Kampf aber noch hartnäckiger und unermüdlicher fort als Napoleon. Denn sie war fest entschlossen, ihn, den Jüngsten aus ihrem Stall, angemessen verheiratet zu sehen, und sie war darauf eingerichtet, nichts unversucht zu lassen, um ihr Ziel zu erreichen – mit welchen Mitteln auch immer sie kämpfen musste.
Obwohl er übrig geblieben war, betrachtete er sich nicht als Kandidat ihrer Machenschaften in Sachen Ehestiftung, wollte sich ihr nicht auf Cothelstone Castle ausliefern. Was, wenn es schneite und er nicht die Flucht ergreifen konnte?
Rat-a-tat-tat. Unüberhörbar zerriss das Geräusch die behagliche Stille.
Als Barnaby den Blick zur Wohnzimmertür schweifen ließ, stellte er fest, dass er eine Kutsche auf dem Kopfsteinpflaster gehört hatte. Die ratternden Räder waren vor seinem Anwesen stehen geblieben. Er lauschte Mostyns gemessenem Schritt am Wohnzimmer vorbei zur Haustür. Wer wollte ihn um diese Stunde – es war bereits nach elf, wie ein rascher Blick auf die Uhr auf dem Kaminsims ihm verriet – noch besuchen? Und in einer solchen Nacht? Jenseits der schweren Vorhänge vor den Fenstern herrschte finstere Dunkelheit, denn undurchdringlicher kalter Nebel waberte durch die Straßen, verschluckte die Häuser und verwandelte die vertrauten Ansichten in unheimliche und gespenstische Gebilde.
In einer solchen Nacht würde sich niemand ohne guten Grund nach draußen wagen.
Gedämpfte Stimmen drangen an sein Ohr. Es schien, als versuchte Mostyn den Besuch zu hindern, die Ruhe seines Herrn zu stören.
Plötzlich schwiegen die Stimmen.
Ein paar Sekunden später trat Mostyn ein und schloss die Tür sorgfältig hinter sich. Nach einem kurzen Blick auf die dünnen Lippen seines Dieners und dessen bemüht ausdruckslose Miene wusste Barnaby, dass der Mann den Besuch, wer auch immer es sein mochte, nicht billigte. Aber noch bemerkenswerter als Mostyns Missbilligung war die logische Voraussetzung, dass dessen Versuch, den Ankömmling abzuweisen, sichtlich gescheitert war – und zwar schnell und gründlich.
»Eine … Lady möchte Sie sehen, Sir. Eine Miss …«
»Penelope Ashford.«
Der klare und entschlossene Tonfall ließ Barnaby und Mostyn den Blick zur Tür wenden, die jetzt weit offen stand und eine Lady in einem dunklen, strengen, aber doch modischen Umhang zu erkennen gab. Ein Muff aus Zobel baumelte am Handgelenk, und die Hände waren in pelzgesäumte Lederhandschuhe gehüllt.
Der üppige mahagonibraune Haarknoten am Hinterkopf glänzte, als sie mit einer Würde und Selbstsicherheit durch den Raum schritt, die ihre gesellschaftliche Stellung noch deutlicher und unmissverständlicher betonten als die zarten und typisch aristokratischen Gesichtszüge. Gesichtszüge, in denen sich die lebhafteste Entschlossenheit ebenso spiegelte wie ein unbezwingbarer Wille, sodass die Kraft ihrer Persönlichkeit ihr wie eine Woge den Weg zu bahnen schien.
Mostyn trat zurück, als sie sich näherte.
Barnaby ließ sie keine Sekunde aus den Augen, als er ohne jede Hast seine überkreuzten Füße nebeneinanderstellte und sich erhob. »Miss Ashford.«
Ein außergewöhnliches Paar dunkelbrauner Augen, eingefasst von einer fein gearbeiteten goldumrandeten Brille, fixierte sein Gesicht. »Mr. Adair. Wir sind uns vor beinahe zwei Jahren begegnet. Morwellan Park. Im Ballsaal, bei Charlies und Sarahs Hochzeit.« Zwei Schritte vor ihm blieb sie stehen und musterte ihn so aufmerksam, als wolle sie sein Gedächtnis prüfen. »Wir haben uns kurz unterhalten, falls Sie sich erinnern.«
Sie bot ihm nicht die Hand. Barnaby schaute hinunter in das Gesicht, das sie ihm entgegenhob – ihr Kopf reichte kaum bis zu seiner Schulter –, und stellte fest, dass er sich überraschend gut an sie erinnern konnte. »Sie hatten gefragt, ob ich derjenige bin, der Verbrechen nachgeht.«
Sie schenkte ihm ein strahlendes Lächeln. »Ja. Das stimmt.«
Barnaby blinzelte, er war ein wenig atemlos. Denn er konnte sich, wie er feststellte, nach all den Monaten tatsächlich noch daran erinnern, wie ihre schmalen Finger sich in seinen angefühlt hatten. Sie hatten sich nur flüchtig die Hand gegeben; trotzdem stand ihm die Szene glasklar vor Augen, prickelte ihm die Erinnerung förmlich bis in die Fingerspitzen.
Offensichtlich hatte sie Eindruck auf ihn gemacht, selbst wenn es ihm damals nicht besonders bewusst gewesen war. Zu der Zeit hatte er sich auf einen anderen Fall konzentriert, und mehr als an ihr war er daran interessiert gewesen, ihre Aufmerksamkeit abzulenken.
Seit er sie das letzte Mal gesehen hatte, war sie gewachsen. Allerdings nicht größer geworden. In der Tat, er konnte nicht behaupten, dass sie irgendwo ein paar Zentimeter zugelegt hätte; sie war so wohlgerundet, wie seine Erinnerung sie gemalt hatte. Dennoch hatte sie an Statur gewonnen, an Selbstsicherheit und Zutrauen, und obwohl er daran zweifelte, dass es ihr an Letzterem jemals gefehlt hatte, gehörte sie jetzt zu solchen Ladys, in deren Charakter selbst...
| Erscheint lt. Verlag | 19.8.2019 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Barnaby Adair | Barnaby Adair |
| Übersetzer | Jutta Nickel |
| Verlagsort | Hamburg |
| Sprache | deutsch |
| Original-Titel | Where The Heart Leads |
| Themenwelt | Literatur ► Historische Romane |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
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| ISBN-10 | 3-7457-5032-2 / 3745750322 |
| ISBN-13 | 978-3-7457-5032-4 / 9783745750324 |
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