Verzaubertes Verlangen (eBook)
Blanvalet Taschenbuch Verlag
978-3-641-24644-0 (ISBN)
England: Als Fotografin Venetia Milton den attraktiven Wissenschaftler Gabriel Jones kennenlernt, ist sie sofort fasziniert von diesem geheimnisvollen Mann. Sie lässt sich auf eine leidenschaftliche Nacht mit ihm ein, doch am Morgen ist Gebriel spurlos verschwunden. Kurze Zeit später erfährt Venetia von Gebriels Tod und ist erschüttert. Fortan gibt sie sich als seine respektierte und trauernde Witwe aus – bis Gabriel überraschend in Venetias Gallerie auftaucht und klar wird, dass sie beide in höchster Gefahr schweben …
Amanda Quick ist das Pseudonym der erfolgreichen, vielfach preisgekrönten Autorin Jayne Ann Krentz. Krentz hat Geschichte und Literaturwissenschaften studiert und lange als Bibliothekarin gearbeitet, bevor sie ihr Talent zum Schreiben entdeckte. Sie ist verheiratet und lebt in Seattle.
1
Zwei Monate später …
Er war der Mann, auf den sie gewartet hatte, der Liebhaber, der vom Schicksal bestimmt war, sie zu entehren. Doch vorher wollte sie ihn erst noch fotografieren.
»Nein«, sagte Gabriel Jones. Er durchquerte die elegant eingerichtete Bibliothek, griff die Brandykaraffe und schenkte daraus großzügig zwei Gläser ein. »Ich habe Sie nicht hierher nach Arcane House geholt, damit Sie mich fotografieren, Miss Milton. Ich habe Sie engagiert, um die Raritätensammlung der Gesellschaft zu fotografieren. Ich mag Ihnen greisenhaft erscheinen, aber ich persönlich betrachte mich nur ungern bereits als Antiquität.«
Gabriel war beileibe kein altes Relikt, dachte Venetia. Um genau zu sein, strahlte er die Kraft und das Selbstvertrauen eines Mannes in der Blüte seiner Jahre aus. Er wirkte wie geschaffen dafür, ihr Herz im Sturm zu erobern und in ihr das lodernde Feuer verbotener Leidenschaft zu entfachen.
Sie hatte lange genug gewartet, um den richtigen Mann für diese Aufgabe zu finden, fand sie. In den Augen der besseren Gesellschaft hatte sie bereits die Altersgrenze überschritten, in der sich eine Lady berechtigterweise Hoffnungen machen konnte, einen Heiratsantrag zu erhalten. Die Verpflichtungen, die ihr vor anderthalb Jahren aufgebürdet worden waren, nachdem ihre Eltern bei einem Eisenbahnunglück ums Leben gekommen waren, hatten ihr Schicksal besiegelt. Nur wenige ehrenwerte Gentlemen waren erpicht darauf, eine Frau Ende zwanzig zur Gemahlin zu nehmen, noch dazu eine Frau, die für den Lebensunterhalt von zwei Geschwistern und einer unverheirateten Tante aufkommen musste. Doch angesichts der Umtriebe ihres Vaters zweifelte sie sowieso stark an der Institution der Ehe.
Allerdings wollte sie nicht irgendwann ihren letzten Atemzug tun, ohne je echte körperliche Leidenschaft erlebt zu haben. Eine Lady in ihrer Situation hatte das Recht, ihre eigene Entehrung zu arrangieren, fand Venetia.
Das Unterfangen, Gabriel zu verführen, hatte sich als eine ausgesprochene Herausforderung erwiesen, da sie über keinerlei praktische Erfahrung in diesen Angelegenheiten verfügte. Selbstverständlich hatte es über die Jahre hier und da ein paar unbedeutende Flirts gegeben, doch keiner davon hatte zu mehr als ein paar harmlosen Küssen geführt.
Um ehrlich zu sein, war ihr noch kein Mann begegnet, der das Risiko einer verbotenen Romanze wert gewesen wäre. Nach dem Tod ihrer Eltern war die Notwendigkeit, jeden Skandal zu vermeiden, sogar noch zwingender geworden. Die finanzielle Sicherheit ihrer Familie hing einzig und allein von ihrer Karriere als Fotografin ab. Die durfte sie um keinen Preis in Gefahr bringen.
Doch diese verzauberten zwei Wochen in Arcane House waren ihr buchstäblich in den Schoß gefallen; ein gänzlich unerwartetes Geschenk.
Es war ganz zufällig dazu gekommen, erinnerte sie sich.
Ein Mitglied der geheimnisvollen Arcane Society hatte in Bath ihre Fotoarbeiten gesehen und sie dem offiziellen Vorstand empfohlen. Der Rat hatte offenkundig beschlossen, den Inhalt des Museums der Gesellschaft fotografisch zu dokumentieren.
Dieser lukrative Auftrag hatte ihr die beispiellose Gelegenheit gegeben, ihre geheimsten romantischen Phantasien auszuleben.
»Ich würde für eine Porträtaufnahme von Ihnen nichts berechnen«, versicherte sie rasch. »Das Honorar, das ich bereits erhalten habe, deckt alle Kosten.«
Und noch eine Menge mehr, dachte sie und hoffte dabei, dass man ihr ihre Befriedigung nicht ansehen konnte. Sie war noch immer wie benommen von der stattlichen Summe, die die Arcane Society auf ihr Bankkonto überwiesen hatte. Dieser unverhoffte Glücksfall würde ihr und ihrer kleinen Familie wortwörtlich eine neue Zukunft ermöglichen. Doch sie hielt es nicht für angeraten, dies Gabriel zu erzählen.
Prestige war in ihrem Beruf das A und O, wie Tante Beatrice oft und gern betonte. Sie musste ihren Kunden den Eindruck vermitteln, dass ihre Arbeit jeden Penny des enormen Vorabhonorars wert war.
Gabriel lächelte sein kühles, geheimnisvolles Lächeln und reichte ihr eins der Brandygläser. Als seine Finger die ihren streiften, lief ihr ein leiser, erregender Schauder über den Rücken. Es war nicht das erste Mal, dass sie diesen Kitzel spürte.
Sie war noch nie einem Mann wie Gabriel Jones begegnet. Er hatte die Augen eines uralten Zauberers. Sie waren erfüllt von dunklen, unergründlichen Geheimnissen. Die Flammen, die in dem riesigen Steinkamin loderten, warfen einen goldenen Feuerschein auf die Flächen und Kanten eines Gesichts, das aussah, als sei es von den Naturgewalten aus Stein gemeißelt worden. Er bewegte sich mit der gefährlichen Anmut eines Raubtiers, und er wirkte in seinem makellosen, maßgeschneiderten schwarzen Abendanzug unbeschreiblich männlich und elegant.
Alles in allem war er wie geschaffen für das, was sie im Sinn hatte, fand sie.
»Das ist keine Frage des Geldes, Miss Milton, wie Ihnen zweifelsohne klar ist«, sagte er.
Um ihre Verlegenheit zu verbergen, trank sie eilig einen Schluck Brandy und betete, dass die schummrige Beleuchtung ihre Röte verbergen würde. Natürlich war es keine Frage des Geldes, dachte sie verdrießlich. Nach der Einrichtung des Hauses zu urteilen, verfügte die Arcane Society über ein beachtliches Vermögen.
Sie war vor sechs Tagen in dem altehrwürdigen Kasten namens Arcane House eingetroffen, in einer modernen, gut gefederten Privatkutsche, die Gabriel geschickt hatte, um sie vom Bahnhof des Dorfes abzuholen.
Der vierschrötige Kutscher war von der mürrischen Sorte gewesen und hatte kaum ein Wort gesprochen, nachdem er sich ihres Namens vergewissert hatte. Er hatte die Koffer, in denen sich ihre Kleider sowie ihre Trockenplatten, ihr Stativ und die Entwickler und Fixierer befanden, so mühelos hochgehoben, als wären sie federleicht. Venetia hatte darauf bestanden, ihre Kamera selbst zu tragen.
Die Fahrt vom Bahnhof hatte fast zwei Stunden gedauert. Die Nacht war hereingebrochen, und Venetia war sich mit wachsendem Unbehagen bewusst geworden, dass sie tiefer und tiefer in eine abgelegene und augenscheinlich unbewohnte Gegend chauffiert wurde.
Als der wortkarge Kutscher schließlich vor einem uralten Herrenhaus hielt, das auf den Ruinen einer noch älteren Abtei erbaut worden war, konnte Venetia ihre Nervosität kaum noch verbergen. Sie hatte sogar schon angefangen, sich zu fragen, ob es ein großer Fehler gewesen war, diesen unbeschreiblich lukrativen Auftrag anzunehmen.
Alle Absprachen waren per Post getroffen worden. Ihre jüngere Schwester Amelia, die als ihre Assistentin fungierte, hatte sie eigentlich begleiten sollen. Doch im letzten Moment hatte Amelia sich eine böse Erkältung zugezogen. Tante Beatrice war nicht wohl bei dem Gedanken, dass Venetia die Reise allein unternahm, doch letztendlich hatte die finanzielle Not den Ausschlag gegeben. Nachdem die überaus großzügige Geldsumme erst einmal auf ihr Konto eingezahlt worden war, wäre es Venetia niemals in den Sinn gekommen, den Auftrag abzulehnen.
Die abgeschiedene Lage von Arcane House hatte etliche Zweifel geweckt, doch ihre erste Begegnung mit Gabriel Jones hatte all ihre geheimen Bedenken beschwichtigt.
Als sie an jenem ersten Abend von der praktisch stummen Haushälterin zu ihm geführt worden war, hatte sie ein plötzliches, überraschendes Gefühl des Erkennens übermannt. Das Gefühl war so überwältigend, dass es all ihre Sinne weckte und erregte, einschließlich jenes ganz besonderen Sehvermögens, das sie, mit Ausnahme ihrer Familie, vor allen anderen verbarg.
Und in jenem Moment war ihr die Inspiration zu ihrem großartigen Verführungsplan gekommen.
Dies war der richtige Mann, der richtige Ort und der richtige Zeitpunkt. Es war höchst unwahrscheinlich, dass sie Gabriel Jones jemals wiedersehen würde, nachdem sie Arcane House wieder verlassen hatte. Selbst wenn sich ihre Wege wirklich irgendwann zufällig kreuzen sollten, so sagte ihr ihre Eingebung, dass er sich als wahrer Gentleman erweisen und ihr Geheimnis wahren würde. Sie vermutete, dass er selbst etliche barg.
Ihre Familie, ihre Kunden und Nachbarn in Bath würden niemals erfahren, was sich hier zutrug, überlegte sie sich. Solange sie in Arcane House war, war sie in einer Weise befreit von allen gesellschaftlichen Restriktionen, wie sie es nie wieder sein würde.
Bis zum heutigen Tag hatte sie die Hoffnung gehegt, dass sich, ihrem Mangel an praktischer Erfahrung zum Trotz, die Verführung von Gabriel Jones recht vielversprechend anließ. Das Feuer, das sie in unbeobachteten Momenten in seinen Augen auflodern sah, und die erregende Energieaura, die sie beide umgab, wenn sie sich im selben Zimmer befanden, verrieten ihr, dass er sich zu ihr hingezogen fühlte.
In den vergangenen Tagen hatten sie oft bei einem gemütlichen Abendessen und anregenden Unterhaltungen vor dem Kaminfeuer beisammengesessen. Sie hatten morgens gemeinsam gefrühstückt und ausführlich die für den jeweiligen Tag angesetzten Fotoarbeiten durchgesprochen. Gabriel schien ihre Gesellschaft genauso zu genießen wie sie seine.
Es gab nur ein Problem. Dies war ihr sechster Abend hier in Arcane House, und bislang hatte Gabriel nicht einmal den Versuch unternommen, sie in seine Arme zu schließen, ganz zu schweigen davon, dass er sie die Treppe hinauf in eins der Schlafzimmer getragen hätte.
Zugegeben, es hatte viele flüchtige, doch unglaublich erregende kleine Intimitäten gegeben: Seine warme, kräftige Hand, mit der er sie sanft am Ellbogen fasste, wenn er sie in ein Zimmer führte; eine beiläufige, augenscheinlich unbeabsichtigte...
| Erscheint lt. Verlag | 1.7.2019 |
|---|---|
| Übersetzer | Ute Thiemann |
| Verlagsort | München |
| Sprache | deutsch |
| Original-Titel | Second Sight |
| Themenwelt | Literatur ► Romane / Erzählungen |
| Schlagworte | 19. Jahrhundert • bücher für frauen • dunkles Geheimnis • eBooks • England • Erotik • Erotik für Frauen • Erotik Literatur • Erotischer Liebesroman • Fotografin • Frauenroman • Herrenhaus • Historical • Historische Liebesromane • Historischer Liebesroman • Historischer Roman eBook • Kuss • Lehrerin • Liebe • Liebesgeschichte • Liebesromane • London • Privatdetektiv • Romance • Romantische Bücher • Sinnlichkeit • Tagebuch • Verbrechen • Wissenschaftler |
| ISBN-10 | 3-641-24644-X / 364124644X |
| ISBN-13 | 978-3-641-24644-0 / 9783641246440 |
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