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G. F. Unger 2016 (eBook)

Der verlorene Wagen

(Autor)

eBook Download: EPUB
2019 | 1. Aufl. 2019
Bastei Entertainment (Verlag)
978-3-7325-8208-2 (ISBN)

Lese- und Medienproben

G. F. Unger 2016 - G. F. Unger
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Der verlorene Wagen

Als sein Partner mit dem Wagen voller Wintervorräte für ihre Mine ausbleibt, macht sich Ben Vansitter auf die Suche. Im Blizzard entbrennt ein mörderischer Kampf ...

Ein absoluter Spannungsvolltreffer!

Oder ist sie noch ein Mädchen?

Er weiß es auf Anhieb nicht so recht abzuschätzen. Aber sie ist auf jeden Fall noch jung und auf eine eigenwillige Art hübsch. Unter ihrer hutartigen Haube quillt gelbes Haar hervor. Und ihre Augen sind von einem leuchtenden Blau, wie das Blau der Kornblumen in einem gelben Getreidefeld.

Er erkennt nun einige feine Linien in ihren Augenwinkeln und um den Mund.

Ihre Stimme gefällt ihm. Es ist eine dunkle und melodische Stimme.

Sie fragt: »Fahren Sie in Richtung Last Chance Gulch?«

»Und wenn?« So fragt er zurück und blickt auf ihr weniges Gepäck.

»Dann würde ich Sie bitten, mich mitzunehmen«, erwidert sie auf seine Frage.

»Es fahren Postkutschen, Ma’am«, erwidert er. »Die wechseln alle dreißig Meilen ihre Gespanne und bringen Sie dreimal schneller ans Ziel als ich mit diesem Wagen.«

Sie lächelt zu seinen Worten. Es ist das Lächeln einer Frau, der nicht mehr viele Dinge fremd sind auf dieser Erde.

Er hört sie sagen: »Ich besitze nur einen Dollar, Mister. Das ist mein Problem. Deshalb kann ich mir keine Postkutschenfahrt leisten.«

»Und in der Last Chance Gulch?«

Er fragt es ein wenig herausfordernd.

»Ach«, sagt sie scheinbar leichthin, »dort werde ich schon für mich sorgen können. Ich könnte dies gewiss auch hier in Fort Benton. Denn auch hier gibt es ja einige Amüsier- und Spielhallen. Aber ich will vor dem Schnee ins Goldland. Kann ich also mit?«

Sie sehen sich an.

Und er denkt: Sie ist eine Goldelster. Eigentlich wirkt sie auf den ersten Blick und auch jetzt noch nicht wie ein Tingeltangelgirl. Soll ich sie mitnehmen?

Wieder betrachtet er sie.

Er ist kein Heiliger, sondern ein Bursche, der sich gestern noch in Dolly Dunns Etablissement amüsierte. Auch einem weiteren Abenteuer mit einer Frau würde er nicht aus dem Wege gehen.

Er denkt: Vielleicht wird das eine sehr amüsante Fahrt, denn wir werden vier Tage und vier Nächte allein sein. Oha, die würde ich nicht unter meiner Decke wegjagen, die nicht.

Und so nickt er. »Na gut«, murmelt er. »Aber was ist, wenn ich ein mieser Bursche bin, der unterwegs Ihre Lage ausnutzen wird?«

Wieder sieht sie zu ihm hoch. Sie ist einen vollen Kopf kleiner als er, aber dennoch für eine Frau mehr als mittelgroß. Er ist ein sehr großer und hagerer Bursche.

»Nein«, sagt sie langsam, »da mache ich mir keine Sorgen.«

»Und warum nicht?«

»Sie sind Texaner. Ich hörte Sie vorhin mit dem Lademeister und dem Zahlmeister der Mary-Lou reden. Sie sind Texaner. Und einem Texaner kann sich eine Frau anvertrauen. Sie tragen auch immer noch Cowboystiefel. Und bei wem wäre eine Frau sicherer und besser aufgehoben als bei einem texanischen Cowboy? Sagen Sie es mir, Freund.«

Er grinst und reibt sich die Bartstoppeln.

»Aha«, murrt er dann. »Sie glauben, dass es genügt, einen Mann bei der Ehre und seinem Stolz zu packen. He, sind Sie damit nicht schon mehrmals böse reingefallen? Wissen Sie nicht, dass die Welt voller Mistkerle ist?«

»Das weiß ich längst«, erwidert sie und will ihr Gepäck vom Boden hochnehmen. Doch er kommt ihr zuvor und wirft alles in den Wagen. Sie klettert vor ihm hinauf auf den Beifahrersitz. Er kann erkennen, dass sie makellos gewachsen und geradezu vollendet proportioniert ist.

Verdammt, denkt er, warum ist so ein Wesen unterwegs auf rauen Wegen?

Er klettert nun ebenfalls hinauf, nimmt die Zügel und treibt die vier Zugtiere an. Es sind Pferde, die man auch als Reittiere benutzen kann. Der Wagen setzt sich in Bewegung.

Die junge Frau sagt neben ihm: »Wenn Sie mal ausruhen wollen, Mister, dann kann ich Sie auch beim Fahren ablösen. Ja, ich kann sogar vierspännig fahren. Mein Name ist Nancy, Nancy Sheridan.«

»Und ich bin Stap Sunday«, erwidert er. »Eigentlich heiße ich ja Staphard, aber man ruft mich nur Stap.«

»Ich freue mich, Ihre Bekanntschaft gemacht zu haben, Stap Sunday«, erwidert sie förmlich.

Er grinst schief. »Freuen Sie sich nur nicht zu früh, Nancy«, sagt er. »Es gibt auch unter den Texanern Mistkerle. Vielleicht bin ich einer.«

Sie blickt schräg zu ihm hoch.

»Das werden wir ja herausfinden«, erwidert sie, und in ihrer Stimme ist ein spröder, harter Klang.

Am ersten Tag ist der Wagenweg zu den Goldfundgebieten noch ziemlich belebt. Reiter, Packtierzüge und Fahrzeuge aller Art sind unterwegs. Sie alle holten noch Vorräte und vielerlei andere Dinge von der Schiffslandestelle.

Stap Sunday und Nancy Sheridan reden nicht viel an diesem ersten Tag, und dennoch herrscht zunehmend ein stillschweigendes Einverständnis zwischen ihnen.

Als sie dann nach Anbruch der Dunkelheit anhalten im Windschutz einer Hügelkette und eines Tannenwäldchens, da macht sie sich sofort nützlich. Sie bringt ein Feuer in Gang, indes er die vier Tiere versorgt, und sie brät Pfannkuchen mit Speck, kocht Kaffee und hantiert so geschickt, wie es nur eine Frau vermag, die schon oft im Freien kampiert hat.

Er sagt: »Nancy, Sie sind ein guter Kamerad auf einem Trail. Wurden Sie auf einer Rinderranch aufgezogen?«

»Nein«, erwidert sie, und ihre Stimme klingt wieder spröde. »Nein, ich wuchs unter Schafzüchtern auf. Ich stank nach Schafen wie ein Schaf. Damals glaubte ich, dass ich diesen Gestank nie wieder loswerden könnte, damals, als ich weglief von meinem Clan und man mir bald schon zum ersten Mal das Fell über die Ohren zog.«

Sie verstummt mit einem Lachen in der Kehle. Es ist ein Lachen der Verachtung gegen die ganze Welt. Er spürt es genau, und er fragt sich, wie rau wohl ihre Wege waren und ob sie überhaupt noch auf gute Dinge zu hoffen vermag.

Er sagt: »Es wird kalt werden diese Nacht. Zum Glück habe ich auch einen ganzen Stapel Decken für unsere Minenarbeiter gekauft. Ich werde Ihnen im Wagen zwischen den Säcken mit Hülsenfrüchten ein Lager bereiten. Da haben Sie es warm. Ich werde unter dem Wagen schlafen. Gut so?«

Sie sieht ihn über das Feuer hinweg an und nickt. Aber er erkennt dennoch ein wachsames Misstrauen in ihren Augen.

Er erhebt sich, um ihr im Wagen eine Lagerstatt zu schaffen.

Als er fertig ist, tritt sie zu ihm, um über das Vorderrad und die Fahrersitze in den Wagenkasten gelangen zu können.

»Ich werde die Wagenplane vorn und hinten zuziehen und festmachen«, sagt er. Sie verhält einige Atemzüge lang dicht vor ihm. Wenn er wollte, könnte er sie greifen. Doch er tut es nicht.

»Vielleicht sind Sie doch ein verdammt stolzer Texaner«, murmelt sie.

Dann klettert sie hinein.

Wortlos zurrt er vorne und hinten die Wagenplane zu.

Langsam tritt er vom Wagen und auch vom Feuer weg, entfernt sich dann noch ein Stück von den Tieren im engen Seilcorral.

Nun lauscht er in die Nacht.

Er macht sich Sorgen. Diese Sorgen zeigt er Nancy Sheridan nicht. Doch er war den ganzen Tag auf der Hut, obwohl sie sich immer noch auf dem viel benutzten Wagenweg befanden.

Am nächsten Morgen aber wird er einem einsameren Weg folgen müssen.

Und am übernächsten Tag wird es noch einsamer werden.

Er aber weiß, es gibt in diesem Land – und vor allen Dingen in der Nähe der Goldfundgebiete – viele verborgene Camps, in denen Geächtete leben, Goldwölfe und Banditen.

All diese Burschen benötigen Ausrüstung und Proviant für den Winter. Er aber fährt einen ganzen Wagen voll derart begehrter Dinge.

Es könnte sein, dass sich die Banditen wie ein ausgehungertes Rudel Wölfe auf ihn und den Wagen stürzen, etwa so wie nach einem langen Blizzard auf einen im Schnee festsitzenden Elch.

Aber es geschieht nichts diese Nacht, gar nichts.

Es ist noch dunkel, denn die Tage sind kurz und die Nächte lang um diese Jahreszeit, als die beiden aufstehen, Frühstück machen und aufbrechen.

Bald sind sie schweigend wieder unterwegs.

Erst als die Sonne aufgegangen ist und durch die Wolken am östlichen Himmel hinter ihnen hindurch blinzelt, da fragt er: »Nancy, was werden Sie tun in Last Chance City? Sie können von unserer Mine irgendwie hingebracht werden. Es ist nur eine Tagesreise mit einem leichten Wagen oder auf einem Pferd. Was wird sein mit Ihnen in Last Chance City?«

Sie sieht ihn ernst an, aber dann lächelt sie, und wieder ist es ein Lächeln, das Verachtung erkennen lässt gegen die ganze Welt.

»Nun, ich werde in den nobelsten Saloon gehen, zu dem auch eine Spielhalle gehört. Ich werde einen Job bekommen und wieder ein paar Dollars verdienen. Vor einigen Wochen besaß ich mehr als fünftausend Dollar. Ich wollte aufhören mit diesem Leben und nach San Francisco gehen, mir dort einen Modeladen kaufen. Doch da bekam ich vier Asse. Sagen Sie, Stap, muss man nicht mit vier Assen in der Hand bis in die Hölle mitbieten?«

»Sicher«, erwidert er. »Das muss man.«

Sie nickt.

»Ich setzte also meine fünftausend Dollar«, spricht sie weiter. »Ich hätte sie verdreifacht. Ich wäre reich geworden. Aber ich verlor mit den vier Assen gegen einen Royal Flush. Und dann war ich wieder auf dem gleichen Weg wie schon einige Male. Immer dann, wenn ich glaube, dass ich es geschafft hätte, kommt die Niederlage. Ich komme mir manchmal vor wie ein weiblicher Sisyphus. Wissen Sie, wer das war?«

Er grinst. »Das war ein Gotteslästerer der griechischen Sage. Der musste in der Unterwelt immer wieder einen mächtigen Fels bergaufwärts wälzen. Doch ständig rollt der Fels zurück, und so wurde...

Erscheint lt. Verlag 25.6.2019
Reihe/Serie G.F.Unger
Verlagsort Köln
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte 2017 • 2018 • Abenteuer-Roman • alfred-bekker • Bestseller • bud-spencer • buffalo-bill • Cassidy • Chaco • clint-eastwood • Country • Cowboy • Deutsch • e Book • eBook • E-Book • e books • eBooks • Erwachsene • Exklusiv • für • GF • g f barner • Indianer • jack-slade • Jugend • Karl May • kelter-verlag • Kindle • Klassiker • Krimi • Laredo • larry-lash • Lassiter • lucky-luke • Männer • martin-wachter • pete-hackett • peter-dubina • Reihe • Ringo • Roman-Heft • Serie • sonder-edition • Western • Western-roman • Westernromane • Wilder Westen • Wilder-Westen • Winnetou • Wyatt Earp • Wyatt-Earp
ISBN-10 3-7325-8208-6 / 3732582086
ISBN-13 978-3-7325-8208-2 / 9783732582082
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