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Marlborough Man (eBook)

Thriller | Britischer Undercover Cop muss abtauchen, doch auch in Neuseeland gibt es Killer

(Autor)

eBook Download: EPUB
2019 | 1. Auflage
320 Seiten
Suhrkamp Verlag
978-3-518-76158-8 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Marlborough Man - Alan Carter
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Nick Chester hat als undercover cop in seiner englischen Heimat eine Gangsterorganisation auffliegen lassen, die ihn daraufhin auf ihre Abschussliste setzte. Bei der neuseeländischen Polizei, an den landschaftlich grandiosen, rauen Marlborough Sounds versucht er nun, mit seiner Familie ein neues Leben zu beginnen. Aber auch die abgelegene Provinz hat ihre Tücken. Ohne seine ortskundige Kollegin, Constable Latifa Rapata, wäre er hilflos. In der dünnbesiedelten Gegend treibt ein unheimlicher Mörder sein Unwesen. Chester und Rapata müssen sich mit der örtlichen Nomenklatura anlegen, Rassenkonflikte werden sichtbar, und Chester darf nie vergessen, dass die britischen Gangster ihn überall auf der Welt finden können. Jederzeit ...



<p>Alan Carter, geboren 1959 in Sunderland, Gro&szlig;britannien, studierte Kommunikationswissenschaft und lebt seit 1991 in Australien und Neuseeland. Dokumentarfilmer und Romancier. F&uuml;r <em>Prime Cut </em>bekam er den Ned- Kelly-Award for Best First Fiction 2010, war auf der Shortlist des Dagger Award 2010 und im M&auml;rz 2015 auf der KrimiZeit-Bestenliste; mit <em>Des einen Freud</em> war er im Oktober und November 2016 auf der KrimiZeit-Bestenliste. Zuletzt erschien <em>Marlborough Man</em> (st 4932), wof&uuml;r er mit dem Ngaio Marsh Award f&uuml;r den besten Krimi 2018 ausgezeichnet wurde.</p>

Teil 1


1


Das ist die dritte Nacht, in der der Wagen vorbeifährt. Immer zur selben Zeit, gegen zehn. Ein leises Rumpeln, ein gelegentliches Stottern, ein kurzer Aussetzer.

Vielleicht Wildschweinjäger, die oben an der Straße nach dem Weg suchen, der in den Wald auf dem nächsten Hügel führt. Niemand kommt grundlos oder versehentlich diese Straße hoch, sie führt nirgendwohin und endet etwa fünf Kilometer weiter am Zeltplatz Butchers Flat. Der Vollmond verzieht sich hinter den Wolken, und die Umrisse der Hügel verschwinden im dunklen Hintergrund. Unten rauscht der Fluss über die Steine hinweg.

Oder aber Camper, die nach ein paar Bierchen in der Stadt nach Butchers Flat zurückkehren. Doch zum Campen ist es viel zu kalt. Oder Plünderer, die sich von den gerade gerodeten Hügeln Brennholz holen. Eigentlich ist Frühling, aber die Temperatur sinkt immer noch auf den Gefrierpunkt, in der Stadt ist kein trockenes Holz mehr übrig. Außerdem, wer hat schon die zweihundert Kröten für eine Lieferung, wenn jeder Zweite von der Stütze lebt, und außerdem muss es doch bald wärmer werden. Im Winter fegt der Wind vom Südpol über die Antarktis und die Südsee heran, bedeckt die Südalpen mit Schnee und Eis, schlängelt sich durch die grünen Fjorde und einsamen Täler, zieht durch die Türspalten und in die Knochen. Wenn man nicht aufpasst, erstarrt man im Innersten und es erfriert einem das Herz. Und wenn Neuseeland nicht so verdammt schön wäre, würde man sich an manchen Tagen gern die Kugel geben.

Ich bewohne ein zweistöckiges Holzhaus an einem steilen Hang, der zum Fluss abfällt. Ein Rinnsal im Sommer, im Winter brodelt er. Solange der Wakamarina nicht über die Ufer tritt und es keinen Landrutsch gibt, lässt sich mein Haus über eine schmale Straße erreichen, die sich durch das Tal schlängelt und hier oben nie geteert wurde – wir sind nicht nur aus der Welt, wir sind auch weg vom Asphalt. Das Valley ist ein gutes Versteck, sowohl vor den An- und Herausforderungen der modernen Welt als auch vor echten Menschen und realen Bedrohungen. Wir liegen direkt an einer tektonischen Bruchlinie, die statistisch gesehen reif ist für eine seismische Katastrophe – die Schwarzseher und Geologen erwarten sie täglich. Nicht schlimm, seit ich hier angekommen bin, rechne ich sowieso immer mit dem Schlimmsten.

Vielleicht sind es auch Hobby-Schürfer, die Jobs in der Stadt haben und sich hier an hundertfünfzig Jahre alten Claims abarbeiten, die schon damals nichts abgeworfen haben. Denen geht es nicht ums Gold, sondern um Geschichte, Tradition und Kameradschaft. Und um die Flucht vor dem, was sie in der Stadt plagt.

Aber das alles ist es nicht. Ich weiß, wer da kommt. Sammy Pritchard. Er lässt mich wissen, dass er mich endlich gefunden hat. Seine Macht reicht weit, noch aus dem Hochsicherheitsgefängnis streckt er den Arm nach mir aus.

»Komm wieder ins Bett.«

»Ja, Schatz.« Ich sehe Vanessa an, sie ist schlaftrunken und genervt. Ich denke an Paulie, der unten schläft. Wird sich Sammy mit mir begnügen und die beiden am Leben lassen?

Nein. Natürlich nicht.

Kurz nach halb sieben klingelt das Telefon.

»Du wirst am Yachthafen erwartet, Sergeant«, sagt Latifa.

»Mord?«

»Sachbeschädigung. An einem Boot, das Mr McCormack gehört.«

»Du holst mich um diese Zeit wegen Sachbeschädigung aus dem Bett?«

»Auf besonderen Wunsch des District Commanders. Er und Mr M spielen in Nelson zusammen Squash.«

Wir alle wissen, wer Mr M ist und dass ihm halb Marlborough gehört.

»Du kannst in fünf Minuten dort sein, Latifa. Ich brauche eine halbe Stunde.«

»Wenn du da draußen bei den Hippies hausen willst, ist das deine Sache. Außerdem geht es hier nicht um Tempo.«

»Sondern?«

»McCormack will immer den Größten haben. In diesem Fall den Ranghöchsten. Das bist du.«

»Sag dem DC, ich bin auf dem Weg.«

Ich mache mir einen Tee und versuche, Vanessa einen Kuss zu geben, aber sie zieht sich die Decke über den Kopf. Das kommt in letzter Zeit häufiger vor. Sie mag Neuseeland nicht, vielleicht mag sie mich auch nicht mehr.

Der Toyota hustet sich ins Leben, ich fahre von der Kieseinfahrt herunter. Ein Tui flattert pfeifend und schnarrend als schwarzes und leuchtend blaues Gestöber auf eine Silberbirke. Ich denke an den Wagen letzte Nacht. Kommen sie zurück und bringen meine Familie um, wenn ich nicht da bin?

Nein. Sammy würde wollen, dass ich zusehe. Sie werden auf meine Rückkehr warten.

Im Yachthafen von Havelock scheint die Sonne auf die grünen Hügel am Wasser und spiegelt sich auf den vor Anker liegenden Freizeitbooten. Ein großer Mann mit kurzem, graumelierten Haar stapft auf und ab, um die Kälte zu vertreiben. McCormack, angezogen für einen Tag auf dem Boot. Heute ist Dienstag, manche haben's gut. Seine Begleiter, ein Mann und zwei Frauen, sitzen in einem in der Nähe geparkten BMW und nippen gelangweilt an Kaffeebechern. Das Boot ist groß und belegt am reicheren Ende des Hafens noch einen halben Liegeplatz zusätzlich. Ich betrachte den Schaden: ein Graffito auf der Steuerbordseite seines kostbaren Katamarans. Wo bisher Serenity II stand, ist jetzt Smaug zu lesen.

»Smaug, Sir?«

Er sieht mich an wie einen Idioten. »Der böse Drache im Hobbit. Smaugs Einöde

Ich ziehe das Notizbuch hervor und heuchle Interesse. »Warum Smaug? Glauben Sie, jemand könnte was gegen Sie haben?« Beispielsweise die Hälfte der Bevölkerung am oberen Ende der Südinsel? Auf der Fahrt über die Talstraße zum Hafen runter hatte ich sein Werk vor Augen: gerodete Hügel, nichts als traurige Baumstümpfe, die früher atemberaubende Umgebung eine verwüstete Mondlandschaft.

»Fragen Sie mal bei dem Hühnerzüchterhippie oben bei Ihnen nach.«

Oben bei mir?, denke ich. Woher wissen Sie, wo ich wohne?

Er hält mir ein iPhone vor die Nase. »Er hat mir Drohmails geschickt.«

»Stirb, du raffgieriges Arschloch«. Ich nicke. »Raffgierig. Er muss mal ein Buch gelesen haben.« Ich sage McCormack, er soll mir die Mail weiterleiten, er erledigt es mit ein paar Tippern. Der Wind dreht, kurz fange ich Gestank von faulem Atem auf. So viel Geld, und er kann nicht mal ordentlich Zahnseide benutzen.

»Was ist das für ein Dialekt?«, fragt McCormack.

»Geordie. Nordostengland.«

»Finstere satanische Mühlen und all das?«

»Nicht mehr, die sind alle geschlossen worden. Ist jetzt herrlich grün. Wie hier.«

Ein Schnaufen. »Vielleicht hätten Sie lieber dortbleiben sollen.«

»Dann wäre mir das Vergnügen entgangen, Sie kennenzulernen, Sir.«

Hinter mir wird das Wagenfenster heruntergelassen. Ein lustloses Quaken von McCormacks Reisebegleiter, einem glattgesichtigen Mann mit blonder Tolle, die ihm in die Augen hängt. »Vergessen wir's einfach, Dickie – lass uns frühstücken gehen, okay?«

»Das hat uns den Tag versaut«, sagt McCormack und steckt sein Handy ein. »Kümmern Sie sich um den Ökowichser.«

»Überlassen Sie das ganz mir. Ich werde mit ihm reden und mal hören, ob er was darüber weiß.«

»Reden? Verhaften Sie ihn einfach.«

Überall hängen Kameras und Schilder, die Rund-um-die-Uhr-Überwachung versprechen. Die Art Service, die man verlangen kann, wenn einem eine dicke Yacht gehört. Der Fall sollte leicht zu lösen sein, Havelock ist nicht für die Qualität seiner Kriminellen bekannt.

»Ich halte Sie über den Fortgang der Ermittlungen auf dem Laufenden.«

»Sie wissen, dass ich mit Ihrem Chef Squash spiele, ja?«

»Ja. Ich auch«, lüge ich. »Ich finde, seine Schwäche ist die Rückhand.«

Als ich durch die Tür komme, reicht mir...

Erscheint lt. Verlag 19.6.2019
Reihe/Serie Neuseeland-Thriller
Neuseeland-Thriller
Übersetzer Karen Witthuhn
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror Krimi / Thriller
Schlagworte Australien-Krimi • australische Krimis • australischer Thriller • Bestseller bücher • böser Witz • buch bestseller • Deutsche Krimi-Autoren • Deutsche Krimis • deutsche Thriller • Deutsche Thriller-Autoren • Down-under-Krimi • Für Krimifreunde • Krimi aus Australien • Krimi-Bestenliste • Krimi-Bestseller • Krimis aus Down-under • Krimi-Serie • Marlborough Sounds • Neuseeland • Neuseeland / Aotearoa • Ngaio Marsh Award für den besten Krimi 2018 • Page Turner • Spannung • ST 5121 • ST5121 • suhrkamp taschenbuch 5121 • Thriller • Thriller Australien • Thriller Down-under • Thriller-Serie
ISBN-10 3-518-76158-7 / 3518761587
ISBN-13 978-3-518-76158-8 / 9783518761588
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