Notärztin Andrea Bergen 1380 (eBook)
64 Seiten
Bastei Entertainment (Verlag)
978-3-7325-8127-6 (ISBN)
Ein Prinz im weißen Kittel
Zärtlich zieht David die schöne Antonia an sich, und als seine Lippen ihre finden, löst sein Kuss das Trauma ihrer Vergangenheit, und zum ersten Mal seit langer Zeit lässt Antonia sich wieder fallen und vertraut ...
Tatsächlich scheint Davids Liebe ihr die Kraft zu geben, es endlich mit den Schatten der Vergangenheit aufzunehmen. Mutig beginnt sie eine Therapie gegen die Panikattacken, die sie quälen, seit ein Amokläufer an ihrem Arbeitsplatz unzählige Menschen tötete. Doch als sie David schließlich ihr Geheimnis anvertraut, reagiert er völlig unerwartet: Er stößt sie brüsk von sich und lässt sie verwirrt und verzweifelt zurück! Während Antonia sicher ist, sich schrecklich in ihm getäuscht zu haben, und sich wieder in ihren Kokon der Einsamkeit zurückzieht, meint David, Antonia freigeben zu müssen. Denn er ist schuldlos schuldig am Drama ihres Lebens ...
Ein Prinz im weißen Kittel
Arme, traurige Antonia! Alle Therapieerfolge der letzten Wochen scheinen zunichte gemacht zu sein, seit ihre große Liebe, mein Kollege Dr. David Schiller, sie ohne ein Wort der Erklärung verlassen hat. Dabei hatte Antonia endlich den Mut gefunden, sich David anzuvertrauen und ihm von den schlimmsten Stunden ihres Lebens zu erzählen. Davids barsche Abweisung hat dafür gesorgt, dass die alten Angstzustände nun wieder Antonias Alltag bestimmen – sie ist verzweifelt und lebt in der bitteren Gewissheit, dem falschen Mann vertraut zu haben …
Ich gebe zu, auch ich bin maßlos enttäuscht von meinem Kollegen David Schiller, der inzwischen gekündigt hat und die Stadt verlassen will. Er, den wir alle für Antonias Retter und Herzensprinzen hielten, scheint selbst ein dunkles Geheimnis zu haben, über das er mit niemandem sprechen kann. Ich bin ratlos, doch ich werde einen letzten Versuch unternehmen, ihn zur Vernunft zu bringen – denn ohne ihn ist Antonia verloren …
Schüsse peitschten auf, Schreie gellten durch die Gänge.
Antonia hatte sich in dem schmalen Spalt zwischen Schreibtisch und Heizung versteckt. Sie hockte auf dem Boden, zog die Beine ganz fest an ihren Körper und umschlang sie mit beiden Armen.
Zuerst hatte sie den Knall aus dem Eingangsbereich des Bürohauses nicht als Schuss erkannt, bis sie die Angstschreie der Kollegen vernommen hatte und weitere Schüsse gefolgt waren.
Jemand war draußen durch den Flur gelaufen und hatte dabei laut geschrien: „Versteckt euch! Er bringt alle um!“
Die Tür zu ihrem Büro stand offen. Sie vernahm flüchtende Schritte auf dem Gang. Weitere Schüsse, die näher kamen, einen Körper, der zu Boden fiel.
Schwere Schritte stapften in ihr Büro, dann war es plötzlich still. Antonia presste die Hände gegen den Mund, damit der Schütze ihr Atmen nicht vernahm. Ihr Herz raste.
Hatte er sie gehört? War er noch da?
Es war nichts zu hören. Keine Schreie, keine Schüsse, keine Schritte …
… und dann stand Jakob plötzlich vor ihr. Er hatte sich angeschlichen und ergötzte sich sichtlich an ihrem Erschrecken und der Panik in ihren Augen. Seine Lippen verzogen sich zu einem bösen Grinsen, als er langsam die Waffe hob.
„Bitte nicht, Jakob!“, wimmerte sie. „Bitte, bitte nicht!“
Er sagte nichts, doch das Lächeln auf seinem Gesicht wurde breiter – und dann fiel der Schuss …
Mit einem Schrei fuhr Antonia Marquardt auf. Sie zitterte am ganzen Körper, ihr gehetzter Blick jagte durch den dunklen Raum. Ihre Hände krallten sich in die Bettdecke. Es dauerte eine ganze Weile, bis ihr Verstand registrierte, dass es vorbei war. Sie hatte nur geträumt …
Nein, es war nicht vorbei!
So viele Jahre waren seit diesem schrecklichen Tag vergangen, aber es fühlte sich immer noch so an, als wäre es gestern erst geschehen.
Die Albträume holten sie immer wieder ein. Ihr Leben wurde bestimmt durch Angstzustände.
„Ich kann nicht mehr.“ Antonia erschrak vor dem Klang der eigenen Stimme. Sie schlug die Hände vors Gesicht und begann haltlos zu weinen.
***
Der Mann war groß und kräftig. Ein Dreitagebart zierte sein Gesicht, seine Haare waren sehr kurz geschoren. Er passte so gar nicht zu der eleganten Villa, vor deren offener Tür er stand und sichtlich aufgeregt auf das Rettungsteam wartete.
„Stefan Löhning“, stellte er sich vor. „Die Patientin ist meine Tochter.“
Notärztin Andrea Bergen stellte sich ebenfalls vor. „Was ist passiert?“, fragte sie.
Stefan Löhning zuckte hilflos mit den Schultern. „Isabelle hatte schon immer einen schwachen Magen, aber so schlimm wie heute war es noch nie. Sie musste sich mehrfach übergeben und hat starke Schmerzen. Vielleicht der Blinddarm?“, vermutete er, wartete jedoch nicht auf eine Antwort der Notärztin, sondern eilte voraus.
Andrea Bergen folgte ihm zusammen mit den beiden Sanitätern Ewald Miehlke und Jupp Diederichs.
Die Villa war hell und modern eingerichtet. Isabelle Löhnings Zimmer befand sich in der oberen Etage. Die junge Frau lag in ihrem Bett, ihr schmerzverzerrtes Gesicht wirkte grau und eingefallen. Sie hatte die Beine angezogen.
Andrea schätzte sie auf ungefähr zwanzig. Sie registrierte die flache Atmung. Isabelles Puls war beschleunigt.
Ewald schob die Manschette des Blutdruckmessgerätes über den Arm der jungen Frau. Isabelles Bauchdecke war stark angespannt. Sie schrie auf, als Andrea sie abtastete.
„Akutes Abdomen.“ Andrea Bergen richtete sich auf und wandte sich Stefan Löhning zu. „Wir bringen Ihre Tochter ins Elisabeth-Krankenhaus.“
„Was fehlt ihr?“
Andrea hatte einen Verdacht, aber sie wollte erst die Untersuchungen im Krankenhaus abwarten. „Es scheint eine Entzündung zu sein, doch wir müssen Ihre Tochter zuerst gründlich untersuchen. Wir brauchen Laborwerte und Röntgenaufnahmen.“
„Eine Entzündung?“ Der Mann atmete auf und wirkte plötzlich erleichtert. „Das ist doch nicht so schlimm, oder? Dann bekommt Isabelle Antibiotika, und es geht ihr bald wieder besser.“
Andrea bemerkte, wie Jupp und Ewald sich einen schnellen Blick zuwarfen, aber sie verzichtete darauf, den besorgten Vater über die Gefahren einer Peritonitis aufzuklären. Sie war sich ja immer noch nicht sicher, ob es sich wirklich um eine Bauchfellentzündung handelte. Wenn es so war, musste die Ursache der Entzündung abgeklärt werden, und da gab es einige Möglichkeiten, die durchaus lebensbedrohlich sein konnten.
„Ihre Tochter ist im Elisabeth-Krankenhaus gut aufgehoben“, wich die Notärztin einer direkten Antwort aus.
„Ich komme mit!“
Andrea schüttelte den Kopf und berührte kurz den Arm des Mannes. „Die Untersuchungen werden eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen. Packen Sie lieber ein paar Sachen für Ihre Tochter ein und besuchen Sie sie später.“
Es war Stefan Löhning anzusehen, dass er der Bitte nur widerstrebend nachkam.
Währenddessen betteten die Sanitäter Isabelle auf die Trage und brachten sie zum Rettungswagen.
„Sie ist mein einziges Kind“, flüsterte Stefan Löhning, als er mit Andrea Bergen allein war. „Isabelle ist alles, was mir nach dem Tod meiner Frau geblieben ist. Bitte passen Sie gut auf sie auf.“
„Das verspreche ich!“ Andrea lächelte ihm beruhigend zu und folgte den Sanitätern.
***
Die Lichter der Scheinwerfer fraßen sich durch die Nacht. Es war bereits nach Mitternacht, kein anderer Wagen befand sich um diese Zeit auf der schmalen Landstraße.
Yvonne Michels gähnte laut. Am liebsten hätte sie irgendwo angehalten, um ein paar Stunden zu schlafen, aber sie musste die Maschinenteile, die sie in Hamburg abgeholt hatte, noch in dieser Nacht abliefern.
Als das Handy klingelte und sie den Namen auf dem Display las, stöhnte sie leise auf. Sie zögerte kurz, bevor sie sich über die Freisprecheinrichtung meldete. „Ich bin noch unterwegs!“
„Das weiß ich!“ Mark Benders Stimme peitschte scharf an ihr Ohr. „Verdammt, Yvonne, Franke ist unser bester Kunde! Die Maschinenteile sollten schon vor Stunden in seinem Werk sein. Wo bleibst du?“
„Zaubere eben das nächste Mal einfach den Stau auf der A1 weg, dann schaffe ich es auch pünktlich“, gab sie verärgert zurück. „Oder fahr direkt selbst.“
Mark ging darauf nicht ein. „Wann bist du da?“
„In einer halben Stunde“, behauptete Yvonne in dem Wissen, dass das eine sehr optimistische Zeitangabe war. Sie wollte Mark nicht noch mehr aufbringen. In letzter Zeit kriselte es auf allen Ebenen. Geschäftlich ebenso wie privat.
„Tritt aufs Gas“, verlangte er und beendete das Gespräch ohne ein Wort des Abschieds.
Früher hätte er sich Sorgen um mich gemacht, dachte Yvonne traurig. Ach was, er hätte mich diese Tour so spät überhaupt nicht mehr fahren lassen. Oder er hätte mich begleitet.
Ein verträumtes Lächeln zog über Yvonnes Gesicht, als sie an diese Fahrten dachte. Europaweit waren sie herumgekommen, um schnellstmöglich irgendwelche Geräte, Maschinenteile oder einfach nur Dokumente von einem Ort zum nächsten zu bringen.
Zusammen mit Mark hatte sie diesen Expresskurier gegründet, um die Nische der großen und nicht ganz so flexiblen Logistikunternehmen zu nutzen.
Anfangs war es sehr gut gelaufen. Es sprach sich herum, dass sie sofort einsatzbereit waren, wenn ein neuer Auftrag hereinkam. Als es mehr wurde, schaffte Mark einen zweiten Transporter an. Immer seltener wurden die gemeinsamen Fahrten – und das wirkte sich allmählich auf die Beziehung aus.
Wehmütig dachte Yvonne an die Tour nach Südspanien. Das war ihre letzte Fahrt zusammen mit Mark gewesen. Und weil sie gerade etwas Zeit gehabt hatten, waren sie ein ganzes Wochenende in Antequera geblieben. Die Stadt war nicht so bekannt und deshalb auch nicht so überlaufen wie Malaga oder Sevilla.
Hand in Hand waren sie durch die engen Gassen geschlendert,...
| Erscheint lt. Verlag | 18.6.2019 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Notärztin Andrea Bergen | Notärztin Andrea Bergen |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | 2017 • 2018 • Arzt • arzt-krimi • Arztromane • Bergdoktor • Bestseller • Bianca • Cora • Deutsch • Doktor • Dr. • dr daniel • dr laurin • dr norden • Dr Stefan Frank • eBook • E-Book • eBooks • E-Books • Familiensaga • Fortsetzungsroman • Frauen • für • für Frauen • Großdruck • große-schrift • Happy End • Hedwig Courths Mahler • Heft-Roman • Historical • Julia • kaipurgay • Kelter • Kindle • Klinik • Klinik-roman • Krankenhaus • Krankenschwester • Kurfürstenklinik • Landarzt • Liebe • Liebesroman • Liebesromane • martin-Kelter • Medizin • Mira • Modern • Patient • patricia-vandenberg • Romance • romantisch • Schicksalsroman • Serie • spannend • Tiffany • Verlag |
| ISBN-10 | 3-7325-8127-6 / 3732581276 |
| ISBN-13 | 978-3-7325-8127-6 / 9783732581276 |
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