Zwischen Himmel und Hölle -4- (eBook)
CCCV Seiten
BookRix (Verlag)
978-3-7487-0571-0 (ISBN)
Kapitel 1
Vor den Toren des Palastes stehend beobachtete Raphael den Engel des Todes, der mit seiner Frau an seiner Seite mit den Kindern spielte. Schnaubend schüttelte Raphael den Kopf. Sein Bruder war ein genauso kranker Liebesnarr geworden, wie Michael. Für gewöhnlich würde ihn dies nicht einmal interessieren, wäre da nicht die Tatsache, dass Azrael auch weiterhin felsenfest behauptete, Raphael würde auch noch eine Frau finden. Lächerlich! Einfach nur lächerlich.
Dieses Verhalten musste ansteckend sein, anders konnte er sich einfach nicht erklären, warum er sich überhaupt noch Gedanken darüber machte. Er wusste genau, was möglich war und was nicht, und dies hier war eine Sache, die definitiv niemals geschehen würde!
Raphael wollte sich schon kopfschüttelnd abwenden, da fiel ihm plötzlich eine Person auf, die hier eigentlich nichts zu suchen hatte. Überrascht und verwirrt zugleich beobachtete der Erzengel, wie der Teufel höchstpersönlich geradewegs auf den Palast der Erzengel zusteuerte. Außer Raphael schien ihn bisher noch niemand bemerkt zu haben, was Samael aber wohl gerade recht kam.
„Was machst du hier?“, brummte der Erzengel, nachdem Sam bei ihm angekommen war. Er war dabei so brummig wie eh und je. „Die wöchentlichen Berichte sind doch erst ausgetauscht worden“, fügte er noch an. Er trat noch einen Schritt zur Seite, dann hatten die beiden Männer den Palast auch schon betreten. Samael wirkte unruhig und nervös, flatterte sogar ein wenig mit den schwarzen Schwingen, was Raphael nur wachsamer werden ließ.
„Es gibt da etwas, von dem ich euch vielleicht persönlich erzählen sollen“, meinte der Teufel, während er direkten Kurs auf den großen Saal nahm. Raphael sparte es sich zu erwähnen, dass ihre Geschwister just in diesem Moment in alle Himmelsrichtungen verteilt waren, doch dem Teufel wurde es in jenem Augenblick klar, als sie den Saal betraten. Niemand außer ihnen war anwesend. Doch ihnen folgte ein unscheinbarer Schatten, der auf seinen Befehl wartete. Raphael wusste sehr gut, wer genau dort lauerte und warf deshalb einen unbeeindruckten Blick über seine Schulter.
„Ilias, trommel die anderen zusammen. Unverzüglich“, befahl er, ohne jede Emotion in seiner Stimme. Ilias nickte treu ergeben und verschwand. Zur gleichen Zeit ließ der Erzengel sich mit tödlicher Eleganz auf seinem Thron nieder.
„Es scheint keine Kleinigkeit zu sein, wenn du dich selbst hierher bemühst“, meinte er dabei monoton. Vielleicht hätte er deswegen neugieriger und alarmierter sein sollen, doch sein Gefühl sagte ihm, dass es ihn nicht kümmern sollte. Des Teufels Probleme waren wohl das Letzte auf dieser Welt, was ihn kümmerte. Raphael mochte sich den anderen gegenüber mittlerweile zwar ganz offen zeigen, aber insgeheim glaubte er noch immer, dass der Tag kommen würde, an dem Samael ihnen doch wieder Schwierigkeiten bereitete. Und wer konnte schon sagen, ob dies noch heute geschehen würde. Raphael wäre jedoch niemals so dumm gewesen, auch nur einen einzigen dieser Gedanken auszusprechen. Er war nach wie vor darum bemüht, jeden von ihnen von sich fernzuhalten und bisher gelang ihm dies ganz gut. Wenn man ihn fragte, warum er eigentlich mit niemandem etwas zutun haben wollte, dann konnte er diese Frage nicht einmal beantworten. Er war einfach so und er plante auch weiterhin nicht, irgendetwas zu ändern.
Just in diesem Moment rang Samael sich zu einer Antwort durch.
„Bisher ist es noch keine große Sache, es ist bloß... seltsam. Ich kann mich nicht daran erinnern, je von so etwas erfahren zu haben und dabei würde man wirklich weitaus öfters damit rechnen“, erklärte er. Eine seltsame Wortwahl, fand Raphael. Und perfekt, um einen naiven Engel neugierig zu machen. Wie Azrael, der gerade den Saal betrat. Seine Frau Vanita schien er fortgeschickt zu haben, denn er war alleine und sogar mal früher dran, als alle anderen Erzengel. Ob dies wohl an dieser Vollstreckerin lag?
„Was soll das heißen?“, fragte er und ging zu seinem Platz, wobei Samael abwinkte.
„Ein wenig Geduld bitte. Das werde ich erklären, sobald alle anderen auch hier sind“, meinte er, was Raphael die Gelegenheit gab, die zwei Männer einmal genauer zu mustern. Azrael wirkte entspannt und gelöst und trug im Augenblick nur noch selten seine Himmelsgewänder. Die meiste Zeit über traf man ihn in Shirt und Jeans an, was ihm erstaunlich gut stand. Zusammen mit seinen tiefschwarzen Schwingen bot es jedoch einen seltsamen Anblick. Er wirkte wie ein Dämon und wie ein enger Freund des Teufels, wenn auch weitaus lockerer und sogar ein wenig menschlicher. Seine sonst so bleiche Haut hatte ein wenig Farbe abbekommen, was er wohl seinem neuen Lebensstil zu verdanken hatte. Vanita und er lebten mittlerweile in Italien und die Sonne hatte nun einmal ihre Spuren hinterlassen. Azrael hatte sich zurückgezogen, nachdem sie alle erfahren hatten, was ihm in der Vergangenheit widerfahren war. Mittlerweile war er aber wieder eine echte Frohnatur.
Unauffällig glitt Raphaels Blick zu Samael, der um einiges ernster und auch... erwachsener wirkte. In seinem schwarzen Hemd und der ebenso schwarzen Hose wirkte er wie ein Geschäftsmann. Zusammen mit seiner grimmigen Miene machte es den Eindruck, als habe man ihm eine Menge Geld abgeknöpft. Seine strahlenden Augen unterbrachen diesen Anblick jedoch. Ihre blassviolette Farbe war einzigartig und ungemein faszinierend. Seit der Teufel eine Frau gefunden hatte, schienen sie allerdings intensiver denn je zu strahlen. Heute war aber ein besorgter Ausdruck in ihnen zu erkennen. Noch bevor Raphael sich nähere Gedanken darüber machen konnte, ging die Tür des Saals erneut auf. Michael betrat den Saal, dicht gefolgt von Zadkiel, Uriel und Jophiel.
Sie wirkten sichtlich verwirrt und tauschten Blicke miteinander aus, nachdem sie Samael entdeckt hatten, besaßen aber weitaus mehr Geduld als Azrael und stellten noch keine Fragen.
Schweigend ließen sie sich auf ihren Plätzen nieder, dann wurden erneut fragende Blicke ausgetauscht.
„Was ist los?“, durchbrach Michael schließlich die Stille, wobei es den Eindruck machte, als wäre er leicht sauer darüber, dass er gestört worden war.
„Ich würde euch gerne etwas fragen“, begann der Teufel dann auch schon. Raphael gab zu, dass seine Neugier nun doch geweckt war. Dieser Mistkerl machte es aber auch spannend. Azrael wollte schon nachbohren, da brachte der Teufel Licht ins Dunkel.
„Ich bin auf mehrere seltsame Morde in der Menschenwelt gestoßen“, sagte er bloß, da zog Uriel auch schon die Brauen hoch.
„In der Menschenwelt? Seit wann interessieren uns die Schandtaten der Menschen?“, fragte er und nahm Raphael somit die Worte aus dem Mund. Nur wegen ein paar Morden der Menschen kam Samael hierher? Das war lächerlich! Doch ihm hätte klar sein müssen, dass da noch mehr kam.
„Für gewöhnlich würde mich so etwas auch nicht interessieren, wäre da nicht die Tatsache, dass diese armen gequälten Seelen wie Opfergaben aussehen, und zwar für mich“, fuhr der Teufel fort. Er war sich nicht sicher, ob das Schweigen, welches daraufhin zu vernehmen war, die Folge eines Schocks war oder einfach nur ihrem Unglauben zuzuschreiben war.
„Tut mir leid, aber du verarschst uns doch“, platzte es aus Azrael heraus. Seine derbe Wortwahl ließ mittlerweile niemanden mehr zusammenzucken. Raphael dachte einen Moment darüber nach und riss das Wort an sich, noch ehe Samael darauf antworten konnte.
„Samael würde nicht bloß zum Spaß hierher kommen. Er hasst Amarya“, grummelte er, was Michael und Uriel ein Schmunzeln entlockte. Selbst Samaels Schnauben konnte man als Zustimmung auffassen.
„Wenn ihr mich ausreden lassen würdet, wären wir vielleicht schon weiter“, kommentierte er ein wenig zu streng, dann räusperte er sich und fuhr ein wenig ruhiger fort. Die Anspannung wollte aber dennoch nicht aus seinem Körper weichen.
„Also, ich werde es kurz machen. Es wurden einige Frauenleichen gefunden, die allem Anschein nach durch satanistische Rituale zu Tode gekommen sind. Ich habe dutzende Bücher durchforstet und habe herausgefunden, dass es offenbar gar nicht mal so wenige Menschen gibt, die doch tatsächlich glauben, sie könnten den Teufel anrufen. Diese Frauen sollen wohl eine Opfergabe sein, aber ganz sicher bin ich mir nicht.“
Langsam aber sicher wurde es immer unruhiger im Saal der Erzengel. Die Luft schien zu surren vor unterdrückter Energie und im ersten Moment waren alle sprachlos.
Mit einer einzelnen hochgezogenen Augenbraue stieß Raphael ein leises, kaum wahrnehmbares Knurren aus.
„Du bist der Teufel, Samael. Wie kannst du von solchen Dingen nichts wissen?“
Für einen kurzen Augenblick zuckten die Mundwinkel jenes Mannes, welcher der Leibhaftige war.
„Ihr scheint von den gleichen Vorurteilen geblendet zu sein, wie auch die Menschen selbst. Nur fanatische Spinner ziehen es auch nur in Erwägung, dass solch... idiotische Rituale funktionieren könnten. Ich werde durch andere Dinge auf Menschen aufmerksam und garantiert nicht durch solch Perversion! Generell ist der Satanismus ein eher komplexes Thema. Aber darum geht es jetzt nicht....
| Erscheint lt. Verlag | 27.5.2019 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Zwischen Himmel und Hölle |
| Zwischen Himmel und Hölle | Zwischen Himmel und Hölle |
| Verlagsort | München |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Fantasy / Science Fiction ► Fantasy |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | Abenteuer • Amarya • Camael • Engel • Erzengel • Erz-Engel • fantasy deutsch • Fantasy-Romance • Fantasy-Romane • Flügel • Folter • Freundschaft • Geheimnis • Himmel • Hölle • Konflikt • Liebe • Michael • Paranormale-Liebesromane • Raphael • Reihe • Romantasy • Samael • Sex • Teufel • Vertrauen |
| ISBN-10 | 3-7487-0571-9 / 3748705719 |
| ISBN-13 | 978-3-7487-0571-0 / 9783748705710 |
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