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Plage - Charlotte Warsen

Plage

Gedichte
Buch | Hardcover
80 Seiten
2019
kookbooks (Verlag)
978-3-948336-00-4 (ISBN)
CHF 31,90 inkl. MwSt
Um was für eine Art Buch handelt es sich? Es handelt sich um eine Plage. Um was für eine Art Plage handelt es sich? Es handelt sich um eine Schar von Seufzergruppen, gleich um mehrere auf einmal; miteinander verbündet, zusammengeballt, in der Ebene versprengt. Es sind dies zum einen Texte, die einem Prinzip mutierter Wiederholung folgen, zum anderen schemenhafte Erzählungen, die in raschen Push-Nachrichten Szenerien evozieren und wieder verschwinden lassen, derweil ein Ich / ein Wir / ein Man von sich und anderen berichtet. Form und Vorgehensweise sind mit Edvard Munchs Lebensfries entfernt verwandt, insbesondere was dessen fragmentierte Serialität und die verschwimmenden Figuren und Umgebungen betrifft; dieselben Motive zeigen sich als Transformer an unterschiedlichen Orten. Die Farbigkeit allerdings ist eine andere, auch geht es - zumindest streckenweise - fröhlicher zu und nicht alle Frauen sind Vampire, vielmehr stellen sich etwaige Vorannahmen, von welcher Art Ort aus, aus welchen Gefäßen und aus welchem Körper eine Stimme spricht und trinkt, als Lug und Trug heraus. Anstelle eines Plots gibt es also ein Tau, mithilfe dessen sich der Text an der Decke befestigen und als Mobile betrachten lässt.
- Charlotte Warsen

Charlotte Warsen (*1984 in Recklinghausen) wuchs in Haltern am See auf, studierte Malerei und Englisch in Düsseldorf, Köln und Joensuu, promoviert seit langer, langer Zeit in der Philosophie zur Politik des Malens und lebt in Berlin. Beiträge in Zeitschriften, unter anderem Edit, STILL, der Greif, zweikommasieben, randnummer, und Anthologien, unter anderem Spitzen (Suhrkamp 2018) und Aus Mangel an Beweisen (Wunderhorn 2018); ihr erster Gedichtband vom speerwurf zu pferde erschien 2014 bei Luxbooks. Zurzeit ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Düsseldorfer Kunstakademie im Forschungsprojekt Kulturtechnik Malen, zusammen mit Meret Kupczyk und Ludger Schwarte gibt sie den gleichnamigen Sammelband heraus (Fink 2019, i. E.).

Was für eine wundersame Wippe aus dunstiger Leichtigkeit und getrichterter Schwere, aus fugenden Liebesströmen und stillem Gewässer. Das ist so gescheit, witzig, melancholisch, zart und auch würzig, und frech und voll Schönheiten aus fernen Fähren.
— Jana Papenbroock

eine verschwenderische Sprachschöpfung aus dem Geist der Malerei und der Musik
— Meinolf Reul, Textem

Scheinbar leichthin kombiniert sie Strukturelemente moderner Lyrik von diversen Surrealisten bis zu Momenten von Slam und Groteske. Die Innovationsfülle beindruckt in originellen Kompositabildungen ebenso wie in verblüffenden Sinnverklebungen oder den schroffen Wechseln der Stilebenen von Pathos bis Jargon. Es entstehen Such- und Wimmelbilder, Panoramen und Panoptiken, beim Lesen ablaufende Mini-Filme und Installationen. Charlotte Warsens fragil-skurrile Sprachgrafiken entzücken ob der Eleganz und Raffinesse im Groß- und Feinbau der Gedichte.
— Jury des Literarischen März 2019, Begründung zur Vergabe des Wolfgang-Weihrauch-Förderpreises

Charlotte Warsens Seufzergruppen … sind anarchisch-assoziative und gewitzt-gelehrte, aggressiv-melancholische und musikalische Texte, offene Sprachkunstspiele, in ihrer Art einzig. Multimedial wollen sie rezipiert werden: still gelesen, auf dem Papier gesehen, im Raum gesprochen oder gesungen und gehört. Kein einfach-realistisches, dokumentarisches Abbild der Welt, sind sie widerständig bis in die Abstraktion … eine Klage nicht allein auszusprechen, das wäre affirmativ, sondern sie kunstvoll zu singen: mit der eigenen Kunst mithin die Sprach- bzw. Wahrnehmungsordnungen der herrschenden Zivilisation, nicht ohne bösen Witz und Selbstironie, in Unordnung zu bringen. Dazu findet und erfindet Charlotte Warsen, die auch Malerin ist, künstlerische Verfahren der Verschiebung und Zerstäubung des Sinns und außer in der semantischen auch in sämtlichen anderen Kategorien der Sprache. … Die 2500-jährige Geschichte dichterischer Klage, die abendländische Tradition widerständigen Schreibens aus Melancholie schreibt Charlotte Warsen mit ihren Seufzergruppen fort: erfrischend, provokativ, selbstironisch, frech, mit einem ihr ganz eigenen Gestus und Ton.
— Susanne Schulte, Laudatio zur Vergabe
des GWK-Förderpreises Literatur 2016

so ist es nun aber Abend und ich kann mit keiner möglichen Todesart leben man trieb auf Klarnamen und Barken durch die Nacht im Innern einer Salzwasserlagune einige von uns die vom Ufer wiederkehrten waren mit Fliegen dermaßen bedeckt dass sich kein Teil von ihnen mehr erkennen ließ im Mondschein jede Einzelne ein benzinfarbener Schwarm sogleich bemächtigten sich die Insekten auch der an Bord Gebliebenen trugen sich so dick auf Gesicht und Körper auf dass man weder aus noch ein wusste zwei oder drei Tage hielt diese Plage an … und überall saßen Wasserwesen in den Felsen auf so kühle Weise zart und auf so zarte Weise fragil geil und all das auf so transluzent entspannte Art dass alles gut aussah und auch so wehrlos und entleert dass alle Erregung unerträglich ewig dauerte und immer nochmal eine Runde länger als man sowieso schon nicht mehr lustig schlucken ledrig seinen Namen bei sich zu behalten nicht mehr gut aussah für Wochen nichts vermochte

Erscheinungsdatum
Reihe/Serie Reihe Lyrik ; 68
Verlagsort Berlin
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Lyrik / Dramatik Lyrik / Gedichte
ISBN-10 3-948336-00-8 / 3948336008
ISBN-13 978-3-948336-00-4 / 9783948336004
Zustand Neuware
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