Der Bergdoktor 1973 (eBook)
Bastei Entertainment (Verlag)
978-3-7325-8013-2 (ISBN)
Herzinfarkt am Berg - Dr. Burger und eine dramatische Rettungsaktion
Von Andreas Kufsteiner
Dass Hanna und Raphael trotz Gewitterwarnung am heutigen Sonnabend zur Hütte am Kreuzgrat aufsteigen, hat einen ganz besonderen Grund: Sie wollen allein und in romantischer Zweisamkeit ihre Versöhnung feiern. Daheim wäre das völlig unmöglich, aber droben am Berg sind sie hoffentlich ungestört.
Mit Herzklopfen, das nicht allein vom steilen Aufstieg kommt, betreten sie die Hütte. Noch rasch den Rucksack auspacken, ein Lager richten, ein Kerzerl anzünden, den Wein einschenken ... da hören sie von draußen erst ein Stöhnen, dann einen verzweifelten Schrei: 'Hilfe! Raphael, Hanna! Seid ihr da oben? Bitte, helft mir, ich sterbe ...'
Herzinfarkt am Berg
Dr. Burger und eine dramatische Rettungsaktion
Von Andreas Kufsteiner
Dass Hanna und Raphael trotz Gewitterwarnung am heutigen Sonnabend zur Hütte am Kreuzgrat aufsteigen, hat einen ganz besonderen Grund: Sie wollen allein und in romantischer Zweisamkeit ihre Versöhnung feiern. Daheim wäre das völlig unmöglich, aber droben am Berg sind sie hoffentlich ungestört.
Mit Herzklopfen, das nicht allein vom steilen Aufstieg kommt, betreten sie die Hütte. Noch rasch den Rucksack auspacken, ein Lager richten, ein Kerzerl anzünden, den Wein einschenken … da hören sie von draußen erst ein Stöhnen, dann einen verzweifelten Schrei: „Hilfe! Raphael, Hanna! Seid ihr da oben? Bitte, helft mir, ich sterbe …“
Hin und wieder gab es diese seltenen Tage, an denen sich Dr. Burger nach den Hausbesuchen noch eine kleine Auszeit gönnen konnte, bevor er um sechzehn Uhr wieder in der Praxis erwartet wurde. Eine halbe Stunde irgendwo zwischen dem Dorf, den Wiesen und dem Wald aus dem Auto zu steigen, die Aussicht auf die Berge im Sonnenschein zu genießen oder einfach ein Stück durchs Grüne zu laufen, war eine Wohltat für Körper und Seele.
Regelmäßige Bewegung an der frischen Luft verordnete der Doktor auch einigen seiner Patienten, die mehr vom Sitzen und Liegen hielten als vom Laufen.
Im Winter kamen sie nicht hinter dem Ofen hervor, und im Sommer standen sie nur dann aus ihrem bequemen Gartensessel auf, wenn die Bratwürstchen auf dem Grill fertig waren und so herrlich dufteten wie im Schlaraffenland.
Schade, dass die Würstl keine Flügel hatten, damit sie direkt vom Grill in den Mund fliegen konnten. Dann hätte man sich den Weg vom weich gepolsterten Gartensessel bis zum Grill sparen können.
Erstaunlich, dass diese Leute sich darüber wunderten, dass sie übergewichtig waren, unter hohem Blutdruck und anderen Unpässlichkeiten litten und dreimal täglich Tabletten nehmen mussten, um halbwegs über die Runden zu kommen.
Es hätte schon genügt, mehrmals in der Woche ein Stündchen spazieren zu gehen, womit man auch allerlei rheumatischen Beschwerden und Gelenkschmerzen vorbeugen konnte. Aber wozu diese Unbequemlichkeiten auf sich nehmen, wenn man sich andererseits gemütlich zurücklehnen konnte?
Immerhin hatte Dr. Burger es geschafft, seinen gewichtigen Patienten Ludwig Sirch von den Vorteilen leichter, sportlicher Betätigung zu überzeugen. Das war eine echte Glanzleistung, denn von Sport hielt Ludwig eigentlich gar nichts.
Nach einer Gallenkolik (zu viel Schweinsbraten mit Speckkraut im Ochsenwirt!) und einer ernsten Blutdruckkrise machte der Gendarm jedoch einen geläuterten Eindruck: „Sie haben ja recht, Doktor, obwohl ich es ungern zugebe. Aber ich darf net mehr so viel und so fett essen. Außerdem ist laufen besser als fahren. Das Motorrad bleibt in der Garage und das Auto auch, wenn’s net unbedingt nötig ist. Ich kann ja auch mal das Radl aus dem Schuppen holen, denk ich mir. Radfahren ist Sport. Und ich soll ja unbedingt sportlich unterwegs sein. Also, dann pack ich es mal. In Maßen, versteht sich. Nur net allzu sehr abstrampeln!“
Das stimmte. Übertriebene Anstrengungen konnten genauso schädlich sein wie Bewegungslosigkeit. Wie so oft war auch hier der goldene Mittelweg genau richtig.
Allerdings hatte man Ludwig Sirch zwischenzeitlich nur ein einziges Mal auf dem Fahrrad durchs Dorf strampeln sehen. Seine Entschuldigung klang fadenscheinig: „Das Radl ist zu alt. Da klappert einiges umeinander. Ich muss mir erst mal ein neues Stahlross besorgen. Und dann geht’s zur Sache!“
Zum Glück handelten die Einwohner von St. Christoph überwiegend nach dem Grundsatz „Wer rastet, der rostet.“ Natürlich hieß das nicht, dass man ohne Pause herumwerkelte und sich keine Entspannung gönnte. Aber die wenigsten wollten nur daheim auf dem Bärenfell liegen und sich um den Titel „Faulpelz des Jahres“ bewerben.
Besonders jetzt, im Pfingstmonat Juni, war es fast schon eine Sünde, sich gähnend im stillen Kämmerlein einzuschließen, das Fenster zu öffnen und sich vom leise säuselnden Wind in den Schlaf wiegen zu lassen.
Schlafen, wenn es doch draußen so herrlich war – was für eine Zeitverschwendung! Die Wiesen prangten im Schmuck der schönsten Bergblumen, in den kristallklaren Bächen tummelten sich die Forellen und flitzten übermütig über die blanken Kiesel.
Es war angenehm warm, aber noch längst nicht heiß. Das überließ man dem Hochsommer, der sich derzeit noch tief im Süden aufhielt und sich darauf vorbereitete, an den so genannten „Hundstagen“ auch im hoch gelegenen Zillertal recht hitzig daherzukommen.
Die Sonne meinte es in diesen Frühsommertagen gut, ohne einem jedoch den Schweiß auf die Stirn zu treiben. Es machte Spaß, zu wandern und auf den Almen bei Kaiserschmarrn oder einer Brotzeit mit der Sennerin zu plaudern.
Das goldene Sonnenlicht verwandelten jedes noch so kleine Bächlein in eine leuchtende Quelle, aus der man gern einen Schluck trank. Was konnte erfrischender sein als dieses reine, frische Wasser, das in den Bergen entsprang?
Martin Burger beschloss, an diesem hellen, freundlichen Tag die „geschenkte“ halbe Stunde am Panoramaweg zu verbringen.
Der Rundblick auf die Bergkette war auch für ihn immer wieder ein Erlebnis, obwohl er mit der Aussicht auf das Gebirge aufgewachsen war. Je nach Wetter und den Wolken, die über den Himmel zogen, nach dem Lichteinfall oder bei Wind und Sturm sah alles wieder anders aus als tags zuvor.
Heute leuchtete der Feldkopfgletscher so gleißend hell ins Tal hinunter, dass man ohne Sonnenbrille nicht auskam. Der Himmel war blau und mit kleinen, watteweichen Schäfchenwölkchen perfekt dekoriert, als sei ein Künstler am Werk gewesen. Und das stimmte ja auch. Es war die Natur, die sich immer wieder künstlerisch betätigte und die schönsten Farben und Formen hervorbrachte.
Kaum hatte der Doktor die Aussichtsbank am Weg erreicht, um für einen Moment durchzuschnaufen, als er auch schon vierbeinige Gesellschaft bekam.
„Ja, wen haben wir denn da?“, fragte Dr. Burger. „Dich kenn ich doch. Du bist der Wido vom Eichberger-Haus. Bist du etwa weggelaufen? Das glaub ich gar net, mein Freund. So folgsam, wie du sonst immer bist. Einer wie du rennt doch net einfach in der Gegend umeinander. Das würde deinem Herrchen und dem Frauchen nämlich gar net gefallen. Der Herr Forstrat im Ruhestand ist immer noch so korrekt wie eh und je. Und seine Frau genauso. Tja, und jetzt? Was hast du vor?“
Wido, ein reinrassiger rotbrauner Irish Setter, sah dank regelmäßiger Fellpflege absolut glänzend aus. Er wedelte so begeistert mit seinem ordentlich gekämmten Schwanz, dass ein gehöriger Luftzug entstand. Wido kannte den Bergdoktor und natürlich auch Dackel Poldi, der zur Familie Burger gehörte.
Leider war Poldi heute nicht dabei. Schade! Man hätte gemeinsam ein bisschen herumtollen können. Wido war der Schnellere, kein Wunder, denn Poldis kurze Beinchen vollbrachten keine Höchstleistungen. Trotzdem machte es immer Spaß, mit dem kleinen Kollegen „fröhliches Hunderennen“ zu spielen.
„Wenn du wirklich weggelaufen bist, Wido, dann sieh zu, dass du rasch umkehrst“, sagte Dr. Burger. „Hörst du? Zurück, bevor es Ärger gibt. Dreh dich um, hernach geht’s immer geradeaus, und dann …“
Bevor er weitersprechen konnte, tauchte an der Wegbiegung ein junger Mann auf.
„Wido, hierher!“, rief er. „Sofort!“
Der Doktor lachte. „Ach, so ist das. Du bist es, Raphael. Alles in Ordnung! Wido und ich sind gute Bekannte. Ich dachte zuerst, dass er auf eigene Faust einen kleinen Ausflug machten wollte. Aber das traue ich ihm eigentlich gar net zu. “
„Dass Sie sich da mal net täuschen, Herr Doktor“, winkte Raphael Eichberger ab. „Manchmal vergisst sogar unser Wido seine gute Erziehung. Es ist eben zu verlockend, für eine kurze Zeit eigene Wege zu gehen. Er kommt freilich immer artig zurück und stellt auch nichts Verbotenes an. Darf ich mich einen Moment zu Ihnen setzen?“
„Natürlich, gern. Ich freu mich, dass du wieder daheim bist“, erwiderte Dr. Burger. „Im Dorf war zwar die Rede von deiner Heimkehr, aber selbst deine Eltern wussten eine ganze Weile nicht wirklich, wie deine Pläne für die Zukunft aussahen.“
Raphael nickte. „Stimmt. Ich war mir auch net ganz sicher, ob ich nicht doch lieber in Oberbayern bleiben sollte. In der Nähe vom Chiemsee hätte ich einen Hof pachten könnten, Gut Seewinkel. Wunderbar gelegen. Obstanbau, Pferde, Milchwirtschaft. Dazu ein paar Fremdenzimmer in einem Gästehaus hinter dem Hof.“
„Ein bisschen viel auf einmal“, meinte Dr. Burger. „Aber vielleicht schätze ich das falsch ein. Du hättest es sicher gepackt.“
„Na ja, die Sache mit den Gästezimmern hat mir nicht sonderlich gefallen“, gestand Raphael. „Ich hab gern Leute um mich, aber zum Herbergsvater eigne ich mich net. Als ich dann gehört hab, dass die Bartels ihren Petershof daheim in St. Christoph zum Verkauf ausgeschrieben hatten,...
| Erscheint lt. Verlag | 21.5.2019 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Der Bergdoktor |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
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| ISBN-10 | 3-7325-8013-X / 373258013X |
| ISBN-13 | 978-3-7325-8013-2 / 9783732580132 |
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