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Die Zeit vor dem Tod: Teil 1 (eBook)

eBook Download: EPUB
2019 | 1. Auflage
122 Seiten
Saga Egmont (Verlag)
978-87-26-02395-4 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Die Zeit vor dem Tod: Teil 1 -  Jesper Bugge Kold
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Spannend, tragisch und verstörend. Diese Leseprobe ist ein Vorgeschmack auf den lang-ersehnten, spannenden historischen Roman über den Zweiten Weltkrieg von Jesper Bugge-Kold. Ein dänischer Polizist wird eines Tages zusammen mit seinen Kollegen von den Nazis nach Deutschland verschleppt - dabei wird er doch eigentlich bald Vater. Plötzlich findet er sich im Konzentrationslager Buchenwald wieder, umgeben von fürchterlichem Gestank, Angst und Tod. Das Bild seiner schwangeren Frau vor Augen, beschließt er schließlich den menschenunwürdigen Bedingungen im KZ zu entfliehen und plant seine Flucht.

Jesper Bugge Kold wurde 1972 geboren. Er arbeitete zunächst als Journalist und ist heute Bibliothekar in Svendborg auf der süddänischen Insel Fünen. Die Geschehnisse des Zweiten Weltkrieges fingen schon früh sein Interesse. Sein Debütroman 'Wintermänner' basiert auf jahrelangen Recherchearbeiten und war ein internationaler Erfolg. Für seinen zweiten Roman 'Die Mauer zwischen uns' erhielt Jesper Bugge Kold sogar Zugang zu den Archiven der Stasi.

Jesper Bugge Kold wurde 1972 geboren. Er arbeitete zunächst als Journalist und ist heute Bibliothekar in Svendborg auf der süddänischen Insel Fünen. Die Geschehnisse des Zweiten Weltkrieges fingen schon früh sein Interesse. Sein Debütroman "Wintermänner" basiert auf jahrelangen Recherchearbeiten und war ein internationaler Erfolg. Für seinen zweiten Roman "Die Mauer zwischen uns" erhielt Jesper Bugge Kold sogar Zugang zu den Archiven der Stasi.

Teil 2


Axel wird nicht zurück nach Mühlberg gehen. Er weiß, der Gedanke ist wahnsinnig, aber in der letzten Nacht in Leipzig muss er abhauen. Er will nicht so enden wie Erik.

Ein paar Stunden arbeiten sie schon, als der schrille Ton des Fliegeralarms losheult. Wie eine tief empfundene Angst setzt sich der hitzige, schneidende Laut in ihm fest. Er muss weg.

Die ersten Explosionen kann er bereits hören. Sie kommen langsam näher, als wollten sie ihn einkreisen. Jeder Einschlag ist lauter als der vorherige und die Erde bebt. Eigentlich gibt es nichts mehr, was zerbombt werden könnte. Die Stadt ist weg, nur ihr Name ist noch da.

Die Wachsoldaten fliehen in den Luftschutzbunker. Sie rufen und schreien, die Gefangenen sollen ihnen folgen und einige laufen ihnen willenlos hinterher. Axel nicht. Das hier ist seine Chance.

Er sieht sich um, humpelt los. Ein Soldat brüllt ihn an, er solle sich beeilen, holt mit dem Gewehrkolben aus, aber Axel duckt sich unter dem Schlag weg. Der Mann erkennt, dass der Gefangene ihn nur aufhalten wird, und rennt Richtung Bunker. Axel tut so, als würde er stürzen. Der Soldat läuft weiter. Er hört Robert, der nach ihm ruft, aber die Rufe werden schwächer und verstummen schließlich ganz.

Eine Explosion reißt die Luft dicht neben ihm in Stücke. Alles erzittert und wie ein Besessener kriecht Axel zu einem Haufen Trümmer und versteckt sich unter ein paar Holzbalken. Er spürt, dass die Bomben ihn treffen werden und die Balken bieten so gut wie keinen Schutz. Er läuft los, irrt in der Dunkelheit herum und fühlt sich plötzlich wie der einzige Mensch auf Erden. Immer wieder wird das ganze Szenario von bedrohlich zuckenden Blitzen erhellt.

Ein Stück weiter entdeckt er ein paar Stufen, die hinunter zu einem Bunker führen. Der Eingang ist freigeräumt. Er ist nicht alleine. Menschen strömen herbei und nach unten wie Wasser in einen Abfluss. Der Durchgang ist eng und er reiht sich hinter einer Familie mit zwei Kindern ein. Mit ängstlichen Stimmen treiben die Eltern die Kleinen zur Eile an, und die Familie verschwindet durch die offene Tür.

Dann spürt Axel eine Hand auf der Brust und begegnet einem abweisenden Blick. Ein glatzköpfiger, dicklicher Mann stößt ihn zurück. Sein Gesicht ist aufgedunsen vor Wut und voller Abscheu. „Raus, raus!“ Speichel begleitet sein Gebrüll. „Es ist kein Platz mehr!“

Mit letzter Kraft versucht Axel, an dem Mann vorbeizukommen. Aber sein Körper ist so schwach und es ist ein ungleicher Kampf. Die Arme des Anderen heben ihn hoch und schleudern ihn von der Tür weg.

Auf dem Rücken liegend, ringt er nach Atem. Hilflos und kraftlos sieht er an sich herunter, sieht die Gefangenenkleidung, sieht die schwere Metalltür, die zufällt.

Taumelnd kommt er auf die Beine. Über seinem Kopf brummen die Maschinen. Flakgeschütze pumpen Granaten in den Himmel und Leuchtprojektile schießen wie Sternschnuppen durch die Dunkelheit.

Um ihn herum flammen Feuer auf. Er stolpert durch den Rauch, muss einen Bunker oder wenigstens einen Keller finden, einen Ort, wo er in Sicherheit ist. Einen Ort, an dem er einfach nur überleben kann.

Plötzlich strauchelt er und fällt in einen Bombenkrater. Er ist ganz neu und noch warm wie ein brodelnder Vulkan. Er landet auf den Resten einer Frau. Sie sieht aus wie eine blutige, zerfetzte Puppe. Das Ganze ist so unwirklich, ein böser Traum.

Auf allen vieren klettert er nach oben. Er blutet, oder vielleicht stammt das Blut von der Frau. Er fühlt keinen Schmerz, hat aber auch keine Zeit dazu.

Jemand ruft einen Namen. Eine leiernde Wiederholung. Eine herzzerreißende Stimme. „Anna, Anna.“

Eine gigantische Explosion wirft Axel um, ein gewaltiger Druck, der ihm die Luft zum Atmen nimmt. Seine Lungen scheinen zu platzen. Wieder liegt er auf dem Rücken. Der Himmel ist ein Inferno aus Lichtblitzen. Über ihm schwankt eine Fassade, die Reste eines Gebäudes, dessen größte Teile bei einem früheren Angriff zerstört wurden. Vom oberen Rand lösen sich Backsteine und fallen auf die Erde.

Er rappelt sich auf, atemlos und voller Angst. Rennt los. Ein Backstein trifft seine Schulter, der Knochen bricht und der Schmerz ist wie eine Explosion in seinem Körper. Er kämpft, um sich aufrecht zu halten, während ihm Tränen in die Augen schießen und sich mit dem Staub darin vermischen.

Ein Stein trifft ihn am Schienbein. Es bricht mit einem knackenden Laut und er fällt wieder zu Boden. Er sieht nach oben. Wie ein schwarzer Schatten, ein allmächtiger, schwebender Geist, stürzt die Fassade auf ihn herunter. Sie fällt langsam, aber er kann sich nicht bewegen. Er sieht sie kommen, und gleichzeitig wird er von einem unerträglichen, kreischenden Laut durchbohrt. Eine Bombe in freiem Fall, die auf die Fassade trifft, fünf Etagen, auf denen einmal Menschen gewohnt, Kinder in Fenstern gelehnt und Leuten unten auf der Straße gewunken haben, ein Gebäude, das einmal voller Leben war. Jetzt begräbt es einen Dänen unter sich, der nur die Schicht eines Kollegen übernommen hatte.

Zuerst verschwinden alle Geräusche. Dann alles Licht. Und dann verschwindet das Leben.

James betrachtet ihr Werk. Dort unten kann niemand überleben. Unter ihm brennt Leipzig in Gelb- und Rottönen. Er sieht zu, wie die letzten Bomben auf die Erde fallen, wo sie in Wolken aus Staub und Feuer explodieren. Noch eine deutsche Stadt in Flammen, die ihre Zungen zum Himmel recken und in plötzlichen Explosionen hoch emporschießen. Er verwandelt ihre Städte in verbogenes Metall, Trümmer und rauchende Ruinen, und jedes Mal sind dieselben Gedanken in seinem Kopf. Er denkt sie, um die Tatsache ertragen zu können, dass unter ihm Menschen durch Bomben sterben, die er abgeworfen hat. Es ist Rache für London, für Coventry, Bristol, Cardiff, Sheffield, Rotterdam und Warschau. Er hat kein Mitgefühl, es sind ja Deutsche.

Befreit von seiner Last, gewinnt das Flugzeug an Höhe. Es legt sich auf die Seite, gleitet in einem langen Bogen durch die Nacht und nimmt Kurs in Richtung Heimat.

Langsam schließen sich die Bombenschächte. Der Rumpf der Maschine erzittert leicht, als sie mit einem hohlen, metallischen Laut einklappen. Das flatternde Rauschen verschwindet, dieser harte, schlagende Laut, der James stets daran erinnert, wie nah er dem Tod ist. Denn was ist es anderes als ein Himmelfahrtskommando, sieben Männer hoch oben in der Luft, in einem Aluminiumkasten voller Bomben und brennbaren Flüssigkeiten und unter Beschuss? Und hat er nicht den gefährlichsten Job von allen? Er liegt ganz vorne in der Nase der großen Lancaster hinter dem Bombenzielgerät, mit Panoramaaussicht über das Dritte Reich.

James sieht die Feinde nicht, er hört sie nicht, deshalb ist es einfach, denn hier oben aus der Luft sieht er nur die Ziele. Sie haben die Form von Fabriken, Hangars, militärischen Anlagen. Müsste er Mann gegen Mann kämpfen, wäre es etwas anderes. Der Anblick eines Gesichts, von Angst entstellt, der Widerschein seiner eigenen Gestalt in den Augen des Feindes, ein Gewehr an die Wange gedrückt, ein Bajonett in einem Brustkasten. So ein Soldat ist er nicht. Und so ein Soldat wird er auch nie sein.

Er war dabei, als sie 1940 London bombardierten. Seine schöne Hauptstadt wurde zu einem Inferno aus Zerstörung, undurchdringlichem Rauch und dem Gestank nach Leichen. Er hatte Angehörige verloren, Familie, und tausende Landsleute. Sie hatten keine Verbrechen begangen, sie lebten einfach nur in der Stadt. Aufgestachelt von unbändiger Wut meldete er sich zum Militärdienst.

„ Volltreffer“, sagt der junge Alan, ihre Augen im Nacken. Er ist der Heckschütze, der, der sehen kann, ob die Bomben das Ziel getroffen haben.

„ Gute Arbeit, James.“ Die Stimme ihres Piloten Byron kommt kratzend aus dem Lautsprecher. Die anderen schließen sich seinem Lob an.

„ Bedankt Euch bei Harry. Er hat den Kurs festgelegt.“

Der Navigator gibt nur ein bescheidenes Grunzen von sich.

Sporadisch flammen Flakgeschosse wie Feuerwerk um sie herum auf und die Maschine holpert wie ein Auto auf einer Landstraße voller Schlaglöcher. Ein Volltreffer kann den Rumpf zerreißen und den Tod für sie alle bedeuten. Aber er hat gelernt, mit dem Gedanken zu leben.

„ Wir sind erst in Sicherheit, wenn wir zu Hause sind, also haltet die Augen offen.“ Byron sagt immer dasselbe, während er die Maschine wendet. Immer dasselbe, wenn sie starten, wenn die Bomben abgeworfen sind und wenn sie landen. Es ist so vorhersagbar und gibt ihnen ein Gefühl von Sicherheit, und deshalb ist es angenehm.

James steht auf und setzt sich in die Kanzel mit den beiden Browning-Maschinengewehren. Ein paar deutsche Nachtjäger streifen vorbei. Neben dem großen Bomber wirken sie klein und ungefährlich, aber er hat gesehen, was sie den mächtigen Maschinen antun können. Er eröffnet das Feuer. Hackend spukt das Geschütz Projektile aus. Der Schütze einer anderen Lancaster reißt einen Nachtjäger mit einer langen Salve in Stücke. Das Flugzeug verschwindet in einer Wolke aus Rauch. Plötzlich sind die Nachtjäger überall zwischen den Bombern und greifen an wie ein Schwarm Bienen. Der Krieg rast auf ihn zu, und seine Augen sind nicht in der Lage, das ganze Bild zu erfassen. Der Himmel ist ein Meer aus Feuer und Projektilen. Ein einziges Chaos. Eine Lancaster fällt vom Himmel und...

Erscheint lt. Verlag 13.5.2019
Übersetzer Patrick Zöller
Verlagsort Copenhagen
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Märchen / Sagen
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte Historischer Roman • Kriegsgeschichte • Soldaten • Spannung • Zweiter Weltkrieg
ISBN-10 87-26-02395-4 / 8726023954
ISBN-13 978-87-26-02395-4 / 9788726023954
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