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Skull-Ranch 2 (eBook)

John Morgans Tochter
eBook Download: EPUB
2019 | 1. Aufl. 2019
Bastei Entertainment (Verlag)
978-3-7325-8077-4 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Skull-Ranch 2 - J. William Cross
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John Morgan scheint es geschafft zu haben. Ein schwerer, gefahrvoller Trail hat ihn und seine tapferen Männer ins Bluegrass Valley von Colorado geführt. Noch steht alles in den Anfängen. Ringsum lauern viele Feinde und tausend tödliche Gefahren. Und während John Morgan noch um seine Existenz kämpfen muss, tritt im fernen Alabama seine Tochter Mary-Lou die gefährliche Reise nach Westen an. Ihre Großeltern, bei denen sie bisher gelebt hat, sind vor kurzem gestorben, und Mary-Lou steht völlig allein. Sie hofft, in Colorado eine neue Heimat zu finden, aber schon bald sieht es so aus, als ob sie ihr Ziel niemals erreichen und ihren Vater nicht wiedersehen würde. Der Weg nach Colorado wird zu einem Weg durch die Hölle ...

Die Brücke, die den Lubbock Creek überspannt, ist keine große Brücke. Sie hat eine Stützweite von gerade dreißig Yards. Und doch ist es eine sehr wichtige Brücke, denn der Schienenstrang der Atchison-Topeka-&-Santa-Fé-Bahn führt über sie hinweg.

Mick Jones und Les Conolly sind sich der Bedeutung der Brücke durchaus bewusst. Sie ist für sie ein gefundenes Fressen.

Bis zum Bauch stehen die beiden Banditen im seichten Wasser des Lubbock Creek.

Gerade haben sie eine massive Sprengladung am Hauptstützpfeiler der Brücke angebracht. Das Dynamit steckt in einem wasserdichten Sack, denn die Ladung soll unter der Wasseroberfläche hochgehen. Jones und Conolly wollen vermeiden, dass die Spuren der Sprengung gleich auf den ersten Blick sichtbar werden.

Jetzt schicken sich die beiden Verbrecher an, ans Ufer zurückzukehren. Sie gehen sehr langsam und vorsichtig, denn während des Rückweges rollen sie die Zündschnur auf, deren Ende mit dem über der Wasseroberfläche liegenden Zipfel des Sacks verbunden ist.

Schließlich erreichen sie das Ufer. Sie machen das andere Ende der Zündschnur so an einem Baum fest, dass sie jederzeit straff gespannt ist und nicht durchhängt. Dann zünden sie die Schnur an.

Gespannt beobachten sie, wie sich die Glut an der Schnur entlangfrisst. Gleich hat die Glut den Sack mit dem Dynamit erreicht. Jones und Conolly gehen in Deckung.

Eine Explosion zerreißt die Stille. Sie ist nicht einmal sehr laut, denn das Wasser dämpft den Detonationslärm. Als die beiden Banditen wieder aufblicken, sehen sie, dass die Brücke in der Mitte durchgesackt ist. Gleisfragmente hängen frei in der Luft. Begeistert schlagen sich Jones und Conolly auf die Schultern.

»Alles aussteigen, bitte!«

Mary-Lou Morgan, die Tochter von John Morgan, runzelt die Stirn, als sie die Stimme des Stationsvorstehers hört.

Wieso denn?, denkt sie. Wieso soll ich denn hier schon aussteigen?

Man hat ihr gesagt, dass die Bahnlinie durchgeht bis Garden City. Dieses Nest hier aber, in dem der Zug jetzt steht, heißt St. James und ist noch mehr als hundert Meilen von Garden City entfernt.

Auch der schwitzende fette Mann, der Mary-Lou im Abteil gegenübersitzt, ist verwundert. Verwundert und empört. Der Mann heißt Greg Bullock und ist Viehhändler von Beruf. Mary-Lou kann nicht sagen, dass sie ihn sehr sympathisch findet. Die ganze Fahrt über hat er unaufhörlich auf sie eingeredet und mit ihr anzubändeln versucht. Auf eine Art und Weise, die er wohl charmant findet, die sie jedoch lediglich als plump empfunden hat. Alles, was Bullock sagt und tut, geht ihr zusehends auf die Nerven. Jetzt aber ist sie ausnahmsweise einmal mit seinem Handeln einverstanden. Bullock reißt das Fenster auf und steckt den Kopf nach draußen.

»Hey, Mister«, hört Mary-Lou ihn wütend rufen, »was soll der Blödsinn? Wollen Sie uns auf den Arm nehmen?«

Der Stationsvorsteher, ein grauhaariger Mann mit hängenden Schultern, kommt angeschlurft.

»Sorry, Sir«, sagt er, »aber es ist so, dass der Zug im Augenblick nicht weiterfahren kann. Ich muss Sie leider bitten …«

Bullock lässt ihn gar nicht weiterreden.

»Was quatschen Sie da?«, unterbricht er den Angestellten der Atchison-Topeka-&-Santa-Fé-Bahn grob. »Nicht weiterfahren? Sie sind wohl wahnsinnig geworden, was? Ich muss sofort nach Dodge City! Dringende Geschäfte, die keinen Aufschub dulden. Ich verlange …«

Der Stationsvorsteher lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. »Sorry, Sir«, sagt er wieder und spielt dabei mit der Pfeife rum, die er in der Hand hat, »aber wir haben hier einen Fall von höherer Gewalt. Drei Meilen von hier ist die Brücke über den Lubbock Creek zusammengebrochen. Die Gleise hängen in der Luft und … Na ja, es geht jedenfalls im Augenblick nicht weiter.«

Der Viehhändler flucht. Und er flucht noch mehr, als er hören muss, dass der unfreiwillige Aufenthalt mindestens drei, vier Tage dauern wird. So lange brauchen die Streckenarbeiter der Bahngesellschaft, um den Schaden zu beheben.

»Nehmen Sie’s nicht so tragisch«, versucht der Bahnhofsvorsteher zu trösten. »St. James ist ein nettes, kleines Städtchen. Und so ein paar Tage sind schnell vorbei.«

Nettes Städtchen? Das findet Mary-Lou nun gar nicht. Was sie durch das Abteilfenster erkennen kann, sieht alles andere als einladend aus. Der Bahnhof besteht aus einer primitiven Holzbaracke und einem Wasserturm. Und die Häuser im Hintergrund machen ebenfalls einen nachlässigen, unfreundlichen Eindruck. Staub und Schmutz überall. Aber was hilft’s? Züge können nun einmal nicht durch die Luft fliegen, sondern sind auf Gleise angewiesen.

Während Bullock noch zetert und schimpft, greift Mary-Lou nach ihrem Koffer und schickt sich an auszusteigen.

St. James ist wirklich ein Nest, in dem sich die Präriehunde »Gute Nacht« sagen. Alle Reisenden, außer Mary-Lou Morgan und dem Viehhändler Bullock noch rund zwanzig andere Personen, sind stocksauer. Ausnahmslos sind sie im Golden-Star-Hotel abgestiegen. Ein richtiges Hotel ist das natürlich nicht. Nur ein einfacher Saloon, der ein paar Zimmer zu vermieten hat. Zuwenig Zimmer, um jedem Reisenden einzeln gerecht werden zu können. Mehrere Personen müssen sich jeweils immer ein Zimmer und ein schmuddeliges Bett teilen. Mary-Lou gefällt das gar nicht. Ihre Zimmergenossin ist eine rothaarige, fortwährend kichernde junge Frau namens Lizzy Smith, die sich auf dem Weg nach Dodge City befindet, um dort in einem Tingeltangel zu tanzen und zu singen. Mary-Lou hat nichts gegen Tingeltangel-Mädchen. Aber sie findet, dass die rote Lizzy etwas weniger Schminke, dafür aber etwas mehr Seife benutzen sollte. Auch jetzt noch, nachdem sie das gemeinsame Zimmer verlassen hat und hinunter in den Saloon gegangen ist, hat Mary-Lou ein unangenehmes Aroma in der Nase.

Im Gastraum ist es voll, sehr voll sogar. Fast alle Reisenden sind da. Und, wie es scheint, auch so ziemlich sämtliche Einwohner von St. James. Mary-Lou hat Mühe, einen Platz zu finden. Wohl oder übel setzt sie sich an den Tisch Bullocks, der ihr einen Stuhl freigehalten hat.

Ein paar andere Männer aus dem Zug sitzen mit am Tisch. Mary-Lou kennt sie nicht. Und sie legt auch keinen größeren Wert darauf, sie näher kennen zu lernen. Die Versuche der Männer, sie durch Komplimente und dick aufgetragene Schmeicheleien für sich einzunehmen, lassen sie kalt. Die Kavaliere merken, dass sie sich vergeblich mühen. Und so kommen sie schnell auf das eine Thema zurück, das alle Reisenden miteinander verbindet: ihre missliche Situation, in diesem Kaff festzuhängen wie Fische im Netz.

»Ich werde die Gesellschaft verklagen«, schimpft der fette Viehhändler, »ja, das werde ich tun. Schadenersatz – das kostet die was! Wenn ich zu spät nach Dodge komme, haben die Cattlemen aus dem Süden ihre Herden bereits an meine Konkurrenz verkauft, und ich stehe in der Wüste. Aber nicht mit mir, sage ich Ihnen! Verklagen werde ich sie, verklagen!«

Er findet eifrige Zustimmung. Auch ein Versicherungsvertreter aus Kansas City, der befürchtet, das große Geschäft zu verpassen, will der Bahngesellschaft ans Leder. Und selbst ein Mann, der überhaupt nicht an Termine gebunden ist, weil er in den Rockies nach Gold suchen will, trägt sich mit dem Gedanken, es den Bahnleuten schwer heimzuzahlen.

Der Saloonbesitzer tritt an den Tisch. Er sieht so schmuddelig aus wie seine Betttücher, aber er hat ein freundliches Gesicht und ist sehr höflich. Mary-Lou hätte es lieber, er wäre grantig, dafür aber sauber. Das kann sie sich jedoch nicht aussuchen. Sie hat Hunger und bestellt notgedrungen etwas zu essen. Schon jetzt kann sie sich lebhaft vorstellen, was für eine Art Essen ihr dieser Mann vorsetzen wird. Auch die anderen Reisenden geben Bestellungen auf. Nicht nur für den Magen, sondern auch für die Kehle. Reichlich für die Kehle, denn im Whisky sehen sie die einzige Möglichkeit, ihren Ärger über den Zwangsaufenthalt in St. James zu überwinden.

Mary-Lou seufzt innerlich. Sie hasst Säufer. Nur allzu gut kann sie sich noch an den Bürgerkrieg erinnern, in dem betrunkene Soldaten und Guerillas die schlimmsten Gräueltaten verübten. Betrunkene Männer können sein wie die Tiere. Auch was diesen Punkt angeht, kann sie sich schon jetzt lebhaft vorstellen, wie Bullock und die anderen in ein paar Stunden aussehen werden. Sie wünscht sich, weit, weit fort zu sein von diesem so genannten Hotel, von diesem ganzen miesen Nest St. James.

Das Essen ist gekommen. Es sieht genauso aus, wie sich Mary-Lou das vorgestellt hat. Ein undefinierbares Stew, das nach nichts schmeckt und ihr doch den Hals zuschnürt. Mit Todesverachtung würgt sie das Zeug hinunter. Auch die Männer an ihrem Tisch essen und spülen kräftig mit Bier und Brandy nach. Dabei schimpfen sie immer noch auf die Bahngesellschaft und erklären mit immer lauter werdenden Stimmen, was für entsetzliche finanzielle Verluste ihnen entstehen.

Mary-Lou kann es langsam nicht mehr hören. Sie beschließt, die Tischrunde zu verlassen. Der Abend ist zwar gerade erst angebrochen, aber sie zieht es doch vor, die restlichen Stunden auf ihrem Zimmer zu verbringen. Die Tänzerin wird wohl so schnell nicht kommen. Das Girl sitzt schräg gegenüber an einem anderen Tisch, schäkert mit einigen Einheimischen herum, kichert dabei unentwegt und scheint sich ganz wohl zu fühlen.

Gerade will Mary-Lou aufstehen, als ein Mann an den Tisch tritt. Der Mann ist groß und kräftig und hat ein klobiges Gesicht, in dem listige Augen blitzen. Er trägt einen schwarzen Prinz-Albert-Rock, ein...

Erscheint lt. Verlag 14.5.2019
Reihe/Serie Skull Ranch
Verlagsort Köln
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte Abenteuer-Roman • abenteuerromane kindle • abenteuerromane kindle deutsch • abenteuerromane kindle für erwachsene • bastei hefte • bastei heftromane • bastei romane • bastei romane hefte • clint-eastwood • Cowboy • E-Book • für Erwachsene • gf unger • Heftchen • Heftroman • heftromane bastei • Indianer • karl-may • Klassiker • lucky-luke • Reihe • Romanheft • Serie • spannend • Western • western country • western country exklusiv • western deutsch • western ebook deutsch • western e books • western hefte • Western Klassiker • Westernreiten • Western-roman • Westernroman • Westernromane • Western Romane • western romane bastei • western romane deutsch • western romane kindle deutsch • western romanhefte • Wilder-Westen • Wild West • Wildwestromane • Wild West Romane • Winnetou
ISBN-10 3-7325-8077-6 / 3732580776
ISBN-13 978-3-7325-8077-4 / 9783732580774
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