Mission SOL 4: Welt des ewigen Todes (eBook)
64 Seiten
PERRY RHODAN digital (Verlag)
978-3-8453-5329-6 (ISBN)
2.
9. September 1552 NGZ
Trügerisches Vogelgezwitscher hallte aus den Schallfeldern, als Perry Rhodan gemeinsam mit Mahlia Meyun die verwüstete Parklandschaft betrat.
Kunstsonnen schwebten in einer kuppelförmigen Halle. Sie spendeten Licht und Wärme für ein Areal von etlichen Hundert Metern Durchmesser, beschienen jedoch nur die Reste einstmals prächtiger Bäume und Stauden. Nichts davon hatte die anderthalb Jahrhunderte Stasis auf Evolux überlebt. Braun war die vorherrschende Farbe.
Rhodan und die Besatzung nutzten die mehrtägige Reisezeit nach Skamant-Efthon zur Reaktivierung bislang brach liegender Wartungssysteme und Bordfabriken. Für die Rumpfmannschaft der SZ-2 bot das eine gute Gelegenheit, das in der Hypnoschulung erhaltene Theoriewissen in der Praxis zu vertiefen. Mittlerweile waren die gröbsten Arbeiten abgeschlossen. Den Rest würden Roboter erledigen. Was blieb, waren Kontrollgänge. Dieser Spaziergang war einer davon.
Rhodan war, als inspizierten sie die Folgen einer Umweltkatastrophe. Das Hydroponium der SOL-Zelle 2 war in schlimmerem Zustand als der Rest des Schiffs, das nach und nach aus dem technologischen Tiefschlaf erwachte.
Einer jedoch nahm daran keinen Anstoß. Rhodan hörte ein Lachen, das durch einen Hain aus abgestorbenen ferronischen Blaupappeln hallte.
In einiger Entfernung entdeckte er Pravo Ylapp, der von Baum zu Baum streifte. Die Stämme wirkten wie die ausgestreckten Knochenfinger eines Skeletts, doch das trübte die Begeisterung des ehemaligen Bescheidenen Diener Senns offenbar nicht. Mit einem Messer, wohl aus Kantinenbeständen, schabte er Rindenteile ab und nahm sie in Augenschein.
Als er Rhodan und Meyun bemerkte, winkte er. Die Heilerin erwiderte die Geste halbherzig. Rhodan lud den jungen Mann ein, sich zu ihnen zu gesellen.
»Auch im Sternentempel soll es einst Wälder wie diesen gegeben haben!«, rief Ylapp, während er sich näherte und das Messer in die Jackentasche steckte. »Als ich zu den Bescheidenen Dienern stieß, waren sie jedoch längst gefällt, um ihr Holz als Baumaterial zu verwenden. Sie nun mit eigenen Augen zu sehen ...«
Er hüpfte über die Beeteinfassung und landete vor Rhodan auf dem Gehweg. Der Bodenbelag bestand aus Metallplast, war jedoch steinernem Pflaster nachempfunden.
»All dies lässt mich die Erbauer der SOL in neuem Licht sehen. Ihr Wissen muss unermesslich gewesen sein. Schade, dass das Leben dieser Gewächse erloschen ist.«
»Bald wird hier wieder Grün sprießen«, gab sich Rhodan zuversichtlich und wies auf eine robotische Gärtnereinheit, die über den Beeten schwebte und verdorrte Stängel ausrupfte. »Die Reparaturarbeiten haben begonnen, hier wie im ganzen Schiff.«
Zu dritt setzten sie den Weg fort. Rhodan wies Ylapp auf die Aktivitäten hin. Winzige Maschinen entfernten tote Rasenhalme und transportierten sie zu den Verwertern. Sie tauschten das Sand-Humus-Gemisch gegen frische Erde und legten Matten aus Plastikschaum frei, die den Untergrund der Pflanzflächen bildeten. Nährlösung zirkulierte in den Zwischenräumen. Klares Wasser sprudelte durch als Quellen getarnte Einlässe und befüllte ein künstliches Teichsystem.
Menschen begegneten ihnen keine, doch das war nicht verwunderlich. Die SOL-Zelle 2 war noch immer ein Geisterschiff. Ihre gut dreißig Besatzungsmitglieder verloren sich in einem unermesslichen Labyrinth aus Ynkelonium-Terkonit-Legierung und Kunststoff. Dass sie Ylapp über den Weg gelaufen waren, war daher ein unwahrscheinlicher Zufall.
»Ich will so vieles wissen, Rhodan«, plapperte Ylapp drauflos. »Wie funktionieren diese metallenen Helfer? Was befeuert die künstlichen Sonnen? Wie wurden die Pflanzen einst am Leben erhalten – und vor allem ...« Er hielt inne. »Entschuldige! Ich wollte deine Geduld nicht ausnutzen. Es ist nur ... es gibt so viel zu lernen.«
»Schon gut!« Rhodan winkte ab. Immerhin war dies Ylapps erster Überlichtflug, und sein Enthusiasmus wirkte erfrischend. Endlich hatte er das Gefühl, es mit einem Nachkommen von echten Solanern zu tun zu haben – jemandem, der sich an Bord des Riesenraumers heimisch fühlte.
Meyun hingegen blieb auffällig still. Sie hatte sich Rhodan vor der Mannschaftsmesse angeschlossen und das Gespräch gesucht. Seit Ylapp bei ihnen war, redete sie jedoch kein Wort mehr.
Sie bestiegen eine Anhöhe, auf der Roboter faustgroße epsalische Tulpenzwiebeln pflanzten. Im Vorübergehen nahm Ylapp eine davon aus einem Transportbehälter, untersuchte sie mit derselben Neugier wie die Rindenabschnitte zuvor und pellte die Schale ab.
Auf der Hügelkuppe stand eine Parkbank. Rhodan schlug eine Rast vor.
Sie setzten sich. Rhodan lächelte Meyun zu. »Was bedrückt dich?«
Die Heilerin pflückte einen Blumenstängel aus dem Beet zu ihrer Rechten. Gedankenverloren zupfte sie die welken Blütenblätter ab, zerkrümelte sie zwischen den Fingern. Rhodan ließ ihr Zeit.
»Ich habe über dich nachgedacht«, gestand sie. »Du kennst Evolux von einem früheren Besuch. Und Fee Kellind erwähnte dich in ihrem Bericht, der aber bereits hundertdreiundachtzig Jahre alt ist.« Dann schwieg sie, als hätte sie Angst, zu viel gesagt zu haben.
»Was möchtest du wissen?« Rhodan unterdrückte ein Schmunzeln. Er ahnte, worauf sie hinauswollte.
Erneut zögerte sie. »Wie alt bist du, Perry Rhodan?«
»Älter, als ich aussehe«, antwortete er. Im selben Moment wurde ihm klar, wie nichtssagend diese Äußerung war.
War es klug, sie mit seiner relativen Unsterblichkeit zu konfrontieren? Wo er herkam, wusste jeder über ihn Bescheid. Ob die Gestrandeten jedoch bereit für die damit verbundenen Zusammenhänge waren?
Rhodan fasste sich ein Herz. Diese Menschen begleiteten ihn freiwillig. Wenn es ihm nicht gelang, sie auf seine Seite zu ziehen, konnte er gleich aufgeben. »Es stimmt, Mahlia. Ich war schon einmal in dieser Galaxis, vor langer Zeit. Evolux ist eine Werftwelt. Sie gehört den Kosmokraten.«
Meyuns Kiefer mahlten. Blütenkrümel lösten sich von ihren Fingern, rieselten auf den Bodenbelag. Ein winziger Saugroboter schoss aus einer Klappe in der Beeteinfassung und nahm sie auf, zusammen mit Schnipseln von Ylapps Zwiebelschale.
Sie warf den Stängel fort. »Dieses Wort hast du schon öfter erwähnt. Wer sind diese ... Kosmokraten?«
»Dazu muss ich ein wenig ausholen.« Auffordernd streckte Rhodan Ylapp die Hand entgegen, deutete auf die inzwischen gepellte Tulpenzwiebel. »Darf ich dich darum bitten? Außerdem um das Messer in deiner Jackentasche.«
Ylapp händigte ihm beides aus.
Rhodan setzte das Messer auf die Zwiebel und teilte sie in der Mitte. Eine Hälfte hielt er in die Höhe, sodass Meyun und Ylapp auf die Schnittfläche blickten. »Sagen wir, das hier wäre das Leben an sich«, begann er.
»Sehr naheliegend«, spottete Meyun mit erhobenen Brauen.
Rhodan lächelte. »Wir Terraner vergleichen die Evolution, also die Entwicklung des intelligenten Lebens, mit dem Aufbau einer Zwiebel«, fuhr er fort. Nacheinander tippte er die Schalen an, beginnend beim Mittelpunkt. »Jede Schicht stellt eine Entwicklungsstufe dar. Im Zentrum finden wir chaotische Energieentfaltung, gefolgt von einfachen Lebensformen, später intelligentem Leben und so weiter.«
Er deutete auf eine Stelle zwischen der fünften und sechsten Schale. »Wir Terraner befänden uns ungefähr hier. Intelligentes Leben, das interstellare, gelegentlich auch intergalaktische Raumfahrt betreibt.«
Meyun lauschte äußerlich unbewegt, Ylapp hingegen mit offenem Mund. Die Augen gingen ihm über, und Rhodan kam sich vor wie ein Märchenonkel.
»Was befindet sich auf der nächsten Schale?«, flüsterte Ylapp.
Rhodans Finger wanderte weiter. »Den Intelligenzen folgen Superintelligenzen. Meist Kollektivwesen aus der Geistesmasse von Völkern, die ihr körperliches Dasein abgestreift haben, auch wenn wir Ausnahmen von dieser Regel kennen. Entwickelt eine solche Superintelligenz sich weiter, wird sie zu einer Materiesenke oder Materiequelle.«
Die nächste Schale. »Materiesenken werden zu Chaotarchen, Materiequellen zu Kosmokraten. Die einen stehen für das Chaos, die anderen für die Ordnung. Wir nennen sie auch die ›Hohen Mächte‹.«
»Götter«, hauchte Ylapp ehrfürchtig.
Rhodan schüttelte den Kopf. Das war ein Denkfehler, der »Neulingen« oft unterlief. Wie jedes Modell zwang auch das Zwiebelschalenmodell zu Vereinfachungen und verleitete zu Fehlschlüssen. »Die Hohen Mächte mögen gottgleich scheinen, doch sie sind es nicht. Um ihren Widerstreit in unserem Universum auszufechten, sind sie auf Hilfsvölker angewiesen.«
Meyun verschränkte die Arme. »Und was hat all das mit dir und Tare-Scharm zu tun?«
Rhodan legte die Knolle beiseite und wischte sich am Brustteil der Bordkombination den Zwiebelsaft von den Fingern. »Diese Galaxis war einst ein Brennpunkt dieses Kampfs. Heute ist sie übersät mit Stützpunkten der Ordnungsmächte. Evolux ist einer davon. Die Yakonto und Algorrian gehören zu ihren Hilfsvölkern. Vor zwanzig Millionen Jahren aber herrschten die Chaotarchen in Tare-Scharm. Eine sogenannte Negasphäre sollte entstehen, eine Region des absoluten Chaos. Der Milchstraße drohte dasselbe Schicksal. Ich kam her, um zu erfahren, wie diese Gefahr abgewendet wurde.«
»Vor zwanzig Millionen Jahren?«, platzte es aus Meyun heraus.
Rhodan wiegte den Kopf. »Ich hatte eine Art ... Zeitmaschine. An Bord eines Raumschiffs namens JULES VERNE. Der SOL war es auf gewisse Weise nicht unähnlich.«
Schweigen folgte. In der Nähe arbeitete sich eine Mäheinheit durch Halme...
| Erscheint lt. Verlag | 25.7.2019 |
|---|---|
| Reihe/Serie | PERRY RHODAN-Mission SOL |
| Verlagsort | Rastatt |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Fantasy / Science Fiction ► Science Fiction |
| Schlagworte | Antiterranische Koalition • Kuipergürtels • Obelisk • Perry Rhodan • PR Mini-Serie • Science Fiction • Solares Imperium • Terminus • verborgenes Imperium |
| ISBN-10 | 3-8453-5329-5 / 3845353295 |
| ISBN-13 | 978-3-8453-5329-6 / 9783845353296 |
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