Star Wars™ Meister und Schüler (eBook)
Blanvalet Taschenbuch Verlag
978-3-641-25395-0 (ISBN)
Ein Jedi muss ein furchtloser Krieger sein, ein Hüter der Gerechtigkeit und ein Gelehrter in den Wegen der Macht. Aber die wichtigste Aufgabe eines Jedi ist es, das Erlernte weiterzugeben. Und so ist es für Qui-Gon Jinn, einem Veteranen unzähliger Schlachten, auch die größte Angst, bei seinem Schüler Obi-Wan Kenobi zu versagen. Obi-Wan hingegen erfährt, dass sein Meister sich möglicherweise von ihm trennen will, und die einzige Erklärung, die ihm einfällt, ist sein eigenes Versagen. Dann brechen sie zu ihrer möglicherweise letzten gemeinsamen Mission auf – die sie nur erfolgreich bewältigen können, wenn sie einander blind vertrauen ...
Die »New York Times«-Bestsellerautorin Claudia Gray machte sich einen Namen mit ihren Young-Adult-Romanen wie der Evernight-Serie (auf Deutsch erschienen bei Penhaligon und Blanvalet). Bevor Claudia Gray sich ganz dem Schreiben widmete, arbeitete sie als Anwältin, Journalistin und DJ. Seit ihrer Kindheit interessiert sie sich für Filmklassiker, die Stile vergangener Epochen und Architektur. Heute lebt sie in New Orleans mit ihrem Mann und einigen Hunden.
2
»Nettes Plätzchen, dieses Alderaan«, sagte Rahara Wick, während die Meryx den Planeten hinter sich ließ. »Wirklich schön. So ruhig.«
»Ganz zu schweigen von naiv«, fügte Pax Maripher genussvoll hinzu. »Das sind mir die liebsten Planeten.«
»Gut. Denn das ist der letzte Ort, wo ich Probleme bekommen möchte.«
»Wieso?« Pax blickte sie mit gerunzelter Stirn an. »Es gibt kaum eine Welt, wo die Gerichte nachsichtiger sind.«
Rahara verschränkte die Arme. »Ja, aber auf Alderaan könnten wir niemanden bestechen, um unseren Kopf aus der Schlinge zu ziehen.«
»Ja, es ist fast schon widerlich, wie moralisch sie alle sind. Das ist kein Ort für unsereins.« Pax lächelte schelmisch. Manchmal gefiel es ihm zu übertreiben. Sie waren vielleicht kriminell – aber so kriminell nun auch wieder nicht.
Rahara hingegen tat manchmal lieber, als wären sie überhaupt nicht kriminell. Es war schließlich nicht, als würden sie irgendjemandem wehtun. Sie stahlen nichts Wertvolles auf den Welten, die sie besuchten. Nur Felsen.
Aber was auf dem einen Planet ein Felsen war, war auf einem anderen ein Juwel.
Alderaan zum Beispiel. Sein Inselkontinent war praktisch übersät von kleinen weißen Steinen, und in der Regel wurden sie nur als Kies benutzt. Aber wenn man diese Steine nach Rodia brachte und sie Rodianern zeigte, dann wurden daraus plötzlich strahlende, funkelnde, schillernde Edelsteine – weil die Rodianer bestimmte Wellenlängen wahrnahmen, die dem menschlichen Auge verborgen blieben. Dann wurden sie wertvoll.
Vor vielen Tausend Jahren, in den Tagen der alten Legenden, als die Sith noch einen Großteil der Galaxis beherrscht hatten, da hatte man uneingeschränkt Handel mit Edelsteinen treiben können. Aber den Markt mit einer kostbaren Ware zu überfluten schmälerte in der Regel den Wert dieser Ware. Manchmal führte es auch zu Plünderungen oder illegalen Bergbauoperationen auf Welten, deren gewöhnliche Steine auf anderen Planeten außergewöhnlich waren. Und ein unkontrollierter Zustrom solcher Juwelen konnte die gesamte Wirtschaft eines Planeten zerstören. Also hatte man strenge Regeln erlassen, um den Handel mit den meisten Edelsteinen zu regulieren und in einigen Fällen sogar zu verbieten.
Insofern bestand Raharas und Pax’ Verbrechen einfach nur darin, so zu tun, als würden diese Regeln nicht existieren. Sie beide alleine würden schließlich kaum die Wirtschaft eines Planeten ruinieren. Wie hatte Pax damals noch gesagt, als er sie als Kopiloten und Analytikerin angeheuert hatte: Der Frachtraum der Meryx ist so klein – wer würde überhaupt merken, wenn wir ihn mit Steinen füllen? Würden wir irgendjemanden dadurch ärmer machen? Nein. Also, warum tun wir’s nicht und machen uns selbst ein wenig reicher?
Rahara hatte kein Argument gefunden, das dagegensprach. Es war nicht, als wären sie echte Verbrecher.
Aber in letzter Zeit musste sie sich immer wieder selbst daran erinnern.
Sie waren ein ungleiches Paar: Rahara, die in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen war, um es milde auszudrücken; die sich alles, was sie wusste, selbst beigebracht hatte. Und auf der anderen Seite Pax, der von Droiden mit überquellenden Datenbanken unterrichtet worden war – Droiden, die nur diese eine Aufgabe hatten. Sie war hochgewachsen, mit goldener Haut und glattem blauschwarzem Haar, das ihr bis zu den Hüften reichte. Er war ein paar Zentimeter kleiner, mit drahtigem Haar, das von seinem Schädel abstand, als hätte er einen Stromschlag abbekommen, und seine Haut war so blass, dass Fremde ihn manchmal fragten, ob er von einem Planeten stammte, auf dem die Bevölkerung unter der Erde lebte. Seine Kleidung war von höchster Qualität, aber zerknittert, und sie schlotterte ein wenig um seinen dünnen Körper. Rahara hingegen trug schlichte Kleider, die sie für kleines Geld bei Raumhafenhändlern erstand; Kleidung, mit der sie fast überall in der Menge untertauchen konnte, wenn sie sie um einen einfachen Umhang oder eine Kapuze ergänzte. Sie waren beide Menschen – das schien das Einzige zu sein, was sie gemein hatten.
Die meisten Leute tun uns als einen zerstreuten Gelehrten und seine arme Pilotin ab, dachte Rahara. Aber das war ihr ganz recht. Denn es bedeutete, dass man ihnen keine weitere Beachtung schenkte. Sie übersah. Sie sofort wieder vergaß.
Während ihrer Kindheit hatte man sie überwacht, sie kontrolliert, und Rahara würde nicht zulassen, dass sich das noch einmal wiederholte.
Pax schob den Regler nach vorne und schickte die Meryx in den Hyperraum. Sobald das wabernde blaue Licht durch die Cockpitfenster hereinfiel, erhob Rahara sich von ihrem Sitz. »Ich werde mal den Spektrografen überprüfen.«
»Das hat Zeit«, sagte Pax in seinem wohlartikulierten Coruscanti-Akzent. »Wir fliegen erst in ein paar Wochen nach Rodia.« Es war wichtig, nicht sofort von der Quelle der Steine zu ihrem Zielort zu fliegen; so hinterließen sie keine direkte Spur.
»Ich mach’s lieber gleich.« Tatsächlich herrschte in letzter Zeit viel zu oft ein unbehagliches Schweigen zwischen ihr und Pax. Da hatte sie lieber etwas zu tun.
Rahara ging zur Leiter und kletterte ins Herz der Meryx hinab. Bei den meisten Frachtern der Gozanti-Klasse wäre das ein ganz gewöhnlicher Frachtraum, nichts als blankes Metall und bei Weitem nicht so hell.
Doch auf der Meryx war dieser Raum von goldenem Glühen erfüllt. Und in seiner Mitte lagen Tausende Kilogramm an Edelsteinen.
Pax’ Scanner-Störfeld war an sich schon beeindruckend, aber er hatte nicht nur die Technologie entwickelt; er hatte dem Ganzen auch eine Ästhetik verliehen. Schönheit war ihm wichtig, das wusste Rahara. Er leugnete es zwar, aber das war der eigentliche Grund, warum er lieber Edelsteine stahl als eine andere, einfachere oder lukrativere Fracht. Weil er es liebte, sich an ihrem Anblick zu ergötzen.
Aber natürlich würde Pax Maripher nie zugeben, dass er irgendetwas aus sentimentalen Gründen tat.
Rahara band ihr Haar zu einem Pferdeschwanz nach hinten und streifte die Robe ab, die ihr geholfen hatte, unbemerkt durch die Straßen von Aldera zu wandeln. Anschließend trat sie vor die teuflisch komplizierten Kontrollen des Scanner-Störfeldes. Sie arbeitete jetzt schon eine ganze Weile mit Pax zusammen, und trotzdem musste sie sich jedes Mal Eselsbrücken bauen, um seine Erfindungen zu bedienen. (Nutzerfreundlichkeit war ein Fremdwort für Pax. Entweder war man schlau genug für seine Technologie oder eben nicht.) Als sie alles noch mal im Kopf durchgegangen war, rollte sie die Ärmel bis zu den Ellbogen hoch und gab die Befehle ein, die das Kraftfeld kurzzeitig deaktivierten, und das goldene Glühen machte Dunkelheit Platz. Aber nur einen Moment lang. Rahara hatte gerade genug Zeit, eine Handvoll ihrer Beute zu greifen. Kaum dass sie den Arm ein paar Zentimeter zurückgezogen hatte, wurde das Feld mit einem grellen Lichtblitz wieder hochgefahren. Während sie noch blinzelte, beglückwünschte sie sich dazu, dass sie sich diesmal nicht ihre Hand versengt hatte.
»Wir sind sauber raus aus dem System«, sagte Pax von der Leiter hinter ihr. »Eigentlich könntest du das Feld also ganz abschalten.«
»Das sagst du jedes Mal. Und jedes Mal erkläre ich dir aufs Neue, dass ich an meiner Schnelligkeit arbeiten will.«
»Man möchte meinen, dass du inzwischen genug geübt hast.«
Mit den Steinen in der Hand ging Rahara zur Spektrografen-Station auf der anderen Seite des Frachtraums hinüber. »Man möchte auch meinen, dass du inzwischen gelernt hättest, wie man mit anderen menschlichen Wesen interagiert, anstatt so zu tun, als bestünde die gesamte Galaxis nur aus Vollidioten.«
Rahara legte die Steine auf die Konsole und begann sie nach Größe und vermeintlicher Qualität zu sortieren. Sie hatte Mineralien geprüft, seit sie neun Jahre alt war; diese Art von Arbeit erledigte sie inzwischen wie automatisch.
»Rahara«, sagte Pax, nun ein wenig leiser. »Es tut mir leid, falls ich dich verletzt habe. Es sollte nur ein Scherz sein.«
Er hatte sie nicht verletzt, sie lediglich ein wenig verärgert – aber das reichte schon. Manchmal war sie es einfach leid, einen Partner zu haben, der sich mehr wie ein schnippischer Protokolldroide benahm, nicht wie ein menschliches Wesen. Auch wenn er manchmal recht hatte. »Ich habe niemanden lachen gehört.«
»Ich auch nicht. Offenbar muss ich an meiner Definition von Humor arbeiten.«
Das brachte sie zum Lachen. Pax war dann am komischsten, wenn er es gar nicht sein wollte.
»Wir sollten reden«, erklärte er, während Rahara den Vergrößerungsvisor über ihren Kopf stülpte. »Über unser nächstes Ziel.«
»Gamorr, richtig?« Ein grässlicher Ort, aber die angenehmen Erinnerungen an Alderaan sollten ihr helfen, ein paar Wochen in den stinkenden, feuchten Sümpfen zu überstehen. »Ich kann es kaum erwarten.«
»Sei nicht sarkastisch. Glaub mir, ich freue mich ebenso wenig darauf wie du. Darum habe ich nachgedacht.« Pax beugte sich vor und spähte an seiner langen Nase entlang auf die Konsole hinab. »Gammorreanische Korallen können wir uns jederzeit besorgen. Aber was, falls wir uns erst mal auf etwas Selteneres konzentrieren? Etwas Wertvolleres?«
»So etwas wie Feuerdiamanten von Mustafar?« Rahara war nie auf Mustafar gewesen, aber nach dem, was sie so hörte, wäre ein Besuch auf...
| Erscheint lt. Verlag | 18.11.2019 |
|---|---|
| Übersetzer | Andreas Kasprzak |
| Verlagsort | München |
| Sprache | deutsch |
| Original-Titel | Star Wars™ Master & Apprentice |
| Themenwelt | Literatur ► Fantasy / Science Fiction ► Fantasy |
| Literatur ► Fantasy / Science Fiction ► Science Fiction | |
| Schlagworte | Die dunkle Bedrohung • Disney • eBooks • Episode I • Jedi • Kino • Obi wan Kenobi • Qui Gon Jin • Science Fiction • Space Opera • Star Wars Kanon |
| ISBN-10 | 3-641-25395-0 / 3641253950 |
| ISBN-13 | 978-3-641-25395-0 / 9783641253950 |
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