Notärztin Andrea Bergen 1375 (eBook)
64 Seiten
Bastei Entertainment (Verlag)
978-3-7325-7936-5 (ISBN)
Kleine Schwester, großes Wunder!
Als Emma Reimann erfährt, dass sie nach den zwei Jungen nun noch ein Mädchen erwartet, könnte ihr Glück nicht größer sein, und auch Lenny und Mario zählen schon die Wochen, bis sie ihre kleine Schwester endlich in den Armen halten dürfen. Da erhält Emma eine furchtbare Diagnose, die alle Hoffnungen der Familie zerstört: Das Ungeborene wird schwerstbehindert sein - es sei denn, es geschieht noch ein Wunder ...
Sie dürfen gespannt sein, liebe Leserinnen und Leser, auf den neuen zu Herzen gehenden Roman um die engagierte Notärztin und eine kleine Familie in dunklen Zeiten!
Kleine Schwester, großes Wunder!
Ach, wären die Reimanns doch nur in Peru geblieben, wo sie lange Zeit so glücklich waren! Seit ihrer Heimkehr an den Rhein will die Kette der Unglücksfälle, die die junge Familie treffen, einfach nicht abreißen: Erst geraten die beiden Söhne Lenny und Mario unvermutet in Lebensgefahr und können nur in letzter Sekunde gerettet werden – und nun dieses unfassbar tragische Schicksal! Das ungeborene Kind, ein Mädchen, das Emma Reimann erwartet und das das Glück der Familie komplett machen sollte, leidet an Spina Bifida, einem offenen Rücken, und ist kaum lebensfähig! Deshalb hat Emmas Gynäkologe ihr nahegelegt, die Schwangerschaft vorzeitig zu beenden. Doch Emma ist nicht bereit, ihr Wunschkind aufzugeben, und auch Lenny und Mario kämpfen wie kleine Löwen darum, dass ihr Schwesterchen leben darf. Nun ist mir ein Gedanke gekommen, über den ich noch nicht sprechen mag, um keine falschen Hoffnungen zu wecken – doch es könnte der rettende Ausweg sein: das Wunder, auf das die Reimanns so verzweifelt hoffen …
Wehmütig blickte Emma über das rauschende Meer, auf das die untergehende Sonne einen rotgoldenen Schein warf. Sie liebte diesen Anblick, die wunderschönen Farben und die Wellen, die sanft an den Strand rollten. Sie liebte den Geruch nach Sand und Steinen, Salz und Wasser. Und sie liebte Peru.
Übermütiges Kinderlachen ließ sie den Kopf wenden. Ein Lächeln erschien auf ihrem Gesicht, als sie ihre beiden Söhne erblickte, die mit ihrem Vater den Strand entlangkamen. Lenny, mit seinen neun Jahren der Ältere, kickte einen Fußball vor sich her. Sein um ein Jahr jüngerer Bruder Mario hüpfte auf den Steinbrocken herum, die am Strand verstreut lagen.
Auch Emma saß auf einem solchen Steinbrocken. Sie strich sich einige Strähnen ihres langen blonden Haares zurück, das der Wind ihr ins Gesicht geweht hatte und winkte Thilo und den Jungen zu.
Ein wenig atemlos kamen Lenny und Mario bei ihr an, während ihr Vater mit einem Volleyball unter dem Arm gemächlich hinter ihnen herschlenderte.
„Nie schaust du uns zu, wenn wir Ball spielen“, beschwerte sich Mario.
„Immer hockst du an diesem steinigen Strand, wo wir nicht spielen können“, klagte Lenny und sah seine Mutter vorwurfsvoll an.
Emma fuhr ihm liebevoll durch das zerzauste Haar.
„’Nie’ und ‚immer’ stimmt nicht“, widersprach sie lächelnd. „Ich schaue euch sogar sehr oft beim Ballspielen zu. Und ich sitze nicht immer an meinem Lieblingsplatz. Aber heute Abend ist mir das sehr wichtig, das müsst ihr verstehen.“
Die Jungen nickten stumm. Ja, sie verstanden, wie ihrer Mutter zumute war. Ihnen erging es ja nicht viel anders. Auch sie liebten diesen Strand. Fast jeden Tag hatten sie hier Ball gespielt. Doch morgen würde alles vorbei sein.
Emma rückte ein Stück zur Seite, um Thilo Platz zu machen, der sich zu ihr auf den Stein setzen wollte. Er legte einen Arm um sie und gab ihr ein Küsschen auf die Wange. Mit einem leisen Seufzer lehnte sie ihren Kopf an seine Schulter.
Von Abschiedsgedanken bewegt, schloss sie kurz die Augen. Einen Moment später spürte sie ein Gewicht auf ihren Schenkeln. Mario war auf ihren Schoß geklettert, während Lenny es sich auf den lang ausgestreckten Beinen seines Vaters bequem machte. Der Fußball rollte in den Sand und blieb neben dem Volleyball liegen.
Emma schlang ihre Arme um Mario. Sie genoss es, mit ihrer Familie zu kuscheln. Wie glücklich sie waren, besonders, seit sie in Peru lebten, diesem wunderschönen Land.
Die Farben am Himmel, die sich auf dem Meer spiegelten, wurden intensiver. Die Sonne glich jetzt einem Feuerball, als sie sich anschickte, im Meer zu versinken. Es war ein Naturschauspiel, das immer wieder ergreifend war.
„Hab Hunger“, verkündete Mario.
„Ich auch.“ Thilo klopfte Emma sanft auf die Schulter. „Rena hat von einem Festessen gesprochen, uns zu Ehren. Gehen wir.“
Emma nickte. „Tom wollte grillen. Wie ich ihn kenne, wird er wieder die raffiniertesten Sachen auf den Grill legen.“
„Und Rena macht deutschen Kartoffelsalat!“ Lenny fuhr sich mit der Zunge über die Lippen.
„Ich will nur Nachtisch“, erklärte Mario. „Fleisch und viel Nachtisch.“
Lachend schob Emma ihn von sich. Auch Thilo und Lenny standen auf.
„Geht nur voran“, sagte Emma. „Ich brauche noch ein paar Minuten, um mich zu verabschieden.“
Thilo drückte ihr einen Kuss aufs Haar. „Nimm dir die Zeit, die du brauchst. Ich werde mir mit Tom erst mal ein Gläschen Pisco zur Brust nehmen.“
„In Ordnung.“ Emma wandte ihre Blicke wieder dem Meer zu, während sich hinter ihr die Schritte ihrer Lieben entfernten.
Ein plötzliches Husten ließ sie besorgt den Kopf wenden. Thilo und die Jungen hatten gerade den Weg zu den Weingärten eingeschlagen, in denen das Weingut ihrer deutschen Freunde lag, bei denen sie wohnten.
Das Husten brach wieder ab. Beruhigt drehte Emma sich wieder um. Es gab keinen Grund zur Sorge. Doch mit einem Kind, das an Asthma litt, machte man sich automatisch immer Sorgen.
Das Rot am Himmel war jetzt von violetten Streifen durchzogen, die immer dunkler wurden. Dann begannen die Farben allmählich zu verblassen. Die Sonne war nur noch ein dunkelroter Punkt am Horizont.
Emma wurde das Herz wieder schwer. Der Abschied stand bevor. Abschied von den Freunden, von einem Land mit seinen Menschen, das sie lieben gelernt hatten. Abschied von einem aufregenden, abenteuerlichen Jahr. Doch ihre Rückkehr an den deutschen Rhein würde auch viel Neues bringen.
Ein zärtliches Lächeln umspielte ihre Lippen, als sie ihre Hände auf den leicht gewölbten Bauch legte und sanft darüberstrich. Dort drinnen wuchs und gedieh es, ihr drittes Kind, das Thilo und sie sich so sehnlich gewünscht hatten. Jahrelang hatte es trotz aller Versuche und Therapien nicht geklappt. Und nun, in dem Jahr ihrer Auszeit, war sie doch noch schwanger geworden.
***
Die Abenddämmerung senkte sich allmählich über das Meer herab. Emma erhob sich von ihrem Stein und trat ebenfalls den Rückweg an. Ein Pfad führte durch Agaven, Gestrüpp und Steine zu einem Feldweg, der sich durch die Weingärten bis hin zum Haus und seinen Nebengebäuden zog. Rechter Hand tummelten sich einige Lamas auf einer eingezäunten Weide.
Der Duft nach gegrilltem Fleisch und Fisch wehte ihr entgegen, als sie sich dem Haus näherte. Stimmen und Gelächter klangen auf. Rena und Tom hatten ebenfalls zwei Kinder, einen Jungen und ein Mädchen, die etwas älter waren als Lenny und Mario. Alle vier hatten sich bestens vertragen, wenn man von gelegentlichen Querelen absah. Auch den Kindern würde der Abschied schwerfallen.
Jetzt hatte Rena sie entdeckt und winkte ihr zu. Emma erwiderte den Gruß und ging das letzte Stück schneller. Sie freute sich sehr auf ein gemütliches Zusammensein mit den Freunden. Aber es machte sie auch traurig, dass es der letzte gemeinsame Abend war.
Auf einem gemauerten Terrassenplatz war der Grill angeworfen, daneben standen Schüsseln und Platten mit leckeren Beilagen. Thilo und Tom saßen in bequemen Korbsesseln und tranken Pisco, das peruanische Nationalgetränk. Die Freunde stellten den Branntwein aus eigenen Trauben selbst her.
Auch in Emma regte sich jetzt der Hunger. Trotzdem wollte sie noch rasch duschen und sich umziehen, wie sie den anderen mitteilte. Sie ging ins Haus und hinauf in den ersten Stock, wo sie zwei Gästezimmer bewohnten.
Zwanzig Minuten später gesellte sie sich wieder zu den anderen auf der Terrasse. Die Kinder umlagerten mit hungrigen Gesichtern den Grill. Rena fragte sie nach ihrem Getränkewunsch, und Emma entschied sich für ein Glas eisgekühlter Zitronenlimonade.
Nach und nach bedienten sich alle am Grill. Natürlich würden bei Tom und Rena keine Meerschweinchen auf den Grill kommen, wie das in Peru so üblich war. Dafür gab es lecker marinierte Schwertfischsteaks, Steakspieße und Maiskolben. Die Beilagen bestanden aus Quinoa-Salat und Süßkartoffeln.
„Kein Kartoffelsalat?“ Lenny blieb vor Enttäuschung der Mund offen stehen, als er auf die Schüsseln blickte.
Rena legte ihm tröstend die Hand auf die Schulter. „Zu Hause am Rhein kannst du den jederzeit haben. Der Quinoa-Salat ist ganz lecker. Den magst du doch auch, oder?“
„Okay.“ Mit einem ergebenen Seufzer nahm Lenny sich eine große Portion davon.
Zum Nachtisch gab es Suspiro Limeño, ein traditionelles Dessert aus geschlagener Milch und Eischnee mit Portwein.
„Du musst mir unbedingt das Rezept noch mitgeben“, bat Emma, und Rena versprach, es ihr aufzuschreiben.
Viel zu rasch ging dieser Abend zu Ende. Morgen früh würde Tom sie zum Flughafen nach Lima bringen. Sie würden über New York nach Frankfurt fliegen, wo Thilos Schwester sie abholen würde. Sie würden über Nacht bei ihr bleiben und am nächsten Tag mit Thilos Auto nach Hause fahren, das sie bei ihr untergestellt hatten.
In der Nacht hatte Emma einen seltsamen Traum. Thilo, die Jungen und sie gingen über eine lange Brücke, die über einen...
| Erscheint lt. Verlag | 9.4.2019 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Notärztin Andrea Bergen | Notärztin Andrea Bergen |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | 2017 • 2018 • Arzt • arzt-krimi • Arztromane • Bergdoktor • Bestseller • Bianca • Cora • Deutsch • Doktor • Dr. • dr daniel • dr laurin • dr norden • Dr Stefan Frank • eBook • E-Book • eBooks • E-Books • Familiensaga • Fortsetzungsroman • Frauen • für • für Frauen • Großdruck • große-schrift • Happy End • Hedwig Courths Mahler • Heft-Roman • Historical • Julia • kaipurgay • Kelter • Kindle • Klinik • Klinik-roman • Krankenhaus • Krankenschwester • Kurfürstenklinik • Landarzt • Liebe • Liebesroman • Liebesromane • martin-Kelter • Medizin • Mira • Modern • Patient • patricia-vandenberg • Romance • romantisch • Schicksalsroman • Serie • spannend • Tiffany • Verlag |
| ISBN-10 | 3-7325-7936-0 / 3732579360 |
| ISBN-13 | 978-3-7325-7936-5 / 9783732579365 |
| Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR) | |
| Haben Sie eine Frage zum Produkt? |
DRM: Digitales Wasserzeichen
Dieses eBook enthält ein digitales Wasserzeichen und ist damit für Sie personalisiert. Bei einer missbräuchlichen Weitergabe des eBooks an Dritte ist eine Rückverfolgung an die Quelle möglich.
Dateiformat: EPUB (Electronic Publication)
EPUB ist ein offener Standard für eBooks und eignet sich besonders zur Darstellung von Belletristik und Sachbüchern. Der Fließtext wird dynamisch an die Display- und Schriftgröße angepasst. Auch für mobile Lesegeräte ist EPUB daher gut geeignet.
Systemvoraussetzungen:
PC/Mac: Mit einem PC oder Mac können Sie dieses eBook lesen. Sie benötigen dafür die kostenlose Software Adobe Digital Editions.
eReader: Dieses eBook kann mit (fast) allen eBook-Readern gelesen werden. Mit dem amazon-Kindle ist es aber nicht kompatibel.
Smartphone/Tablet: Egal ob Apple oder Android, dieses eBook können Sie lesen. Sie benötigen dafür eine kostenlose App.
Geräteliste und zusätzliche Hinweise
Buying eBooks from abroad
For tax law reasons we can sell eBooks just within Germany and Switzerland. Regrettably we cannot fulfill eBook-orders from other countries.
aus dem Bereich