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G. F. Unger 2003 (eBook)

Killer-City

(Autor)

eBook Download: EPUB
2019 | 1. Aufl. 2019
Bastei Entertainment (Verlag)
978-3-7325-7756-9 (ISBN)

Lese- und Medienproben

G. F. Unger 2003 - G. F. Unger
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Killer-City

Mir stand das Wasser bis zum Hals, und so entschloss ich mich, nach Amity City zu reiten. Doch ich hatte nicht die geringste Ahnung, dass es eine Stadt der Killer war ...


Wieder ein Hochkaräter unter den Romanen von Deutschlands meistgelesenem Western-Autor!


Ich suchte mir am Wagenweg einen Platz aus, wo ich die Kutsche in guter Deckung schon aus großer Entfernung würde kommen sehen – entweder von Süden oder von Norden her.

Und dann wartete ich mit knurrendem Magen. Manchmal wurde mir schwarz vor Augen.

Selbst in der Gefangenschaft hatte ich nicht so gehungert, obwohl uns die Yankees verdammt wenig zu beißen gaben.

Nach etwa zwei Stunden sah ich von Westen her einen Reiter kommen, der auf einem prächtigen Rappen ritt und selbst auch schwarz gekleidet war. Doch an seinem schwarzen Stetson blinkte ein goldenes Hutband in der Sonne. Als er nahe genug war, konnte ich aus meiner Deckung zwischen Kreidefelsen und Büschen heraus erkennen, dass er zwei Revolver mit hellen Beingriffen trug. Und in seinem Sattelschuh steckte eine Buffalo Sharps, also ein sehr weit reichendes Gewehr, mit dem man auf mehr als dreihundert Yards noch einen mächtigen Büffelbullen fällen konnte.

Er verschwand auf der anderen Seite des Wagenwegs zwischen den Kreidefelsen und den Büschen und kam nicht wieder zum Vorschein.

Und begriff ich es: Er wartete wie ich auf die nächste Postkutsche.

O verdammt, ich hatte Konkurrenz bekommen, da war ich sicher.

Der Bursche litt gewiss keinen Hunger. Ihm fehlte es wahrscheinlich auch nicht an Geld. Der wollte die Kutsche nicht überfallen, weil er hungrig und am Ende war. Der da, der war wahrscheinlich ein richtiger Bandit.

O verdammt!

Was konnte ich tun? Wahrscheinlich nichts. Ich konnte nicht schießen, weil es mir an Pulver, Blei und Zündhütchen für meinen Perkussionsrevolver fehlte.

Und so blieb ich wohlweislich in Deckung und wartete ab.

Etwa eine halbe Stunde verging, dann kam die Kutsche von Süden her angefahren.

Und dann ging alles so schnell, als handelte es sich um ein Theaterstück, welches man für eine Aufführung auf einer Freilichtbühne einstudiert hatte.

Drüben aus den Kreidefelsen und Büschen heraus krachte die schwere Buffalo Sharps.

Das rechte Führungspferd des Sechsergespanns stürzte. Es gab sofort ein Durcheinander, so als wäre dem Gespann und der Kutsche plötzlich ein Felsen in den Weg geraten. Fast wäre die Kutsche umgestürzt.

Dann aber stand sie schwankend still.

Und eine scharfe Stimme rief: »Seid nur nicht dumm! Diese Sharps schießt euch mitsamt der Kutsche in kleine Stücke!«

Sie waren wirklich nicht dumm.

Der Fahrer und dessen Begleitmann auf dem hohen Bock saßen mit erhobenen Händen steif dort oben.

Auch drinnen in der Kutsche warteten sie ab. Niemand schoss. Denn sie wussten, dass eine Sharpskugel durch die Kutschenwände ging wie durch Pappe – und auch noch durch menschliche Körper, wenn diese ihrer Flugbahn im Wege sein sollten.

Nun klang die harte Stimme wieder scharf: »Steigt aus – alle nach meiner Seite! Ich will euch mit erhobenen Händen aussteigen sehen. Oder ich schieße die beiden Clowns auf dem Bock mit einer einzigen Kugel herunter!«

Es dauerte nur wenige Sekunden, dann hörte ich den Fahrer heiser rufen: »Na los, Leute! Gehorcht ihm! Oder wollt ihr, dass er uns killt?«

Sie wollten es nicht. Denn sie kamen heraus. Und einer von ihnen trug den Stern eines US Deputy Marshals. Ich sah es, als sie sich hinter der Kutsche mit erhobenen Händen aufstellten. Es waren vier männliche und drei weibliche Fahrgäste. Und – wie schon gesagt – einer trug die Plakette mit dem Stern.

Sie standen dann in einer Reihe.

Einer aber rief plötzlich heiser: »Marshal, Sie müssen mich schützen!«

Doch dann krachte wieder die schwere Sharps. Die Kugel traf den Mann, der zuvor so heiser brüllte, als hätte er jäh die Todesgefahr gewittert, in der er schwebte.

Der Mann überschlug sich fast nach hinten, als hätte ihn der Tritt eines unsichtbaren Büffelbullen getroffen.

Und wenig später sah ich drüben auf der anderen Seite jenen schwarz gekleideten Reiter auf seinem schwarzen Pferd davonreiten.

Eines war mir sofort klar: Der Überfall auf die Kutsche galt nur diesem einzeln Mann und nicht irgendwelchen wertvollen Dingen, wie zum Beispiel Geldbörsen oder Schmuck der Passagiere.

Dieser eine Mann sollte getötet werden.

Und wer der schwarz gekleidete Killer auch sein mochte, er hatte seinen Auftrag gewiss zur Zufriedenheit seines Auftraggebers ausgeführt.

Was aber sollte ich tun?

Wahrscheinlich wäre es leicht gewesen, nun mein eigenes Vorhaben durchzuführen. Ein paar Dollars würde ich gewiss erbeuten können.

Doch nun verspürte ich die Hemmungen, die wohl jeder redliche Mensch verspürt haben würde.

Und so verharrte ich weiter in meiner guten Deckung, wartete, bis sie das getötete Pferd ausgeschirrt und den Toten in eine Decke gehüllt und auf das Kutschdach gehoben hatten. Ich hörte auch ihre aufgeregte Unterhaltung und begriff, dass der Tote ein wichtiger Zeuge bei einer Gerichtsverhandlung sein sollte, die am nächsten Tag in der County-Hauptstadt stattfinden würde.

Man hatte durch einen Killer einen wichtigen Zeugen töten lassen, was wahrscheinlich einen Angeklagten vor dem Hängen bewahrte.

Ja, so musste es sein.

Ich sah dann mit knurrendem Magen der Kutsche nach. Oha, dachte ich, diese Welt wird doch immer schlechter. Und wann endlich ist meine verdammte Pechsträhne beendet?

Drei Meilen weiter sah ich Rauch über den sanften Hügeln der Kansas-Prärie. Und wo Rauch war, da mussten Menschen sein, bei denen es vielleicht was zu beißen gab. Ich ritt vom Wagenweg über den sanften Hügelkamm und sah dann eine Versammlung hungriger Satteltramps – es mochten zwei Dutzend sein –, die ein Büffelkalb über einem Feuer brieten. Aber es war noch nicht gar, und so hockten sie in der Runde um die zu erwartende Nahrung wie die Geier um ein sterbendes Tier.

Sie alle waren arme Teufel wie ich. Bald würden sie die ersten Fleischstücke noch halb roh verzehren.

Auch ich spürte wieder den Hunger, der so grausam war.

Wir alle waren Strandgut des Krieges, hungrige Tramps, Verlierer. Denn wir hatten auf der falschen Seite gekämpft.

Ich ritt hinunter. Sie starrten mich an und erkannten, dass ich einer von ihnen war. Einer sagte: »Bald kannst du dir den Bauch füllen, Kamerad. Es dauert nicht mehr lange, dann beginnt das große Fressen.«

Und so war es auch.

Wir fraßen das halb gare Büffelfleisch wie halb verhungerte Indianer nach einem langem Winter. Und dann konnten wir nicht mehr in die Sättel, weil sich unsere Mägen zu sehr spannten, sodass wir uns nur vorgebeugt und gekrümmt bewegten. Wir mussten erst verdauen. Und so lagen wir umher und dösten. Nur wenige von uns unterhielten sich. Aber auch das waren keine Unterhaltungen. Sie fluchten alle auf die beschissene Welt.

Und der Süden, für den wir gekämpft hatten, lag besiegt am Boden. Er konnte uns nicht helfen.

Ich hörte, wie sie später dann über die Chancen im Norden und im Nordwesten redeten. In Colorado fand man Gold, auch weiter im Norden in Montana.

Viele wollten zu den Goldfundgebieten. Andere wollten sich als Büffeljäger oder Abhäuter versuchen. Doch allen fehlte die Ausrüstung.

Ich dachte immer wieder an die Kutsche, die einen wichtigen Zeugen zur County-Hauptstadt bringen sollte. Diese County-Hauptstadt konnte nicht mehr weit sein.

Und so machte ich mich nach einiger Zeit auf den Weg.

Die anderen Satteltramps blieben noch. Sie hatten das Büffelkalb ja noch nicht ganz aufgegessen.

Ich ritt als Erster von allen fort aus dem Camp.

Als es zwei Stunden später Nacht wurde, erblickte ich in der Ferne die Lichter einer Stadt. Es musste die County-Hauptstadt sein.

Nach drei Meilen erreichte ich das Ortsschild. Im Mond- und Sternenschein konnte ich lesen: Bannister City. Ich ritt zwischen den ersten Häusern hinein. Hunger hatte ich noch nicht wieder. Aber sonst fehlte mir alles.

Vor einem großen Saloon, zu dem auch eine Tanzhalle gehörte, stellte ich mein Pferd zu den anderen Tieren an den langen Haltebalken, saß ab und sah mich witternd um. Auf den Gehsteigen bewegten sich Fußgänger. Drinnen in der Tanzhalle klang Musik. Ich hörte das Lachen von Frauenstimmen und dachte bitter: Wenn ich ein paar Dollars hätte …

Ich bückte mich unter dem Haltebalken hindurch zum Plankengehsteig hinauf, und als ich mich aufrichtete, trat ein Mann zu mir, der einen Messingstern trug.

»Diese Stadt ist für Satteltramps gesperrt«, sagte er zu mir. »Hau wieder ab, verdammter Rebell. Jetzt auf der Stelle!«

Ja, so war das nun mal.

Wir Südstaatler und ehemaligen Soldaten der Konföderation waren in Kansas mehr als nur unbeliebt. Wir wurden gehasst und durften uns hier nicht mal als Siedler niederlassen, selbst wenn wir die Mittel dafür gehabt hätten. Ich hätte dem Deputy gerne was aufs Maul gegeben. Denn ich fühlte mich jetzt wieder einigermaßen kräftig dazu.

Aber ich hörte mich sagen: »Yes, Sir, ich verschwinde wieder. Vergeben Sie mir, dass ich mir Hoffnungen machte auf irgendeine Chance in dieser Stadt.«

»Hau ab, Rebell«, sprach er noch mal. »Ihr habt zwei meiner Bruder getötet im Krieg. Und eure Guerillas zündeten unsere Farm an. Ihr alle sollt verrecken. Hau ab! Ich kann dir auch dein Pferd wegnehmen, weil es wahrscheinlich gestohlen ist.«

Es war eine letzte Drohung. Er hasste Exsoldaten der Rebellenarmee. Und ich trug noch die abgerissene Uniform des Südens. Er konnte es im Lichtschein gut erkennen.

Und so machte ich auf dem...

Erscheint lt. Verlag 26.3.2019
Reihe/Serie G.F.Unger
Verlagsort Köln
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte 2017 • 2018 • Abenteuer-Roman • alfred-bekker • Bestseller • bud-spencer • buffalo-bill • Cassidy • Chaco • clint-eastwood • Country • Cowboy • Deutsch • e Book • eBook • E-Book • e books • eBooks • Erwachsene • Exklusiv • für • GF • g f barner • Indianer • jack-slade • Jugend • Karl May • kelter-verlag • Kindle • Klassiker • Krimi • Laredo • larry-lash • Lassiter • lucky-luke • Männer • martin-wachter • pete-hackett • peter-dubina • Reihe • Ringo • Roman-Heft • Serie • sonder-edition • Western • Western-roman • Westernromane • Wilder Westen • Wilder-Westen • Winnetou • Wyatt Earp • Wyatt-Earp
ISBN-10 3-7325-7756-2 / 3732577562
ISBN-13 978-3-7325-7756-9 / 9783732577569
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