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Der Modellbauer (eBook)

(Autor)

eBook Download: EPUB
2018 | 2. Auflage
344 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7481-8701-1 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Der Modellbauer - Gerald Gräf
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Im Großraum Hamburg treibt ein bizarrer Mörder sein Unwesen. Des Nachts bricht er in Pflegeheime ein, tötet bettlägerige Senioren und stiehlt etwas, von dem niemand ahnt, was er damit vorhat - eine Gliedmaße des Opfers. Daniel Brechter vom Landeskriminalamt Hamburg und seine Kollegen ermitteln in einer Mordserie, die die Öffentlichkeit zutiefst schockiert. Hierbei gerät der selbst von Gewaltfantasien beeinträchtigte Kriminaloberkommissar, dessen demente Mutter in einem der betroffenen Pflegeheime untergebracht ist, zunehmend in eine beängstigende Situation. Es scheint eine Verbindung zwischen ihm und dem Mörder zu geben, dessen Geheimnis bis weit in die vom Terrorismus geprägten 70er Jahre der Bundesrepublik Deutschland zurückreicht. Wie es sich anfühlt, einen Blick in die Hölle zu werfen? Lesen Sie hierzu den Thriller "Der Modellbauer" von Gerald Gräf ...

Gerald Gräf, Jahrgang 1957, lebt seit frühester Kindheit in einer kleinen Ortschaft am östlichen Rande Hamburgs. Nach dem Tod seiner Frau veröffentlichte er 2009 sein erstes Buch, »DIE LIQUOR-STRATEGIE«, in dem er das Leiden und Sterben seiner Frau verarbeitete. Zwei Jahre später erschien dann der erste Roman: »DER SCHATTEN VON APOPHIS« ist ein Mystery Science Fiction Drama, das im Januar 2016 in vollständig überarbeiteter Neuauflage erschienen ist. In dem Werk beschäftigt sich der Autor mit den Abgründen der menschlichen Seele und der Vergänglichkeit des Lebens auf der Erde. Ein weiteres autobiografisches Werk veröffentlichte Gerald Gräf 2013 zusammen mit seiner Lebensgefährtin Iris Lewe. »WO BITTE GEHTS DENN HIER ZUM LEBEN?« erzählt die Geschichte einer neuen Liebe, die aus der Trauer der beiden Autoren hervorgegangen ist. Im Jahr 2015 legte Gräf seinen ersten Thriller vor. In »GOTTES UNSICHTBARE ARMEE« beschreibt er in vielen kleinen Episoden die Geschichte eines vermeintlich intelligent handelnden Virus. Mit dem Thriller »DER MODELLBAUER« veröffentlichte der Autor 2016 sein bisher düsterstes Werk, in dessen Verlauf der Leser mit einer bizarren Beziehung zwischen einem Serienkiller und einem Polizisten konfrontiert wird. In dem 2017 erschienen Thriller »DER PAKT DES TERRORISTEN« wird die Geschichte des Modellbauers aufgegriffen und weiterentwickelt. Der Autor thematisiert in seinem neusten Werk eine gefährliche Entwicklung. Das Gute scheint mit dem Bösen zu kooperieren ... und umgekehrt?

1.


Lustlos blickte Daniel Brechter aus dem Fenster seines Büros, das sich in der fünften Etage des Hamburger Polizeipräsidiums befand. Der einem Polizeistern nachempfundene Gebäudekomplex lag etwas abseits der Innenstadt zwischen der U-Bahn-Station Alsterdorf und dem großen Stadtpark. Je nach Lage des Büros konnten dadurch einige Mitarbeiter der Polizei einen ungewöhnlichen Blick ins Grüne genießen, der für eine Großstadt wie Hamburg nicht selbstverständlich war. Im Moment allerdings konnte Brechter so gut wie nichts erkennen. Der sich seit den frühen Morgenstunden aufbauende Nebel wirkte wie eine undurchdringliche Wand aus pulsierender Watte, die durch die Ritzen des Fensters in sein Büro einzudringen schien. Ein bedrohlicher Anblick, der beklemmende Angstfantasien in ihm freizusetzen begann.

Er schüttelte den Kopf, so als wolle er seine Gedanken reinigen, und erinnerte sich an einen Horrorfilm, den er vor Kurzem zusammen mit Clara im Fernsehen gesehen hatte. The Fog – Nebel des Grauens gelang es, durch die Darstellung von langsam aufkommendem, undurchdringlichem Nebel eine angsterfüllende Atmosphäre zu erzeugen, der sich der Zuschauer nur schwer entziehen konnte. Clara teilte Daniel Brechters Vorliebe für Horrorfilme eigentlich kaum – sie fand mehr Gefallen an Psychothrillern – und spielte zu seinem Leidwesen während des Films fast die ganze Zeit an ihrem Smartphone herum. Er nahm sich vor, sie beim nächsten Mal darauf anzusprechen, doch zur zeit gab es dringendere Probleme, die ihn in jeglicher Hinsicht beeinträchtigten. Sogar das Verlangen, einen gut gemachten Horrorfilm anzuschauen, war vorübergehend verschwunden, da er das Gefühl hatte, sich selbst in einem zu befinden.

Vier äußerst bestialische Morde in nur achtzehn Monaten – ausnahmslos im Großraum Hamburg verübt. Zwei davon kurz hinter der Stadtgrenze im wohlhabenden Kreis Stormarn, der zu Schleswig-Holstein gehört. Im Oktober 2014 hatte der überaus pervers handelnde Killer zum ersten Mal zugeschlagen.

Wir konzentrieren uns ausschließlich auf einen Mann als Täter, doch es kann auch nicht ausgeschlossen werden, dass eine Frau hierzu in der Lage wäre, dachte Brechter und starrte in den Nebel hinein, in dem sich plötzlich seltsame, monströse Konturen herauszubilden begannen, die ihn an die Brut eines Dämons erinnerten.

Die Blutspur schien im Sommer des vergangenen Jahres mit einem Mord in dem Pflegeheim, in dem auch seine Mutter lag, vorerst zu enden, doch vor wenigen Tagen, in der Nacht von Sonntag, dem 10. April 2016, zu Montag hatte der Täter erneut zugeschlagen. Und wie bereits in den Fällen davor betäubte er das jeweilige Opfer im Schlaf, erstickte es dann vermutlich mit einem Kissen und amputierte eines der Gliedmaßen. Ein Arm oder ein komplettes Bein, welches er dann mitnahm, um … ja, um was zu tun? Brechter wusste es nicht; niemand wusste es.

Ein Psycho eben, dachte er und schaute auf die weiße Uhr mit den schwarzen Zeigern an der Wand. Noch fünfzehn Minuten bis zur Lagebesprechung. Brechter war der einzige Mitarbeiter der Soko, der nicht am Tatort erschienen war, da er zu diesem Zeitpunkt einen dringenden, dienstlichen Gerichtstermin wahrnehmen musste. Eine Routineangelegenheit, die der phlegmatische Kriminalbeamte – unerlaubterweise – mit einem Besuch bei seiner Hausbank verbunden hatte.

Die Fotos auf seinem Schreibtisch, die der Dienststellenleiter heute Morgen an alle fünf Mitarbeiter der Soko-Altenheim verteilt hatte, schockierten ihn nicht sonderlich, obwohl das Blut aus dem Fotopapier herauszufließen schien. Die alte Frau in dem Pflegebett sah seltsam entstellt aus. Der Stumpf des fehlenden Beines war nach hinten gedrückt. Er musste ihr die Hüfte gebrochen haben, bevor er das Bein abgesägt hatte. Der ausgemergelte Körper der Alten war vermutlich in kürzester Zeit ausgeblutet. Außerdem hatte er dem Opfer beide Arme ausgekugelt, um sie dann auf unnatürliche Weise auf dem Bett abzulegen.

Vermutlich will er damit irgendetwas symbolisieren, dachte Brechter und tastete nach seiner Waffe, die er seitlich im Holster trug. Die Waffe gab ihm ein Gefühl der Sicherheit.

Claras Vater ist ein Arschloch, dachte er unvermittelt und erinnerte sich an eine der seltenen Begegnungen mit ihren Eltern, die glücklicherweise schon lange zurücklag. Das Treffen hatte in einem Fiasko geendet. Wenn ich wollte, könnte ich ihn mit meiner Dienstwaffe erschießen. Vielleicht schon morgen …

Er nahm die fragile, randlose Brille ab und rieb sich die Augen. Diesmal also hatte der Täter seinem Opfer ein komplettes Bein entfernt. Sauber abgesägt, vermutlich mit einer professionellen Knochensäge, wie sie auch in der Gerichtsmedizin Verwendung findet.

Brechter stöhnte leise in sich hinein.

Er hatte beständig daran gearbeitet, sich möglichst unauffällig in dem riesigen Behördenapparat der Hamburger Polizei fortzubewegen, doch offenbar war er nicht vorsichtig genug gewesen. Im April 2015, kurz nach dem zweiten Senioren-Mord, der sich in einem beschaulich gelegenen Pflegeheim am Rande Hamburgs in Hoisendorf ereignete, wurde der 41-jährige Kriminaloberkommissar mit den auffällig roten Haaren zur Soko-Altenheim abgeordnet. Die Soko bestand nicht auf Dauer, doch immer dann, wenn der Täter erneut zuschlug oder wenn sich neue Erkenntnisse ergaben, wechselte die Crew ihren angestammten Arbeitsplatz und nahm die Tätigkeit in den vorgehaltenen Räumlichkeiten im Erdgeschoss des Hamburger Polizeipräsidiums auf.

Daniel Brechter lebte seit einigen Jahren mit Clara Sommer – einer Bezirksamts-Mitarbeiterin – in einer Eppendorfer Altbauwohnung zusammen und galt unter den Kollegen als freundlich und kompetent. Seine zahlreichen Sommersprossen verliehen dem schlanken, mittelgroßen Kriminalbeamten, der im Dienst ständig bunte Sakkos zu tragen pflegte, etwas Lausbubenhaftes, das ihn sympathisch erscheinen ließ, doch hinter der Sunnyboy-Fassade verbarg sich noch ein anderer Charakterzug. Niemand schien zu ahnen, dass er auch etwas Dunkles, Unberechenbares in sich trug.

Er hatte Clara während einer Fortbildung in Hamburg-Ohlstedt kennengelernt, in deren Verlauf ihnen die Vorzüge des Zeitmanagements nähergebracht wurden, und sich spontan in die schüchterne, aber anpassungsfähige 33-jährige Verwaltungsangestellte verliebt. Es war ihm bisher für gewöhnlich gelungen, seine abgründige Seite vor ihr zu verbergen – die Vorliebe für Horrorfilme und die damit verbundenen Albträume einmal ausgenommen –, doch die Mordserie schien irgendetwas Seltsames in ihm auszulösen. Er hatte das ungute Gefühl, seine Objektivität zu verlieren. Außerdem fiel es ihm während des Dienstes zunehmend schwerer, eine seiner Defizite erfolgreich zu vertuschen: die Bequemlichkeit.

In früheren Zeiten war es ihm zumeist problemlos gelungen, gegenüber den Kollegen den Eindruck eines viel beschäftigten Beamten zu vermitteln, der gigantische Aktenberge vor sich herschob, doch die Wirklichkeit sah anders aus. Brechter hatte sich über die Jahre hinweg zu einem Meister der Täuschung entwickelt und verstand es perfekt, andere für sich arbeiten zu lassen, doch in der überschaubar kleinen Gruppe der Sonderkommission gab es keine Nische mehr, in der er sich verstecken konnte. Er würde sich einen Alternativplan überlegen müssen und ging im Geiste die Liste der Personen durch, mit denen er jetzt wieder Tag für Tag zusammenarbeiten müsste.

Leonard Katzmann, den Leiter der Soko, hielt er für akzeptabel, obwohl ihm die Selbstverliebtheit des grauhaarigen Kriminalhauptkommissars gehörig auf die Nerven ging. Er schien nicht zu merken, dass die Kollegen hinter seinem Rücken über seine Eitelkeit tuschelten. Zugegeben: Er sah für sein Alter, das vermutlich irgendwo bei Anfang sechzig lag, ausgesprochen gut aus – drahtig, fast zwei Meter groß, sportlich durchtrainiert und solariumgebräunt –, doch er machte keinen Hehl daraus, selbst sein größter Fan zu sein, und gab sich auf diese Weise der Lächerlichkeit preis. Fachlich allerdings hatte der verheiratete Vater von vier Kindern eine Menge auf dem Kasten, und Brechter kam nicht umhin, Leo Katzmann zu den Guten in seinem Polizeiuniversum zu zählen.

Für Thomas Storak aus Kiel galt das nicht. Der aufstrebende Kriminalkommissar reiste im Bedarfsfall zusammen mit seiner Kollegin Ilka Sewensio als Leihgabe des Kieler Landeskriminalamtes mit dem Dienstwagen an, um die Hamburger Soko personell zu unterstützen. Auf den als schwierig geltenden Storak hätte Brechter nur allzu gern verzichtet. In Kiel hatte der 32-jährige Einzelgänger mit der auffallend großen Knollennase bereits einige spektakuläre Ermittlungserfolge vorzuweisen, doch von alleine fielen sie ihm nicht in den Schoß. Die Rücksichtslosigkeit, mit der er seine Ziele zu verfolgen pflegte, ekelte Brechter geradezu an. Ein arrogantes Arschloch, das über Leichen ging, um einen potenziellen Täter zu präsentieren, der sich im Nachhinein nicht selten als unschuldig erwies. Seine...

Erscheint lt. Verlag 12.11.2018
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror
Schlagworte Folterkeller • morphisches Feld • RAF • Serienmörder • Terrorist
ISBN-10 3-7481-8701-7 / 3748187017
ISBN-13 978-3-7481-8701-1 / 9783748187011
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