Der Bergdoktor 1955 (eBook)
64 Seiten
Bastei Entertainment (Verlag)
978-3-7325-7580-0 (ISBN)
Neue alte Heimat
Nach einem schweren Schicksalsschlag kehrt Nele nach St. Christoph zurück
Nele hat vor Kurzem ihren Mann verloren, und seitdem ist nichts mehr, wie es einmal war. Mit gebrochenem Herzen ist sie ins Zillertal heimgekehrt, um hier Halt und Frieden zu finden. Auf dem Hof ihrer Familie möchte sie herausfinden, wie es nun mit ihr weitergehen soll.
Seit einigen Wochen leidet sie zudem unter rätselhaften Zwischenblutungen und Abgeschlagenheit. Sie kennt diese Symptome: Genau so hat es bei ihrer Mutter begonnen - und wenige Monate später hat der Krebs ihr Leben gefordert. Wird es ihr nun ebenso ergehen?
Bleich und angespannt sitzt Nele vor dem Schreibtisch des Bergdoktors.
'Ich glaube, ich habe einen Tumor, Herr Doktor.'
Dr. Burger untersucht Nele sorgfältig. Seine Diagnose lautet jedoch ganz anders als erwartet und stellt das Leben der jungen Witwe völlig auf den Kopf.
Wie es für die beiden weitergeht und wie Dr. Burgers Diagnose lautet, das erfahren Sie in Band 1955 der beliebten Bastei-Serie 'Der Bergdoktor'.
»Verlassen Sie den Hof, sonst rufe ich die Polizei!«
Die Frauenstimme zerriss die Stille im Stall wie ein Peitschenhieb.
Daniel Hallberger blinzelte in das schummrige Licht, das die Laterne in den Verschlag warf. Offenbar wusste die Unbekannte nicht, wer er war. Er richtete sich im Stroh auf und strich ein paar Halme von seiner Hose.
Im Gang stand eine junge Frau, die ihn forschend ansah. Ihre braunen Haare waren zu einem dicken Zopf geflochten, der ihr über die Schulter fiel. Sie hatte eine karierte Bluse aus warmem Flanellstoff an, dazu eine eng sitzende Jeans, die ihre langen, schlanken Beine betonte. Mit ihren hohen Wangenknochen und den dunklen Augen war sie bildhübsch.
Allerdings verbot ihr kühler Blick jede Annäherung. Obwohl sie mindestens einen Kopf kleiner war als er, mahnte ihr energisch vorgerecktes Kinn, sich bloß nicht mit ihr anzulegen.
»Ich sagte …«
»Ich habe gehört, was Sie gesagt haben.« Daniel machte einen Schritt auf sie zu, sah sie zurückweichen und stutzte.
Was dachte sie denn von ihm? Dass er ihr etwas antun wollte? Unwillkürlich zerbiss er einen Fluch auf den Lippen.
»Sie haben nichts von mir zu befürchten«, versicherte er.
»Da bin ich mir net so sicher. Gehen Sie jetzt, dann vergesse ich, dass Sie hier eingedrungen sind.«
»Ich kann noch net weg.«
»Warum denn net? Wegen des Schnees?« Ihr Gesichtsausdruck wurde plötzlich weicher. »Also schön. Kommen Sie mit ins Haus. Sie können einen Teller warme Suppe und einen Tee haben. Auch eine Kammer für die Nacht. Sie ist klein, aber warm und sicher. Und morgen früh sprechen wir mit dem Pfarrer. Vielleicht kann er Ihnen einen Platz zum Schlafen und eine Arbeit vermitteln.«
»Der Pfarrer?« Daniel starrte sein Gegenüber verblüfft an.
»Ja. Ich weiß, wie hart es ist, im Winter keine Bleibe zu haben. Ich werde Ihnen helfen, wenn ich kann.«
»Tatsächlich?« Daniel schwankte zwischen Unglauben und Verwirrung.
Mit einem Mal dämmerte ihm, welches Bild er abgeben musste: lediglich in Hemd und Hose gekleidet, beides mit dunkelroter Flüssigkeit und anderen Flecken bedeckt, über die er lieber nicht so genau nachdenken wollte. Dazu haftete Stroh in seinen Haaren und auf seiner Garderobe.
Und seinen Geruch konnte man bestenfalls als ländlich-rustikal bezeichnen. Vermutlich roch er, als hätte er sich seit einem halben Jahr nicht mehr gewaschen.
Kein Wunder, dass die Unbekannte ihn für einen Herumtreiber hielt, der sich auf den Hof geschlichen hatte und lange Finger machen wollte!
Sie behielt ihn fest im Blick, als würde sie ihm nicht über den Weg trauen. Dabei sah sie so reizend aus, dass ihm die Sache auf einmal Spaß machte.
»Über was für eine Suppe reden wir hier?«, hakte er nach.
»Mein Vater hat zum Mittagessen einen Eintopf gekocht. Davon ist noch genug übrig.«
»Also ist der Hofer-Bauer Ihr Vater?«
»Das stimmt. Ich bin Nele«, erwiderte sie kühl. Oder nein, nicht kühl, sondern vielmehr vorsichtig. In ihren dunklen Augen lag ein verborgener Schmerz. Offenbar hatte jemand sie tief verletzt – und das vor nicht allzu langer Zeit.
»Ich möchte keine Suppe, trotzdem danke ich Ihnen für das Angebot.«
»Sind Sie sicher?« Sekundenlang sah sie ihn unsicher an. »Hier im Stall können Sie aber net bleiben.«
»Das hatte ich auch net vor.«
»Also gut, dann rufe ich jetzt den Gendarmen an.« Sie zog ein Mobiltelefon aus ihrer Hosentasche und hielt es hoch. »Wollen Sie es wirklich darauf anlegen, dass er Sie wegen Einbruchs verhaftet?«
»Es könnte die Sache wert sein.« Daniel bemerkte den ungläubigen Ausdruck in ihren Augen und spürte, wie ihm die Brust weit wurde. Himmel, sie war wirklich ganz reizend, wenn sie ihn so anfunkelte!
Dann allerdings bemerkte er das leichte Zittern ihrer Hand und erkannte, dass sie nicht so furchtlos war, wie sie sich gab. Höchste Zeit, der Sache ein Ende zu machen.
»Ich bin kein Einbrecher«, versicherte er ihr mit rauer Stimme.
»Also stand unser Tor rein zufällig offen, und Sie haben sich eingeladen gefühlt?« Sie verschränkte die Arme vor der Brust. »Was suchen Sie mitten in der Nacht im Stall meines Vaters?«
»Net mitten in der Nacht, sondern abends. Es ist noch net einmal zwanzig Uhr! Für manche Menschen fängt der Tag jetzt erst richtig an.«
»Versuchen Sie, vom Thema abzulenken?«
»Ich wollte Sie nur auf einen wichtigen Punkt hinweisen.«
»Abend oder Nacht – das macht keinen Unterschied«, befand sie.
»Das macht es sehr wohl.«
»Sie versuchen tatsächlich, abzulenken.«
»Keineswegs.« Er unterdrückte ein Schmunzeln, weil ihm der Schlagabtausch durchaus Freude machte. Sie mochte klein und zierlich sein, hatte aber ihren eigenen Kopf. Das gefiel ihm. Trotzdem sollte sie sich nicht länger sorgen, er könnte ihr etwas antun, deshalb fügte er rasch hinzu: »Mein Name ist Daniel Hallberger. Ich bin Tierarzt.«
Ihr Blick verdunkelte sich. »Im Dorf gibt es nur einen Tierarzt, und sein Name ist Steiger. Ich kenne ihn schon sehr lange … Sie sind es net.«
»Ich vertrete Dr. Steiger für ein paar Wochen.«
»Ist das wahr?« Auf einmal wirkte sie unsicher.
Ihre bernsteinfarbenen Augen schimmerten sanft im Licht. Sie hatte volle rote Lippen, und Daniel ertappte sich bei dem Gedanken, dass jeder Mann, der halbwegs bei Verstand war, für ein Lächeln von ihr so ziemlich alles tun würde.
Nur leider lächelte sie nicht. Nicht einmal ansatzweise. Vielmehr grub sich ein bitterer Zug um ihren Mund ein, der erneut verriet, dass ihr Schlimmes widerfahren war.
»Mein Kollege gönnt sich einen Urlaub mit seiner Frau. Ich vertrete ihn so lange.«
»Also sind Sie wirklich Tierarzt?«, vergewisserte sie sich.
Er nickte. »Mit Abschluss und Urkunde. Ich kann Ihnen eine Liste von Hühnerkrankheiten aufzählen, wenn Sie wollen. Oder die Knochen im Ohr einer Kuh. Glauben Sie mir: Wäre ich ein Einbrecher, hätte ich Stemmeisen und Dietrich dabei, net Stethoskop und Spritze.«
Daniel deutete auf den niedrigen Schemel in der Box, auf dem seine Tasche mit der Ausrüstung stand. Das Abhörgerät ragte daraus hervor.
Die junge Bäuerin musterte ihn prüfend, als würde sie sich fragen, ob sie seinen Worten Glauben schenken durfte, dann ließ sie die Schultern sinken und stieß leise den Atem aus.
»Es tut mir leid, dass ich so abweisend war«, entschuldigte sie sich. »Ich dachte wirklich …«
»Ist schon gut. Sie mussten mich wohl für einen Einbrecher halten, wenn ich mich so spät am Tag hier herumtreibe. Glauben Sie mir, normalerweise laufe ich net mit Blut- und Mistflecken auf meiner Kleidung herum. Wobei … wenn ich es mir recht überlege, kommt das doch recht häufig vor.« Er lächelte schief. »In meinem Beruf gehört das dazu.«
»Und was machen Sie so spät noch bei uns?«
»Ihr Vater hat mich gebeten, nach dem Hörnerl zu schauen.« Er deutete auf die braun gefleckte Milchkuh, die neben ihm im Stroh stand. »Sie hatte eine schlimme Verstopfung und Schmerzen.«
»Jessas!« Neles Augen weiteten sich. »Das wusste ich net. Ich bin heute erst angekommen. Mein Vater hat net erwähnt, dass Hörnerl Probleme hat.«
»Es geht ihr wieder gut. Sehen Sie?« Er deutete auf die Kuh, die den Kopf vorreckte und gemächlich frische Heuhalme aus ihrer Raufe zupfte. »Sie frisst wieder. Das ist ein gutes Zeichen.«
»Mein Vater wird froh sein, das zu hören.« Die junge Bäuerin strich sich über die Stirn. Sie wirkte mit einem Mal unendlich müde und gar nicht mehr so kämpferisch wie noch vor ein paar Augenblicken. »Entschuldigen Sie bitte mein Misstrauen.«
»Ist schon vergessen. An Ihrer Stelle wäre ich wohl auch vorsichtig bei einem Burschen, der sich völlig verdreckt in meinem Stall herumtreibt.« Er lachte. »Wie kommt es eigentlich, dass wir uns noch nie im Dorf begegnet sind?«
»Ich wohne eigentlich ins Innsbruck, aber …« Sie stockte und führte nicht weiter aus, was sie zurück ins Zillertal geführt hatte. Ein Urlaub schien es nicht gewesen zu sein, wenn er den Kummer in ihren braunen Augen richtig deutete. Schon eher ein schlimmes Erlebnis.
Er hätte gern gewusst, was sie heimgeholt hatte, mochte aber nicht nachbohren. An manche Wunden rührte man besser nicht. Das wusste er aus eigener Erfahrung.
Daniel schloss die Tasche mit seiner Ausrüstung. Es war wieder ein langer Tag gewesen. Die Vertretung seines Kollegen verlangte ihm mehr ab, als er vorausgeahnt hatte, als er die Stelle angenommen hatte.
Jetzt freute er sich auf eine lange, heiße Dusche und ein, zwei Stunden mit einem guten Buch am Kamin seines Kollegen. Dr. Steiger hatte ihm die Gästekammer in seinem Haus überlassen, eine überaus gemütliche Unterkunft …
Oh, Nele taumelte plötzlich! Geistesgegenwärtig griff Daniel zu und stützte sie, ehe sie fallen konnte.
»Fehlt Ihnen etwas?« Er erschrak heftig, als er bemerkte, wie blass sie auf einmal war. »Kommen Sie, setzen Sie sich erst einmal hierher.«
Er nahm seine Tasche vom Schemel und drückte Nele sanft darauf nieder. Dann holte er seine Thermoskanne hervor und schenkte ihr einen Becher voll Kaffee ein.
»Er wird leider nur noch lauwarm sein, weil ich ihn schon vor Stunden gekocht habe, aber wenigstens enthält er Koffein....
| Erscheint lt. Verlag | 15.1.2019 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Der Bergdoktor | Der Bergdoktor |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
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| ISBN-10 | 3-7325-7580-2 / 3732575802 |
| ISBN-13 | 978-3-7325-7580-0 / 9783732575800 |
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